00:42
tim-pritlove
Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist, dem Podcast über Forschung und Bildung.
00:48
Und ja, mein Name ist Tim Brittlaff und ich begrüße alle hier zur,
00:52
man mag es nicht glauben, 100.
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Ausgabe dieser Reihe, die eine Weile auf sich hat warten lassen, weil es eine Pause gab.
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Ich betreibe jetzt diesen Podcast alleine weiter. Ja, hat eine Weile gedauert,
01:07
bis ich hier mir darüber im Klaren war, wie ich das jetzt hier fortsetzen möchte.
01:13
Und ja, eigentlich möchte ich es so fortsetzen, wie ich es auch bisher gemacht habe.
01:16
Das heißt, es geht hier auch weiterhin um Wissenschaft, es geht um Forschung,
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es geht um Bildung und all diese Themen werde mich allerdings,
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denke ich mal, in der nächsten Zeit vor allem nicht nur, aber auch um viel,
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was um Energie sich dreht, hier thematisieren.
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Und da dachte ich mir, zur hundertsten Folge, die jetzt so eine Weile hat auf
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sich warten lassen, nehme ich mir mal ein ganz besonderes Thema heraus und bin
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nach Greifswald gefahren zum Max-Planck-Institut für Plasmaphysik,
01:45
einem der beiden Standorte dieses Instituts.
01:49
Und ja, da bin ich jetzt und begrüße erstmal meinen Gesprächspartner,
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nämlich Thomas Klinger. Schönen guten Tag.
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thomas-klingner
Ja, schönen guten Tag.
01:55
tim-pritlove
Ja, Sie sind ja hier der Leiter der, jetzt habe ich die Formulierung natürlich
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wieder mal nicht parat, Stelleratordynamik und Transport. Das klingt ja ein bisschen speziell.
02:10
thomas-klingner
Wie Wissenschaft so ist, das ist der Name meines wissenschaftlichen Bereichs.
02:14
Das ist eine Aufgabe. Die andere Aufgabe ist, dass ich mich mit meinem ganzen
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Team um den Wendelstein 7X Stellarator selber als solches technisch und vom
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Betrieblichen her kümmere.
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Also ich habe da zwei Hüte auf.
02:29
tim-pritlove
Ja, dieser Standort, das ist der Ort, wo der große Prototyp steht für Fusionsenergie
02:36
und nach der Stellarator-Technik, deswegen halt auch der Name.
02:43
Vielleicht schauen wir erstmal, was macht eigentlich das Max-Planck-Institut
02:48
für Plasmaphysik und speziell, was macht dieser Standort, worauf konzentriert man sich hier?
02:56
thomas-klingner
Naja, wir konzentrieren uns wirklich komplett auf den Stellarator.
03:00
Also wir haben nur dieses eine Thema.
03:03
Nur, das ist eine große, sehr komplexe Maschine, die auch unsere gesamte Aufmerksamkeit
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sowohl technisch wie organisatorisch wie auch von der Wissenschaft her beansprucht.
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Insofern brauchen wir da gar nicht groß drüber philosophieren,
03:20
was unser Schwerpunkt ist. Unser Schwerpunkt ist alles, was den technischen
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und wissenschaftlichen Betrieb dieser wissenschaftlichen Großanlage betrifft.
03:32
tim-pritlove
Und groß ist sie ja auch, also ich glaube der Standort hier hat in etwa genauso
03:35
viele forschende Mitarbeiter wie in Garching an dem Hauptstandort,
03:40
größtenordnungsmäßig, ein bisschen weniger Verwaltung.
03:45
thomas-klingner
Nein, also es gibt auch in Garching noch etwas mehr technische Infrastruktur
03:49
und noch ein paar andere Aktivitäten, die für die Fusion wichtig sind,
03:54
die aber nicht direkt an die Maschinen gebunden sind.
03:57
Das sind so technologische Entwicklungen, sehr große Materialforschung,
04:00
die wir in Garching haben.
04:01
Also das ist einfach etwas anders aufgestellt, aber wir haben eben dort Themen,
04:06
die für uns hier in Greifswald mindestens genauso wichtig sind wie in Garching.
04:11
Aber die in Garching aus Strukturgründen angesiedelt sind.
04:15
tim-pritlove
Genau, aber dafür ist also sozusagen Greifswald dann im Wesentlichen gegründet
04:18
worden, um dieses Thema voranzubringen.
04:22
Da wird ja auch schon eine ganze Weile dran gearbeitet. Ich glaube,
04:24
den Standort gibt es hier seit 2010 ungefähr. Stimmt das?
04:28
thomas-klingner
Nein.
04:29
tim-pritlove
Nein? Bisschen länger noch?
04:30
thomas-klingner
Die Gründung des Standortes ist 1996 erfolgt, der Gründungsbeschluss.
04:37
Dann ist das Gebäude, in dem wir hier sitzen,
04:40
2000 in Betrieb genommen worden und seit
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1996 aufwärts ist die Realisierung dieser Maschine die Hauptaufgabe gewesen
04:57
und jetzt der Betrieb und Weiterentwicklung, Weiterausbau der Maschine.
05:01
tim-pritlove
Ja, wie sind Sie denn selber so zur Physik gekommen?
05:05
Wird mich ja mal interessieren, wie nimmt man denn da Fahrt auf in die Richtung?
05:11
thomas-klingner
Also in der Schule habe ich schon ganz gerne Physik gemacht.
05:16
Es war jetzt nicht so, dass das meine einzige Leidenschaft war.
05:20
Es war so ein bisschen undefiniert, wie das immer so ist. Ein bisschen die Berufsentscheidung,
05:25
das ist dann auch so ein mehrandreierender Prozess.
05:28
Eigentlich wollte ich mal zur See fahren, bin dann auch anderthalb Jahre zur See gefahren.
05:33
tim-pritlove
Ach echt?
05:33
thomas-klingner
Und da hatte ich die Nase voll.
05:35
tim-pritlove
Seekrank geworden?
05:36
thomas-klingner
Nee, ich werde nicht seekrank.
05:38
tim-pritlove
Okay, was war da nicht so schön?
05:40
thomas-klingner
Es war sehr kalt.
05:43
Und habe mich dann entschieden, doch zu studieren. Also das heißt,
05:47
ja, tatsächlich etwas zu studieren und habe mich dann für Physik entschieden.
05:52
In dem Sinne etwas zufällig.
05:54
tim-pritlove
Und dann war das einfach so?
05:56
thomas-klingner
Ja, ich hätte auch Ingenieurwissenschaften machen können, aber mein Bruder ist
05:59
Ingenieur und man macht niemals das, was der ältere Bruder macht.
06:03
tim-pritlove
Okay, aber wie kommt man dann so zur Plasmaphysik im Speziellen?
06:07
thomas-klingner
Da bin ich auch so reingeschlittert.
06:08
tim-pritlove
Einfach Zufall?
06:09
thomas-klingner
Ja, ich hätte auch elementarteilig ein Physiker werden können,
06:13
war ich fast, also durch schlichte Zufälle, auf die ich jetzt gar nicht eingehen will.
06:19
thomas-klingner
Bin ich dann einmal umgeschwenkt und dann in der Plasmaphysik erstmal gelandet
06:23
und über die Plasmaphysik dann in die Fusionsforschung so hinein geglitten.
06:30
tim-pritlove
Und wann sind Sie dann hier dazugekommen?
06:34
thomas-klingner
Nach Greifswald bin ich 1999 gekommen. Da hatte ich eine Professur an der Universität
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bekommen für Plasmaphysik.
06:41
Plasmaphysik ist ja größer als Fusionsforschung. Das ist ja ein ganzes Gebiet.
06:46
Und habe dann hier angefangen, eine Arbeitsgruppe aufzubauen,
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die sich mit Grundlagenaspekten der Plasmaphysik beschäftigt hat.
06:55
Und kurz danach, also schon kurz danach, ich hatte sowieso schon von früher
07:00
her Kontakte zum Max-Planck-Institut und nach zwei Jahren wurde ich da einfach
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vom Max-Planck-Institut gefragt, ob ich hier nicht mitmachen will.
07:09
tim-pritlove
Und so kam es dann einfach.
07:10
thomas-klingner
Ja.
07:12
tim-pritlove
Ich will jetzt mal so ein bisschen auf die Kernfusion selbst gehen.
07:18
Das ist ja, ich weiß nicht, ob man davon reden kann, dass es ein relativ neues Feld der Physik ist.
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Weiß man denn, wie Kernfusion abläuft?
07:34
Also wodurch hat sich sozusagen das Wissen gebildet, dass Kernfusion stattfindet,
07:42
möglich ist und wie es in der Sonne abläuft?
07:46
thomas-klingner
Ja, ich bin nur kein Kernphysiker, insofern bleibe ich da mal ein bisschen an
07:54
der Oberfläche, so in der Physikhistorie.
07:57
Das Ganze geht ja zurück auf das Verständnis der Struktur der Atomkerne überhaupt.
08:08
Kann man so hier Namen wie Ernest Rutherford nennen, der erstmal festgestellt
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hat, dass so ein Atomkern super klein ist und dass furchtbar viel Platz ist zwischen der Materie.
08:19
Das war so der erste Schritt, die Rutherfordischen Streuversuche,
08:23
damit fing das so langsam an.
08:25
Natürlich war ein großer Schritt, als festgestellt wurde, dass man,
08:29
also rein aus Zufall festgestellt wurde, dass man Kerne durch Beschuss,
08:34
durch Neutronenbeschuss spalten kann.
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Und da war der Umkehrschluss natürlich sehr naheliegend. Alles,
08:41
was man spalten kann, kann man auch wieder zusammenfügen.
08:44
Und man hat dann relativ schnell dann schon vermutet, dass da auch der umgekehrte
08:47
Prozess geht. Warum nicht?
08:49
Also da gibt es überhaupt kein physikalisches Argument, dass der Rückwärtsgang nicht geht.
08:55
Und hat sich diese Sache auch angeschaut, erstmal so rein spekulativ,
09:00
das war erstmal ein bisschen schwieriger zu erkunden.
09:04
Das Ganze war auch verbunden mit der großen offenen Frage, wie eigentlich die Sterne funktionieren.
09:11
Denn Kernspaltung fiel aus, dass die über Kernspaltung ihre Energie erzeugen.
09:17
Das konnte man einfach durch ein paar quantitative Rechnungen,
09:21
durch ein paar Zahlen konnte man das relativ schnell ausschließen,
09:23
dass das der Fall ist, chemische Verbrennung auch, kommt viel zu wenig bei rum.
09:29
Und dann blieb bloß noch die Fusion übrig. Das war dann so die Hypothese.
09:35
Und ich denke, das war Hans Beete, der der Sache dann wirklich auf die Spur
09:38
gekommen ist. Dann gab es noch etliche, die dann verwickelt waren,
09:40
später auch Weizsäcker.
09:43
George Gamow hat auch eine wichtige Rolle gespielt. Der russisch-amerikanische
09:48
Wissenschaftler, der oft schon vergessen ist.
09:50
Und da mussten eben viele Puzzlesteine zusammengesetzt werden,
09:53
bis man dann diese Zyklen,
09:58
diese Prozesse, diese Prozessketten, die im Inneren der Sterne stattfinden,
10:02
bis man die mal so hypothetisch aufstellen konnte und auf der Basis dieser Hypothese
10:07
dann eben Rechnungen durchführt, die wie üblich in der Physik mit Beobachtungen abgleicht.
10:15
Mit Plausibilitäten, mit Stabilität, mit Massebetrachtung und so weiter und
10:18
so weiter, ob das alles zusammenpasst.
10:20
Und das war im Prinzip dann überhaupt erstmal die Realisierung,
10:24
dass es eben diesen Elementarprozess gibt, also eben analog zur Kernspaltung,
10:29
entlang der Elemente, dass man eben die schweren Elemente spalten kann,
10:31
dass man eben leichtere Elemente auch miteinander fusionieren kann.
10:34
Und man kann alle möglichen Elemente miteinander fusionieren.
10:37
Das ist völlig beliebig, also nicht völlig beliebig, Aber man hat ein weites
10:41
Feld von leichten Elementen, die man miteinander fusionieren kann.
10:44
Und das hängt eben sehr von den Bedingungen
10:46
ab und von den entsprechenden Wahrscheinlichkeiten für die Fusion ab.
10:50
Gut, und damit war das einfach erstmal ein Gesamtbild, was man sich da von den
10:54
Kernkonstituenten gesetzt hat.
10:55
Dann kam später noch die ganze Elementarteilchengeschichte dazu,
10:58
wo man eben festgestellt hatte, dass diese Konstituenten, Protonen und Neutronen,
11:01
dass die dann nochmal weitere Konstituenten haben, also nochmal weiter innerlich
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zusammengesetzt werden.
11:07
Das war dann wieder eine ganz andere Thematik.
11:10
Die damit nicht so direkt verbunden ist, indirekt natürlich schon.
11:14
Gut, also das heißt, die Moral von der Geschichte hat eigentlich angefangen
11:18
mit dem Elementarprozess,
11:20
aber dann direkt auch die Übertragung auf den Prozess der Sterne und damit eben
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stellvertretend für die Sterne unserer Sonne abgebildet, weil das war bis dahin
11:30
noch, wusste man einfach nicht, wie es geht.
11:33
tim-pritlove
Und wodurch wird klar, dass dabei bei einer Kernfusion Energie freigesetzt wird?
11:42
thomas-klingner
Das ist eben halt ein kernphysikalischer Aspekt dabei.
11:45
Das ist der sogenannte Massendefekt, also indem man die Erkenntnis,
11:50
dass Masse und Energie letztlich das gleiche ist, das ist eben halt auch wieder
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verbunden mit Einsteins Relativitätstheorie, das ist die berühmte E gleich mc²,
11:57
also Masse und Energie ist einfach das gleiche und Energie lässt sich in Masse
12:00
und Masse in Energie umwandeln.
12:02
Das hat dabei eine Rolle gespielt und die Differenz der Bindungsenergie der
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Kerne, die sich dann letztlich in Masse manifestiert,
12:12
die wird einfach in kinetische Energie umgesetzt. Das ergibt sich einfach aus der Logik des Ganzen.
12:20
tim-pritlove
Okay. Und seit wann gibt es jetzt die Überlegung, das zur Energiegewinnung zu nutzen?
12:28
thomas-klingner
Das ging letztlich in den 50er Jahren los.
12:33
Also die Kernspaltung ist ja relativ früh schon erkannt worden als eine Energiequelle
12:41
und zwar letztlich in zwei Richtungen.
12:44
Also einerseits natürlich sehr prominent als Bombe.
12:49
Das heißt, da gab es ja diese ganze Oppenheimer-Geschichte, das Wettrennen um die Bombe.
12:55
Das ist ja letztlich auch einfach eine Freisetzung von sehr großen Mengen Energie, eine Vulgo-Bombe.
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Aber gleich parallel dazu hat man sich auch sofort dafür interessiert aus der Kernspaltung,
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Antriebsaggregate für U-Boote etwa zu entwickeln U-Boote müssen einfach lange tauchen können,
13:16
und Elektromotoren da ist die Batterie schnell alle also das hat die Tauchdauer
13:20
dann beschränkt deshalb war es eben halt sehr attraktiv einfach eine ja nicht ja also nicht.
13:29
Einen Nicht-Verbrennermotor zu haben, der aber sehr lange läuft.
13:33
Also deshalb ist das sehr früh schon vorangetrieben worden.
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Also sozusagen das Atom-U-Boot war so der Motivator dafür, den Leichtwasserreaktor zu entwickeln.
13:44
Und das lief dann so letztlich auch parallel mit der Bombenentwicklung, also Reaktor und Bombe.
13:53
Das ist am Ende vom Prozess her bei der Spaltung nicht so gut voneinander zu trennen.
13:58
Und das war aber sehr stark getrieben eben von diesem Rüstungsaspekt und von
14:02
diesem militärischen Aspekt.
14:03
Deshalb waren da einfach sehr viele Ressourcen, auch sehr viel Dringlichkeit,
14:08
denn wir kennen ja alle diese Geschichte.
14:10
Die war bei der Fusion erstmal nicht. Trotzdem war klar, dass es auch ein Prozess
14:15
ist, der Energieüberschuss, sogar noch effizienter Energieüberschuss produziert.
14:21
Hatte aber eben erstmal nicht diesen militärischen Aspekt, als später mit der
14:26
Wasserstoffbombe ist der so reingekommen, weil es ja sozusagen so ein Nachzünder,
14:29
den man dann noch auf die Atombombe raufsetzt.
14:32
Die funktioniert ja nicht super für sich.
14:35
Aber auch so im Rahmen dessen ist dann so klargekommen, naja,
14:39
jetzt muss man sich das auch mal angucken, ob man daraus nicht ein Kraftwerk
14:42
bauen kann. Und das fing so in den 50er Jahren an.
14:46
Und also so nach dem zweiten Weltkrieg eigentlich ernsthaft.
14:50
Und da hat anfänglich hat es da viel Euphorie gegeben.
14:55
So in dem Sinne, das dürfte ja eigentlich gar nicht so schwer sein.
15:00
Und aus der Zeit kommen auch noch sehr optimistische Vorhersagen.
15:05
Das war sowieso so eine Euphorie, wenn Sie da in die 50er Jahre gehen.
15:08
tim-pritlove
In allen Feldern eigentlich.
15:10
thomas-klingner
Ja, auch eine große nukleare Euphorie. Sowohl Spaltung wie auch Fusion.
15:15
Also das heißt, das war so die Zukunft. Und das war auch fast wie ein Heilsbringer.
15:23
Das Ganze wurde so behandelt.
15:25
tim-pritlove
Unendliche Energie.
15:27
thomas-klingner
Ja, und keine Nachteile, nur Vorteile und Energie für jeden.
15:32
Also wie gesagt, das war eine euphorische Zeit.
15:34
Aus solchen Euphorien heraus kommen natürlich auch manchmal etwas überoptimistische Vorhersagen.
15:41
Und das ist dann auch der Geburtsort für den ältesten Fusionswitz.
15:48
Das ist eine Energie, die immer 50 Jahre entfernt ist.
15:53
Denn man hat sich ja damals schon zu solchen recht optimistischen Vorhersagen
15:58
treiben lassen, dass man sagt, innerhalb dieses Jahrtausends schaffen wir es auf jeden Fall.
16:02
Also 1950, das heißt innerhalb des 20. Jahrhunderts.
16:07
Da gab es eben einige Warne, die gesagt haben, das sieht nicht so einfach aus.
16:12
Und dieses Jahrhundert können wir irgendwie vergessen, das wird nichts.
16:15
Aber auf die hat keiner gehört.
16:17
Die Presse hat nur die Optimisten zitiert. Und damit ist dann dieses Etikett
16:21
dann gleich kleben geblieben, denn wir haben es ja immer noch nicht.
16:24
Das Jahrtausend ist vorbei, wir haben es immer noch nicht und da müssen wir
16:27
uns immer wieder anhören, was ist denn das für eine traurige Geschichte.
16:33
Und wenn man uns jetzt fragt, sagen wir auch zweite Hälfte dieses Jahrhunderts
16:38
und dann hört sich das halt nach so einem Moving Target an,
16:40
wie nach der berühmten Möhre, der der Esel die ganze Zeit hinterherläuft,
16:44
obwohl sie eben halt an einer Angel vorhin gehalten wird und der Esel realisiert
16:48
das nicht, so eselig sind wir gar nicht.
16:51
Aber inzwischen hat man einfach besser verstanden, was das für eine harte Nuss ist.
16:56
Die da geknackt werden muss und auch, was die Bedingungen sind,
16:59
die man schaffen muss, um diesen Elementarprozess wirklich effizient auf die Beine zu stellen.
17:05
Denn Fusion an sich zu machen, ist ein Elementarprozess. Das ist total einfach.
17:08
Das kann jeder im Keller machen.
17:09
Da gibt es Wikipedia-Artikel, wie man Fusion macht, braucht man echt nicht viel.
17:13
Braucht man ein Hochspannungsnetzgerät, eine Pumpe, fertig. Das ist wirklich nicht viel.
17:18
tim-pritlove
Und was hat man dann fusioniert im Keller?
17:20
thomas-klingner
Da hat man dort fusioniert.
17:22
thomas-klingner
Dann kommen ein paar Neutronen raus, kann man zählen. 3, 4, 5, 10,
17:26
100, paar tausend, nützt aber nichts nicht, weil das, was man in Energie reinsteckt,
17:31
um das zu machen, ist eben halt mehrere Größenordnungen über dem,
17:36
was man aus den Neutronen rausholen könnte.
17:39
tim-pritlove
Und das ist ja nicht so ganz die Idee dabei.
17:42
thomas-klingner
Nee, also negative Energieverluste erzeugen, das ist ja nicht so schwierig.
17:47
Aber einen Energieüberschuss zu erzeugen, dafür braucht man eben viele Fusionsprozesse.
17:51
Und einer hohen Dichte, das heißt viel pro Sekunde und Kubikmeter.
17:58
tim-pritlove
Okay, jetzt stellt sich natürlich dann die Frage, wie hat man sich auf den Weg
18:04
begeben, darüber nachzudenken, wie man dieses Missverhältnis aufheben kann?
18:09
Also wie baut man dann ein Fusionssystem, wo dann am Ende mehr Energie bei rauskommt,
18:14
als man reingesteckt hat? Weil das ja dann letzten Endes ist das Ziel.
18:18
Wo fängt man da an?
18:21
thomas-klingner
Also wenn wir jetzt von der Magnetfusion reden, jetzt müssen wir eine Abzweigung nehmen.
18:28
Das ist ja das Geschäft, was wir hier betreiben, auch das Geschäft,
18:31
mit dem ich mich jetzt ja lange beschäftige und mehr oder weniger gut auskenne.
18:40
Da ist es definitiv ein Volumeneffekt. Also das heißt, man braucht Volumen.
18:48
Warum? Die Fusion, also dieser Elementarprozess, der passiert ja im Volumen.
18:54
Also wir haben ein Gas, ein heißes Gas, also eine Anzahl von Atomen da drin,
18:59
von Kernen da drin und die haben eine bestimmte Wahrscheinlichkeit miteinander zu fusionieren.
19:06
Und wenn man halt viele nimmt bei einer gegebenen Dichte, die Dichte ist nicht
19:12
beliebig, die muss man an einem richtigen Punkt einstellen und dann braucht
19:16
man für viele einfach Volumen,
19:19
um genügend Einzelelementarprozesse, sozusagen Verbrennungsprozesse zu haben,
19:23
was dann aufsummiert Energie ergibt.
19:27
Die Verluste, die unvermeidlichen Verluste, die gehen alle durch die Oberfläche.
19:35
Verluste zur Wand. Denn die Wand ist kalt und das Gas, dieses Plasma muss heiß sein.
19:43
Dieser Wärmeverlust, der drückt dann die Temperatur dieses Gases, dieses Plasmas runter.
19:49
Und wenn die Temperatur runtergedrückt wird, wird die Fusionswahrscheinlichkeit immer kleiner.
19:55
Also muss man dafür sorgen.
19:58
tim-pritlove
Dass es heiß bleibt.
19:59
thomas-klingner
Also es muss heiß sein, es muss eine bestimmte Dichte haben.
20:02
Und dieses Heißsein, das erfordert eben Wärmeisolation.
20:07
Denn es ist umgeben von einer kalten Wand, die ist wie so eine Kühlfläche.
20:12
Dagegen muss das Wärme isoliert werden. Und die Isolation ist natürlich an der Oberfläche.
20:18
Das heißt also, das Volumen zur Oberfläche-Verhältnis ist kritisch.
20:22
In anderen Worten, so eine Tabletop-Fusionsanlage, wie man sie sich in den 50er Jahren überlegt hat,
20:29
wie es so nach den Erkenntnissen zu der Zeit aussah, dass man es so machen könnte,
20:35
Das mussten wir bitter lernen, die gibt es nicht.
20:38
Dazu sind die Verluste zu groß. Unvermeidliche Verluste.
20:42
tim-pritlove
Denn die Bedingungen auf der Sonne sind ja nun mal ganz andere.
20:44
Da gibt es sehr viel davon. Es ist alles sehr dicht, es ist alles sehr heiß.
20:50
Und obwohl die natürlich eine große Oberfläche hat und es auch ziemlich kalt
20:53
drumherum ist, ist die Hitze und die Dichte innerhalb der Sonne so extrem,
20:58
dass Fusion permanent stattfindet.
21:00
thomas-klingner
Ja, die Sonne ist erstmal groß. Das hilft.
21:04
Dann hat sie bezogen auf das Plasma einen nochmal deutlich, deutlich extremeren Materiezustand.
21:11
Vor allem die Dichte ist erheblich höher als das, was wir mit vernünftigen Aufwand
21:17
hier auf der Erde herstellen können, zumindest so als kontinuierliches System.
21:20
Wir reden im Zentrum der Sonne, wo die Fusion stattfindet von einer Materiedichte,
21:25
die etwa Faktor 1000 höher ist als unsere Festkörperdichte, unsere konsensierte
21:30
Materie, die uns umgibt.
21:32
Also unsere ganze Welt besteht ja im Großen und Ganzen aus kondensierter Materie.
21:35
Also Steine, Wasser, letztlich auch Luft kann man da gut dazu zählen.
21:41
Nicht ganz, das ist ein Übergang.
21:43
Aber das ist ja alles tausendmal Dichte. Also das heißt wirklich ordentlich
21:46
hohe Dichte und dann eben ordentlich hohe Temperatur.
21:49
Und dann nimmt sich die Sonne einfach das Volumen und Zeit. Das heißt man wartet.
21:55
Die Sonne kann warten.
21:57
Und diese Kombination aus all den Dingen, die ist nicht gut. denn,
22:04
Solchen Materiezustand können wir auf der Erde nicht mit vernünftigem Aufwand erzeugen.
22:10
Und wenn ja annähernd für Nanosekunden, also für winzige Bruchteile von Sekunden,
22:17
das ist das, was man in der Laserfusion versucht.
22:19
Da nähert man sich tatsächlich dem Materiezustand im Zentrum der Sonne so halbwegs
22:24
an und versucht also auf die Art und Weise das zu machen.
22:27
Das ist aber offenbar eben halt ein Kurzzeitprozess. Also ein ganz kurzer Blitz, der so erzeugt wird.
22:35
Also für einen Bruchteil in der Sekunde erzeugt man mal ein tatsächlich sonnenartiges Plasma.
22:40
tim-pritlove
Minisonne.
22:40
thomas-klingner
Die berühmte Minisonne.
22:44
Darüber will ich hier auch gar nicht viel referieren. Das ist nicht unser Geschäft.
22:47
Das ist ein komplett anderer Zweig der Plasmaphysik, mit dem ich mich nicht
22:52
nur peripher beschäftige, weil er so anders ist.
22:57
Den gibt es auch. Das ist der andere Pfad.
23:00
Nebenbei gesagt, der ist auch schwierig. Da darf man sich nichts vormachen,
23:04
dass man sagt, das ist die Abkürzung zu der Fusionsenergie auf Erden.
23:09
Das ist auch ein sehr hartes Brot aus anderen Gründen. Aber wir wollen uns da
23:13
nicht so sehr verheddern jetzt.
23:15
Wir machen eben halt, die magnetische Fusion, die wir hier in Greifswald machen,
23:21
basiert auf sehr dünnen Plasmen.
23:23
Nicht sehr dünnen, sehr heißen Plasmen. Aber dieses sehr dünnen ist entscheidend.
23:28
tim-pritlove
Also dünn im Sinne von nicht so dicht?
23:30
thomas-klingner
Ja, Materiedichte. Also dünn, muss man es in eine Perspektive zu setzen.
23:35
Wir reden etwa von Faktor 100.000 dünner als die Luft, die wir atmen.
23:38
Also wirklich dünne Luft.
23:40
Also wenn man so in die Atmosphäre nach oben reißt, irgendwann wird die Duft halt immer dünnert.
23:47
Nicht so, das heißt wir sind dann irgendwo in der Jonsphäre oder sowas,
23:50
also schon ganz oben in unserer Atmosphäre, wo bloß Reste davon sind.
23:54
Das heißt, es ist sehr dünne Materie, die kann man mit einem Vertretbaren Aufwand sehr heiß bekommen.
23:58
Hat den Vorteil, wenn man das miteinander multipliziert und mit den Faktoren
24:02
versieht, die man da vorschreiben muss, dann kriegt man einen Druck.
24:05
Und dieser Druck, das sind so,
24:08
Drei bis fünf Bar als Gasdruck.
24:13
tim-pritlove
Also so Fahrradreifen.
24:14
thomas-klingner
Fahrradreifen, das hört sich so an, als könnte man das hinbekommen. Nicht so technisch.
24:19
Bei der Sonne reden wir von Gigapascal, also von ganz anderen Drücken.
24:25
Also das sind einfach diese typischen astronomischen Dimensionen,
24:27
die also nur bei der Sonne durch Gravitation zusammengehalten werden können,
24:31
weil die Sonne einfach so riesig ist.
24:34
Also einen Gravitationseinschluss kann man auf der Erde nicht machen.
24:38
tim-pritlove
Aber wir brauchen auf jeden Fall diesen Plasmazustand dieses Gases,
24:43
auch wenn es nicht so dicht ist.
24:45
Und man muss dem entgegenarbeiten, dass es nicht all die Wärme,
24:49
die es braucht, um das aufrecht zu erhalten, sofort wieder verliert.
24:53
Also muss man es in irgendeiner Form einpacken, einschließen,
24:57
bei sich behalten, um sozusagen einen kontrollierten Ort zu haben,
25:01
in dem eine Fusionsreaktion dann mehr oder weniger von alleine stattfindet.
25:06
thomas-klingner
Das ist quasi ein Gefäß. Aber es ist ein immaterielles Gefäß.
25:11
Denn auch dieses dünne Gas wohnt erstmal in einem Stahlgefäß.
25:18
Und das Stahlgefäß ist halt kalt, hat Raumtemperatur.
25:22
Und man muss dann noch für die Isolation noch ein immaterielles Gefäß schaffen,
25:27
was dieses heiße Gas von den Wänden trennt.
25:31
Das ist eben diese Wärmeisolationsaufgabe. Ansonsten hätte es einfach durch
25:34
den Wärmekontakt, hätte das Gas Wandtemperatur. Und die reicht nicht.
25:39
Dann passiert keine Fusion, sondern für Fusion braucht man tatsächlich exotisch hohe Temperaturen.
25:45
Wir reden da so von 100, Größenordnung 100 Millionen Grad, was sich ganz erschreckend anhört.
25:52
Man muss da aber im Kopf behalten, wir reden von einem sehr dünnen Gas.
25:57
Und unser Temperaturbegriff, der ist ja ganz stark geprägt von der kondensierten
26:01
Materie, also von der Tasse Tee oder von einer Herdplatte, das ist alles feste Materie.
26:08
Und da sind 100 Grad oder 1000 Grad schon alles sehr heiß.
26:14
1000 Grad ist schon verflixt heiß, also nicht unvorstellbar heiß,
26:18
aber schon sehr, sehr heiß.
26:19
Wenn wir von Lava reden, dann sind es um 2000 Grad und das ist so der Erfahrungsbereich
26:23
und da hört sich 100 Millionen Grad natürlich irre an, ist es aber nicht,
26:28
weil wir von einem sehr dünnen Gas reden.
26:31
Und Temperatur ist ja in der Physik nichts anderes als eine Begrifflichkeit für Geschwindigkeit.
26:37
tim-pritlove
Die Geschwindigkeit der Atome.
26:38
thomas-klingner
Die Geschwindigkeit der Atome, der individuellen Atome in einem statistischen Mittel.
26:45
Und wir müssen einfach nur diese Atome auf dieses Tempo bringen und beim dünnen
26:49
Gas ist das sehr gut machbar.
26:51
Allerdings beim Kontakt wieder mit der festen Materie, mit dem Kessel,
26:56
würde man dieses Gas einfach nicht viel mehr als auf Raumtemperatur bekommen.
27:00
Das heißt, man braucht eine Isolation und das ist ein immaterieller zweite Lager,
27:03
ein zweites Gefäß. und das sind die berühmten Magnetfelder.
27:07
tim-pritlove
Die das einschließen, das Plasma, damit es sozusagen bei sich bleibt und sie wärmen nicht ab.
27:11
thomas-klingner
Man muss sich das wie ein Gefäß vorstellen. Wie so eine zweite Wand.
27:17
Die zwischen der materiellen Wand, der Stahlwand, und dem eigentlichen Plasma
27:22
ist, was man heiß machen möchte.
27:26
Kein Styropor ist nichts Materielles, sondern eine immaterielle Isolation.
27:30
Aber es ist de facto eine weitere Lage, ein weiteres Gefäß, was man dazwischen packt.
27:34
Und die Form dieses Gefäßes, diese Form dieses Immateriellen,
27:38
dieses magnetischen Gefäßes, die ist sehr wichtig.
27:42
tim-pritlove
Klingt jetzt erstmal nach einem Rohr. Ja. Also man hat so einen außen umschließenden
27:47
Mantel und dann soll das Plasma in der Mitte sein und durch Magnete hält man
27:52
es sozusagen von dieser eigentlichen Wand des Rohres fern.
27:56
thomas-klingner
Ja, also erstmal, also ein Rohr ist erstmal schon mal ein guter Ansatz.
28:00
Damit haben wir auch angefangen. Erstmal mit einem geraden Rohr.
28:03
Da hat man festgestellt, ein gerades Rohr hat natürlich zwei Enden.
28:09
tim-pritlove
Wie die Wurst?
28:10
thomas-klingner
Ja, die Wurst, so zwei Enden. Nur die Wurst hat zwei. Und an diesen Enden,
28:14
das sind automatische Verlustflächen.
28:17
Denn da steht dieses immaterielle Gefäß einfach in Kontakt wieder mit der kalten Wand.
28:23
Das heißt, man ist gut beraten, dieses Rohr zu einem Ring zu biegen.
28:27
Denn damit kann man die Magnetfeldlinien schließen.
28:29
tim-pritlove
Aber man könnte doch auch die Magnetfelder an den Seiten so ausrichten,
28:32
dass es auch an da nicht rankommt.
28:34
thomas-klingner
Ja, hat man auch versucht. Also man hat das so zugequetscht.
28:37
Das sind sogenannte Spiegelmaschinen, um diesen Kontakt mit der Wand zu verringern.
28:43
Das hat auch was gebracht, aber es war am Ende dann doch nicht genug.
28:46
Er hatte doch zu große Verluste.
28:50
Denn das ist einfach ein nicht verhinderbarer Kontakt zwischen diesem Magnetfeld und der Wand.
28:57
Da stoßen die Magnetfeldlinien auf die Wand und das bedeutet einen Kontakt.
29:01
Das ist wie eine Lücke in der Isolation, wie ein Loch in der Isolation,
29:06
was man bei seinem Haus auch gar nicht haben würde.
29:08
tim-pritlove
Und damit dieser Ansatz dann sozusagen kein Ende findet, hat man die Enden einfach
29:12
weggelassen und das Ganze ist dann im Ring gemacht.
29:14
thomas-klingner
Wenn eine Wurst kein N haben soll, dann biegt man die Wurst zu einem Wurstring.
29:18
Und dann hat man einen Wurstring.
29:20
Also insofern wollen wir nicht zu sehr mit solchen kulinarischen Vergleichen
29:26
uns damit zufriedenstellen.
29:28
Aber es hilft ein bisschen die Vorstellung zu machen. Es wird oft vom Donut
29:31
gesprochen, also das ist am Ende egal.
29:34
tim-pritlove
Sagen wir korrekt Torus.
29:36
thomas-klingner
Ja, Torus ist der mathematische Begriff. Der ist nicht ganz so alltäglich.
29:41
Aber es ist ein Torus, also es ist ein Ring. ein Torrüssel, der vom Magnetfeld erfüllt ist.
29:46
So, das ist dann der erste Punkt. Also da waren wir auch schon 1950.
29:53
Wenn die magnetischen Feldlinien dieses Rings, wenn man die einfach so belässt,
29:59
also das Rohr zu einem Ring biegt und das so belässt,
30:06
dann muss man sich mit einem unangenehmen Effekt auseinandersetzen,
30:12
der so ein Klassiker der Plasmaphysik ist.
30:14
Durch die Tatsache, dass die Magnetfeldlinien dann ja gekrümmt sind,
30:18
nicht mehr gerade, sondern gekrümmt,
30:21
und dass sie durch das Zusammenbiegen auf der Innenseite enger liegen als außen, auch sehr logisch,
30:27
bekommen also einerseits eine Krümmung der Magnetfeldlinie, logisch,
30:31
zweitens auch noch eine Inhomogenität, also eine Veränderung des Magnetfeldes.
30:37
tim-pritlove
Ungleichförmigkeit.
30:38
thomas-klingner
Ungleichförmigkeit. Und beides führt dazu, dass diese geladenen Teilchen einem
30:43
in in der radialen Richtung, das heißt also senkrecht zu den Magnetfeldlinien rausdriften.
30:51
Also diese Teilchen machen eine Gyrationsbewegung in die Magnetfeldlinien herum
30:55
und sehen, während dieser Gyrationsbewegung einerseits die Krümmung,
31:00
andererseits die Inhomogenität und jedes Mal kriegen sie sozusagen so einen
31:03
kleinen Versatz unserer Unwucht.
31:07
Das ist wie so eine Fliehkraft, kann man sich so fast vorstellen.
31:10
Auf jeden Fall beginnen die radial sich rauszubewegen, also senkrecht zu dem
31:15
Magnetfeld in sich rauszubewegen. Und das hört sich schon nicht gut an.
31:19
Weil damit transportieren sie Teilchen, aber auch die Wärme,
31:22
die sie tragen, nach außen. Damit hat man wieder den Wärmeverlust.
31:26
Das wurde schon sehr früh erkannt. Und ganz einfacher Trick,
31:31
den man da macht, man verdreht diese magnetischen Feldlinien,
31:33
um dieses Rausdriften zu kompensieren, so als grobes Bild.
31:38
Das heißt, sie müssen nicht nur regnförmig sein, sie müssen auch in sich verdreht sein.
31:43
Und dieses Verdrehen, das muss man eben halt in den Magnetfeldern noch zusätzlich erreichen.
31:50
Denn das Magnetfeld an sich kann man erstmal mit einem Satz von Magneten erzeugen,
31:55
von Elektromagneten erzeugen, die man also einfach ringförmig aufstellt und
31:58
dann hat man ein ringförmiges Magnetfeld.
32:00
Das hat aber noch nicht die Verdrehung.
32:03
tim-pritlove
Für die Verdrehung muss man sozusagen diese Spulen, die ja letztlich dieses
32:07
Magnetfeld erzeugen, selbst auch nochmal ihrer Gleichförmigkeit berauben.
32:12
thomas-klingner
Das ist eine Möglichkeit, entweder indem man einen weiteren zusätzlichen Spulensatz
32:17
spendiert, der die Verdrehung übernimmt, nicht so eine Kombi.
32:21
Oder wie beim Wendelstein, indem man diese Spulen nicht mehr einfach belässt,
32:26
sondern diese Verdrehung in die Spulen hineingießt.
32:29
Und das heißt, das Verdrehen der magnetischen Feldlinien durch die Formgebung der Spulen erreicht.
32:39
Das ist das Stellaratorprinzip dabei.
32:41
tim-pritlove
Genau und damit sind wir sozusagen bei dem Prinzip der Installation,
32:44
die jetzt hier in Greifswald gebaut worden ist, angekommen.
32:48
Das ist aber nicht der einzige Ansatz, den man jetzt verfolgt hat.
32:52
Es gibt ja noch mit Tokamak noch ein zweites Prinzip, was ähnlich funktioniert, aber anders.
33:00
thomas-klingner
Ja, das schließt genau an das an, was wir gerade gesagt haben.
33:04
Diese Verdrehung der magnetischen Feldlinien kann man auch erreichen,
33:09
indem man einen sehr starken Strom in das Plasma hineinbringt.
33:14
Und dieser starke strom erzeugt für sich wiederum ein magnetfeld und das magnetfeld
33:21
was dieser starke strom erzeugt kombiniert mit dem magnetfeld was der strom
33:27
in den spulen erzeugt erzeugt dieses verdrehte magnetfeld das ist das tokamark prinzip.
33:32
tim-pritlove
Also zwei ansätze sozusagen um dasselbe ziel.
33:34
thomas-klingner
Zu erreichen ja und hat eben ja die,
33:40
Spezialität, dass man eben halt einen Strom in das Plasma rein zaubern muss.
33:43
tim-pritlove
Ja. Also abgesehen von dem, also wenn wir von Wendelstein sprechen,
33:49
das ist der Name des Projektes hier, also der Name dieses,
33:55
Forschungsreaktors, der hier gebaut wird. Ich glaube, der Grund ist ein Berg,
34:00
Wendelstein ist ein Berg in Bayerischen Alpen.
34:04
thomas-klingner
In Bayerischen Alpen.
34:06
tim-pritlove
Weil das so ein hohes Ziel ist, was man hier erreichen will.
34:10
thomas-klingner
Ach, das hat historische Gründe, diese Benennung nach Bergen.
34:16
Geht zuletzt zurück auf die allerersten Stelleratoren, die an der Princeton
34:23
University gebaut wurden, von dem US-amerikanischen Astrophysiker Lyman Spitzer.
34:30
Der war halt begeisterter Bergsteiger und mochte sehr die Alpen und hatte seine
34:38
Maschine oder sein Projekt, hatte den Kennnamen Project Matterhorn.
34:46
Und das war die Inspiration hier für die deutsche Aktivität auf dem gleichen Gebiet.
34:52
Also als man so gesehen hat, was da in Princeton getrieben wurde,
34:55
wollte man sich da in dieser Richtung auch engagieren.
34:59
Und das war die Inspiration dafür, das nach einem anderen Berg zu benennen,
35:04
also nach einem bayerischen Berg, weil es da die Aktivität in Garching gestartet
35:08
war. Und da hatte man den Wendelstein genommen.
35:11
Erstens, weil das ein allgemein bekannter Berg dort ist.
35:14
Das ist ein Ausflugsberg und ich habe mir auch mal sagen lassen,
35:18
dass der Fußweg da hoch auf solchen Serpentinen, solchen sehr gewendelten Faden
35:25
geht, weshalb er vielleicht auch so heißt, aber ich weiß es nicht,
35:27
vielleicht ist das auch irreführend.
35:29
Und das war so ein weiteres Element, was eben mit dieser Geometrie der Magnete
35:37
verbunden ein inspirierendes Element war.
35:41
Am Ende ist es ein Wendelstein geworden und dieser Name ist eben seit den 60er
35:45
Jahren beibehalten worden und hat dann auch hier eine Heimat gefunden.
35:51
tim-pritlove
Genau und es gibt es in mehreren Versionen, jetzt sind wir irgendwie bei Version
35:53
7. Das X, was da noch dabei ist.
35:57
thomas-klingner
Ist auch alles alles historie also es gab ein
36:01
wendelstein 1 es gab ein wendelstein 1 a 1 b
36:03
es gab ein 2 2 a 2 b 3 4 5 und 6 sind nie gebaut worden gab es ein wendelstein
36:11
7 dann gab es ein wendelstein 7 a dann gab es ein wendelstein 7 as und dann
36:18
gibt es jetzt hier den wendelstein 7x als neueste version,
36:24
Und warum man bei sieben kleben geblieben ist, können Sie die Frage,
36:27
hätte ich auch sieben, acht, neun, zehn oder sowas machen.
36:30
Das sind immer so ein bisschen Geschmackssachen. Am Ende ist Wendelstein 7 denn
36:34
so in den späten 70er Jahren auch zu einer Marke geworden.
36:38
Und da wollte man diese Marke nicht mehr ändern.
36:41
tim-pritlove
Okay, Branding.
36:42
thomas-klingner
Auch in der Physik gibt es Marketing.
36:44
tim-pritlove
Marketing und beliebte Namespaces, hier sind es dann halt einfach die Berge.
36:49
Aber ich habe das jetzt vor allem erwähnt, um mal die Begrifflichkeiten klarzumachen,
36:53
was jetzt hier eigentlich was ist.
36:55
Stellarator ist halt das Bauprinzip.
36:58
Wendelstein ist die konkrete Installation, die hier betrieben wird.
37:03
Die Tokamak-Reaktoren werden an anderen Standorten gebaut, aber auch vom Max-Planck-Institut
37:09
gibt es, glaube ich, eine Tokamak-Installation.
37:12
thomas-klingner
Wir haben eine Tokamak-Versuchsanlage in Garching.
37:16
tim-pritlove
Genau, und dann gibt es noch ein großes System in ITER in Frankreich,
37:21
was ein sehr internationales Projekt ist.
37:25
thomas-klingner
Und man darf das auch nicht zu sehr auseinander dividieren. Also beides ist
37:28
magnetischer Einschluss, beides ist ringförmig, ist in dem Sinne wieder sehr ähnlich.
37:35
Es gibt, wenn man so mit einem Satz den Unterschied zwischen Stellarator und
37:40
Tokamak diesen beiden Sublinien im magnetischen Einschluss beschreiben will,
37:46
dann kann man sagen, im Tokamak muss ein starker Strom im Plasma fließen.
37:51
Im Stellarator kann man auf den verzichten.
37:54
Die Gründe haben wir schon erwähnt. Der starke Strom im Plasma des Tokamax erzeugt
37:58
die Verdrillung der Magnetfeldlinien.
38:00
Beim Stellarator wird die Verdrillung der Magnetfeldlinien durch die Formung der Spulen gemacht.
38:05
tim-pritlove
Genau. Kommen wir vielleicht nochmal kurz zu diesem Plasma selbst.
38:09
Klingt ja, ist ja so ein schönes Wort. Bei Plasma haben glaube ich alle immer
38:13
so Plasma-Lampen irgendwie vor Augen.
38:15
thomas-klingner
Aber ganz auf Augenblutplasma. Das höre ich oft.
38:20
tim-pritlove
Das ist mir jetzt nicht eingefallen. Okay, naja gut. Aber ja.
38:27
Was genau ist jetzt drin in der Röhre? Welchen Braten schiebt man jetzt sozusagen rein?
38:34
Woraus macht man das Plasma?
38:37
thomas-klingner
Wir haben ja schon über Gas gesprochen. Also wir reden von einem dünnen Gas.
38:42
So zur Orientierung unserer Anlage, die wir hier stehen haben.
38:47
Ich rede übrigens gar nicht so gerne vom Reaktor.
38:51
Können wir noch vertiefen.
38:52
tim-pritlove
Sondern von?
38:54
thomas-klingner
Die Anlage. Oder Maschine. Wir nennen sie auch gerne die Maschine.
38:59
Das klingt ein bisschen kräftiger.
39:00
tim-pritlove
Aber da reagiert schon Sachen zu.
39:02
thomas-klingner
Nee, da reagiert nichts.
39:04
tim-pritlove
Da reagiert nichts?
39:05
thomas-klingner
Zurzeit gar nichts. Also das heißt in dieser Anlage zur Orientierung,
39:11
wenn wir dort von dem Gas reden, ist das sowas wie 0,01 Gramm.
39:17
Also wirklich wenig Gas.
39:19
tim-pritlove
Von? Wasserstoff.
39:21
thomas-klingner
Wasserstoff. Was wir dort reinfüllen. Also alles fängt mit dem Gas an.
39:26
Man füllt also Wasserstoff, Gas, dieses niedrigdichte Gas ein.
39:32
Dieses Gas wird ionisiert, sprich es wird Energie eingekoppelt.
39:41
Und diese Energie ist hoch genug, dass die Atomverbünde auseinanderfallen.
39:47
Das ist gar nicht schwer, das
39:48
geht relativ schnell. Das passiert schon bei relativ geringen Energien.
39:52
Und wenn diese Atomverbünde zerfallen sind, dann besteht dieses Gas dann nicht
39:58
mehr aus neutralen Wasserstoffatomen oder Molekülen,
40:02
sondern nur noch aus den Wasserstoffkernen und freien Elektronen.
40:09
Und da reden wir von den Ionen und den Elektronen.
40:13
Und dieses Gemisch aus Ionen und Elektronen, die nicht mehr aneinander gebunden
40:16
sind, sondern sich frei bewegen können, diesen Materiezustand bezeichnet man als Plasma.
40:22
Das hört sich ganz skurril an, ist auch nicht unmittelbar ein Alltagsphänomen,
40:29
wenn wir jetzt hier auf der Straße spazieren gehen.
40:31
Kann es aber werden, wenn man nördlich genug ist und dort mal ein Nordlicht hat.
40:38
Ein Nordlicht ist ein Plasmazustand in der oberen Atmosphäre.
40:41
tim-pritlove
Die Auroren.
40:43
thomas-klingner
Die Aurora Borealis oder...
40:46
Die südliche Version davon. Man kann auch so kleine Plasmen haben in einer Gewitterstimmung.
40:52
Das St. Elmsfeuer, Segler kennen das. Das heißt einfach eine Lichterscheinung an der Massspitze.
40:57
Auch dort passiert so eine Inonisierung des atmosphärischen Gases.
41:01
Oder etwas spektakulärer, ein Blitz. Ein Blitz ist auch ein Plasma.
41:05
tim-pritlove
Oder eine Kerze.
41:06
thomas-klingner
Eine Kerze ist ein bisschen an der Grenze. Da sind wir Plasmaphysiker streng.
41:11
Das ist ein böser Grenzfall.
41:14
Ja, das leuchtet, das ist auch ein bisschen ionisiert, aber wir haben ja Kriterien
41:18
dafür, wann es ein Plasma ist und wann nicht.
41:21
Das ist ein übler Grenzfall.
41:24
Also das spielt nicht mehr nach den Spielregeln, nachdem sich ein Plasma verhält,
41:30
weil eine Kerze hat zu wenig Ionisation.
41:33
Der Ionisationsgrad ist sehr niedrig. Und damit beginnen die Effekte,
41:37
die für ein Plasma wichtig sind, marginal zu werden.
41:39
Alles ist von dem neutralen Gas und von der Chemie bestimmt.
41:42
Und damit ist das so ein bisschen außerhalb unseres Schirms.
41:46
Es gibt auch keine scharfe Grenze.
41:48
Also es gibt keinen Punkt, wo man sagt, jetzt ist es ein Plasma.
41:52
Sondern das ist ein weicher Übergang. Man darf sich das nicht wie so einen Phasenübergang
41:57
vorstellen, wie Schmelzen von Eis, sondern das kriecht so rein,
42:03
die Plasma-Eigenschaft in das Gas.
42:05
Also das ist auf jeden Fall so die Definition eines Plasmas,
42:09
dass wir eben in dem Sinne ein geladenes Gas haben und die Ladung wird aus den
42:14
Konstituenten, aus jedem Teilchen selbst bereitgestellt.
42:19
Aber die Gesamtladung ist de facto null, weil es ist immer gleich viel Plus wie Minus.
42:25
tim-pritlove
Genau, aber Wasserstoffatron besteht ja im Wesentlichen eigentlich nur aus einem
42:28
Proton und einem Elektron.
42:30
Und wenn sich das halt alles auflöst, dann wird einfach nur die Bindung zwischen
42:34
Elektron und dem Kern, also dem einen Proton aufgehoben.
42:40
Und man hat mehr oder weniger so eine Elektron-Proton-Suppe,
42:44
die insgesamt noch dieselbe Ladung hat wie vorher, aber sie ist ungleich verteilt.
42:51
Das Proton ist dann halt positiv. Und da spricht man dann eben von dem Ion,
42:54
wenn es sozusagen seines Elektrons beraubt ist.
42:57
Und das ist ja dann auch die Voraussetzung, dass das Magnetfeld drumherum da
43:00
überhaupt seine Wirkung entfallen kann.
43:01
thomas-klingner
Denke ich. Ja, erstens das. Also nur dadurch, dass man geladene Teilchen,
43:05
also dass man ein Gas ausgeladene Teilchen hat, reagiert das überhaupt auf die
43:11
magnetischen Feldlinien.
43:14
Und die eigentliche Fusion passiert ja bei den Kernen, also bei den Schweren,
43:21
bei den Ionen. Die Ionen fusionieren, die Elektronen machen ja nichts.
43:24
Die sind ja nur da. Die sorgen dann sozusagen für das Ladungsgleichgewicht.
43:28
tim-pritlove
Und wenn die zwei Protonen dann halt zusammenkommen, dann haben wir Helium.
43:32
thomas-klingner
Na, bei zwei Wasserstoffprotonen kriegen wir erstmal keine Helium.
43:37
tim-pritlove
Nee, warum nicht?
43:37
thomas-klingner
Nein,
43:40
also die Fusionsreaktion, von der wir reden, das sind zwei Isotope,
43:47
also zwei Varianten von Wasserstoff.
43:49
Also nicht der klassische Wasserstoff, den wir so kennen, der aus einem Proton besteht,
43:53
sondern die Fusion, die die höchste Wahrscheinlichkeit hat, ist die Fusion von
44:01
schwerem Wasserstoff und superschwerem Wasserstoff.
44:05
Das ist im Falle von schweren Wasserstoff ein Proton und ein Neutron.
44:09
Und im Falle von super schweren Wasserstoff ein Proton und zwei Neutronen.
44:13
tim-pritlove
Also das Deuterium und das Tritium.
44:16
thomas-klingner
Die heißen auch Deuterium und Tritium. Das sind so die poetischen Namen, die man davon nimmt.
44:21
Aber Wasserstoffisotope, das heißt chemisch, sind die identisch zum Wasserstoff.
44:24
Die können auch Wasser bilden, schweres Wasser oder super schweres Wasser.
44:28
Reagieren chemisch genauso.
44:29
Aber sind eben schwerer, wie es der Name sagt. Nicht schwerer und super schwerer.
44:36
Und da ergibt eben halt die Kernphysik aus der Zusammensetzung dieses Kerns,
44:43
dass da die Fusion dramatisch viel wahrscheinlicher ist.
44:47
Mit ganz großer Mühe kann man auch reinen Wasserstoff, Protonen miteinander
44:50
fusionieren, das passiert im Inneren der Sonne.
44:52
Wir sprachen darüber, da brauchen wir äußerst extreme Bedingungen und man muss
44:56
auch wirklich richtig lange warten dafür.
44:58
Die Fusion von Deuterium und Tritium ist um 30 Größenordnungen wahrscheinlicher.
45:06
Und damit ist es dann das Naheliegende, damit mal anzufangen,
45:09
bevor man sich mit Fusion von Wasserstoff beschäftigt.
45:12
tim-pritlove
Aber wo kommen denn dann die Neutronen her?
45:14
thomas-klingner
Naja, das ist einfach die atomare Struktur. Also Deuterium ist einfach ein Element,
45:19
was auf der Erde auch verfügbar ist.
45:22
Das ist zu einem kleinen Prozentsatz einfach im Wasser enthalten.
45:25
Also Deuterium kann man so kaufen.
45:28
Mit tritium müsste das eigentlich auch der fall sein also ist
45:31
grundsätzlich auch so der fall hat aber einen
45:34
ärgerlichen nebeneffekt der tritium also tritium da ist der atomkern nicht mehr
45:38
stabil der zerfällt nach einer mittleren zeit von zwölf jahren 12,3 jahren das
45:45
heißt es gibt keine tritium vorräte weil das immer wieder alles zerfallen was
45:49
was was erzeugt wird es muss also immer wieder erzeugt werden,
45:53
Aber das sind eben halt die beiden Wasserstoffvarianten, die dann,
45:56
wenn sie verschmolzen werden, dann kommt tatsächlich dann das Helium raus.
45:59
Wenn man das mit dem eigentlichen Wasserstoff macht, wie im Inneren der Sonne,
46:04
dann braucht man einen mehrstufigen Prozess dafür.
46:06
Das ist der sogenannte Proton-Proton-Zyklus, da gibt es noch mehrere Zwischenschritte
46:10
und am Ende kommt trotzdem Helium raus.
46:12
Aber direkt aus zwei Protonen macht man kein Helium. Deshalb muss ich da intervenieren.
46:18
tim-pritlove
Ja, ist ja in Ordnung. Das heißt, was wird jetzt sozusagen zum Plasma gebracht?
46:28
Das ist aber erstmal normaler Wasserstoff.
46:30
thomas-klingner
Richtig. Aus dem Betrieb von normalem Wasserstoff kann man einfach fast alles schon lernen.
46:36
Denn wir machen hier keine Fusionsforschung mit dem Fusionsprozess.
46:40
Der ist gut bekannt. Da gibt es nicht viel zu erforschen. Der ist tabelliert.
46:43
Kennt man alles. Da brauchen wir nichts rausfinden. Wir brauchen hier nicht
46:47
zum x-ten Mal Deutem und Tritium aufeinander zu schießen, um das zu fusionieren.
46:55
Also das ist alles schon gemacht, ist abgehakt.
46:57
Sondern das, was schwierig ist, ist der Plasmazustand. Also die Beherrschung
47:02
des Plasmazustandes und um auf das Gesagte zurückzukommen,
47:06
die Kunst der Wärmeisolation, also wie man das Magnetfeld so einrichtet,
47:12
dass man das Plasma überhaupt heiß bekommt in einer unserer kalten Umgebung.
47:17
Dieses dünne Gas, dass man das so heiß bekommt, das ist die Kunst.
47:20
Und das kann man super mit normalen Wasserstoff machen.
47:23
Da braucht man kein Deuterium, da braucht man kein Tritium dazu.
47:27
Ganz subtil, später gibt es dann schon wieder Unterschiede. Da reden wir dann vom Isotopeneffekt.
47:33
Aber ein Schritt nach dem anderen. Also wenn man die ganze Übung mit Wasserstoff
47:39
gemacht hat und wenn man das gut im Griff hat,
47:42
Das ist auch auf unserem Plan und dafür ist die Maschine auch gebaut.
47:45
Dann werden wir das Gleiche nochmal mit Deuterium machen, um zu sehen,
47:50
was sind denn tatsächlich die feinen Unterschiede. Aber es sind feine Unterschiede.
47:53
Der Teufel steckt immer im Detail, aber es ist der Schritt zwei.
47:56
tim-pritlove
Genau, wir sind ja noch mitten in der Entwicklung und es gibt sozusagen das Fernziel,
48:02
die Fusion tatsächlich durchzuführen, dann eben entsprechend aus der daraus
48:07
erzeugten Wärme dann andere Energieformen daraus zu erzeugen,
48:13
mit Turbinen oder was auch immer.
48:15
Aber wir befinden uns noch auf dem Weg dahin und derzeit befinden wir uns an
48:21
der Stelle, wenn ich es richtig verstanden habe,
48:23
alles herauszufinden, was eben erstmal diesen definierten Zustand des Plasmas
48:29
erreichen und erhalten kann, um dann, wenn man sich sicher ist,
48:35
dass das funktioniert, den nächsten Schritt gehen zu können.
48:37
thomas-klingner
Genau, wir müssen erstmal,
48:41
den Materiezustand schaffen. Stabil.
48:46
Wir müssen es schaffen, den stabil herzustellen, unter dem Fusion effizient stattfindet.
48:55
Denn wie ich sagte, ein bisschen Fusion passiert immer, aber man muss den Materiezustand
49:00
so hinbekommen, dass möglichst viel Fusion passiert. Das ist das Ziel.
49:04
Etwas Fusion ist einfach, viel Fusion ist schwierig.
49:08
Für viel Fusion braucht man ganz genau definierte Parameter,
49:12
die zu diesem Materiezustand gehören. Also allem voran die Teilchendichte,
49:16
Teilchen pro Kubikmeter und die Temperatur.
49:19
Und dann die Kunst, das in einer kalten Umgebung unserer Welt herzustellen,
49:25
stabil, zuverlässig, kontrolliert.
49:30
tim-pritlove
Dann kommen wir noch mal auf das konkrete Design des Stellarator Maschine.
49:36
Ich habe mir das auch gerade mal angeschaut, sehr beeindruckende Technikinstallation.
49:41
Glaube ich, fast eine der größten Maschinen, die es vielleicht gibt, oder?
49:47
thomas-klingner
Das ist eine der zehn großen auf der Welt, ja.
49:50
tim-pritlove
Ein fetter Apparat mit 16 Metern Durchmesser hat man also diesen Ring und um
50:00
dieses Magnetfeld zu erzeugen,
50:04
in dem das Plasma dann vorgehalten werden soll oder auch wird schon,
50:10
ist also dieser große Torus, den man jetzt gebaut hat, umgeben von mehreren dieser Magnetspulen.
50:19
Die aber, um dann diese Verschlingung sozusagen zu erzeugen,
50:25
also diese Ungleichmäßigkeit zu erzeugen, auch selber ungleichmäßig geformt und angeordnet sind.
50:34
thomas-klingner
Ja, die ganze Kunst steckt in den Magneten drin. Denn die Ausführung der Magneten,
50:40
die Geometrie dieser Elektromagnete bestimmt die Geometrie des Magnetfeldes.
50:45
Und das musste man auch bitter lernen in der Physik, dass es auf die Geometrie
50:51
des Magnetfeldes wirklich ankommt.
50:53
Also in den Frühzeiten dieser Stellarator-Konfiguration, dieser Stellarator-Maschinen,
50:58
hat man das ein bisschen ad hoc gemacht.
51:00
Das heißt, man hat einfach ein ringförmiges, torusförmiges Magnetfeld.
51:05
Erzeugt so erstmal als basis genommen
51:08
und dann ja jetzt müssen wir diese verdrillung noch machen und
51:11
hat man einfach so eine helix reingepackt nicht oder eine doppel
51:14
helix und der helischen sachen hat man reingepackt das war einfach dafür gab
51:17
es keinen physikgrund sondern müssen es irgendwie verdrehen das war so im prinzip
51:22
diese der der ansatz schon ein bisschen intelligenter aber eigentlich ein bisschen
51:26
schuss ins blaue und das war eher eine enttäuschung also das heißt da war die
51:32
Wärmeisolation wirklich schlecht,
51:34
also viel schlechter als bei dem Tokamak-Prinzip, wo man sich immer so vergleichen durfte,
51:40
weil die sehr ähnlich sind, macht man natürlich den direkten Nachbarn zum Vergleich, guckt darüber.
51:46
Und beim Tokamak hat man einfach viel bessere Wärmeisolationen beobachtet und
51:49
damit viel höhere Temperaturen und hat sich also diesem Ziel,
51:53
dieser 100 Millionen Grad, dieser berühmten schon viel stärker angenähert und
51:58
damit war es erstmal eine Enttäuschung.
52:00
Und diese Enttäuschung saß tief, die saß so tief, dass viele Labors auf der
52:04
Welt gesagt haben, aus irgendwelchen Gründen ist das Mist, wir haben es nicht
52:07
verstanden warum, aber wir lassen das mal.
52:11
Und haben sich einfach auf den Gewinner Pfad begeben und Tokamaks gebaut,
52:16
weil der einfach auch gut lief.
52:19
Und dann sagen, warum sollen wir jetzt unsere Arbeitskraft verbrennen an irgendetwas,
52:24
was nicht ordentlich läuft.
52:27
Eigentlich sind so zwei große Gruppen am Ball geblieben.
52:30
Es gab noch ein paar andere, die auch mitbetrieben haben, aber zwei große Gruppen.
52:37
Das ist ein großes Institut in Japan und halt unser Institut.
52:44
Und bei uns wurde so ein bisschen grüblerisch sich auch die Frage gestellt,
52:50
woran liegt das eigentlich?
52:52
Und da ist eine ganze Forschergeneration reingegangen in dieses drüber brüten
52:56
und dieses Nachschöpfen, was eigentlich die Gründe für diese Enttäuschung sind.
53:02
Also warum ist der Stellerator schlecht? Das war die entscheidende Frage.
53:06
Und das ist so Schritt für Schritt gelungen, das so zu verstehen,
53:10
also was wirklich mit diesen individuellen Teilchen passiert,
53:13
also warum die entkommen können.
53:15
Denn jeder Wärmeverlust ist am Ende ein Entkommen.
53:18
Das Transport, wir nennen das dann ja Physiktransport.
53:21
Woher kommen diese Transportprozesse?
53:23
Wenn man es dann verstanden hat, dann ist der nächste Schritt,
53:26
dass man sich überlegen kann, wie kann man das heilen.
53:30
Und dann ist so Schritt für Schritt sind diese ganzen Nachteile,
53:32
die der Stellarator einfach bei dieser Ad-Hoc-Magnetfeldkonfiguration hat,
53:36
sind geheilt worden, indem man das Magnetfeld in seiner Form angepasst hat.
53:42
Das heißt also, die Krümmung der Magnetfeldlinien, auch wie dicht die liegen,
53:47
also die Stärke des Magnetfeldes, wie die Stärke variieren muss,
53:50
Das hat man dann immer mithilfe von numerischen Codes immer weiter so justiert,
53:54
dass es zu dem Plasma passte,
53:57
dass also dieser Transport verringert wurde.
54:00
Und wenn man dann die Geometrie hat, dann rechnet man rückwärts die Spulen aus.
54:05
Also das heißt, die Spulen, die sehen ein bisschen merkwürdig aus,
54:08
wenn man die jetzt so anguckt, so im Bild anschaut, aber die sind genau so,
54:12
wie die Physik sie haben will.
54:14
tim-pritlove
Sie sehen so ein bisschen aus wie so verbogene Karabinerhaken.
54:17
thomas-klingner
Ja, ich würde manchmal gefragt, ob die vom Laster gefallen sind oder ob da noch
54:20
jemand dann dreimal rübergefahren ist, aber nein, das ist die natürlichste Form,
54:24
also wirklich eine evolutionäre Form.
54:26
tim-pritlove
Ja, also eine Form, die, wenn man sie halt jetzt um diesen Torus herum arrangiert,
54:33
diese Verdrehung des Magnetfelds im Prinzip so nachbildet, also man hat es quasi
54:38
mathematisch vom Ziel her in die Form zurückgerechnet, wenn ich es richtig verstehe.
54:45
Und diese Magnetfelder müssen aber auch extrem stark sein, damit sie halt bis
54:51
in die Mitte reinwirken.
54:54
thomas-klingner
Nein, das geht gar nicht um das bis in die Mitte reinwirken.
54:57
Also in der Tat ist das Magnetfeld auf der Spule stärker als im Zentrum.
55:01
Also das heißt, da hat man schon auch eine Variation von dem Ausgangspunkt des
55:06
Magnetfeldes zu dem Ort, wo das Plasma dann auch so sitzt oder den größeren
55:09
Teil des Volumens, wo es sitzt.
55:10
Aber man muss das Magnetfeld insgesamt einfach stark genug machen,
55:16
dass die geladenen Teilchen wirklich effizient an die Magnetfeldlinien gebunden sind.
55:28
Denn das Magnetfeld wäre das geringer, wäre diese Bindung an die Magnetfeldlinien
55:34
schwächer, so kann man sich das vorstellen.
55:37
Und auch das geht wieder auf Kosten der Wärmeisolation.
55:40
Also die Wärmeisolation wird besser und wird systematisch besser mit höherem Magnetfeld.
55:47
tim-pritlove
Also müssen die Magnetfelder stark sein?
55:49
thomas-klingner
Also müssen sie stark sein, weil es geht alles um die möglichst hohe Wärmeisolation,
55:54
die alleine dem Zweck dient, dass man die Temperaturen erreichen kann,
55:58
die man braucht, damit Fusion effizient stattfindet.
56:01
tim-pritlove
Aber wenn man jetzt ein starkes Magnetfeld braucht, muss man wiederum sehr viel
56:04
Energie in diese Spulen reinschicken, die ja dann wahrscheinlich auch wiederum ziemlich warm werden.
56:11
thomas-klingner
Ja, und das ist ganz blöd. Also da kommt man recht...
56:15
Relativ schnell zum Schluss, dass man mehr Energie für die Spulen braucht,
56:18
als man jemals rausbekommen würde. Und da ist es wieder nichts,
56:20
was man gebrauchen kann.
56:24
Weshalb der vernünftige Weg ist, und das ist eigentlich banal dieser Weg,
56:29
ist, dass man den wohlbekannten Effekt der Superleitung nimmt.
56:34
Superleitung ist ja nun auch schon ein uraltes Phänomen der Physik.
56:38
Also schon ein bisschen her, dass wir es 100 Jahre gefeiert haben.
56:41
Es gibt eben Materialien, Legierungen vor allem, metallische Legierungen,
56:46
aber inzwischen auch keramische Materialien, die unter kalten Bedingungen supraleitend werden.
56:52
Das heißt also einen elektrischen Strom völlig ohne Widerstand leiten.
56:56
Und eine supraleitende Spule, also ein Elektromagnet, ein supraleitender Elektromagnet,
57:02
funktioniert am Ende so, dass man den Strom dort hineinschickt und der fließt
57:07
ohne elektrischen Widerstand.
57:08
Das heißt, er fließt, bis man ihn wieder rausnimmt.
57:11
Damit ist dieser Magnet am Ende nicht unterscheidbar von einem Permanentmagneten.
57:15
Er sitzt dort und erzeugt einfach das Magnetfeld und erzeugt weder Wärme noch
57:20
Braucherenergie, weil der Strom ohne elektrischen Widerstand fließt.
57:26
Und ein Magnet braucht ja nur dann Energie, wenn der elektrische Strom in Wärme
57:30
umgewandelt wird, die auch lästig ist, die man abführen muss,
57:33
die man auch gar nicht haben wollte.
57:35
Also insofern der Weg zu gehen ist Supraleitung. Und unsere Magnete,
57:39
also unsere 70 Magnete, sind alle Supraleiten.
57:42
Das superleitende Material ist ein alter Klassiker, einer der ältesten Supraleiter,
57:47
die so der technischen Verwendung sind, Niob-Titan.
57:50
Und Niob-Titan ist bei minus 270 Grad Celsius, also bei 3 Kelvin,
57:55
sehr zuverlässig Supraleitend.
57:59
tim-pritlove
Das ist ja dann ganz einfach. Da muss man ja nur auf drei Kelvin runterkühlen,
58:07
während man ein paar Meter entfernt davon ein Plasma extrem heiß haben möchte.
58:14
thomas-klingner
Das ist nicht das Problem. Denn die Spulen sehen das Plasma ja gar nicht.
58:19
Die wissen gar nicht, dass da ein Plasma ist. Das ist den Spulen auch völlig egal.
58:23
Das ist erstens ganz wenig Materie, zweitens ist die ewig weit weg.
58:28
Die ist ja auch sogar richtig physisch abgetrennt durch das Vakuumgefäß.
58:31
Das Plasma wohnt ja in einem Stahlgefäß, was zunächst evakuiert wird,
58:35
sonst könnte man ja gar nicht so ein dünnes Gas dort drin einleiten und betreiben.
58:38
tim-pritlove
Also die anderen Gase müssen sozusagen weg sein.
58:41
thomas-klingner
Also man erzeugt erstmal ein Ultrahochvakuum, also quasi ein Nix.
58:44
Und dort leitet man dieses hunderttausendfach verdünnte Wasserstoffgas ein.
58:49
Und dieses Gefäß, also die Magnete befinden sich außerhalb dieses Gefäßes.
58:55
Das heißt also aus der Magnetperspektive, wenn ich jetzt so ein Magnet wäre,
58:59
keine Ahnung, was in mir da passiert, ist mir auch egal. Ich erzeuge mein Magnetfeld.
59:05
Also das heißt, den Magneten ist das Plasma völlig egal.
59:10
Allemal in erster und zweiter Ordnung.
59:13
tim-pritlove
Trotzdem muss man ja irgendwie noch mal die Wärme auch in dieses Plasma hineinbekommen,
59:17
weil sonst wird es ja nicht heiß.
59:18
thomas-klingner
Also komplett entkoppelt voneinander. Das hat nichts mit den Magneten zu tun.
59:22
Also die Magnete müssen auf minus 270 Grad runtergekühlt werden und es ist trotzdem
59:27
nicht einfach, aber es hat nichts mit dem Plasma zu tun, sondern es hat damit zu tun,
59:32
dass unsere Welt, unsere Umgebung nicht bei minus 270 Grad ist,
59:35
sondern dass wir unsere Raumtemperatur 20, 30 Grad haben, so rundherum.
59:40
Das heißt also, wir müssen von unserer Raumtemperatur auf diese minus 270 Grad
59:43
runterkommen und wir müssen dann eben sehr scharf unterscheiden zwischen der
59:47
warmen Welt, das ist einfach unsere Welt, nicht die Welt des Plasmas,
59:50
sondern die menschliche Welt, das ist die warme Welt und die kalte Welt,
59:54
das ist die Welt der Spulen.
59:56
Deswegen befinden sich diese Spulen wiederum in einem Vakuum,
1:00:02
was wir zwischen dem Plasmagefäß und dem Außengefäß aufbauen.
1:00:08
Damit sind die wiederum wärmeisoliert. Wenn man in einem Vakuum drin sitzt,
1:00:13
da hat man keine Wärmeverbindung zu unserer warmen Welt, zu unserer menschlichen warmen Welt.
1:00:17
Das heißt, das muss man auch erstmal wieder entkoppeln, also nochmal in Isolationsaufgabe, aber anders.
1:00:22
Und zweitens müssen die Magnete natürlich aktiv gekühlt werden.
1:00:25
Denn zunächst beginnen die mit Raumtemperatur.
1:00:27
Also wenn die so einfach da stehen, jetzt, wo sie das Ding besucht haben,
1:00:31
haben die Raumtemperatur.
1:00:34
Und dann dafür benutzt man einen Kühlschrank. Was also nicht anders ist als
1:00:39
das raumwarme Bier, was man eben halt gerne etwas kälter haben würde.
1:00:44
Dafür benutzt man auch einen Kühlschrank. Nur ist unser Kühlschrank ein bisschen größer.
1:00:49
Das Kühlmittel ist flüssiges Helium.
1:00:52
Also Heliumgas, was dann eben in den flüssigen Zustand gebracht wird.
1:00:56
Und flüssiges Helium ist so in diesem Bereich von minus 72 Grad,
1:01:00
3 Kelvin, da kann man das ganz gut so betreiben.
1:01:03
Und wir beginnen also mit Heliumgas und nach dem alten Kühlschrankprinzip,
1:01:09
das heißt also diesem Expansions- und Verdichtungsprinzip, wie im Kühlschrank
1:01:13
halt so funktioniert, wird dieses Heliumgas dann immer weiter runtergekühlt, bis es flüssig wird.
1:01:18
Und dieses flüssige Helium zirkuliert dann in den Spulen und kühlt die Spulen
1:01:21
auf die niedrige Temperatur, auf diese Minus 270 Grad ab, die erforderlich sind,
1:01:26
damit die Spulen superleitend sind. Sonst ist Niob Titan nicht superleitend.
1:01:31
Das ist im ganzen Gegenteil, ein ganz schrecklich schlechter Leiter.
1:01:36
tim-pritlove
Wie lange dauert das, bis man das so kalt kriegt bei diesem Riesenapparat?
1:01:40
Ich meine, es ist ja eine ganze Menge Zeug.
1:01:42
thomas-klingner
Wenn alles gut geht, vier bis sechs Wochen.
1:01:45
tim-pritlove
Vier bis sechs Wochen.
1:01:46
thomas-klingner
Na gut, das sind 430 Tonnen,
1:01:51
Material, die runtergekühlt werden müssen von Raumtemperatur auf minus 270 Grad, das dauert halt.
1:01:56
tim-pritlove
Ja okay, nur dass man sich das mal vorstellt, das ist jetzt nicht so eine Maschine,
1:02:00
die man so einschaltet wie einen Kühlschrank, nach einer halben Stunde passt das schon irgendwie,
1:02:04
sondern bei dieser Dimension und dieser Menge an Material, die hier zum Einsatz
1:02:08
kommt, ist das ein Prozess, den man mal nicht eben mal für den Tag einschaltet,
1:02:13
sondern das ist eher so eine Phase.
1:02:14
Also wenn man hier beschließt, wir wollen das Ding jetzt mal wirklich auch wieder
1:02:18
in Betrieb nehmen und real Experimente durchführen und den ganzen Prozess überwachen,
1:02:22
ist das so ein längerer Zeitraum, um das überhaupt erstmal zu erreichen.
1:02:30
Allein schon nur, um diese Spulen runter zu kühlen, ist vielleicht noch nicht mal das Einzige.
1:02:34
thomas-klingner
Das ist nicht das Einzige. Insgesamt brauchen wir sowas wie fünf Monate,
1:02:38
um die Maschine betriebsbereit zu machen, wenn man alles zusammenrechnet.
1:02:43
Aber das Abkühlen ist ein großer Prozess, weil der ist einfach auch gegeben
1:02:47
durch die schiere Masse.
1:02:48
Die schiere Masse, die runter zu kühlen ist und die Kühlkapazität unseres Kühlschranks.
1:02:54
Der Kühlschrank hat auch schon eine satte elektrische Anschlussleistung von
1:02:58
so etwa zwei Megawatt, die dann eben halt auch Tag und Nacht verbraucht werden.
1:03:03
Also die Stromrechnung ist auch nicht ganz ohne.
1:03:06
tim-pritlove
Ja, also derzeit macht man hier noch keinen Energiegewinn. Gehen wir vielleicht
1:03:10
auch mal diesen Prozess durch, weil ich finde das glaube ich ganz interessant.
1:03:13
Daran kann man ja dann auch sehen, was letzten Endes jetzt wirklich passiert.
1:03:16
Also sagen wir mal jetzt, morgen geht es los,
1:03:20
alle Vorbereitungen sind abgeschlossen, alle Warnsignale sind ausgeschaltet,
1:03:27
jetzt schaltet man erstmal sozusagen den Kühlschrank ein und sorgt dafür,
1:03:34
also wahrscheinlich wird erstmal das Vakuum hergestellt, also sowohl innerhalb des Vakuumes,
1:03:42
Ich weiß nicht, wie nennt man den Bereich? Plasma-Rohrs? Kann man das so nennen? Wie heißt das?
1:03:47
thomas-klingner
Wir reden von Plasmagefäß.
1:03:49
tim-pritlove
Plasmagefäß, okay. Also erstmal das Vakuum für das Plasmagefäß,
1:03:53
das Vakuum für die es umgebenden Spulen und der Kühlschrank sorgt dafür,
1:03:59
dass die Spulen runtergekühlt werden und das läuft dann eben über mehrere Wochen.
1:04:05
Was für andere Prozesse müssen noch gestartet werden, um letzten Endes eine
1:04:10
Betriebsbereitschaft herzustellen.
1:04:11
thomas-klingner
Ach, Sie haben es ja schon die Wesentlichen so genannt. Also es beginnt eben
1:04:15
erstmal mit dem Evakuieren, also mit dem Herstellen von Vakuum,
1:04:18
von Plasmagefäß und dem Ausstieggefäß.
1:04:20
tim-pritlove
Das dauert wahrscheinlich auch eine Weile, ne?
1:04:22
thomas-klingner
Ja, so ein paar Tage dauert das auch, paar Tage pumpt man da schon,
1:04:26
wenn man keine Lacks hat.
1:04:28
thomas-klingner
Also passiert, dass irgendwas schief geht, dass man, wir haben sehr viele Öffnungen,
1:04:32
wir haben 500 Öffnungen, da kann das schon in dem einen wie dem anderen Gefäß
1:04:36
schon mal passieren, dass man einen Vakuum-Lack hat und was man erstmal suchen
1:04:39
muss. und so eine Lecksuche kann auch schon durchaus dauern.
1:04:42
Aber wenn alles gut geht, dann ist man in so einer Woche etwa durch.
1:04:45
Und wenn diese Vakuumbedingungen hergestellt sind, dann kann man mit dem Abkühlen
1:04:50
beginnen. Wir sprachen über das Abkühlen.
1:04:52
Also das Abkühlen von Raumtemperatur auf minus 270 Grad von dem ganzen Magnetsystem
1:04:56
und auch den ganzen Stützstrukturen.
1:04:57
Die Magnete sind ja an Stahlstützstrukturen festgeschraubt.
1:05:01
Das ist eine massive Stahlkonstruktion.
1:05:04
Alles das muss runtergekühlt werden.
1:05:06
Wenn das passiert ist, müssen wir noch das Vakuum im Plasmagefäß verbessern.
1:05:13
Das reicht uns denn noch nicht, denn das stand jetzt ja diese Tage einfach so an der Luft.
1:05:20
Also Luftfeuchtigkeit und Menschen haben drin gearbeitet.
1:05:24
Also das heißt, es muss Schmutz raus, also auch Sauerstoff muss raus,
1:05:28
Wasser, was in der Wand ist.
1:05:30
Das heißt, wir heizen dieses Plasmagefäß aus auf 150 Grad.
1:05:36
Das wird mithilfe von heißem Wasser auf Kühlrohren, die auf das Gefäß raufgeschweißt
1:05:41
sind, wird das gesamte Gefäß auf 150 Grad ausgeheizt.
1:05:45
Und damit treiben wir das Wasser aus der Wand raus und pumpen es mit unseren Turbopumpen ab.
1:05:49
tim-pritlove
Wird sozusagen ausgebrannt.
1:05:52
thomas-klingner
Ja, es wird einfach gebacken. Also dieses Plasma-Gefäß wird einmal moderat gebacken.
1:05:59
Und wenn das abgeschlossen ist, dann ist das Vakuum gut.
1:06:04
Und dann, beziehungsweise auch schon parallel dazu, werden zahllose Tests durchgeführt.
1:06:08
Und die Magnete werden alle nochmal einzeln durchgetestet, ob sie sich in einem
1:06:13
elektrotechnisch guten Zustand befinden.
1:06:16
Denn man schaltet das nicht einfach ein wie eine Nachttischlampe.
1:06:18
Dafür sind die einfach doch zu wertvoll und nicht zu empfindlich.
1:06:23
Aber da darf nichts schief gehen.
1:06:24
Also Reparaturen an den Magneten, das ist etwas, was man nicht gerne haben möchte.
1:06:28
Auch wegen der Zugänglichkeit und wegen der Folgen. Das dauert immer alles ewig.
1:06:34
Also das heißt, man muss sich sicher sein, dass alles in Ordnung ist.
1:06:36
Also ganze große Testsequenzen müssen durchgeführt werden, auch für den gesamten Steuersystem.
1:06:41
Am Ende summiert sich das ganz schön auf und dann kommen da eben halt diese fünf Monate daraus.
1:06:48
tim-pritlove
Und...
1:06:51
Und wenn dann dieser Zustand hergestellt ist, also Vakuum ist perfekt,
1:06:57
man nimmt keine Lecks wahr, man hat die entsprechende Temperatur der Spulen, was passiert dann?
1:07:05
Was ist das nächste, was man dann, dann kann man ja im Prinzip anfangen,
1:07:10
ein Gas einzuführen, leiten,
1:07:15
das dünne Gas, das Wasserstoff, zu ionisieren und dann schaltet man die Magnete
1:07:22
an und wodurch wird das Gas dann heiß?
1:07:26
thomas-klingner
Ja, erstmal ist die Sequenz andersrum, also man schaltet erstmal den Magnet an.
1:07:29
tim-pritlove
Okay, und dann das Gas, okay.
1:07:31
thomas-klingner
Weil die Magnete einfach auch so superleitende Magnete so angenehm sind.
1:07:36
Wie gesagt, das ist wie so ein Permanentmagnet. Die werden einfach morgens hochgefahren.
1:07:40
Da wird der Strom dort...
1:07:44
Quasi eingeleitet in diese Magnete. Das ist so zwischen 10.000 und 15.000 Ampere.
1:07:51
Das ist schon ordentlich Strom.
1:07:53
Und dann steht das Magnetfeld. Und dann leitet man Gas ein über ein Ventil.
1:08:01
Und gleichzeitig laufen wir die Pumpen. Die Turbopumpen und die Vorpumpen.
1:08:05
Das erzeugt dann erstmal so ein Gleichgewicht.
1:08:08
tim-pritlove
Also die Vakuumpumpen?
1:08:10
thomas-klingner
Ja, die Vakuumpumpen. Die pumpen die ganze Zeit. Es ist nicht so,
1:08:12
dass man die nach ausschaltet und man tut Gas rein, das wird auch manchmal so
1:08:16
vermutet, sondern es ist einfach ein fester Zyklus.
1:08:18
Das heißt, man hat eingeleitetes Gas und es wird permanent gepumpt und als Folge
1:08:23
ergibt es dann einen Gasdruck aus diesem Gleichgewicht aus Einleitung und Abpumpen.
1:08:29
Und dieses eingeleitete Gas, das wird dann in den Plasmazustand versetzt,
1:08:36
also wird dann ionisiert und da gibt es mehrere Möglichkeiten.
1:08:42
Diese Möglichkeiten, die heißen alle Plasmaheizung, das sind Plasmaheizmethoden.
1:08:47
Heizung heißen die, weil einfach Energie von außen in dieses Gas eingebracht
1:08:51
wird. Das Gas wird also in dem Sinne aufgeheizt, es wird Energie reingebracht.
1:08:56
Eines unserer wichtigsten Verfahren basiert auf Mikrowellen es werden also Mikrowellen
1:09:04
erzeugt im Prinzip wie die Küchenmikrowelle mit Mikrowellenröhren sehr große Mikrowellenröhren,
1:09:11
Diese Mikrowellen, die heizen erstmal Elektronen,
1:09:17
das heißt so ein klein bisschen ist dieses Gas immer ionisiert,
1:09:22
das heißt ein paar Elektronen findet man immer, die sitzen in diesem Magnetfeld,
1:09:27
durch ihre Wechselwirkung mit dem Magnetfeld machen die Elektronen eine Spiralbewegung
1:09:32
um die Magnetfelderlinien herum.
1:09:34
An diese Spiralbewegung koppeln diese Mikrowellen direkt an.
1:09:39
Die haben selber ebenfalls eine Rotation eingeprägt und die koppeln direkt daran
1:09:43
an, machen denn diese Elektronen sehr heiß, sodass die Elektronen wiederum Stöße
1:09:48
machen mit neutralen Gasatomen und dann passiert so ein Lawineneffekt.
1:09:54
Und dieser Lewin-Effekt führt dazu, dass innerhalb von winzigen Bruchteilen
1:09:59
von Sekunden das ganze Plasma aufgebaut wird und dann ist das gesamte Gas ionisiert.
1:10:04
Dann hat man also keine neutralen Wasserstoffatome mehr im Zentrum des Plasmas,
1:10:09
sondern nur noch Protonen und Elektronen.
1:10:12
tim-pritlove
Und ist das jetzt schon die Zieltemperatur, die man haben will,
1:10:16
die ist dann sofort erreicht oder muss man da noch mit drauf haben?
1:10:19
thomas-klingner
Unter guten Bedingungen, also wenn man die günstigen Bedingungen hat,
1:10:22
ist sie dann innerhalb von Millisekunden erreicht.
1:10:24
tim-pritlove
Okay, also es ist mehr ein Einschalten.
1:10:26
thomas-klingner
Das ist tatsächlich ein Einschalten.
1:10:27
tim-pritlove
Das ist nicht nochmal vier Wochen warten. Das geht ganz schnell. Okay, gut.
1:10:31
Und dann glüht das Plasma und befindet sich jetzt quasi immer wieder bei einer Wurst.
1:10:38
Jetzt haben wir sozusagen die Plasmawurst in unserem Gefäß von dem Magnetfeld eingeschlossen.
1:10:45
Und da existiert das dann erstmal so vor sich hin.
1:10:48
thomas-klingner
Ja, dann sitzt das da.
1:10:49
tim-pritlove
Okay und das ist jetzt auch, sagen wir mal, erstmal das eigentliche Ziel derzeit
1:10:54
im Forschungsfortschritt,
1:10:57
das kontrolliert zu erreichen, aber das muss jetzt auch eine gewisse Qualität haben.
1:11:04
Also es reicht jetzt nicht einfach nur irgendwie Plasma, sondern es gibt ja
1:11:10
wahrscheinlich dann Qualitätskriterien,
1:11:12
die dieses Plasma erfüllen muss, damit es dann für einen später eingeleiteten
1:11:19
Fusionsprozess die idealen Bedingungen bereitstellt.
1:11:22
Wie beobachtet man jetzt dieses System weil,
1:11:29
also mit dem was wir bisher besprochen haben ist das ja alles eine Blackbox
1:11:33
aber abgesehen davon dass man jetzt Mikrowellenstrahlung dort,
1:11:37
einbringt man muss es ja auch in irgendeiner Form messen und mal wissen was
1:11:42
passiert jetzt eigentlich auch genau das was wir wollen wie beobachtet man das.
1:11:49
thomas-klingner
Ja, in der Tat brauchen wir jetzt ja die Kenngrößen. Und über einige Kenngrößen
1:11:53
haben wir ja schon gesprochen.
1:11:56
Die Teilchendichte, Anzahl der Teilchen pro Kubikmeter. Also das heißt,
1:11:59
man muss eine Dichtemessung machen.
1:12:01
Der zweite wichtige Parameter ist die Temperatur. Wie heiß ist das?
1:12:06
Also welche Temperatur äquivalent hat die Bewegung der Ionen und die Bewegung der Elektronen?
1:12:12
Beobachtung an beides, weil die auch miteinander verkoppelt sind.
1:12:14
Ich hatte ja schon erwähnt, dass wir die Elektronen heizen. die elektronen
1:12:19
ionisieren aber die elektronen geben auch wiederum energie
1:12:22
an die ionen weiter das ist alles miteinander verschränkt also
1:12:27
das steht im wärmekontakt miteinander das heißt wir heizen über die elektronen
1:12:31
die ionen wir haben auch andere heizmethoden wo die ionen direkt heizen und
1:12:35
dann kombinieren wir die auch zusammen so oder so man braucht also auf diese
1:12:38
beiden kenngrößen braucht man und man braucht die auch mit räumlicher auflösung
1:12:43
denn die sind nicht etwa konstant.
1:12:46
Sondern die ändern sich etwa, wenn man vom Zentrum raus geht.
1:12:49
Im Zentrum ist es am heißesten und eben halt auch am dichtesten.
1:12:53
Und dann fällt das zum Rand sowohl die Temperatur als auch die Teilchenzahl
1:12:57
ab. Wir nennen das denn Profile. Das sind Profildaten.
1:13:01
Also wie so ein Reifenprofil.
1:13:03
Kann man sich das vorstellen. Das ist eine Größe, die auch räumlich variiert.
1:13:09
Vor allem eben halt in der Richtung senkrecht zum Magnetfeld.
1:13:12
Also von innen nach außen. Das sind die Profildaten.
1:13:16
Da gibt es auch gewisse Variationen, die entlang des Torus sind,
1:13:19
die sind auch wichtig, aber das ist schon die höhere Kunst.
1:13:23
So oder so braucht man also räumliche Auflösung erstmal von diesen grundsätzlichen Kennedaten.
1:13:29
Ein weiterer Punkt, den man zur Beurteilung der Güte des Plasmas braucht,
1:13:35
ist die Güte des Wärmeeinschlusses.
1:13:38
Und dahinter steht folgende Logik. Man kann ein Plasma ja sehr heiß machen,
1:13:43
indem man es einfach sehr stark heizt.
1:13:47
Also mit endlos viel Energie heizt.
1:13:50
Also es ist einfach das mit Geld heiß machen. Man kauft einfach so viel Heizleistung,
1:13:55
wie die Kasse hergibt und dann kriegt man schon irgendwann ein heißes Plasma.
1:13:59
Das sagt aber nichts aus über die Güte der Wärmeisolation, auf der ich mal so
1:14:04
rumreite, also wie gut das Magnetfeld ist, wie gut der Einschluss ist.
1:14:08
Sondern die Kunst ist ja mit möglichst wenig Heizleistung eine hohe Plasmatemperatur zu erzeugen.
1:14:15
Und das ist die dritte große Kerngröße, das ist die sogenannte Energieeinschlusszeit.
1:14:21
Und das hört sich so ein bisschen seltsam an, warum man das in Zeit misst,
1:14:24
aber das ist eigentlich sehr anschaulich.
1:14:26
Man kann Wärmeisolation sehr
1:14:28
gut als Zeit charakterisieren. Und das kennt man sogar aus dem Alltag.
1:14:34
Wenn man in seinem Haus ist und die Heizung abschaltet.
1:14:39
tim-pritlove
Wie lange bleibt es warm?
1:14:40
thomas-klingner
Wie lange bleibt es warm? Und das ist bestimmt durch die Güte der Wärmeisolation.
1:14:44
Wenn Sie nur Einfachverglasung haben und dünne Wände, dann kühlt das viel schneller ab.
1:14:50
Das heißt also, eine lange Abkühlzeit ist ein Zeichen für eine gute Wärmeisolation.
1:14:57
Das gleiche gilt für die Plasmaphysik.
1:14:58
Diese Einschlusszeit soll so groß wie möglich sein.
1:15:02
Und da gibt es so gut wie möglich, also am besten unendlich lang,
1:15:08
dass wir die perfekte Wärmeisolation ist, die Wärme bleibt immer drin.
1:15:12
Das wäre so ein Extremfall. Aber da gibt es eben halt so Kennzahlen,
1:15:16
Erfahrungswerte, die man eben halt aus allen Maschinen der ganzen Welt zusammengesammelt
1:15:20
hat über die Jahrzehnte, sodass man so eine Orientierung hat,
1:15:23
was so der typische Korridor da ist, den man so erreichen kann und an dem reiben
1:15:27
sich alle. Aber im Prinzip gilt das Ziel so gut wie möglich.
1:15:30
Aber das, was so eben mit den technologisch realisierbaren Magneten heutzutage
1:15:34
und der Optimierung der Magnetfeldgeometrie möglich ist, das ist dann so die
1:15:38
Zielzahl, die man dort erreichen muss.
1:15:40
Da muss man so gut wie möglich, aber eben mehr ist dann auch nicht drin,
1:15:45
erreichen. also die Güte der Wärmeisolation, dann gibt es eben halt einen Korridor
1:15:49
für die Teilchendichte und es gibt einen Korridor für die Temperatur.
1:15:54
Und diese drei Größen muss man so zusammenbringen und das ist auch in ein konkretes
1:15:58
Kriterium hineingegossen, das sogenannte Lawson-Kriterium, wo man eine Grenze
1:16:02
überschreiten muss und dann wird Fusion effizient.
1:16:06
Dann wird die so effizient, dass man mehr Fusionsenergie, das ist dann so die
1:16:10
heilige Kurve, wo mehr Fusionsenergie rauskommt, als man reinsteckt,
1:16:15
da gibt es noch eine zweite heilige Kurve, da ist.
1:16:18
Die Energie, die im Plasma durch Fusion entsteht, hoch genug,
1:16:22
um das Plasma selber zu heizen.
1:16:24
Dann braucht man keine externe Heizung mehr und dann brennt es einfach vor sich
1:16:27
hin. Das ist dann das brennende Plasma.
1:16:30
Und diese beiden Punkte, die haben auch einen schönen Fachbegriff.
1:16:32
Das eine ist der Break-Even-Punkt, also der Durchbruchpunkt.
1:16:35
Genauso viel Energie wie rein wie raus.
1:16:37
Und das andere ist eben das Burning-Plasma, das brennende Plasma.
1:16:41
Und das kann man sich dann vorstellen wie so eine Gasflamme.
1:16:45
Wie eine chemische Flamme. brennt einfach. Muss man nichts mehr machen von außen.
1:16:50
Braucht kein Streichholz mehr. Brennt. Kerze brennt.
1:16:53
tim-pritlove
Und im Idealfall bedeutet das dann später, dass man eine fortlaufende,
1:16:59
Fusionstätigkeit angestoßen hat und dann kommt man einfach Wärme raus.
1:17:03
thomas-klingner
Da hat man einen Gasofen.
1:17:04
tim-pritlove
Genau. Weil durch diese Fusionsprozesse letzten Endes Elektronen freigesetzt werden, die,
1:17:12
quasi in der Außenwand aufgefangen werden und dann als Wärme abgenommen werden kann.
1:17:16
thomas-klingner
Nee, Elektronen werden da gar nicht aufgefangen.
1:17:18
tim-pritlove
Neutronen meinte ich.
1:17:19
thomas-klingner
Neutronen, ja. Ja,
1:17:23
aber die Neutronen, die entkommen ja gleich dem Volumen und gehen in die Wand
1:17:28
und erzeugen ja diese Wärmeauskopplung.
1:17:30
Das heißt, damit zapft man quasi dann dieses Plasma an, den Fusionsprozess an
1:17:34
nach außen und erzeugt damit einfach Wärme.
1:17:38
Das Aufrechterhalten der Plasmatemperatur passiert durch das andere Fusionsprodukt,
1:17:44
nämlich durch die Heliumkerne.
1:17:46
Die verbleiben ja da drin. Diese werden ja auch wieder vom Magnetfeld festgehalten
1:17:50
und haben aber auch Energie, haben einen Anteil Energie und diese Energie geben
1:17:55
sie an das Plasma wieder weiter.
1:17:56
tim-pritlove
Dadurch bleibt es heiß.
1:17:58
thomas-klingner
Es heizt sich selber.
1:18:00
tim-pritlove
Aber es heizt eben auch drumherum, sodass man eben dann auch den eigentlichen Effekt hat.
1:18:04
thomas-klingner
Das ist erstmal die Selbstheizung und das Drumherum geschieht durch die Neutronen,
1:18:08
durch die Auskopplung von den Neutronen. Das sind so zwei Zweige, die sich auftrennen.
1:18:13
Die Heliumkerne sind für die Heizung des Plasmas zuständig und die Neutronen
1:18:17
sind für die Heizung der Wand zuständig, was denn die für uns nutzbare Wärme ist.
1:18:21
tim-pritlove
Genau. Aber jetzt weiß ich immer noch nicht so richtig, wie schaut man rein?
1:18:25
Also wir haben diese ganzen Kennzahlen, die wir erreichen wollen.
1:18:27
Das ist ja, sagen wir mal, jetzt auch gerade der Fokus, wenn ich das richtig
1:18:30
verstanden habe, dass man also das jetzt optimieren will, also dem aktuellen
1:18:34
Stand der Forschung hier.
1:18:37
Wie beobachtet man diese Kennzahlen? Wie misst man die?
1:18:43
thomas-klingner
Da gibt es einen ganzen Strauß an Methoden.
1:18:48
tim-pritlove
Die ausprobiert werden oder die erforderlich sind?
1:18:51
Also benutzt man jetzt nur so viele Methoden wie möglich, um zu gucken,
1:18:54
was es am Ende braucht oder ist es jetzt schon klar, dass man sehr viele verschiedene braucht?
1:19:00
thomas-klingner
Sowohl als auch. Einerseits ist die Methodik der Plasmabeobachtung durchaus
1:19:06
ein Forschungsgebiet, was sich ständig in Entwicklung befindet,
1:19:11
wo man die Genauigkeit, aber auch die Auflösung sowohl im Raum wie auch in Zeit
1:19:18
immer wieder erhöht, die Aussagekraft erhöht.
1:19:21
Und weil es auch durchaus schwierige Techniken sind und schwierige Methoden
1:19:28
sind, physikalische Methoden sind, braucht man wiederum Redundanz.
1:19:34
Also das heißt, man beobachtet die eine Größe nicht nur mit einer Methode,
1:19:38
sondern auch gerne mal mit zwei oder mit drei verschiedenen Methoden,
1:19:42
um sicherzustellen, dass die übereinander liegen, dass die die gleiche Aussage machen.
1:19:47
Also nur dann kann man im strengen experimentalfysikalischen Sinne seinen Daten
1:19:53
auch wirklich trauen, wenn man mit völlig unterschiedlichen Methoden,
1:19:57
mit völlig unterschiedlichen Blickwinkeln zum gleichen Ergebnis kommt.
1:20:00
So streng ist ja Wissenschaft. Ähm,
1:20:03
multipliziert schon die Anzahl der Instrumente. Also dass man da einen mehrfachen
1:20:09
Blick auf die gleiche Größe nimmt.
1:20:12
Dann werden diese Methoden alle weiterentwickelt. Und da gibt es eben passive
1:20:15
Methoden, die einfach das Licht angucken, aus dem Licht selber Schlüsse ziehen.
1:20:19
Dann gibt es aktive Methoden, die mit starken Lasern arbeiten.
1:20:23
Dann etwa Streuung oder Interferometrie machen. Das heißt also Veränderung der
1:20:28
Wellenlänge des Laserlichtes.
1:20:30
Also wie gesagt, ein ganz breites Methodenspektrum, was man denn dort abdeckt.
1:20:34
Einige Methoden funktionieren nur am Rand, andere Methoden funktionieren nur
1:20:38
im Zentrum, andere Methoden funktionieren im Übergangsbereich.
1:20:42
Es gibt auch nicht one size fits all, nicht sozusagen die magische Plasma-Beobachtungsmethode,
1:20:48
die einem einfach alles liefert, was man wissen möchte, die gibt es nicht.
1:20:51
Sondern man muss da wirklich einen Indizienprozess führen, also ganz viele Puzzlesteine
1:20:56
zusammenfügen, die auch manchmal nicht so richtig zusammenpassen wollen,
1:20:59
weil es alles mit so ein bisschen schwammig, auch mit Unsicherheiten so versehen ist.
1:21:03
Und dann braucht man den Puzzlestein eben auch gleich mehrfach,
1:21:06
damit man da so sagen kann, okay, ist das jetzt wirklich der Richtige?
1:21:09
Und aus daraus ergibt sich so ein Gesamtbild.
1:21:12
Und dieses Gesamtbild, also dieses ganze Spektrum, was sich da aus dem Gesamtbild
1:21:17
ergibt, also das Methodenspektrum, das bezeichnen wir als Plasma-Diagnostik.
1:21:22
Das ist so ein bisschen so ein Eigenbegriff, der sich hier bei uns so etabliert hat.
1:21:27
Und er dann immer so ein bisschen wie an so einem patienten
1:21:30
der diagnostiziert wird mit ganz vielen
1:21:33
instrumenten von allen seiten wo versucht wird
1:21:36
herauszufinden wie es diesen patienten dann so geht also das heißt die vielfachheit
1:21:40
der methode und die jeweilige spezialisierung der methode auf bestimmte bereiche
1:21:47
oder bestimmte fragestellungen ist ganz ganz essentiell um ein gesamtbild dafür
1:21:51
zu geben und die sache wird dann besonders.
1:21:55
Ja, besonders delikat, wenn man dann noch den Zeitaspekt reinbringt.
1:22:00
Denn das musste man auch erstmal lernen, dass dieses Gas gar nicht mal so friedlich
1:22:05
ist, also einfach nicht so als Gas dort fröhlich sitzt und nichts macht,
1:22:08
sondern dass es ein hochdynamischer Prozess ist.
1:22:11
Dadurch, dass es ein geladenes Gas ist, was einem Magnetfeld ausgesetzt ist,
1:22:16
ist dieses geladene Gas auch in der Lage, elektrische Felder zu bilden.
1:22:19
Also kleine Abweichungen zwischen der Dichte der Elektronen und der Ionen erzeugt
1:22:24
sofort starke elektrische Felder.
1:22:26
Und die in Kombination mit den magnetischen Feldern, und diese elektrischen
1:22:29
Felder können sich nur für kurze Zeit bilden, erzeugt etwas,
1:22:32
was wir als Dynamiken bezeichnen.
1:22:34
Das heißt, es wird ein dynamisches System, es beginnt sich räumlich und zeitlich zu entwickeln.
1:22:40
Und zwar auf Skalen, die können von Millimeter reichen bis Meter reichen,
1:22:44
also alles mögliche passiert da.
1:22:47
Und die Königsdisziplin da drin ist dann die Plasmaturbulenz,
1:22:51
auch das musste man mühsam lernen, dass dieses Plasma sogar sich wie ein turbulentes
1:22:57
Medium entwickelt, wie wir es etwa vom Wetter her kennen.
1:23:00
Also wenn wir draußen einen schönen Nordoststurm haben und hier Bäume und,
1:23:06
Menschen durchgeschüttelt werden, dann merkt man diese Turbulenz dieses Gases
1:23:10
und ein Plasma ist am Ende genauso ein turbulentes Gas.
1:23:14
Das kann Wirbel bilden, das kann starke Strömungen bilden, die mal von links,
1:23:19
mal von rechts kommen, die manchmal aufweilen, dann wieder verschwinden,
1:23:22
die also eine starke zeitliche Entwicklung haben, die aber auch eine räumliche
1:23:25
Komponente hat, eine stark ausgeprägte räumliche Komponente.
1:23:29
Und auch das muss man alles durch seine Instrumente abdecken.
1:23:32
Nämlich erst mit diesem dynamischen Bild, also das Plasma als dynamisches Phänomen,
1:23:38
hat man tatsächlich die ganze Geschichte.
1:23:40
Und da kommt dann auch wieder die Kunst rein, die zu verfolgen ist,
1:23:44
nämlich dieses Plasma tatsächlich und die Dynamiken dieses Plasmas unter Kontrolle
1:23:49
zu haben, so dass man einen kontrollierten Zustand herstellt,
1:23:52
also einen möglichst ruhigen Zustand herstellt.
1:23:55
tim-pritlove
Sprech, das System muss adaptiv funktionieren, all diese Messungen in Echtzeit
1:23:59
das Plasma beobachten und daraus wiederum Schlüsse zu ziehen,
1:24:03
wie man hier nachregelt.
1:24:06
Was lässt sich derzeit nachregeln? Was kann man beeinflussen,
1:24:10
wenn man jetzt sieht, hier haben wir Turbulenzen,
1:24:12
hier kippen mir die Magnetfelder ein bisschen zu sehr ab, ist die Temperatur
1:24:19
nicht stabil, was auch immer gemessen wird.
1:24:21
Was kann man in dem Moment denn
1:24:23
tun, um dieses Plasma wieder sozusagen in Reihe und Glied zu bekommen?
1:24:29
thomas-klingner
Da gibt es an sich drei Schritte oder drei Ebenen. Das eine ist einfach Vermeidung.
1:24:38
Also das hat ja allerlei Möglichkeiten, ein solches Plasma zu erzeugen unter
1:24:42
verschiedenen Betriebsparametern.
1:24:44
Dann hat man etwa den Gasdruck, mit dem man das Gas reinfüllt,
1:24:47
die Heizleistung, wo man die Heizleistung genau hinbringt und und und.
1:24:51
Also das heißt, im Prinzip macht man ja am Anfang so eine Art Setup,
1:24:54
mit dem man ein Plasma erzeugt und da gibt es eben halt solche Setups,
1:24:58
solche Betriebsszenarien, so nennen wir die,
1:25:01
wo man dann feststellt, das hat man halt über sehr unruhige Bedingungen,
1:25:05
hat man sozusagen schlechtes Wetter.
1:25:08
Und dann kann man sich auch überlegen, nee, da gehe ich lieber nicht mehr hin.
1:25:12
tim-pritlove
Also erstmal alles richtig machen.
1:25:13
thomas-klingner
Also vermeiden. Das heißt, man tastet so den gesamten Operationsraum mal ab,
1:25:19
wo sind eigentlich die guten Ecken.
1:25:21
Und die sind auch nicht so Gott gegeben, die liegen nicht so auf dem Tisch,
1:25:28
dass man die schon vorher weiß. So ist das nicht.
1:25:31
Aus guter Theorie hat man Vorhersagen. Die sagen, ja, da wird es wackelig, da ist es stabiler.
1:25:38
Das stimmt sehr oft, trotzdem muss man das alles abtasten danach.
1:25:43
Und das heißt, das ist im Prinzip dann so die Vermeidung von Ärger.
1:25:46
Das ist die allerniedrigste Ebene.
1:25:49
Aber auch schon sehr wichtig, dass man ein Operationsregime rausfindet,
1:25:53
wo man sagt, okay, also bei dem Magnetfeld, bei der Heizleistung,
1:25:56
wenn ich das so mache und so mache, dann wird es gut.
1:26:01
Und das ist auch Fleißarbeit, da den Operationsraum zu durchmustern.
1:26:06
Man muss eben sehr gut beobachten. und das mit Theorie und Simulation immer
1:26:10
wieder auch abchecken, ob man das dann auch so verstanden hat,
1:26:13
warum das so ist, weil ansonsten kann das durchaus auch eine Fehlinformation sein.
1:26:17
So, wenn man sich jetzt in etwa instabile Regime begeben muss,
1:26:22
weil die andere günstige Bedingungen oder günstige Eigenschaften haben,
1:26:28
sagt, naja, nehmen wir mal so als Beispiel, da habe ich besonders hohe Temperaturen.
1:26:33
Aber das ist nicht so furchtbar stabil. Dann fängt man an, mit Regelungsmethoden da etwas zu machen.
1:26:41
Und da gibt es eben das Feed-Forward und das Feedback.
1:26:44
Feed-Forward ist, dass man irgendeinen Aktuator hat, also irgendeinen Einfluss
1:26:48
nehmen kann, der dann diese Instabilität stabil macht, der das so ausregelt.
1:26:54
Dass man sozusagen wirklich aktiv einfach steuert.
1:26:58
Wenn ich dabei so selber so sage.
1:27:00
tim-pritlove
Vorausschauen, sodass man gar nicht erst in die kritischen Bereiche.
1:27:04
thomas-klingner
Ja, oder dass man es ausgedämpft kriegt, dass man es dann so unter Kontrolle
1:27:07
kriegt, dass man dagegen steuert. Das ist so feedforward.
1:27:10
Man regelt dagegen, aber so nicht aktiv nach vorne, weil man weiß, was man tut.
1:27:16
tim-pritlove
Womit kann man dann regeln? Also
1:27:17
was könnte das für ein, das ist jetzt der Gaszufluss oder Wärmezufluss?
1:27:23
thomas-klingner
Das ist zum Beispiel eine Regelgröße. Man kann auch gezielt geringe Mengen von,
1:27:32
Nichtwasserstoffgasen einleiten.
1:27:33
Das ist ganz schick. Damit kann man so Strahlung erzeugen, also elektromagnetische
1:27:39
Strahlung, Licht kann man damit so ganz gezielt in bestimmten Bereichen erzeugen,
1:27:42
die dann das Plasma sozusagen beruhigen oder die Prozesse am Rand dann eben halt beruhigen.
1:27:49
Nicht nur damit es gut aussieht, sondern damit man etwa unerwünschte Wandbelastungen reduzieren kann.
1:27:55
Das ist etwa so eine ganz wichtige Regelgröße, die haben wir jetzt gerade ganz
1:27:58
gut in den Griff bekommen, solchen Strahlungsgürtel so mit einem Fremdgas zu
1:28:02
erzeugen, sodass uns die Wand nicht so heiß wird.
1:28:05
Das ist auch so ein Ding, so eine Art Instabilität, da hat man plötzlich einfach Überhitzung der Wand.
1:28:10
Mist, dann kann man das so natürlich nicht betreiben, aber wenn man diesen Strahlungsgürtel
1:28:13
erzeugt, dann kann man das so betreiben.
1:28:15
Dann bildet die Heizung selber natürlich eine Regelgröße, das heißt also an
1:28:19
der kann man regeln, also wie stark und wo.
1:28:24
Den Gaseinlass oder wenn es eben halt kein Gas ist, haben wir auch andere Instrumente,
1:28:30
um neutrale Wasserstoffatome dort hineinzubringen.
1:28:34
Das geht über so kleine gefrorene Wasserstoffpillen. Die kann man dort einschießen
1:28:39
und da diskutieren wir gerade, wie wir das geregelt machen, wie wir das aktiv geregelt machen.
1:28:43
Wenn man es dann richtig gut im Griff hat, etwa bei diesem Strahlungsgürtel,
1:28:49
dann kann man das eben halt in Feedback packen.
1:28:51
Das heißt also im Prinzip beobachtet man dann das Plasma, wackelt das oder ist
1:28:57
das jetzt nicht da, wo ich es haben möchte und dann habe ich einen Aktuator, also einen Einfluss,
1:29:03
ein Fremdgas, was ich dort an einer ganz bestimmten Stelle sehr kontrolliert
1:29:07
einleite, einer ganz bestimmten Menge und das führt dann wiederum,
1:29:11
dass diese Information, die ich dann darüber habe, dass die mir sagt,
1:29:14
jetzt ist gut und das packt man dann in solche automatischen Schleifen rein.
1:29:18
tim-pritlove
Kann man in das Magnetfeld auch beeinflussen?
1:29:21
thomas-klingner
Ja, ist aber ein bisschen träge. Also für schnelle Regelungen ist das gar nicht
1:29:25
gut, weil so ein Magneten kann man nicht auf kurzen Zeitskalen hoch und runter fahren.
1:29:30
tim-pritlove
Aber es gibt auch glaube ich zusätzlich zu den Hauptmagneten gibt es noch so
1:29:33
zusätzliche Magneten, die nochmal so dann...
1:29:38
thomas-klingner
Ja, wir haben 20 Magneten, die alleine für solche Veränderungen des Magnetfeldes
1:29:42
da sind und auch das, da haben sie ja schon recht, auch das kann man in solche
1:29:45
Regelkreise reinpacken, allemal feed forward.
1:29:48
Also das ist auch wieder so, das sind Magnetfeldkonfigurationen,
1:29:51
das heißt also Also dann sagen wir, naja, das ist nicht gut,
1:29:53
jetzt schieben wir das noch ein bisschen und dann ist es wieder gut.
1:29:58
Aber auch das ist im Prinzip denkbar ein Feedback, aber das ist eine langsame Regelung.
1:30:03
Alles was mit Magneten selber zu tun hat, hat auch so seine zeitliche Einschränkungen.
1:30:07
Das ist einfach von der Physik der Magneten gegeben, also von der Induktion der Spulen.
1:30:15
tim-pritlove
Also das ganze System ist im Prinzip so ein großphysikalischer Eierlauf, kann man sagen.
1:30:21
thomas-klingner
Es ist schon ein Jonglieren, ja.
1:30:22
tim-pritlove
Man muss schon alles austarieren. Man hat erstmal diese Maschine gebaut,
1:30:27
man ist in der Lage, dieses Plasma zu erzeugen.
1:30:30
Nur das zu erzeugen allein reicht nicht. Man muss diverse Kriterien jetzt sicherstellen,
1:30:36
um Turbulenzen, Temperaturverhalten etc., also um sozusagen die idealen Voraussetzungen zu schaffen,
1:30:42
um dann künftig auch eine Fusion kontrolliert und in dem Parameterrahmen,
1:30:48
den man haben will, in dem Effizienzrahmen vor allem, den man haben will,
1:30:51
ablaufen lassen. lassen zu können.
1:30:53
Und das ist sozusagen der Stand der Forschung, den man jetzt erreicht hat.
1:31:00
Wie sieht denn jetzt die nächste Entwicklungsstufe aus? Wo befinden wir uns sozusagen?
1:31:08
Was wird jetzt als nächstes umgesetzt werden?
1:31:12
Wie nah sind wir sozusagen auch an
1:31:14
diesem Punkt, wo es dann mit wirklichen Fusionsexperimenten begonnen wird?
1:31:21
thomas-klingner
Na zunächst erstmal vorab gesagt, richtige Fusionsexperimente werden wir hier nie machen.
1:31:28
tim-pritlove
Nie machen?
1:31:29
thomas-klingner
Nein, wir werden hier nie Deuterium und Tritium in die Maschine einleiten.
1:31:35
Der Grund ist ganz banal, die ist zu
1:31:37
klein. Wir sprachen über das Volumen-zu-Oberfläche-Verhältnis. Sprich...
1:31:42
tim-pritlove
Ist aber jetzt kein kleiner Apparat. Ich war da, also...
1:31:45
thomas-klingner
Für ein Fusionskraftwerk ist das schon noch eine Mini-Version.
1:31:51
Aber wir reden bei Fusionskraftwerken von Gigawatt-Kraftwerken.
1:31:54
Das sind wirkliche Großanlagen.
1:31:58
tim-pritlove
Ja, wie viel größer als das, was jetzt hier aufgebaut ist, müsste ein entsprechendes System sein?
1:32:04
thomas-klingner
Wenn man konservativ rechnet, also wenn wir im Prinzip diese Maschine einfach
1:32:08
physikalisch-technisch fortsetzen, wir reden da von Skalierung,
1:32:14
dann landen wir ohne weiteres im 1000 Kubikmeter Plasma-Volumenbereich.
1:32:17
Wir haben jetzt 30 Kubikmeter, also von 30 auf 1000.
1:32:21
tim-pritlove
Was würde sich dann sozusagen auf diesen Durchmesser des Turos so?
1:32:25
thomas-klingner
Sowas wie 45 Meter. Okay. Also es ist eine große Anlage, es ist aber auch keine bizarr große Anlage.
1:32:32
Also wenn sie mal in so einem Gigawatt Braunkohlekraftwerk gewesen sind,
1:32:36
das sind auch große Kessel mit diesen zig Meter hoch und wirklich sehr, sehr beeindruckend.
1:32:42
Also ein Gigawatt braucht auch einfach große technische Anlagen.
1:32:44
Das ist ja erstmal nichts Besonderes, das ist nicht außerhalb der Skala draußen,
1:32:48
sondern es ist einfach ein ganz normales Großkraftwerk. Für ein Großkraftwerk
1:32:52
ist das Ding viel zu klein.
1:32:53
Diese 30 Kubikmeter, die sind im Hinblick auf das Verhältnis zwischen dem Volumen
1:33:01
zu der Oberfläche so ungünstig,
1:33:03
dass wir gar nicht diese Temperaturen, diese 100 Millionen Grad damit erreichen können.
1:33:12
Als Folge ist es natürlich auch nutzlos, dort Tritium reinzutun.
1:33:16
Das würde so wenig fusionieren, man würde nichts daraus lernen und wir müssten
1:33:21
die ganze Anlage als nukleare Anlage trotzdem betreiben, weil wir mit Tritium
1:33:24
umgehen, das ist dann auch ein radioaktives Element und das wäre dann plötzlich alles nuklear.
1:33:30
Und das ist kein Mehrwert, wenn man nichts daraus lernt und eben halt nur die Umstände hat.
1:33:35
Das wäre rein symbolisch und das ist wissenschaftlich und auch technologisch nutzlos.
1:33:40
In dem Sinne, das ist kein Fusionsexperiment, sondern das ist zunächst erstmal eine Anlage,
1:33:46
um herauszufinden, ist dieses Magnetfeld jetzt in der Lage, die Wärmeisolation,
1:33:50
auf der ich immer wieder rumreite, diese Wärmeisolation herzustellen unter stabilen,
1:33:54
kontrollierten, geregelten Bedingungen, die es braucht.
1:33:59
Um in einer größeren Anlage dann Fusion zu machen.
1:34:03
Aber das ist genau die Strategie. Man könnte natürlich jetzt einen Schuss ins
1:34:06
Blaue machen, gleich eine große Anlage bauen.
1:34:08
Aber da wir noch nicht gut genug wissen, ob diese große Anlage,
1:34:13
mit der man gleich Fusion machen könnte,
1:34:15
ob die das auch wirklich liefert, baut man aus rein ökonomischen Gründen das
1:34:19
natürlich erst mal als kleine Anlage, die noch keine Fusion macht,
1:34:22
wo man sagen kann, so jetzt haben wir alles beisammen,
1:34:24
dass wir diesen großen Wurf machen können.
1:34:27
Das ist letztlich eine Risikoreduktion, also Investitionsrisikoreduktion.
1:34:32
Denn es wäre nicht auszuschließen, dass man eine Großanlage baut und die läuft nicht gut.
1:34:37
Die liefert einfach nicht genug. Das ist ein Mistkraftwerk.
1:34:41
Und man will ja die Basis dafür herstellen, dass man weiß, was man tut,
1:34:45
dass man dann gleich bei dieser ersten Generation, bei der ersten ihrer Art,
1:34:50
dass man dort gleich ein funktionstüchtiges Kraftwerk auf die Beine stellt.
1:34:56
Trotzdem ist ja der Stellarator, also auch wenn jetzt nur Japan und Deutschland
1:35:00
dieses Modell bisher verfolgen,
1:35:03
schon auch ein realer Kandidat für eine mögliche Umsetzung als echtes Fusionskraftwerk.
1:35:11
Was sind sozusagen die Vorteile und warum man jetzt bei diesem System auch geblieben
1:35:16
ist oder dieses Konzept weiterverfolgt hat,
1:35:20
wenn man sich jetzt sozusagen eine Umsetzung vorstellt, was macht diesen Ansatz geeignet dafür,
1:35:28
wirklich letzten Endes die Basis für eine Fusionsenergiegewinnung zu sein?
1:35:33
thomas-klingner
Zunächst muss ich korrigieren, es ist nicht nur Japan und Deutschland.
1:35:37
Das waren so in der historischen Entwicklung so diejenigen großen Labors,
1:35:42
die da richtig am Ball geblieben sind.
1:35:44
Es gibt etliche etwas kleinere, die teilweise auch durchgehend mitgespielt haben,
1:35:50
die wieder eingestiegen sind.
1:35:51
Also wir haben schon Stellaratoren in allen Nationen.
1:35:55
Also China baut gerade einen Stellarator. In den USA gibt es mehr Stellaratoren.
1:35:58
Es gibt ein wichtiges Experiment in Spanien.
1:36:03
Also so klein ist die Szene dann doch wieder nicht.
1:36:07
Also wir haben da schon eine ganz gute Stellarator-Familie insgesamt.
1:36:10
Die könnte natürlich immer größer sein, weil dadurch mehr Kraft entsteht da
1:36:15
drin. Also einfach auch mehr Innovationskraft.
1:36:16
tim-pritlove
Aber auch die anderen sind alle mehr oder weniger auf demselben Stand.
1:36:19
thomas-klingner
Naja, das sind unterschiedlich große Maschinen. Größte spielt immer eine Rolle.
1:36:23
Die sind auch von unterschiedlichen Entwicklungsstadiumen, also unterschiedliche Generationen da drin.
1:36:29
Also der Wendelstein ist schon die größte und vor allem die am weitesten fortgeschrittene
1:36:33
Anlage also die mit großem Abstand modernste und leistungsfähigste Anlage da
1:36:38
ist jetzt so im Prinzip das ganze Wissen,
1:36:41
der Welt, der Stellarator-Welt und der letzten Dekaden da reingeflossen und
1:36:45
da ist alles mal zusammengebündelt.
1:36:49
Warum ist der Stellarator jetzt eigentlich ein guter Kandidat?
1:36:54
Naja, wenn man jetzt einmal wieder zurück geht zur Physik.
1:36:58
Dieser berühmte Strom im Plasma, der beim Tokamak ja erforderlich ist und der
1:37:04
auch ein Vorteil ist, weil der Strom das Plasma auch heizt.
1:37:08
Das war ursprünglich mal ein ganz großer Pluspunkt beim Tokamak,
1:37:12
als das die dominante Heizung war.
1:37:14
Aber dieser Strom, den kriegt man ja dann nicht raus, der muss da gemacht werden.
1:37:18
Und der hat schon auch seine Nachteile. Er macht das Plasma instabil,
1:37:21
also diesen elektrischen Strom mag das Plasma gar nicht so gerne.
1:37:25
Wir sprachen über diese dynamischen Phänomene da drin, dass das Plasma seine
1:37:30
eigene Dynamik entwickelt.
1:37:32
Und die kann dazu führen, dass das Plasma auch einfach sich mal verabschiedet
1:37:36
innerhalb von sehr kurzer Zeit.
1:37:38
Und dann wird dieser Strom, und wir reden bei dem Strom in einem Tokamak von
1:37:41
Megaampere, von Millionenampere, wird dann sehr plötzlich unterbrochen.
1:37:45
Und das ist ein sehr unangenehmes Event.
1:37:49
Das heißt also, dann wird die ganze Maschine ordentlich durchgeschüttelt und
1:37:51
muss inspiziert werden. und das ist kein gutes Betriebsszenario,
1:37:55
das ist ein Kopfschmerz. Das gibt es beim Stellarator nicht.
1:37:59
Der Stellarator hat ja keinen Strom, der braucht keinen Strom,
1:38:02
weil man die ganze Magnetfeldformung in die Magnete reingesteckt hat.
1:38:05
Das ist ein Riesenvorteil, die Stromlosigkeit des Fusionsplasmas.
1:38:10
Hört sich so ein bisschen nischig an.
1:38:14
Nicht so, man sagt halt Stromlosigkeit des Fusionsplasmas, aber das ist schon
1:38:19
ein dickes Ding. Also ein stromloses Plasma ist per se, per Definition viel stabiler.
1:38:29
Wo kein Strom drin ist, kann auch kein Strom abbrechen.
1:38:33
Wir brauchen keinen Strom da drin. Das heißt, in anderen Worten,
1:38:36
das Magnetfeld, was wir mit diesen externen Magneten generieren,
1:38:39
ist für sich dieses immaterielle Gefäß, in das man das Plasma reinfüllt und
1:38:44
es bleibt da drin sitzen, bis man es wieder rausnimmt.
1:38:47
Und das ist der zweite wichtige Aspekt.
1:38:51
Das Stellarator-Plasma, das Stellarator-Fusions-Plasma, das füllt man in dieses
1:38:56
Magnetfeld rein und im idealen Fall hockt das da drin.
1:39:02
Und das bedeutet, dieses Kraftwerk läuft auch einfach stundenlang,
1:39:06
den ganzen Tag, wochenlang.
1:39:09
Das ist eine ganz stabile Angelegenheit. Das ist in diesem Gefäß drin.
1:39:13
Man hat immer den Gaseinlass, man hat die Pumpen und das Plasma arbeitet dort wie so ein Gasöfchen.
1:39:19
Das ist ein zweiter Aspekt, der einem beim Tokamak Sorgen macht.
1:39:23
Diesen Strom, der ist ja nicht von selber im Plasma, den muss man dort hineinbringen.
1:39:28
Und wenn man etwa den Tokamak ITER in Südfrankreich nimmt, dafür braucht man
1:39:34
einen gewaltigen Magneten noch in der Mitte, also eine so große Spule noch in
1:39:38
der Mitte, diesen Strom in das Plasma induziert.
1:39:41
Diese Induktion erfordert, dass man diesen Magneten in der Mitte hochfährt und wieder runterfährt.
1:39:47
Und das passiert nicht innerhalb von einer Sekunde oder Bruchteil einer Sekunde,
1:39:52
sondern über Minuten oder gar Stunden kann das passieren.
1:39:57
Ist aber eine zusätzliche Komplikation, weil man dadurch so Zyklen reinbekommt,
1:40:02
dieses Hochfahren, Runterfahren, Hochfahren, Runterfahren.
1:40:04
Und das ist technisch problematischer, wenn man es eben im Vergleich zu einfach
1:40:11
einem Magnetfeld, was das Plasma einfach aufbewahrt, wo man gar nichts machen muss.
1:40:18
Also das heißt, es gibt da so Plus und Minus. Der Druckermark ist nach wie vor
1:40:21
immer noch die leistungsfähigste Fusionsmaschine, die mit ihren Betriebsparametern,
1:40:25
mit diesen Plasmaparametern am nächsten an die Fusion rangekommen ist.
1:40:29
Also hat immer noch so die Nase vorne. Der Stellarator robbt sich da jetzt so
1:40:33
langsam ran an diese Werte.
1:40:35
Und die Entwicklung sieht ganz gut aus.
1:40:38
Wenn man mit dem Steuerator auf solide Füße gestellt, die gleichen Güteparameter
1:40:47
für das Plasma erzeugt wie in einem Tokamak, ist der Steuerator gewiss besser.
1:40:52
Also man kann die stationär betreiben, also am Dauerstrich, im Dauerbetrieb
1:40:57
betreiben und er ist stabil.
1:40:59
Das ist beides für ein Kraftverbot.
1:41:02
tim-pritlove
Verstehe. Trotzdem ist ja auch, glaube ich, der Stellarator durchaus bestimmten
1:41:07
mechanischen Kräften auch ausgesetzt.
1:41:12
Wenn ich mir vorstelle, dass diese ganzen Magnete da in so einer verbogenen
1:41:17
Form drumherum liegen, die dürften ja wahrscheinlich auch einen gewissen Stress
1:41:23
auf das ganze System ausüben.
1:41:27
Haben die nicht die Tendenz dazu, sich wieder gerade biegen zu wollen? Wie hört sich das aus?
1:41:34
thomas-klingner
Das ist ein wichtiger Punkt und das kann man sagen, das ist so eine Schwäche
1:41:39
des Stellerators. Nichts im Leben ist perfekt.
1:41:42
Jeder hat Stärken und Schwächen. Eine Schwäche des Stellarators besteht daran,
1:41:45
dass die Kräfteverteilung, die von diesen Magneten impliziert wird,
1:41:53
die resultiert aus der Form dieser Magnete, dass die sehr komplex ist.
1:42:00
Simpel gesprochen kann man sagen, diese nicht planaren Magnete,
1:42:04
diese geformten Magnete, sobald sie vom Strom durchflossen sind,
1:42:07
wollen sie eben werden und wollen sie rund werden und entsprechend bilden sich die Kräfte aus.
1:42:14
Das heißt, sie versuchen sich in diese einfache Form selber zu bringen,
1:42:18
weil sie müssen in diese nicht ebene Form hinein gezwungen werden mit Stahlgehäusen
1:42:23
und das geht dann über die Stahlgehäuse, geht das in die Schrauben,
1:42:26
in die Stützstrukturen.
1:42:27
Das heißt, die ganze mechanische Struktur muss erstens recht hohe Kräfte aushalten.
1:42:32
Also hier beim Wendelstein sind das sowas wie 100 Megapaskal,
1:42:37
um das mal so zu illustrieren.
1:42:39
Das ist so wie eine Tonne auf einem Quadratzentimeter.
1:42:43
Also so ein Auto auf einem Quadratzentimeter sitzen.
1:42:51
Bei Fusionsmaschinen, die nochmal stärkeres Magnetfeld brauchen,
1:42:54
ist es entsprechend nochmal mehr.
1:42:55
Da hat man nochmal so einen Faktor 3, 4, 5, teilweise sogar 8 mehr,
1:42:59
je nachdem wie stark man das Magnetfeld macht.
1:43:01
Und das geht alles schon arg an die technischen Grenzen, was so Stähle eigentlich
1:43:04
noch mögen, was Stähle also ertragen können.
1:43:07
Das heißt also, man hat dort durchaus eine Maschinenbauaufgabe,
1:43:10
die nicht vom Pappe ist. um mit diesen starken Kräften klar zu kommen.
1:43:14
Starke Magnete, wir haben Sprachen davon, je stärker das Magnetfeld,
1:43:19
desto besser die Wärmeisolation.
1:43:22
Und diese starken Magnetfelder erzeugen einfach auch starke Kräfte.
1:43:25
Und diese starken Kräfte müssen von einer starken Stahlstruktur,
1:43:28
Stützstrukturen und Haltestrukturen abgefangen werden.
1:43:31
Und da kommt man an die Materialgrenzen von Stahl ran.
1:43:35
Da geht man so an die Extreme. Also ist technisch durchaus machbar,
1:43:41
Aber man legt da schon ganz gut die Ohren an.
1:43:46
tim-pritlove
Ja, das haben wir, glaube ich, den Stille Rathor ganz gut beschrieben, auch das Potenzial.
1:43:53
Es ist klar, hier ist noch ein längerer Weg zu gehen.
1:43:57
Ganze Energiegewinnung kriegt natürlich
1:43:59
derzeit extreme Dynamik durch die Verbilligung von Solarstrom etc.
1:44:05
Also ich denke, wir sind gerade mitten in einer technischen Wende.
1:44:11
Dadurch, dass Batterien so günstig werden und Strom und Wind jetzt auf einmal
1:44:16
sozusagen ihrer Nachteile beraubt werden.
1:44:19
Von daher glaube ich, ist es ein bisschen offen, welche Lösung jetzt die Fusionstechnik
1:44:26
uns noch anbieten wird in der Zukunft.
1:44:30
Kann man das so sagen, dass es ein bisschen Ungewissheit hat?
1:44:35
thomas-klingner
Ungewissheit gibt es ja immer ich werde aber nicht so nicht so vorsichtig ich
1:44:41
bin der Bezeugung, wir werden die Fusion schon brauchen ähm,
1:44:45
Letztlich ist das eine Primärenergiequelle, die wir noch gar nicht nutzen.
1:44:49
Und warum sollten wir die einfach nicht nutzen?
1:44:53
Wie stark wir sie nutzen und in welchen Segmenten wir nutzen,
1:44:56
das ist eine andere Frage.
1:44:59
Fakt ist ja, wir sprachen schon darüber, dass das Großkraftwerke der Gigawatt-Klasse sind.
1:45:08
Und man kann natürlich diese Gigawatt
1:45:11
auch einsammeln über viele einzelne Megawatt oder 5 oder 10 Megawatt.
1:45:15
So 100 mal 10 Megawatt ist auch ein Gigawatt.
1:45:19
Dafür braucht man aber natürlich schon massive Netze. Man muss Energie transportieren,
1:45:24
gegebenenfalls auch über große Strecken, weil auch 100 mal 10 Megawatt und 10
1:45:29
Megawatt Windkraftwerke sind schon massiv. Das gleiche gilt auch für Solar.
1:45:34
Man hat schon hohen Flächenverbrauch. Das heißt, man muss aus der Fläche das
1:45:37
zusammenziehen und transportieren und dann an den Ort zu bringen,
1:45:41
wo man auch mal ein Gigawatt braucht.
1:45:43
Das heißt also, wo man hochkonzentriert viel Energie braucht und zuverlässig
1:45:49
braucht, also wirklich 24-7 am besten, also ohne Speicher, dass es einfach so liefert.
1:45:55
Da ist die Fusion schon ganz gut.
1:45:58
tim-pritlove
Also so für Schwerindustrien, Stahlproduktion, solche Sachen.
1:46:02
thomas-klingner
Große Industriekomplexe, große Agglomerationen, also Megastädte,
1:46:06
wie man das so nennen kann.
1:46:09
Wo Grundlast einfach so da ist, wo das auch einen Mehrwert darstellt,
1:46:14
wo man sich Blackouts auch nicht leisten kann.
1:46:17
Nur mal nebenbei gesagt, speichern hört sich immer so einfach an,
1:46:21
aber auch Energie speichern ist gar nicht ohne.
1:46:23
Das ist sehr teuer, das ist nach wie vor Batterieforschung, riesen Forschungsgebiet.
1:46:29
Die Batterien, die wir gewohnt sind, sind eben halt von der Telefonbatterie
1:46:33
bis zur Autobatterie, also von Elektromobilität.
1:46:37
Das ist ja alles so unsere Erlebniswelt, also sozusagen der Consumer-Bereich.
1:46:42
Aber wenn wir jetzt von Terrawattstunden-Batterien reden, das ist eine ganz
1:46:46
andere Liga für die Grundversorgung.
1:46:49
Also die großen globalen Schwankungen von Wind und Sonne, also der Sonnenzyklus
1:46:54
ist ganz offenkundig, der ist ja geometrisch gegeben, noch ein bisschen durch
1:46:57
Wetter gesteuert, der Windaspekt ist völlig durch Wetter gesteuert.
1:47:01
Und diese Schwankungen muss man ja durch Speichern ausgleichen.
1:47:05
Und das Problem ist wirklich nicht von Pappe.
1:47:07
Und das kombiniert sich mit der Transportaufgabe.
1:47:12
Also Energie speichern ist schwierig und Energie transportieren ist schwierig.
1:47:15
Da kann die Fusion ausspielen, dass sie erstens als große Energiequelle nicht
1:47:21
aus der Fläche transportiert werden muss und dass sie als ein Wärmekraftwerk
1:47:27
einfach verfügbar ist, die hohe Verfügbarkeit hat.
1:47:32
Und wo dieses Segment ist und wie groß das Segment ist, das hängt sehr von den
1:47:38
sozioökonomischen Bedingungen des jeweiligen Landes ab, wie stark es industrialisiert ist.
1:47:43
Ein viel ländlicheres Land ist da wahrscheinlich ganz anders aufgestellt als
1:47:47
ein hochindustrialisiertes Land.
1:47:49
Wie die Industrien sind, ob das eine starke chemische Industrie ist,
1:47:52
die braucht unendlich viel Prozesswärme.
1:47:54
Ob es dort Stahlindustrie gibt, ist auch an Energie, Stahlschmelzen oder sowas gewohnt.
1:48:00
tim-pritlove
Oder auch Fernwärmesysteme.
1:48:01
thomas-klingner
Und Fernwärmesysteme für große Cities, die auch einfach Basisversorgung brauchen
1:48:06
bis hin zu Verkehr, nicht U-Bahnen, Krankenhäusern und so weiter.
1:48:11
Das ist ein anderes Setup als eine ländliche Region.
1:48:15
Und ich glaube, da gilt auch wieder, es gibt keine Universallösung.
1:48:18
Also nicht ein Zauberstab, der dann gleich alles auflöst, sondern man muss ein neues System aufbauen.
1:48:25
Und in dieser systemischen Sicht, wie so ein Gesamtsystem sinnvoll und ökonomisch
1:48:30
leistungsfähig und den Bedürfnissen entsprechend aufgebaut ist,
1:48:34
das ist wiederum ein Thema,
1:48:36
was einerseits noch besser verstanden werden muss, was ich
1:48:39
aber auch jetzt wo wir sehen wie stark sich die welt verändert und
1:48:42
wie sich auch sozioökonomische bedingungen in jedem jedem land verändern
1:48:45
wo das auch diese so in entwicklung unter unterlegen ist insofern ist es ganz
1:48:50
schwer da jetzt so etwas in zahlen zu nennen oder das jetzt wirklich so rein
1:48:55
zu gießen wenn ich sagen würde da diese fusion macht alles oder die fusion macht
1:48:58
nur zehn prozent das ist alles bodenlos nächstes alles haltlos alleine,
1:49:04
Was wir machen müssen und was wir versuchen, oder beziehungsweise woran wir
1:49:10
arbeiten, ist, dass wir die technologische und physikalische Basis dafür herstellen,
1:49:15
dass man diese Option hat.
1:49:17
Denn wenn wir uns da nicht vorarbeiten, dann haben wir sie nicht,
1:49:20
wenn wir sie brauchen. Dann guckt man dumm.
1:49:23
tim-pritlove
Genau, Vorbereitszeit.
1:49:24
thomas-klingner
Jetzt hätten wir gerne Fusion. Wie Bäume pflanzen.
1:49:29
Wenn man Holz braucht, muss man 100 Jahre vorher einen Baum pflanzen. So ist das leider.
1:49:34
tim-pritlove
Ja, hier wird auf jeden Fall viel gepflanzt, das ist ganz offensichtlich und
1:49:39
ich denke auch jetzt rein über das Ziel hinaus, was man jetzt hier natürlich im Fokus hat,
1:49:46
dem Betrieb von einer Fusionsmaschine, fällt ja auch eine ganze Menge an sekundären
1:49:53
Forschungsergebnissen hier ab.
1:49:54
Ich kann mir vorstellen, es muss viel erfunden werden, es müssen neue Instrumente
1:49:58
erfunden werden, Beobachtungen der Prozesse, ich denke Materialforschung und
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allein auch so Kühltechnik,
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sind ja alles solche Bereiche, die hier von der Forschung auch profitieren.
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thomas-klingner
Ja, ganz gewiss. Wie immer, wenn man sich an die technologischen Grenzgebiete
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begibt und da landen wir automatisch im Hinblick auf Wärmebelastung,
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Supraleitung, Kryotechnologie.
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Wir arbeiten dort ganz oft an den technologischen Grenzen und eben auch die
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Leistungsfähigkeit unserer Fusionsmaschine ist oftmals technologisch begrenzt.
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Also nicht durch die Physik.
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Es gibt keine Physikgründe, warum man dort nicht hinkommen sollte,
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sondern es gibt ganz einfache technologische Gründe.
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Das heißt, wir kratzen dort einfach an diesen technologischen Limits und das
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erzeugt natürlich automatisch für sich Innovationskraft und immer wieder Suche nach neuen Lösungen.
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tim-pritlove
Ja, super. Gutes Schlusswort. Ich bedanke mich für die Ausführung.
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thomas-klingner
War mir ein Vergnügen.
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tim-pritlove
Ja, das war's hier von Forschergeist zum Stellerator und dem Forschungsweg auf
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dem Weg zur Gewinnung von Fusionenergie.
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Ja, und dann würde ich sagen, vielen Dank, vielen Dank fürs Zuhören. Das war's.
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Bald geht's hier hoffentlich wieder weiter und ich sage Tschüss und bis bald.