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episode 92: FG092 Innovationen kreativ ermöglichen  

[transcript]


Die Anwendung von Innovation und Kreativität für Disruption in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft


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 March 9, 2022  1h32m
 
 
00:43   timpritlove
Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist dem Podcast des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.
00:47
Mein Name ist Tim Pritlove und ich begrüße alle zur 92. Ausgabe dieser Gesprächsreihe,
00:54
wo wir immer über ganz viel wichtige Sachen sprechen und manchmal geht es extrem ins Detail
01:00
und manchmal bewegt man sich dann doch mehr auf der Metaebene,
01:03
das wird heute wahrscheinlich so eine Sendung werden,
01:06
denn wir wollen über Innovation sprechen und auch über Kreativität
01:09
und noch ein paar andere interessante Begriffe und Tätigkeiten.
01:12
Und dazu begrüße ich erst mal meine Gesprächspartnerin heute,
01:15
nämlich Katharina Hölzle, schönen guten Tag.
01:18   katharina-hoelzle
Hallo, ich freue mich, da zu sein.
01:20   timpritlove
Ich freue mich, hier zu sein, denn ich bin ja eigentlich der Gast.
01:23
Ich bin nach Potsdam gefahren, denn dort sind Sie Professorin für IT-Entrepreneurship, wie das so schön heißt.
01:33
Was Teil der Digital Engineering Fakultät ist an der Universität Potsdam.
01:39
Soweit stimmt das, aber jetzt wird es kompliziert,
01:42
das Ganze hat auch noch eine Verbindung mit dem Hasso Plattner Institut.
01:46
Und das ist gar nicht so einfach zu erklären oder doch?
01:48   katharina-hoelzle
Ich versuche es mal ganz einfach.
01:50
Also das ist das Hasso Plattner Institut, welches ja vor über 20 Jahren von Hasso Plattner gegründet wurde.
01:57
Was dann ganz lange ein Aninstitut an der Universität Potsdam war
02:03
und dann vor gut drei Jahren in die Universität Potsdam aufgenommen wurde als Digital Engineering Fakultät.
02:11   timpritlove
Ah. Also das ist jetzt sozusagen in die Universität hineingewachsen?
02:14   katharina-hoelzle
Genau.
02:15   timpritlove
Ja und Hasso Plattner hat ja Kraft seiner Herkunft, sagen wir mal, digitale Themen
02:21
und Bildungsthemen auch früh hier in den Fokus gestellt des Instituts
02:26
und es hat sich dann mittlerweile ziemlich ausgewachsen hier an der Uni Potsdam,
02:29
kann man sagen oder?
02:30   katharina-hoelzle
Richtig, genau. Also wir sind ja relativ klein gestartet mit knapp zehn Kollegen,
02:34
zehn Professoren und dann bin ich vor jetzt gut zwei Jahren dazugekommen
02:39
als erste weibliche Professorin und auch als erste nicht-Informatikprofessorin,
02:44
denn vorher war das halt immer Kern die sogenannte angewandte Informatik.
02:50
Und dann bin eben vor zwei Jahren ich dazugekommen
02:53
und der Kollege Übernickel, der das Themenfeld Innovation und Design Thinking, Forschung macht,
02:59
und das waren die ersten beiden, die sich dann mal so ein bisschen interdisziplinär da drüber gelegt haben,
03:07
um die Themen auch mal im Kontext und übergreifend zu sehen.
03:10
Und aktuell sind wir jetzt nach letzter Zählung 24 Professoren und zwei Professorinnen
03:18
und es sollen jetzt noch zwei, drei dazukommen und dann sind wir aber erst mal ausgewachsen.
03:22
So da soll es dann erst mal so bleiben.
03:24   timpritlove
Da merkt man schon wieder das Problem, was die Informatik nicht nur in Deutschland,
03:28
aber auch in Deutschland, schon immer hat, dass es dann doch sehr männlichlastig war lange lange Zeit.
03:33   katharina-hoelzle
Ja.
03:34   timpritlove
Bricht langsam auf?
03:36   katharina-hoelzle
Nicht wirklich.
03:38
Also es ist wirklich wirklich sehr langsam, es ist ein sehr dickes Brett.
03:44
Ich hätte das vorher auch nicht gedacht, ich komme ja selber aus den Ingenieurswissenschaften,
03:48
da sind wir gefühlt tatsächlich schon 10-15 Jahre weiter.
03:52
Da haben wir schon eine größere Heterogenität und Diversität.
03:56
Die Informatik hat da immer noch wirklich Schwierigkeiten.
03:59
Ich bin ja auch Mitglied der SheTransformsIT Initiative,
04:02
wo wir ja auch mit Mitgliedern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik versuchen,
04:07
dieses Thema echt ganz oben auf die Agenda zu setzen.
04:10
Ich glaube, da ist es, aber über diese 15 Prozent Frauenanteil kommen wir irgendwie seit Jahren nicht wirklich raus.
04:18
Und wir bemühen uns sehr und ich habe auch immer das Gefühl,
04:21
wir haben viele zarte Pflänzchen, wir gehen in die Schulen,
04:27
wir gehen also in die Kindergärten noch nicht, aber versuchen,
04:29
da wirklich schon frühzeitig anzufangen, aber da muss sich wirklich noch sehr sehr viel ändern.
04:34   timpritlove
Ist das noch so ein bisschen Henne-Ei-Problem, dass es auch ein bisschen was mit dem Angebot von unten zu tun hat
04:40
oder ist das eher ein strukturelles Problem von oben?
04:43   katharina-hoelzle
Ja wahrscheinlich beides.
04:46
Also es kommen halt ganz viele Faktoren zusammen.
04:48
Es fehlen uns die Rollenmodelle, es fehlen uns die Frauen, die da stehen,
04:52
mit denen sich die jungen Frauen, die Mädchen identifizieren können.
04:55
Gleichzeitig ist es so, dass wir insgesamt im Kontext MINT einfach,
05:00
das wissen Sie sicherlich noch besser als ich, ein totales Bildungsproblem haben.
05:05
Das ist eine schwierig anzufassende Wissenschaft.
05:09
Und bei Informatik kommt es dann noch mal stärker dazu.
05:11
Dass es häufig eben immer damit assoziiert wird, es geht um programmieren,
05:16
es geht um die Nerds, die im Keller sitzen und das ist etwas,
05:18
damit holen Sie Mädchen grundsätzlich nicht so schnell hervor,
05:21
da haben die nicht so viel Lust drauf.
05:23
Was wir sehen sind die Bindestrich-Informatiken.
05:26
Wirtschafts-Informatik, Bio-Informatik, Medien-Informatik,
05:30
da ist der Frauenanteil deutlich höher, da sind wir mittlerweile schon bei 30-40 Prozent angekommen.
05:35
Also das heißt, wenn wir das Ganze verbinden mit einem Sinn,
05:38
mit einer Anwendung, mit dem Thema Impact, da sind wir ja schon so ein bisschen bei dem Innovationsthema,
05:44
da klappt es besser, ja.
05:49
Aber so die Kerninformatik und so, das ist schwierig und genau,
05:53
wir haben gerade bei der Schule angefangen und das setzt sich dann aber leider so fort,
05:57
dass wir eben auch an den Universitäten sehen, dass selbst wenn wir die Mädchen,
06:01
die jungen Frauen haben, die anfangen Informatik zu studieren,
06:04
dass die sehr sehr zu kämpfen haben, weil es doch immer noch sehr programmierlastig ist.
06:07
Die Jungs können alle programmieren, die Mädchen können nicht programmieren
06:10
und da müssen wir einfach noch mehr Angebote schaffen und dann sagen,
06:14
ja es gibt tatsächlich Mädchenprogrammierkurse, damit die einfach erst mal ankommen.
06:19   timpritlove
Ja, das gibt mir Anlass und Gelegenheit, mal nach Ihrem eigenen Werdegang zu fragen.
06:27
Sie haben ja eigentlich so ein bisschen mit der Wirtschaft angefangen,
06:29
kann man das so formulieren?
06:32
ich weiß nicht, ob man jetzt schon beim Studium starten sollte,
06:35
mich interessiert immer so ein bisschen die Motivation eigentlich,
06:37
warum man ja ein bestimmtes Studium überhaupt erst einschlägt.
06:40
Also bei Ihnen war das dann die Wirtschaftsingenieurwissenschaften richtig?
06:43   katharina-hoelzle
Richtig.
06:45   timpritlove
Wie kommt man da drauf?
06:48   katharina-hoelzle
Man kommt darauf, wenn der eigene Vater Unternehmer ist
06:55
und man selber aber gesehen hat, wie er gestrampelt hat,
07:01
wie schwer das war, wie eng auch häufig das Geld war,
07:04
dass das für mich nie ein Karriereweg war.
07:07
Dass ich gesagt habe, nein das möchte ich nicht.
07:09
Ich finde die Wirtschaft spannend, ich habe es kennengelernt bei meinem Vater,
07:12
habe natürlich da auch viel mitgearbeitet, aber wollte auf gar keinen Fall BWL studieren,
07:17
weil ich die BWLer damals schwierig fand.
07:22
Ich hatte Mathe, Chemie Leistungskurs.
07:23
Ich glaube, wenn ich aus einem klassischen Akademikerhaushalt gekommen wäre,
07:29
was wir nicht waren, dann hätte ich vielleicht sogar Ingenieurwesen studieren können,
07:33
das ist so etwas, was ich immer noch ein bisschen bedaure,
07:35
dass ich nicht mehr Mut hatte, tatsächlich in die Ingenieurwissenschaften einzusteigen.
07:41
Und der Wirtschaftsingenieur das war dann so der praktische Wirtschaftswissenschaftler auf der einen.
07:46
Und auf der anderen Seite …
07:47   timpritlove
Die Bindestrich-Disziplin.
07:49   katharina-hoelzle
Genau, also vielleicht ganz vergleichbar.
07:54   timpritlove
Und wie muss man das verstehen, also Wirtschaftsingenieur, wo liegt der Schwerpunkt?
08:03   katharina-hoelzle
Naja, also im Grundstudium ist er erst mal schön bunt.
08:06
Ich habe ja noch ein klassisches Diplom gemacht in Karlsruhe an der Technischen Universität.
08:10
Und da haben Sie natürlich von Mathe 1 bis 3b über die Physik,
08:14
über die Chemie, über die Materialwissenschaften alles dabei.
08:17
Und dann auch so ein bisschen die auch Programmierung, Rechnungswesen
08:22
und dann im Hauptstudium habe ich mich dann auf der einen Seite
08:26
im Bereich der Ingenieurswissenschaften hatte ich den Maschinenbau
08:29
und auch wieder die Materialwissenschaften.
08:31
Und auf der anderen Seite dann, das war die Karlsruher Prägung,
08:35
aber auch immer schon Informatik, Operations Research und Wirtschaftswissenschaften.
08:41
Und letztendlich …
08:41   timpritlove
Das war Universität Karlsruhe dann?
08:43   katharina-hoelzle
Genau, so und uns wurde dann immer vorgeworfen, das wird dem Wirtschaftsingenieur immer gerne noch vorgeworfen,
08:50
das ist die eierlegende Wollmilchsau, kann alles so ein bisschen, aber nichts richtig.
08:55   timpritlove
Das kann auch ein Vorteil sein.
08:56   katharina-hoelzle
Genau.
08:57   timpritlove
Dann ging es aber in die Wirtschaft für Sie erst mal?
09:00   katharina-hoelzle
Genau, also ich hatte das große Glück, dass ich ein Jahr im Ausland studieren durfte.
09:04
Ich habe in den USA meinen Master of Business Administration gemacht
09:07
und hatte dort Professoren, die eigentlich alle aus der Wirtschaft kamen.
09:12
Die hatten alle mal in Unternehmen gearbeitet und das war für mich eine ganz neue Welt.
09:16
Das war also nicht mehr so viel Theorie wie in Karlsruhe,
09:20
sondern das war wirklich Hands on, wie man so sagen kann.
09:24
Und das war für mich der Punkt, dass ich sagte, ich habe während meines Studiums immer schon an einem Lehrstuhl gearbeitet,
09:30
was mir große Freude gemacht hat, aber ich fand dieses Vorbild aus den USA,
09:34
dass die Professoren eben wirklich wussten worüber sie sprachen, das fand ich toll.
09:40
Und da war der Punkt, dass ich sagte, ich kann mir vorstellen, in die Academia zu gehen.
09:44
Aber ich möchte doch gerne noch erst die andere Seite sehen, ich möchte erst noch mal richtig arbeiten.
09:49
Und so kam dann die Entscheidung, zunächst einmal in die Wirtschaft zu gehen.
09:53
Und als ich dann diverse Stationen durchlaufen hatte, vom Großunternehmen Siemens
09:59
über die Unternehmensberatung, Capgemini, bis hin zu einem amerikanischen Startup-Unternehmen,
10:05
war dann irgendwann der Punkt gekommen, dass ich gesagt habe, so jetzt hast du alles mal gesehen
10:10
und jetzt bist du eigentlich bereit, das Ganze jetzt noch mal von der wissenschaftlichen Seite zu betrachten.
10:16   timpritlove
Startup und Siemens und so, das sind ja, also das könnte ja kaum weiter voneinander entfernt sein.
10:22
Ich will jetzt Siemens nicht zu nahe treten, aber ist natürlich eine ganz andere Struktur.
10:27
Also klar, wenn ich jetzt frage, wo nimmt man mehr mit, dann ist die Antwort,
10:32
beides ist lehrreich, aber was prägt einen letztlich vielleicht mehr?
10:37   katharina-hoelzle
Also am meisten geprägt hat mich tatsächlich die Zeit in der Unternehmensberatung.
10:41
Das war eine sehr harte Zeit, also das ist tatsächlich eigentlich noch mal eine zusätzliche Ausbildung gewesen.
10:46
Ich bin da sehr geschliffen worden, das tat auch teilweise ganz schön weh,
10:50
aber ich glaube, ich habe da wirklich sehr sehr viel noch mal gelernt.
10:54
Und das war ja so das Zwischenstück, zwischen dem Großunternehmen und dann dem Startup.
11:00
Und die anderen beiden Erfahrungen waren sehr unterschiedlich, aber beide gut.
11:06
Also ich glaube, wenn ich nicht vorher in einem Großunternehmen gearbeitet hätte,
11:10
dann hätte ich auf Unternehmensberaterseite nicht so gut verstanden, wie ein Unternehmen tickt,
11:17
in welchen Strukturen es häufig gefangen ist.
11:19
Und wenn ich nicht als Unternehmensberaterin auch gelernt hätte, so selbstständig zu arbeiten,
11:25
dann hätte ich in diesem amerikanischen Startup-Unternehmen,
11:28
wo ich ja dann am Ende dafür verantwortlich war, auch die europäische Tochter aufzubauen,
11:33
hätte ich das nicht so selbständig machen können.
11:35   timpritlove
Was für ein Startup war das?
11:37   katharina-hoelzle
Das nannte sich „Need2Buy“, das war eine Plattform für die Halbleiterindustrie.
11:42
Und das war also im Jahr 2000, die Hochzeit des e-Commerce,
11:47
und der Halbleitermarkt war damals, was er heute auch immer noch ist, sehr volatil,
11:51
er war sehr intransparent und die Zielsetzung, mit der wir rangegangen waren,
11:56
war es, eine Plattform zu schaffen, um Nachfrage und Angebot besser zusammenzubringen.
12:03   timpritlove
Wenn man geschliffen wird in der Unternehmensberatung, was schleift sich da ab und wer schleift da an einem?
12:09   katharina-hoelzle
Naja, erst einmal natürlich die verantwortlichen Partner auf dem Projekt, die einem sehr genau sagen,
12:17
wo man sich einzuordnen hat und was von einem erwartet wird.
12:22
Sei es die Form, der Inhalt einer Präsentation, die Art und Weise wie man professionell beim Kunden auftritt.
12:31
Also insofern würde ich eher sagen, schleifen im positiven Sinne, also einen Rohdiamanten in Form bringen.
12:38   timpritlove
Eine Härtung eher.
12:42   katharina-hoelzle
Was schleift sich ab.
12:46
Also dadurch, dass es bei mir nur gut anderthalb Jahre waren, hat sich nicht so viel abgeschliffen,
12:49
sondern es hat sich tatsächlich viel herausgeschliffen.
12:52   timpritlove
Okay, verstehe.
12:55
Und dann ging es aber doch eher wieder in die Richtung der Universitäten?
13:00   katharina-hoelzle
Genau, also, wie sagt man, das Spiel oder die Tätigkeit bei dem Startup-Unternehmen das endete,
13:12
nachdem die amerikanische Mutter festgestellt hatte, dass die europäische Tochter doch nicht so wichtig ist,
13:17
wie sie das vielleicht geglaubt hat.
13:19
Ich hatte dann das Angebot, in den USA weiterzuarbeiten und da war für mich aber der Punkt,
13:23
dass ich dachte, so jetzt hast du viel gesehen, das wäre auch spannend gewesen,
13:27
aber mein damaliger Professur, für den ich schon in Karlsruhe gearbeitet hatte,
13:31
der war nach Berlin gegangen, ich lebte zu der Zeit theoretisch in Berlin
13:35
und machte mir ein Angebot und sagte, Mensch wie sieht es denn aus?
13:38
So, ich habe dich nicht vergessen, ich habe da jetzt gerade eine Stelle frei, hast du nicht Lust?
13:42
Und das war für mich so der Punkt, dass ich dachte, ja, jetzt ist der an der Technischen Universität Berlin,
13:46
er hatte ein konkretes Projekt mit der Robert Bosch GmbH zusammen, das passte dann auch gut zu diesem Thema.
13:51   timpritlove
Auch immer noch in derselben Disziplin?
13:53   katharina-hoelzle
Genau, Innovationsmanagement.
13:55
Also er hatte den Lehrstuhl für Technologie und Innovationsmanagement,
13:58
es war eine Promotion im Kontext des Projektmanagements, also Laufbahn für Projektleiter zu entwerfen.
14:06
Und das passte sehr gut zu meinem Anspruch, die Verbinderin, die Vermittlerin zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu sein.
14:15   timpritlove
Also das gleiche wie jetzt, aber nicht das gleiche wie vorher, also nichts Wirtschaftsingenieurwissenschaften,
14:23
sondern halt jetzt ging es in die Innovation rein.
14:27
Und wie kam es dann zu dem Engagement hier?
14:32   katharina-hoelzle
Na, ich habe dann an der TU Berlin meine Promotion absolviert, also meine Dissertation geschrieben,
14:38
bin dann kurzzeitig bei dem Professor Gemünden als Postdoc beschäftigt gewesen
14:45
und habe dann eine Juniorprofessur an der TU Berlin angenommen.
14:47
Auch das war wieder Mittlerin zwischen Wirtschaft und Wissenschaft,
14:51
eine Juniorprofessur die von den Deutschen Telekom Laboratories finanziert war,
14:56
die T-Labs waren damals, das war 2007, da gab es die schon ein paar Jahre,
15:04
das war ja eine ausgelagerte Forschungseinheit der Deutschen Telekom,
15:08
angesiedelt an der TU Berlin, mit dem Auftrag, denkt neu.
15:14
Da sind wir schon bei dem Thema kreativ, innovativ, denkt außerhalb der Strukturen der klassischen Deutschen Telekom.
15:20
Und ich hatte die Juniorprofessur für Organisation und Führung im Innovationsmanagement.
15:27
So und das habe ich dann gute anderthalb Jahre gemacht und dann war die Professur für Innovationsmanagement und Entrepreneurship
15:34
an der Universität Potsdam ausgeschrieben und ich habe einfach mal meinen Hut in den Ring geworfen,
15:40
fand mich selber noch ein bisschen jung, aber hat funktioniert und so bin ich dann 2011 an die Universität Potsdam gegangen.
15:47
Hatte damals schon an der School of Design Thinking des Hasso-Plattner-Instituts als Dozentin, als Coach gearbeitet.
15:55
Habe dann angefangen, am Hasso-Plattner-Institut die Bachelor- und Masterstudenten im Kontext Wirtschaft und Gründung zu unterrichten.
16:03
Habe da immer sehr viel Spaß gehabt an den Studierenden, weil die sehr aufgeweckt,
16:09
sehr wissbegierig und gleichzeitig eben diesen technischen Hintergrund,
16:13
der mir dann bei der klassischen BWL ein bisschen fehlte, hatte.
16:18
Und als dann 2018 die Professur für IT-Entrepreneurship am HPI ausgeschrieben war,
16:24
habe ich mich darauf beworben und bin dann am 01. November 2019 eben richtig als Professorin für IT-Entrepreneurship ans Hasso-Plattner-Institut gegangen.
16:33   timpritlove
Was heißt denn, man fühlt sich zu jung für eine Professur?
16:35
Hat das immer noch den Nimbus, man muss steinalt sein, um so was zu übernehmen?
16:41   katharina-hoelzle
Ja, also das menschliche Alter hat sich zum Glück so ein bisschen, glaube ich, verändert.
16:47
Wir haben da ja, gut, wir haben in Deutschland immer noch sehr lineare akademische Laufbahnen.
16:52
Also meine Laufbahn ist da ja doch immer noch sehr unüblich, zumindest in vielen Bereichen.
16:57
Vielleicht nicht bei den Ingenieurswissenschaften, aber in anderen Disziplinen schon,
17:00
insofern als dass ich ja die Academia erst mal verlassen hatte,
17:02
insofern war ich eigentlich vom zeitlichen Alter gar nicht mehr so jung,
17:07
denn ich hatte ja schon diesen Interimspart gehabt, aber ich war ja nun erst anderthalb Jahre als Juniorprofessorin tätig.
17:16
Und insofern das akademische Alter war eben noch nicht so hoch.
17:21   timpritlove
So, das heißt, jetzt in der neuen Rolle hier in Potsdam wird natürlich gelernt, aber es wird natürlich auch geforscht,
17:30
so wie sich das gehört und mit so Begriffen wie Innovation und Kreativität und Unternehmen
17:40
ist ja auch eine mutige Kombination, erfüllt ja nicht unbedingt jetzt jedes Unternehmen.
17:45
Reden immer alle ganz gerne davon, aber die Frage ist natürlich, was ist das denn eigentlich?
17:50
Wenn man jetzt daran forscht und wenn man da, sagen wir mal, jetzt auch wirklich versucht,
17:53
strukturiert heranzugehen, muss es ja auch erst mal einen Definitionsrahmen geben.
18:00
Man muss es ja irgendwie fassen.
18:02
Es ist natürlich immer ein super Wort für Sonntagsreden, aber wenn es konkret wird,
18:07
ein Paper dabei rauskommen soll, muss man das natürlich schon so ein bisschen einkreisen.
18:12
Vielleicht können wir uns da mal kurz daran versuchen, was durch Innovation jetzt eigentlich wirklich abgedeckt ist.
18:21
Was muss man sich, was stellen Sie sich darunter vor?
18:26   katharina-hoelzle
Also für mich ist Innovation erst mal die Umsetzung einer Idee in etwas anfassbares.
18:33
Also es ist mehr als die Idee, es ist mehr als ein Konzert, was vielleicht meine Idee schon mal beschreibt,
18:40
sondern ich habe das schon in irgendeiner Weise anfassbar gemacht
18:46
und ich habe Menschen, sage ich jetzt mal breit noch gesprochen, gefunden,
18:51
die das annehmen, die das umsetzen, die damit irgendetwas anfangen.
19:02
Ich mache jetzt den Rahmen noch mal ein bisschen größer.
19:04
In der klassischen Definition sind Innovationen immer etwas, die im Markt umgesetzt werden.
19:12
Also wir sprechen von der Idee, von dem Konzept und dann erst von der Innovation,
19:18
wenn es in den Markt gebracht wurde und der Markt es angenommen hat.
19:23
Ich glaube aber, dass wenn wir heute von Innovation sprechen,
19:28
dass wir diesen Markt sehr viel weiter fassen müssen.
19:30
Denn der Markt ist erst mal ein sehr wirtschaftlicher Begriff.
19:35
Und ich glaube, dass, wenn wir eben darüber nachdenken, deswegen habe ich jetzt gerade Menschen gesagt,
19:38
wir ja auch über Gesellschaften sprechen oder über Politiksysteme.
19:45
Also wichtig ist einfach nur, die Innovation ist mehr als nur eine fixe Idee,
19:53
eine Problemlösung, ein Konzept, sondern es muss umgesetzt sein.
19:57
So und über diesen Grad der Umsetzung, darüber können sowohl die Experten als auch die nicht-Experten trefflich streiten.
20:05
Aber es muss am Ende etwas anfassbares da sein, was mehr als nur ich,
20:09
als der Erfinder, die Erfinderin gut findet.
20:13   timpritlove
Würde mir jetzt so als erstes die aktuelle Situation rund um Energiegewinnung einfallen.
20:20
Ist ja im Prinzip auch ein sehr innovationsträchtiger Bereich.
20:25
Also es gibt eine gesellschaftliche Notwendigkeit für eine Innovation, für die aber ein Markt in dem Sinne noch nicht existiert
20:32
oder teilweise existiert er eben schon oder befinden wir uns mittlerweile natürlich in einer Phase,
20:39
wo der in zunehmendem Maße wächst, aber wenn man noch mal 20 Jahre zurückblickt,
20:43
als das erneuerbare Energien Gesetz kam, war das ja im Prinzip so ein Ansatz.
20:48
Ist das das, was Sie meinen?
20:49   katharina-hoelzle
Mit der Umsetzung, ja, grundsätzlich schon.
20:53
Also natürlich, wenn wir jetzt eben drüber nachdenken, dann wissen wir ja auch,
20:56
es hat schon viele Erfindungen gegeben, die womöglich auch Menschen gefunden haben,
21:03
die gesagt haben, das ist eine supercoole Idee, genauso sollten wir das machen.
21:08
Also zum Beispiel auch jetzt aktuell Cryptocurrencies oder wie bezahlen wir eigentlich.
21:13
Hier die Electronic Wallets, da hat es also vor 20 Jahren schon Lösungen gegeben,
21:18
die fanden Leute auch cool, da gab es also auch eine technische Umsetzung,
21:23
aber die große Masse hat es eben noch nicht angenommen.
21:27
Und genauso können wir jetzt bei den erneuerbaren Energien ja ähnlich darüber nachdenken,
21:30
dass wir sagen, also eigentlich haben wir die Lösungen, aber sie werden ja noch nicht wirklich breit umgesetzt in einem Markt, in einer Gesellschaft.
21:40
So und dann kommen wir natürlich ganz schnell auf die Ebene der Diskussion,
21:45
welche Rolle spielt dann beispielsweise der Staat, in dem er dann einen Markt schafft
21:50
bzw. eine solche Innovation zunächst einmal trägt.
21:55
Denn ich sagte ja gerade schon, diese klassische Wirtschaftsdefinition,
21:58
eine Innovation hat einen Markt, das ist natürlich genau dieser Marktbegriff
22:04
und darüber können wir ja trefflich streiten, wer schafft Innovationen?
22:08
Ist das der Markt, sind das die Unternehmen oder um eben beispielsweise mit Mariana Mazzucato zu sprechen,
22:14
ist es der Staat, der ein ganz großer Innovationstreiber ist.
22:19
Und da sehen wir schon, es ist schwierig, da dann zu definieren, wer schafft diesen Markt,
22:26
wer ist eigentlich der Nachfrager und ab wann können wir sagen, das ist jetzt eine Innovation.
22:32
Und da versuchen wir uns als Innovationsforscher immer noch ein bisschen zu behelfen,
22:37
dass wir sagen, es kommt auf die Art der Innovation an, es kommt auf den Grad der Innovation an,
22:42
es kommt auf die Nachfragenden an.
22:44
Nur weil es für Sie jetzt gerade eine Innovation ist, ist es vielleicht für mich keine und umgekehrt.
22:50
Also dieser Innovationsbegriff und das ist so spannend daran, das stelle ich sowohl hier an meinen Kollegen, an meinen Studierenden fest,
22:59
als auch in den klassischen Ingenieurwissenschaften, die Naturwissenschaften sind es gewohnt,
23:03
1 oder 0 zu sagen, es ist richtig oder es ist falsch, es gibt klare Antworten.
23:09
Die Innovation ist nie schwarz oder weiß, sie ist nie ja oder nein,
23:15
sondern sie ist sehr häufig so, dass wir sagen, es kommt darauf an.
23:21
Nur weil Deutschland jetzt für sich beschlossen hat, dass wir mit dem erneuerbaren Energie Gesetz folgende Technologien fördern wollen
23:29
und daraus entsprechende Innovation machen, ist das in einem Land wie Japan beispielsweise oder China
23:35
noch lange nicht diese Innovation wie wir sie vielleicht sehen und umgekehrt.
23:40   timpritlove
Wenn man, jetzt gibt es ja noch den zweiten Begriff der Kreativität, der diese Innovation offensichtlich befördern soll,
23:49
ist das auch ein definierbarer Begriff?
23:53   katharina-hoelzle
Der ist noch mal schwieriger.
23:55   timpritlove
Ja, ich weiß, deswegen habe ich das ich gefragt.
23:59   katharina-hoelzle
Hier gehen wir nämlich dann von den Wirtschaftswissenschaften, die ja vielleicht noch so ein bisschen ihre Wurzeln in den Naturwissenschaften haben,
24:07
gehen wir ja jetzt in die Sozial- und Geisteswissenschaften, wir gehen in die Verhaltenswissenschaften,
24:12
wir gehen gerade bei der Kreativität auch schnell in die Hirnforschung beispielsweise.
24:18
Was ist Kreativität, was macht ein kreativen Menschen aus?
24:21
So und dann kommen wir in den Bereich der Kunst, wir kommen in den Bereich der Human- und Geisteswissenschaften,
24:28
was schaffe ich sozusagen als künstlerisches Werk, wie verändere ich Dinge?
24:34
Also die Kreativität ist da noch mal breiter.
24:39   timpritlove
Ist das mehr so im Sinne von Produktivität gemeint?
24:43
Also ich meine, Kreativität kann ja heißen, man schafft was und das Schaffen als solches ist sozusagen wichtig
24:48
oder so wie wir das, sagen wir mal, gemeinhin so diskutieren und benutzen das Wort,
24:52
im Sinne von, oh da hast du jetzt aber was gemacht, wo ich jetzt nicht drauf gekommen wäre,
24:57
was ja eigentlich mehr so diesen Innovationstouch hat, so dieses,
25:00
oh wenn jemand sehr kreativ ist, dann tut er innovative Dinge oder ist es einfach nur so ein Output generieren können.
25:11
Wie klingt das Wort in Ihrem Kopf?
25:14   katharina-hoelzle
Also für mich klingt es sehr viel mehr schaffend, also die Problematik mit dem Wort der Produktivität ist,
25:21
dass das ja mittlerweile in Teilen negativ konnotiert ist,
25:27
weil die Produktivität immer ein klar definiertes Ergebnis hat.
25:32   timpritlove
Messbar ist auch.
25:34   katharina-hoelzle
Und ich meine, das Thema Produktivität und ob sich unsere Produktivität verändert hat oder nicht,
25:37
da können wir ja noch mal anderweitig drüber sprechen.
25:41
Kreativität für mich hat tatsächlich ganz viel mit dem Wort Schaffen, creare etwas schaffen.
25:48
Wie dieses, was wir da schaffen, aussieht, ist ja dann auch wieder einerseits in der Betrachtungsweise des Schaffenden
25:58
und der Menschen, die es betrachten.
26:01
Also ist das etwas neues, was dort geschaffen wurde?
26:04
Und neu ist ja auch immer in der Perspektive des Betrachters, wie neu ist neu?
26:10
Was für mich neu ist, ist für jemand anderen nicht neu.
26:13
Aber Kreativität hat für mich wirklich erst mal sehr viel damit zu tun,
26:18
und das ist sicherlich die positive Konnotation, die ich diesem Wort gebe, ist,
26:22
etwas neues zu schaffen, und zwar neu, gerne auf vielen Dimensionen,
26:29
aber tatsächlich eben etwas neues zu schaffen.
26:32
Und wenn ich jetzt noch einen Schritt weitergehen darf, was für mich immer ganz wichtig ist,
26:37
ist aber schon, und da bin ich dann doch wieder wahrscheinlich stärker Naturwissenschaftlerin als Geisteswissenschaftlerin,
26:44
dass ich sage, ich erwarte schon, dass es irgendwie einen Impuls setzen kann.
26:50
Also Kreativität um der Kreativität Willen damit tue ich mich ein bisschen schwer.
26:56
Sondern ich finde das immer, für mich hat es viel damit zu tun, löse ich ein Problem oder eine Herausforderung.
27:04   timpritlove
Hier gibt es am HPI auch diesen, ich weiß nicht, hatten wir es schon erwähnt, diesen Bereich des Design Thinkings,
27:11
klang, glaube ich, kurz an, ist ja auch so ein skurriles Wort erst mal.
27:18
Was ist denn damit gemeint und inwiefern beeinflusst das die Arbeit hier?
27:24   katharina-hoelzle
Die Arbeit hier beeinflusst es sehr stark.
27:27
Das Design Thinking ist für mich, das ist jetzt wieder meine individuelle Definition,
27:36
ein Prozess, eine Einstellung, ein sogenannter Mindset und eine Herangehensweise,
27:48
Probleme, Nutzer menschenzentriert zu lösen.
27:54
Das macht es so schick, wenn man es im Kontext der Naturwissenschaften gerade betrachtet,
27:59
aber auch allgemein, dem Thema, wie lösen wir eigentlich die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen,
28:05
da gibt es immer technische Lösungen, da sind wir in Deutschland super, wir haben ganz klare Ingenieurstraditionen,
28:11
naturwissenschaftliche Traditionen, wir sind immer sehr gut, neue Dinge zu erfinden.
28:16
Was wir häufig in der Vergangenheit vergessen haben, ist zu fragen, für wen machen wir es eigentlich?
28:23
Brauchen die Menschen das eigentlich?
28:23
Das ist so das eine und das andere ist, was brauchen die Menschen eigentlich?
28:28
So und diesen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, zu sagen, wir haben tolle Technologien,
28:32
wir müssen uns natürlich auch irgendwie die Wirtschaftsseite angucken, weil wir da irgendwann irgendwie mit Geld verdienen müssen
28:37
und unsere Arbeitnehmerinnen bezahlen und dann den Menschen mit reinzunehmen.
28:43
Wenn wir also diese drei Bälle zusammenpacken, dann entsteht Innovation.
28:49
Und Innovation entsteht eben wie gesagt nur dann, wenn wir diese drei Teile miteinander verbinden.
28:54
Und ich jetzt als klassischer Wirtschaftsingenieur würde sagen, Technologie und Wirtschaft habe ich gelernt,
28:59
während meines Studiums, habe ich angewandt, kann ich.
29:02
Den Menschen haben wir erstaunlich wenig betrachtet und das ist das, wo das Design Thinking reinkommt.
29:08   timpritlove
Da würde mir ja als erstes mal einfallen, dass eigentlich so in Deutschland das vielleicht ein bisschen misslungen ist in der letzten Zeit.
29:16
Nehmen wir mal so die prägendste Industrie, die Autoindustrie, die ja nun wirklich zum Jagen getragen werden musste,
29:24
bis sie dann endlich mal den Wandel hin zu Elektromobilität angeht.
29:30
Jetzt wird das, sagen wir mal, so typisch deutsch-industriell auch angegangen.
29:33
So nach dem Motto, holla jetzt sind wir aufgewacht, jetzt fangen wir aber auch wirklich an, so.
29:38
Nur eben startet man eben sehr weit hinter der Startlinie in gewisser Hinsicht
29:43
oder die anderen rennen halt schon und jetzt hat man dann den Schuss auch gehört.
29:50
Da ist ja dann was schief gegangen oder?
29:51
Also ich meine, da hat das ja dann eigentlich genauso nicht funktioniert, dass der Mensch mitgedacht wurde.
29:57
Weil der Mensch wurde nicht mitgedacht, sondern es wurde eigentlich nur die normale wirtschaftliche Logik verfolgt,
30:02
so nach dem Motto, ach naja Gott, Verbrennungsmotoren können wir super bauen,
30:06
funktioniert, haben wir schon immer so gemacht, das müssen wir jetzt beibehalten als unseren Vorteil,
30:14
weil so läuft der Hase, damit verdienen wir halt unsere Brötchen und dieser ganze moderne Kram kostet ja alles nur Geld und will ja auch keiner haben.
30:23
Nicht wahr, also das ist ja so ein bisschen diese Marktlogik, die eben nicht von der Innovation so sehr getrieben ist,
30:29
sondern eigentlich eher so eine besitzstandswahrende Logik in sich hat.
30:35   katharina-hoelzle
Auf der einen Seite ja, auf der anderen Seite haben Sie haben ja gesagt, das hat ja nicht wirklich funktioniert,
30:40
das stimmt nicht ganz, wenn wir uns die Marktzahlen angucken.
30:42
Also die deutschen Automobilunternehmen sind schon in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sehr erfolgreich gewesen.
30:47
Also wenn wir einfach nur mal von der Marktseite gucken, würde ich sagen, nicht alles falsch gemacht.
30:52
Wenn wir es uns vom Thema, und da kommt jetzt wieder die Ingenieursperspektive rein,
30:58
wer macht die besten Autos der Welt, glaube ich, können wir doch noch sagen,
31:03
auf vielen Dimensionen sind das die deutschen Automobilbauer.
31:05
Warum? Weil sie immer wieder optimiert haben.
31:08
Sie haben sehr sehr gut inkremental innoviert.
31:13
Wir haben die geringsten Spaltmaße, wir haben die leisesten Verbrennermotoren,
31:17
wir haben die effizientesten Verbrennermotoren, wir haben, naja über Schönheit und Design gibt es sicherlich unterschiedliche Auffassungen,
31:26
aber auf vielen klassischen Dimensionen sind die deutschen Automobilbauer Weltspitze.
31:34
So und damit haben sie durchaus in gewisser Weise nutzerorientiert gearbeitet,
31:39
nämlich sie haben sich angeguckt, was wollen denn eigentlich die Leute?
31:42
Die wollen schnellere Autos, sie wollen vielleicht dann noch ein bisschen sparsamere Autos,
31:45
aber sie wollen große Autos, dicke Autos, wie auch immer, also das haben sie gefragt.
31:49
Was sie nie gefragt haben ist, was ist eigentlich Mobilität?
31:56
Brauchen wir dafür eigentlich noch Autos?
31:57
Sie sind sozusagen nicht, man verwendet immer so gerne diesen Begriff, „thinking outside the box“.
32:03
Sie sind nie aus ihrer kleinen Kiste rausgesprungen und haben geguckt,
32:07
was gibt es eigentlich noch für Möglichkeiten?
32:10
So und dann haben wir einen Fehler gemacht und diesen Fehler sehen wir aber leider in sehr sehr vielen Industrien.
32:17
Dass nie von außen mal geguckt wird, sag mal was macht ihr da eigentlich?
32:20
Wie produziert ihr eigentlich Energie bzw. wie sieht eigentlich die Zukunft des Energiemarktes aus?
32:25
Wie sieht die Zukunft der Mobilität aus?
32:29
Wie sieht die Zukunft des Gesundheitswesens aus?
32:31
Das können wir in Deutschland nicht, da ist einfach über Jahre,
32:35
wir sind Kinder unseres Erfolgs bzw. Opfer unseres Erfolgs.
32:40
Der deutschen Volkswirtschaft ging es über Jahrzehnte gut.
32:42
Und wenn es uns gut geht, das wissen wir alle, mein Doktorgroßvater Jürgen Hauschild hat mal gesagt,
32:50
Innovationen sind im Zweifel nicht willkommen.
32:52
Na klar, keiner von uns möchte sich gerne jeden Tag neu verändern, das merken wir jetzt gerade.
32:58
Es ist schlimm genug, was da draußen passiert, gib mir ein bisschen Stabilität.
33:04   timpritlove
Ich meine, es ist ja, klar, die Momentaufnahme ist, bisher hat es ganz gut funktioniert.
33:08
Bloß in dem Moment, wo es dann aufhört zu funktionieren, kann es ja dann auch sehr schnell gehen.
33:13
Und was wird jetzt eben debattiert mit großen Entlassungszahlen, die VW vielleicht anstehen,
33:17
weil man halt merkt, naja okay, wenn wir jetzt irgendwie Elektroautos bauen,
33:22
holla, dann müssen wir ja auf einmal ganz viele Dinge gar nicht mehr bauen.
33:26
Wir brauchen irgendwie keine Einspritzer und die entsprechende Filtertechnik und ganz viele Bauteile fallen auf einmal weg
33:33
und damit natürlich ganz viele Subindustrien und der Schock ist natürlich immer sehr viel größer,
33:37
wenn das eben so von heute auf morgen geschieht, weil es natürlich dann noch mal sehr viel mehr Widerstände gibt etc..
33:42
Man findet sich dann eben an so einem Punkt wieder, wo man dann doch in der Abrechnung zu viel Zeit hat verstreichen lassen,
33:49
weil man sich eben gegen diese Innovation gesperrt hat.
33:52
Und das ist natürlich jetzt die eigentliche Frage, was können denn Unternehmen an sich dagegen tun,
33:59
um in diese Falle nicht zu tappen.
34:02
Das ist ja immer so dieses, gibt jetzt tausend Zitate, die immer so im Raum rumgestoßen werden,
34:09
wo man nie genau weiß, ob die so eigentlich gefallen sind, aber trotzdem beschreiben Sie, glaube ich, das ganz gut.
34:16
Also als das Automobil kam so, war es halt so die schnelleren Pferde, die alle haben wollten.
34:20
Und so mit diesen tolleren Autos ist es halt auch so ein bisschen wie mit diesen schnelleren Pferden.
34:24
Die Leute denken halt dann auch irgendwie so, ach ja ich hatte bisher ein Auto, also brauche ich jetzt wieder ein Auto
34:29
und das muss irgendwas besser daran sein, nur dass irgendwie keinem so recht was einfallen kann,
34:33
was überhaupt noch besser ist, man aber eben sehr viel annimmt für dieses Produkt,
34:39
wo die Gesellschaft eigentlich schon einen Schritt weiter ist, dass sie sagt, wir wollen aber jetzt nicht mehr so viel Platz in den Städten den Autos opfern
34:47
und das macht uns irgendwie auch krank und es nimmt uns irgendwie auch sozialen Raum,
34:52
gerade jetzt in der Pandemie ist so dieses soziale Kontakte irgendwie, merkt man jetzt sozusagen überhaupt erst mal,
34:59
glaube ich, diese Bedeutung dessen noch mal mehr und die Städte müssen sich wandeln und die Städte wollen sich langsam auch wandeln.
35:07
Und ich denke, dass schon dieser Industriebereich jetzt an so einem Punkt steht, dass wenn jetzt nicht sehr schnell gehandelt wird,
35:13
viel von dem bisher erreichten dann so ein Pyrrhussieg ist, dass man halt einfach sieht,
35:19
da haben wir uns einfach falsch entwickelt.
35:23   katharina-hoelzle
Naja, das ist natürlich die zentrale Frage, die Sie da gerade stellen.
35:26
Also wie bringen wir die Wirtschaft, aber auch die Gesellschaft letztendlich, dazu, frühzeitiger innovativ zu sein?
35:37
Also die Historie der Innovationsforschung zeigt uns, wir haben diese sogenannten Kondratieff-Zyklen
35:41
und immer, wenn es uns richtig schlecht ging, dann kamen die Innovationen.
35:46
Dann kam die erste industrielle Revolution und die zweite und die dritte so.
35:50
Und es scheint historisch gesehen so zu sein, es muss uns erst richtig schlecht gehen,
35:56
es muss uns richtig weh tun, weil erst dann wir bereit sind, Verhaltensänderungen anzustreben.
36:01
So, eigentlich haben wir jetzt gerade den Punkt, Thema Klimawandel, eigentlich geht es uns richtig schlecht,
36:07
nur so richtig spüren wir es noch nicht.
36:10
Und dann stellt sich die Frage, wer hat jetzt die Verantwortung, diese Impulse zu setzen?
36:15
Und da kommen wir dann schon wieder auf diese Diskussionsebene,
36:19
schafft der Markt, schaffen es die Unternehmen von sich aus, sich zu verändern
36:24
und neue Impulse zu setzen oder brauchen wir den Staat, die Politik, um entsprechende Impulse zu setzen?
36:32
Wo sich dann sehr schnell die Frage anschließt, kann der Staat tatsächlich innovativer sein als die Unternehmen oder als die Gesellschaft?
36:40
Sie sprachen das gerade an, die Bürgerinnen und Bürger spüren, irgendwie so richtig cool fühlt sich das nicht mehr an.
36:46
Aber schaffen sie es als Gesellschaft, diese Impulse zu setzen oder einzufordern
36:54
oder ist das dann doch wieder zu anstrengend oder wir wissen ja nicht genau, welche Impulse es jetzt sein sollen.
37:00   timpritlove
Ist ja immer so ein bisschen dieses Element der Disruption.
37:06
Also die großen Gewinner der letzten Jahrzehnte, das gilt natürlich vor allem jetzt im digitalen Internetbereich,
37:12
Google, Facebook etc. sind halt reingegangen und haben den Status quo dahingehen infrage gestellt,
37:18
als dass sie gesagt haben, wir brauchen irgendwie was ganz anderes und wir sind jetzt hier die Disruptoren
37:23
oder wie das irgendwie Tesla im Automobilbereich gemacht hat und einfach Dinge generell infrage gestellt hat.
37:30
Einfach andere Vertriebsstrukturen, andere technische Möglichkeiten.
37:34
Und Unternehmen, denen es über einen längeren Zeitraum gelingt, sich nicht durch die nächste Disruptionswelle den Teppich unter den Füßen wegziehen zu lassen,
37:48
könnte man zum Beispiel mal auf Apple schauen, die sich ja nun wirklich schon bemerkenswert lange halten
37:54
und dabei eigentlich auch immer so vorgegangen sind, dass sie so ihr eigener Feind sind.
37:59
Dass sie einfach immer über sich selber so nachdenken, so, oh jetzt sind wir hier Platzhirsch,
38:07
wie können wir uns selber den Platz streitig machen?
38:10
Und darüber sozusagen so einen Innovationsdruck auf sich selbst erlegen,
38:14
indem man sich eben selbst als Feind sieht.
38:17
Das ist aber so eine Denkweise, die ich jetzt so im europäischen oder vielleicht auch konkret im deutschen Denken, Wirtschaftsdenken so nicht fühle.
38:28   katharina-hoelzle
Richtig.
38:29
Also das ist das, wir nennen das in der Innovationsforschung immer den Fluch der etablierten Unternehmen.
38:36
Und das sehen wir in Deutschland sehr stark.
38:40
Also dieser Wille, sich selber infrage zu stellen, der Wille, Dinge auszuprobieren,
38:45
von denen wir noch nicht wissen, ob sie uns tatsächlich Geld bringen werden,
38:50
wir sind in vielen Bereichen sehr, konservativ ist vielleicht das falsche Wort, aber sehr formalistisch organisiert und strukturiert.
39:03
Und das finden wir in den Unternehmen auch.
39:04
Da wird dann immer gleich nach dem Return on Investment gefragt.
39:08
Da wird gefragt, wird es uns Geld bringen?
39:11
Da werden diejenigen, die etwas ausprobieren und womöglich 100.000 Euro oder womöglich eine Million in den Sand setzen,
39:18
geteert und gefedert und vom Hof gejagt, da werden diejenigen, die sagen,
39:24
also hier der Farbfilm ist es nicht mehr, es ist in Zukunft die Digitalfotografie,
39:31
da wird auch gesagt, vielen Dank Ablage F.
39:34
Das hat viel für mich mit dieser deutschen Einstellung zu tun.
39:41
Im Positiven haben wir es geschafft, ich hatte es gerade schon erwähnt, diese inkrementellen Innovationen.
39:46
Und immer noch mal ein bisschen besser werden.
39:48
Und schauen wir uns um, wir haben eine unglaublich stabile Gesellschaft bisher,
39:55
im Moment fragen wir uns alle so ein bisschen was passiert, aber grundsätzlich klagen auf sehr hohem Niveau.
39:59
Also grundsätzlich funktioniert alles.
40:01
Das kommt dadurch, dass wir dieses, ich nenne das immer Kästchendenken, wir können prima in Kästchen denken,
40:06
aber für disruptive Innovation, für diese Herausforderungen, vor denen wir jetzt stehen,
40:12
müssen wir außerhalb dieser Kästchen denken.
40:14
Und das ist aber eine Denk- und Lebensweise, die müssen wir alle lernen.
40:20
Denn wie gesagt das tut erst mal weh, weil ich meinen eigenen Anspruch, mein eigenes Machtbewusstsein,
40:27
mein eigenes, das habe ich mir aber verdient, das muss ich aufgeben und muss mich mit einer Unsicherheit anfreunden,
40:35
von der ich heute nicht weiß, was sie mir morgen bringt.
40:39   timpritlove
Die Automobilunternehmen, um noch mal das Beispiel versuchen fortzuführen,
40:45
haben ja aber auch teilweise das ja auch probiert.
40:49
Also sie haben Car Sharing Projekte gehabt und was weiß ich, BMW hat schon sehr früh ein Elektrofahrzeug auf den Weg gebracht,
40:59
wo man so gedacht hat, ah okay, das könnte ja was werden.
41:03
Und auch teilweise solche Innovationsmodelle mit so ausgelagerten Unternehmen gehabt,
41:09
die dann so vor sich hinwurschteln können, außerhalb der normalen Konzernstruktur,
41:13
schon so ein bisschen mit diesem Versuch, ja versucht uns mal Konkurrenz zu machen
41:17
und wir gucken mal, was dabei rauskommt.
41:20
Aber offensichtlich scheint das ja nicht gereicht zu haben.
41:21
Was machen die denn da falsch?
41:24
Also werden da die Lehren nicht richtig gewonnen oder werden die Lehren, die dann gezogen wurden, ignoriert?
41:31
Was fehlt denn in diesem Innovationskranz sozusagen an angezündeten Kerzen,
41:39
um da diesen Prozess auch wirklich so umzusetzen?
41:46   katharina-hoelzle
Ich bin keine tiefe Kennerin der Automobilindustrie.
41:51
Ich habe immer mal wieder Projekte mit denen zusammen macht,
41:54
und insofern würde ich mich jetzt mal versuchen an einer Interpretation.
42:01
Ich glaube, das was versucht wurde das hatten Sie sehr schön beschrieben,
42:03
es gibt immer mal so die eine oder andere, so ein kleines Experimentallabor,
42:07
so jetzt dürft ihr mal ausprobieren, aber das, wonach diese Unternehmen ticken
42:13
und so wie sie aufgestellt sind, das ist immer der größere Motor, das größere Auto.
42:21
Das breitere Auto, mehr Technik, mehr Elektronik, das ist sehr technikgetrieben.
42:28
Das heißt, die Gelder gingen immer in die Neuentwicklung, beispielsweise in die S-Klasse oder in jetzt den neuen SUV.
42:37
Das heißt, es waren immer eigentlich diese alten Geschichten.
42:40
Und die anderen, das war immer so ein bisschen, jetzt probiert euch mal aus,
42:42
aber ganz ehrlich, so richtig viel Geld werden wir damit nicht verdienen.
42:45
Und dementsprechend waren natürlich auch nicht die Ressourcen dahinter
42:48
und es wurde dann nicht in den Markt richtig geschubst und gestoßen
42:53
und es wurde versucht, tatsächlich so ein Umdenken anzustreben.
42:56
Denn auch klar, mit Drive Now, natürlich hat Daimler das probiert,
42:59
aber es war immer klar, wir machen uns hier eigentlich unser eigenes Geschäft kaputt,
43:02
also seid bloß vorsichtig was ihr macht.
43:04
So das heißt, die internen Leistungskennzahlen, wie machen Sie Karriere in so einem Unternehmen?
43:10
Wie bekommen Sie Ruhm und Ehre, das sind immer noch die klassischen.
43:14
Und dementsprechend orientieren sich die Menschen natürlich auch in so einem Unternehmen.
43:21
Und das gilt nicht nur für die Automobilindustrie, das sehen wir in allen Unternehmen.
43:26
Es sind sehr traditionelle Entwicklungsperspektiven, Vergütungsstrukturen,
43:33
es sind dann immer wieder die Punkte, wo gesagt wird, ja aber diesen Weg bin ich doch auch gegangen
43:38
und das müssen die anderen auch so machen.
43:42
Und das ist für Innovation total schädlich.
43:45
Und jetzt ich sehe das ja, ich unterhalte mich häufig mit Unternehmensvertretern, so dieses,
43:51
ja jetzt die junge Generation und die wollen ja alle nicht mehr so viel arbeiten
43:54
und die wollen nur noch 30 Stunden und dann wollen sie aber hier noch was verdienen,
43:58
da stoßen Welten aufeinander und das ist im Moment sehr spannend als Innovationsforscherin zu beobachten,
44:05
was passiert da eigentlich in den Unternehmen?
44:07
Schaffen wir es mit diesen jungen Leuten, die wirklich anders herangehen,
44:11
die gehen anders an das Thema Arbeiten heran, die sind digitalisiert,
44:15
die haben nicht mehr diese Statussymbole, es muss mindestens ein Auto, wenn nicht zwei Autos vor der Tür sein.
44:21
Gleichzeitig spüren die eine ganz große Unsicherheit, die wissen nicht, wo sie in 20 Jahren sein werden.
44:26
Und das ist jetzt die Frage, schaffen die Unternehmen es, sich so zu öffnen, so zu wandeln,
44:32
dass sie diese Impulse aufnehmen und dann könnten sie innovativ sein.
44:36
Aber ich sehe unglaubliche Beharrungstendenzen.
44:39   timpritlove
Wenn so dieses, wir verdienen da ja kein Geld mit, wenn das sozusagen die Leistungskennzahl ist,
44:45
die einzige, und das funktioniert nicht, was wäre denn eine andere Leistungskennzahl,
44:52
an der man diese Aktivitäten bewerten kann, ohne jetzt einfach nur an das Bauchgefühl zu appellieren?
44:58
Kann man den Menschen, ich meine, ich kann die ja in gewisser Hinsicht auch verstehen,
45:03
wenn die da in so einer mittleren Organisationsstruktur sind, oben der dicke Konzern,
45:07
ja, der immer nur das große Ganze sieht, das muss irgendwie alles funktionieren,
45:11
dann sind die da so in diesem Bereich, haben irgendwie größere Teile unter sich,
45:16
was sollen sie denn anderes bewerten als, man kann dasselbe günstiger machen oder wir bauen irgendwas,
45:23
wo wir es den Kunden noch ein geredet bekommen.
45:27
Also diese Eigendisruption muss ja dann auch in irgendeiner Form bewertet werden können,
45:33
was wäre denn so eine Leistungskennzahl?
45:35   katharina-hoelzle
Ja, also am Ende müssen natürlich die Umsätze stimmen, das ist klar,
45:39
sonst kann ich meine ArbeitnehmerInnen nicht bezahlen.
45:42   timpritlove
Ja, klar.
45:42   katharina-hoelzle
Also damit bin ich raus.
45:43
Aber das, was ich mir wünschen würde, wäre dass die Betrachtungszeiträume etwas gestreckt werden,
45:50
dass gesagt wird, also es muss nicht, ähnlich wie wir ja auch Startup-Unternehmen betrachten,
45:56
die sind in den ersten drei bis fünf Jahren nicht positiv im Cashflow.
46:02
So und genauso solche Zeit muss ich disruptiven Innovationen im Unternehmen auch geben.
46:10
In diesem Zeit gibt es dann sehr wohl Leistungskennzahlen, wo ich gucken kann,
46:14
haben sie entsprechend so und so viel neue Kunden akquiriert, ist die Technologie, das Produkt, die Dienstleistung, ist das eingesetzt worden?
46:25
Habe ich entsprechend, also bei den Innovationskennzahlen kann ich ja einerseits mir produktspezifische Kennzahlen angucken,
46:33
dienstleistungsspezifische Kennzahlen, so wie ich sie gerade zitiert habe,
46:37
aber ich kann ja auch gucken, habe ich einen Impact in der Gesellschaft gehabt?
46:41
Hat sich da etwas verändert, hat sich da eine Denkweise verändert?
46:43
Ich kann mir ökologische Kennzahlen angucken.
46:45
Habe ich es geschafft, meine Produktionslinie entsprechend effizienter zu machen,
46:50
dass ich weniger Wasser verbrauche, dass ich weniger Strom verbrauche.
46:53
Also da sind wir auch, dieses Thema Innovationscontrolling ist kein einfaches,
47:00
muss auch jedes Unternehmen für sich selber entscheiden, was sind da Kennzahlen, mit denen wir arbeiten können,
47:06
wichtig ist es nur, den Mut zu haben zu sagen, wir werden da erst mal sehr wahrscheinlich sogar relativ viel Geld reinstecken müssen.
47:16   timpritlove
Das Ganze trägt sich ja jetzt dann zwangsläufig in die Gesellschaft und damit natürlich auch in die Politik, so.
47:27
Also wenn wir jetzt sagen, die wirtschaftlichen Leistungskennzahlen die sind schwierig zu greifen,
47:31
weil am Ende geht es dann doch immer irgendwie um Geld, wir müssen aber jetzt trotzdem noch andere Größenordnungen mit reinnehmen
47:39
und dann ist ja auch irgendwie die Gesellschaft gefragt und damit ja quasi auch so die Kunden und was wollen die eigentlich und so weiter,
47:43
aber auch was will die Politik.
47:47
Sprich, jetzt müssen wir eigentlich für die Gesamtwirtschaft oder für die Gesamtgesellschaft,
47:52
wo die Wirtschaft ein Teil davon ist, eben diese gesellschaftlichen Leistungskennzahlen,
47:55
so würde ich es jetzt mal nennen, auch mit definieren und das geschieht ja teilweise dann eben auch durch die politischen Vorgaben.
48:01
Wobei man jetzt so ein bisschen den Eindruck gewonnen hat, dass die Politik halt mehr oder weniger eigentlich immer dem gefolgt ist,
48:06
was die Wirtschaft gesagt hat.
48:07
Die Wirtschaft sagt, da verdienen wir kein Geld damit, dann sagt die Politik,
48:09
naja, wenn das so ist, dann machen wir da halt mal lieber nichts.
48:13
Das ist so ein bisschen, glaube ich, so ein Missverständnis, was sich so in den letzten Jahren so durchgesetzt hat.
48:18
Jetzt sind Sie ja auch Teil so einer Beratungsoffensive, sage ich mal,
48:27
also da gibt es einerseits diese Expertenkommission Forschung und Innovation,
48:32
die der Bundesregierung zuarbeitet und es gibt auch noch ein Hightech-Forum,
48:37
auch der Bundesregierung, was sind das so für Kommissionen, wie sind die aufgestellt, was sollen die eigentlich tun?
48:43   katharina-hoelzle
Die Expertenkommission Forschung und Innovation ist vor gut zehn Jahren,
48:48
vor elf Jahren ins Leben gerufen worden als innovationsökonomische Kommission,
48:56
die genau solche Fragen, wie wir sie jetzt gerade diskutieren und Sie so schön anmoderiert haben,
49:04
dabei Hilfestellung leisten soll, indem sie, wir machen das einmal jährlich in einem Gutachten,
49:12
und wir machen es auch mittlerweile unterjährig über sogenannte Policy Briefs,
49:17
wo wir dann so auf zwei, drei Seiten zu einem Thema Stellung nehmen.
49:21
Wir sind sechs Wissenschaftler, Wissenschaftlerinnen, drei, drei, die aus dem Bereich der Innovationsökonomie kommen,
49:29
also eher volkswirtschaftlich orientiert bzw. die Kollegin Häusler und ich eben aus dem Bereich Wirtschaftsingenieurwesen,
49:37
und die der Politik sagen, also aus wissenschaftlicher Perspektive, das, was die Wissenschaft heute herausgefunden hat,
49:46
also wirklich aktuelle Forschungsergebnisse, würden wir euch folgendes empfehlen.
49:54
Und wir versuchen, das Ganze sowohl empirisch zu begründen, indem wir regelmäßig Befragungen dazu durchführen
50:01
bzw. diese dann auswerten oder das Ganze auch durchaus mal mit einem theoretischen Modell begründen
50:06
und sagen, pass mal auf, die Theorie sagt, der Markt würde sich folgendermaßen verhalten.
50:12
Wenn ihr als Politik jetzt das entscheidet, dann gibt es folgende Möglichkeiten.
50:18
Und da hören wir dann auf.
50:19
Wir versuchen, Theorie und empirisch gestützte Empfehlungen abzugeben,
50:26
zu sagen, also wenn ihr uns fragen würdet, was ihr ja tut, sonst wären wir nicht eingesetzt,
50:29
dann sind das unsere Empfehlungen, was ihr damit macht, ist natürlich euch überlassen.
50:36   timpritlove
Wie oft findet das statt?
50:39   katharina-hoelzle
Es gibt einmal im Jahr das EFI-Gutachten.
50:41
Wir schreiben gerade das Gutachten, was im Februar 2022 übergeben werden,
50:45
bisher haben wir es immer direkt an Frau Merkel übergeben.
50:47
Wir hoffen sehr, dass wir im Februar 2022 das an Herrn Scholz übergeben dürfen,
50:52
gleichzeitig sind wir eben sehr eng mit dem Bundesbildungs- und Forschungsministerium, dem BMBF, im Austausch,
50:59
aber wie gesagt, wir sind kein Gremium des BMBF, sondern tatsächlich eingesetzt durch den deutschen Bundestag.
51:05
Also das heißt, unsere Adressaten sind die ParlamentarierInnen aber auch die Gesellschaft und die Wirtschaft.
51:12
Das heißt, unser Gutachten ist sehr bewusst so geschrieben, dass wir versuchen,
51:17
diese wissenschaftlichen Erkenntnisse so aufzubereiten, dass es einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich ist.
51:26
Und das ist nicht einfach, da können wir uns auch wunderbar drüber streiten im Kreise der Experten,
51:32
aber das ist der Anspruch und das sind dann solche Themen wie, die Agilität des Staates beispielsweise im letzten Jahr.
51:39
Wir haben im letzten Jahr zu CRISPR/Cas Stellung genommen,
51:41
was bedeutet das, wie sollte sich Deutschland da aufstellen.
51:44   timpritlove
Also die Genschere.
51:45   katharina-hoelzle
Die Genschere genau.
51:46
Wir haben auch zu Blockchain schon mal was geschrieben, wir haben natürlich schon mal was zum Thema Digitalisierung in Gesellschaft,
51:53
in der Bildung geschrieben, wir haben schon mal was zum Thema, also breite Themenvielfalt.
52:04
Arbeitsmarkt der Zukunft letztes Jahr.
52:06   timpritlove
Ja. Ich greife mal eins raus, Agilität des Staates, das ist ja, sagen wir mal, klingt so ein bisschen wie ein Widerspruch in sich.
52:15   katharina-hoelzle
/lacht/
52:18   timpritlove
Was steht denn da drin?
52:22
Also was wird denn dann so dem Staat vorgeschlagen?
52:26
Und anhand welcher Forschungsergebnisse macht man das dann fest?
52:30   katharina-hoelzle
Genau, das war also Kapitel im letzten Jahr, was eben momentan hochaktuell ist.
52:34
Wir haben dann auch tatsächlich noch mal zwei Policy Briefs darauf aufbauend geschrieben.
52:39
Wir haben ja auch beispielsweise ein Ministerium neuen Zuschnitts gefordert vor einigen Monaten,
52:46
das könnte ein Digitalministerium sein, es hätte aber auch jedes andere Ministerium sein können.
52:52
In dem wir eben genau das gefordert haben, die Politik, der Staat muss agiler werden.
52:57
Was heißt agiler?
52:58
Agiler heißt, dass er schneller reagiert, dass er Dinge ausprobiert, sie dann auch gerne,
53:06
wenn er feststellt, das funktioniert so nicht, wieder sein lässt und iterativ auf den Erfahrungen aufbaut und dann weiterdenkt.
53:17
Also das ist sozusagen dieser Grundbegriff der Agilität.
53:19
Und Sie sagten gerade schon so schön, das ist doch ein Widerspruch in sich, ist es tatsächlich.
53:23
Aktuell, wenn wir uns den deutschen Staat angucken, kann sich kaum jemand vorstellen, dass dieser Staat agil ist.
53:28
Wenn wir uns aber die großen gesellschaftlichen Herausforderungen angucken,
53:32
dann müssen wir das, denn keiner von uns weiß, wie wir die Klimakrise lösen, das weiß keiner.
53:38
Das einzige, was wir machen können, ist, und da kommt jetzt, und das war ein zweiter wichtiger Teil in diesem Kapitel,
53:44
ist diese Missionsorientierung.
53:46
Der Staat kann sogenannte Missionen vorgeben und sagen, wir gehen aktiv die Klimakrise an,
53:55
indem wir beispielsweise, Thema Kennzahl, die Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzen
54:03
und wir machen das mit folgenden Maßnahmen.
54:06
So damit gibt der Staat einen Rahmen vor.
54:11
Wie wir diesen Rahmen jetzt ausmalen und das Bild ist auch schon skizziert,
54:15
aber welche Farben wir dafür nutzen, wie wir das ausmalen, ob wir das jetzt mit Pastellfarben machen,
54:20
Aquarellfarben oder Ölfarben oder ob wir dieses Bild noch mal anpassen müssen,
54:26
das ist dann wiederum vielen Akteuren überlassen und das ist uns eben ganz wichtig,
54:30
der Staat kann nicht alles machen.
54:34
Und da haben wir schon auch wieder dieses Thema Agilität bzw. warum wir dann als EFI mit dem Thema innovationsökonomischem Sachverstand sagen,
54:42
der Staat hat eine wichtige Rolle zu spielen, aber anders beispielsweise als Mariana Mazzucato,
54:48
die sagt, der Staat geht dann ins kleinste Detail und gibt dann vor, in Zukunft nur noch Elektromobilität.
54:56
Sagen wir eben, es muss in diesem Rahmen muss es Flexibilität geben.
55:02   timpritlove
Das mit den Pastellfarben steht da bestimmt so nicht drin.
55:05   katharina-hoelzle
Nein, das habe ich jetzt gerade für Sie.
55:07   timpritlove
Ja, ja, ich habe nichts gegen Bilder, aber mich interessiert wirklich auch mal, was steht denn konkret drin?
55:12
Ich habe es natürlich nicht gelesen, ich fauler Sack, aber was…
55:18
Weil worauf ich ein bisschen hinaus will, ist, wenn man sich über Innovation und Effektivität von Maßnahmen und so weiter Gedanken macht,
55:25
dann macht man sich ja wahrscheinlich auch Gedanken darüber, was schreibe ich jetzt in so ein Paper rein,
55:28
und was bewirkt es einfach auch mal konkret.
55:30
Also man muss ja sozusagen auch diese konkrete Schnittstelle zu einer Bundesregierung oder einem Bundesministerium
55:34
auch so denken, so nach dem Motto, okay wir haben jetzt hier einen begrenzten Zeitraum,
55:40
wir machen jetzt hier eine Empfehlung, was schreiben wir da rein und wie schreiben wir das da rein,
55:43
damit das dann auch in gewisser Hinsicht Erfolg haben kann.
55:47   katharina-hoelzle
Das ist ein ganz dünner Grat, weil wir nicht die Politik machen wollen und auch können, dafür sind wir nicht ausgebildet.
55:54   timpritlove
Ja klar.
55:55   katharina-hoelzle
Das heißt, wir werden der Politik nie sagen, mach A, mach B, mach C,
55:59
sondern auch da sagen wir nur, wir empfehlen beispielsweise, eine missionsorientierte Politik zu betreiben.
56:07
Was beutetet missionsorientiert?
56:09
Ich hatte das gerade eben kurz angesprochen.
56:11
So das könnte beispielsweise, Sie haben ja das Hightech-Forum schon angesprochen,
56:15
das könnte im Rahmen der Hightech-Strategie erfolgen.
56:17
Die Hightech-Strategie, die wir in den vergangen vier Jahren hatten, war eine quasi missionsorientierte Politik.
56:24
Da wurden also auch Dekade des Krebses, also wir als Bundesregierung geben vor,
56:31
wir wollen das Thema Krebsforschung ganz stark vorantreiben.
56:36
Wie sieht es dann ganz konkret aus?
56:38
Das müssen dann die Akutere übersetzen.
56:39
Und da kommt dann beispielsweise jetzt das Hightech-Forum rein, das im Vergleich zur EFI-Kommission sehr viel pragmatischer arbeitet.
56:46
Da sind Vertreter aus der Wirtschaft dabei, da sind Unternehmer dabei, Unternehmerinnen,
56:51
Startup-Unternehmerinnen, Mittelständler, Großunternehmer bzw. eben aus dem Management.
56:57
Da ist die Wissenschaft dabei, verschiedene Forschungsinstitute, da ist die Gesellschaft dabei,
57:02
nicht so stark wie wir es uns gewünscht hätten, das gibt es vielleicht jetzt in der nächsten Iteration.
57:07
Denn das und das beantwortet jetzt Ihre Frage, wer bestimmt das jetzt eigentlich und wer macht das eigentlich jetzt,
57:14
das müssen die gesellschaftlichen Akteure sein.
57:16
Das muss dann die Wissenschaft, die Wirtschaft, die Politik und die Gesellschaft, das sind ja diese vier Stränge,
57:22
die müssen das gemeinsam in einem Diskurs ausdiskutieren und sagen,
57:27
was bedeutet diese Mission jetzt, Dekade des Krebses?
57:30
Reduktion der globalen Erwärmung um 1,5 Grad, was sind meine Antworten als Wissenschaftler,
57:38
als Gesellschaft, als Wirtschaft, was sind meine Antworten darauf und wo können wir da zusammenarbeiten?
57:43
Und die Politik ist für mich oder dann eben auch für uns als EFI und im Hightech-Forum ist es ähnlich, ein Moderator, ein Rahmengeber.
57:54   timpritlove
Im letzten Gespräch hier bei Forschergeist habe ich mich mal mit Rafael Laguna de la Vera unterhalten,
58:02
der ja dieses neue Institut für Sprunginnovationen vornimmt, das ist ja dann sozusagen auch so eine Manifestation dieser Idee,
58:10
Innovationen auch wirklich als Teil des Staates zu machen, haben Sie da auch Kontakt?
58:15
Ist das Teil Ihrer Forschung?
58:17   katharina-hoelzle
Ja, natürlich. Also auf der einen Seite ist die Agentur für Sprunginnovation ja quasi ein EFI-Produkt,
58:23
also die EFI hat unter der Leitung von Dietmar Harhoff über Jahre gefordert,
58:28
dass es eine solche Agentur braucht oder eine solche Institution, die eben frei von politischen Vorgaben Geld in die Hand nehmen kann,
58:39
um einfach mal diese verrückten Ideen, an die nämlich sonst keiner glaubt,
58:42
für die es noch keine Kennzahlen gibt, für die wir im Zweifel noch gar nicht wissen, wer es eigentlich machen soll,
58:47
so etwas anstoßen kann.
58:48
Also insofern ist die EFI und die SPRIND die sind sehr eng miteinander vertraut, sage ich mal so.
58:58
Davon abgesehen, dass eben dann wir uns auch immer versuchen abzugleichen, wer macht eigentlich gerade was
59:03
oder wir versuchen uns da auch entsprechend auszutauschen.
59:08
Jetzt habe ich Ihre Frage vergessen.
59:11   timpritlove
Ja, das war die Frage, also wie hängt das zusammen?
59:15
Also haben Sie ja im Prinzip schon gesagt, dass ist ein Ergebnis sozusagen oder war zumindest mal ein Vorschlag.
59:21   katharina-hoelzle
Ja, genau.
59:21   timpritlove
Und das kam bei raus, kann man jetzt sagen, okay das ist nur weil wir das gesagt haben, wahrscheinlich nicht.
59:25   katharina-hoelzle
Und andere Akteure, ja genau, das will ich jetzt gar nicht …
59:28   timpritlove
Und das sind sozusagen Ziele und damit auch messbare Ergebnisse.
59:33
Ich meine, inwiefern die Ergebnisse dieser Agentur messbar sind, das werden wir dann erst noch sehen,
59:39
Aber ist ja zumindest schon mal ein Gedanke gewesen, so nach dem Motto, wir brauchen so was ähnliches eben wie die DARPA in den USA.
59:48
Also eine Institution, die eben konkret auch was auslösen kann, indem sie auch wirklich mal konkret Geld in die Hand nehmen kann
59:55
und unabhängig von dem eigentlichen politischen Vorgang, der zwangsläufig langsam ist,
1:00:01
weil er immer versucht, einen politischen Konsens auszuhandeln, einfach mal Dinge ausprobiert und Kohle verbraten kann
1:00:08
und dann auch mal in Kauf nimmt, dass irgendwas nicht so gut funktioniert,
1:00:12
weil wenn man genug Sachen nimmt, irgendwas wird eben schon hängenbleiben.
1:00:18
Aber mich interessiert halt jetzt wirklich dieses, vielleicht gibt es noch ein paar Sachen,
1:00:24
die man dazu sagen kann, so dieses Interface von der Wissenschaft zur Politik.
1:00:30
Weil ich stelle mir halt immer so ein bisschen vor, naja Gutachter, Kommission, Gremien, alles schön und gut,
1:00:36
da macht man dann mal so sein Papierchen, das legt man hin, dann hat man eine Presskonferenz
1:00:39
und dann wird einem schön gedankt, wie innovativ das doch jetzt wieder alles ist und dann ist nächsten Montag wieder business as usual.
1:00:47
Das ist jetzt so ein bisschen vielleicht auch, ne…
1:00:51
Wie das dann wahrgenommen wird, manchmal findet es wahrscheinlich auch so statt,
1:00:54
aber haben Sie auch das Gefühl, dass das so ist oder ist es anders?
1:00:58
Wie verfängt das?
1:00:59
Also wie Ofen ist der politische Prozess für die wissenschaftliche Beratung konkret?
1:01:08   katharina-hoelzle
Also die Frage stellen wir uns ja selber auch immer wieder.
1:01:09
Das Hightech-Forum ist ja jetzt geendet mit der letzten Legislaturperiode.
1:01:13
Ob es das wieder geben wird, ob es eine Hightech-Strategie, sie ist ja zumindest im Koalitionsvertrag festgehalten,
1:01:18
oder eine Zukunftsstrategie geben wird, wer die begleiten wird, das werden wir sehen.
1:01:22
Ich sehe den Einfluss oder wir nennen das neudeutsch ja immer so schön Impact auf verschiedenen Dimensionen.
1:01:31
Also wenn ich jetzt noch mal für die EFI spreche, wir glauben und das, was wir an Feedback bekommen,
1:01:38
gelingt es uns, mit unseren Gutachten immer wieder aktuelle Themen aufzugreifen,
1:01:44
sie zu übersetzen für die Parlamentarierinnen und Parlamentarier, ihnen zu zeigen,
1:01:50
wo da beispielsweise Innovation drinsteckt, also jetzt wieder Beispiel Genschere CRISPR/Cas,
1:01:57
wie Politik gestaltet werden sollte, Thema agiler Staat oder Arbeitsmarkt der Zukunft,
1:02:03
was sind eigentlich die Fähigkeiten, die die Arbeitnehmerinnen in Zukunft brauchen werden.
1:02:08
Das sind Impulse, die wir setzen, die werden gelesen, die werden reflektiert,
1:02:14
die werden in den Ausschüssen diskutiert, das wissen wir.
1:02:19
Wir wissen auch, dass sie in den Ministerien aufgegriffen werden
1:02:23
und da teilweise nach einigen Jahren, also das mussten wir schon lernen,
1:02:27
dass dieses Brett doch ein bisschen dicker ist, aber wenn man immer wieder da auch reinbohrt
1:02:33
und wir greifen auch Themen immer wieder auf, dass wir sagen, im letzten Jahr haben wir
1:02:37
und es ist immer noch nichts passiert und jetzt macht doch bitte mal was,
1:02:41
3,5 Prozent Ziel für die Innovationsausgaben ist so eine andere EFI-Forderung,
1:02:45
die also auch sehr lange immer wieder wiederholt werden musste, bis sie dann umgesetzt wurde.
1:02:50
Was ich persönlich lernen musste ist, dass Politik unglaublich vielfältig ist,
1:02:58
das, was in den Ministerien passiert und das, was im Bundestag passiert,
1:03:02
das ist so das eine, was wir beeinflussen können als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
1:03:06
Das, was dann nachher in der konkreten Politikarbeit dann tatsächlich Eingang in Gesetzesvorhaben
1:03:13
oder Umsetzungsprojekte findet, das ist dann wiederum und da haben wir schon letztendlich eine Vergleichbarkeit mit den großen Unternehmen,
1:03:22
das ist dann wieder von sehr vielen Partikularinteressen getrieben.
1:03:27
Es ist dann der einzelne Parlamentarier, der jetzt vor Ort seinem Wahlkreis etwas gutes tun will.
1:03:33
Und plötzlich sind die schönsten Konzepte werden also wieder infrage gestellt,
1:03:38
weil gesagt wird, naja das müssen wir jetzt noch mal überdenken.
1:03:42
Also mein Gefühl ist, dass wir die richtigen Impulse setzen, dass wir objektive Fakten liefern können.
1:03:52
Wir bemühen uns, objektiv abgeleitete Handlungsempfehlungen zu geben,
1:03:56
den Wissensraum der Parlamentarierinnen und Parlamentarier zu öffnen,
1:04:01
die Ministerien mit einer weiteren Meinung zu versehen, bereitzustellen,
1:04:12
natürlich auch entsprechend bei Diskussionen Rückfragen Kommissionssitzungen zur Verfügung zu stellen,
1:04:17
aber auf die endgültige Entscheidung, was dann nachher umgesetzt wird, haben wir tatsächlich relativ wenig Einfluss.
1:04:24   timpritlove
Ja gut, ich meine, auch das ist ja ein Experiment, was man beobachten kann.
1:04:32
Man sieht ja, okay diese Aktivität hat folgende Ergebnisse erzielt und hier war es jetzt nicht so erfolgreich,
1:04:39
das kann man ja wie so ein kleines Laborexperiment im Prinzip betrachten, daraus so seine Schlussfolgerungen ziehen so.
1:04:47
Und was mich noch mal interessieren würde, was glauben Sie oder was ist so Ihr Gefühl,
1:04:53
wo es denn am meisten verfängt?
1:04:54
Weil Sie meinten ja, es gibt im Prinzip mehrere Adressaten, auf der einen Seite ist es so der Bundestag, die Parlamentarier,
1:05:01
gut die wechseln dann alle paar Jahre, jetzt mischt sich der Reigen wieder komplett neu,
1:05:05
da geht natürlich dann auch viel verloren in gewisser Hinsicht, weil all die Leute, mit denen man gesprochen hat,
1:05:10
sind ja dann weg, kann aber auch ein Vorteil sein.
1:05:14
Das gleiche gilt natürlich jetzt auch für die Bundesregierung, wobei die Leute, die dort mitmachen,
1:05:18
wahrscheinlich schon auch vorher eine Weile dabei waren, das sind ja jetzt nicht die kompletten Novizen mit wenigen Ausnahmen.
1:05:25
Aber dann gibt es ja auch noch so andere Bereiche.
1:05:28
Also erst mal die Ministerien, die tauschen ihren Apparat ja jetzt nicht aus,
1:05:32
sondern da hat man ja auch über längere Zeit Ansprechpartner und dann gibt es ja auch noch so Gruppen wie den wissenschaftlichen Dienst,
1:05:39
wo ja ohnehin so eine permanente wissenschaftliche Dienstleistung, im wahrsten Sinne des Wortes, geleistet wird.
1:05:45
Wenn man sich also dieses Spektrum jetzt anschaut und jetzt vielleicht mal den Blick zurückwirft
1:05:51
und jetzt mal als Adressat dieser Aussage die Wissenschaft in Deutschland nimmt und sagt,
1:05:57
okay, hör mal, das ist der Einfluss, den ihr nehmen könnt, wie müsste sich quasi die Wissenschaft ausrichten?
1:06:06
Wo macht vielleicht auch die Wissenschaft derzeit noch einen Fehler oder hat Optimierungspotenzial,
1:06:11
um es mal etwas vorsichtiger auszudrücken, in die Gesellschaft in Form der Politik Einfluss zu nehmen?
1:06:24   katharina-hoelzle
Eine vielfältige Frage.
1:06:27
Ich fange noch mal kurz mit einer Reflexion an, es gibt nämlich noch einen Punkt, den ich gerade vergessen habe,
1:06:33
der führt uns dann aber zu dem nächsten.
1:06:36
Ich musste die Erfahrung machen, dass ich sehr viel geduldiger werden musste im Kontext der Wissens- oder Politikberatung.
1:06:46
Ich habe mehrere Runden, also gerade jetzt dieses Thema Verwaltungsinnovationen, agiler Staat,
1:06:53
das war natürlich im letzten Jahr vor der Bundestagswahl war das ein ganz heißes Thema.
1:06:56
Und es gab unglaublich viele Gesprächsrunden und Diskussionsrunden.
1:07:02
Und ich erinnere mich an eine Runde, da hatte Herr Scholz eingeladen zehn Wissenschaftskollegen und -kolleginnen
1:07:09
und da sollte es also wieder um Verwaltungsinnovation und den modernen Staat gehen.
1:07:14
Und wir haben dann angefangen und ich hatte begeistert ja gesagt, weil ich mir dachte,
1:07:20
naja das ist jetzt endlich mal der richtige Rahmen und ganz viele BMWI und BMBF und BMI,
1:07:25
also Innenministerium und Wirtschaft, alle waren sie dabei.
1:07:28
Und dann kamen wieder dieselben Fragen und es kamen wieder dieselben Antworten.
1:07:34
Und das war also diese Eingangsrunde und ich beendete dann den Reigen dann.
1:07:39   timpritlove
Welche Fragen und welche Antworten?
1:07:42   katharina-hoelzle
Na die Frage, was müssen wir denn tun, um den Staat zu modernisieren?
1:07:46
Wie können wir den Staat agiler machen?
1:07:50
Wie muss eine Innovationsorientierte Politik aussehen?
1:07:52
Also die Fragen, über die wir gerade gesprochen haben.
1:07:55
Und das waren Fragen, die hatte ich in den vergangenen Monaten fünf-, zehnmal gehört, adressiert.
1:08:01
So und die kamen hier wieder und die Kollegen aus den Verwaltungswissenschaften, aus der Innovationsforschung,
1:08:09
aus der Ökonomie, das waren so eigentlich die drei, haben das gefühlt immer wieder dasselbe gesagt.
1:08:14
Und es brach tatsächlich emotional aus mir heraus, dass ich sagte, Herr Scholz Sie hören das jetzt zum zehnten Mal,
1:08:21
warum fragen Sie uns immer wieder dieselben Fragen?
1:08:26
Das kann doch nicht sein, warum müssen wir das immer wiederholen?
1:08:29
So und dann wurde ich also belehrt, sowohl auch von meinen Kollegen, als dann eben auch,
1:08:33
Herr Scholz hat sich da etwas zurückgehalten, aber von den anwesenden Ministerialvertretern,
1:08:38
ja so einfach ist das ja nicht.
1:08:43
Und da sind wir wieder bei diesem Thema Veränderungsresistenz.
1:08:49
Und dann wurde ich darüber aufgeklärt, dass die moderne Verwaltung sich eben nicht von heute auf morgen verändern kann.
1:08:53
Und dass sie nicht von heute auf morgen ein Experimentallabor machen kann.
1:08:57
Und dass sie nicht von heute auf morgen mal eben agil sein kann.
1:09:01
Und das war für mich aber ein ganz wichtiger Moment, weil ich festgestellt habe,
1:09:04
genau die Frage, die Sie gerade gestellt haben, was für einen Einfluss habe ich denn eigentlich,
1:09:10
wenn ich mir immer wieder den Mund fusselig rede.
1:09:15
So und die Frage habe ich auch immer noch nicht für mich beantwortet,
1:09:17
außer dass ich eben denke, steter Tropfen höhlt den Stein und immer wieder bohren
1:09:23
und irgendwann haben wir das Brett geschafft.
1:09:24
Ich glaube tatsächlich, und ich habe aber dadurch festgestellt und jetzt komme ich auf Ihre Frage,
1:09:29
was müssen wir als Wissenschaft anders machen, was müssen wir besser machen?
1:09:35
Wir müssen immer wieder das, was wir erforschen, das, was wir herausfinden, müssen wir spiegeln,
1:09:41
wir müssen es genau in diese Diskussionsrunden einbringen, wir müssen unsere Impulse setzen,
1:09:48
aber, das finde ich ganz wichtig, wir dürfen uns nicht verbiegen.
1:09:50
Wir dürfen dann nicht anfangen, den Politikerinnen und den Politikern nach dem Mund zu reden oder den Wirtschaftsvertretern,
1:09:57
sondern wir müssen da schon sehr selbstbewusst sein.
1:10:00
Aber wir müssen eine Sprache sprechen, die diese Akteure verstehen und wir müssen natürlich auch Forschung machen, die relevant ist.
1:10:08
Es hilft keinem von diesen Akteuren, wenn wir die nächste tolle Theorie oder das nächste tolle theoretische Framework entwickeln.
1:10:18
Sondern wir müssen tatsächlich dann fallbezogen und das ist ein weiteres Mantra der Innovationsforschung und auch der EFI,
1:10:26
wir müssen diese Initiativen, die dann gestoßen werden, wir müssen die begleiten.
1:10:30
Wir brauchen Begleitforschung, die dann nämlich sagen kann, Mensch guck mal hier,
1:10:34
ProBio beispielsweise, das ist also ein Rahmenprogramm des BMBF für das Thema Ausgründung in der Bioökonomie.
1:10:43
Hochrelevant und sehr sehr erfolgreich.
1:10:45
Das wissen wir aber nur, weil wir eine Begleitforschung gemacht haben.
1:10:47
Sie hatten im Vorfeld gesagt, wir wollten vielleicht noch mal auf We Versus Virus zu sprechen kommen.
1:10:54   timpritlove
Da würde ich jetzt drauf einschwenken wollen, genau.
1:10:56   katharina-hoelzle
Das war genau so ein Thema, da sind wir herangegangen, also ein Masterstudent und ich,
1:11:02
da sind wir reingegangen und haben das also über Wochen, die das lief, begleitet,
1:11:08
um festzustellen, guck mal, da passiert jetzt etwas.
1:11:09   timpritlove
Vielleicht sollten wir kurz sagen, was es war.
1:11:11
Also zum Beginn der Pandemie, als alle so, oh Gott, was können wir denn jetzt tun,
1:11:16
war es ja eine dieser Initiativen, so einen offenen Hackathon zu machen,
1:11:21
also eine Veranstaltung, wo technikbegeisterte Leute oder gar nicht primär Technik,
1:11:28
aber generell lösungsorientiert über, okay Pandemie, vor welchen Herausforderungen stehen wir denn jetzt,
1:11:34
was können wir denn jetzt hier für Lösungen finden?
1:11:38
Da ist teilweise viel Software erstellt worden, andere Projekte, ich weiß gar nicht, wie breitbandig es war.
1:11:39   katharina-hoelzle
Bildungsangebote.
1:11:43   timpritlove
Es war wirklich sehr sehr viel.
1:11:43   katharina-hoelzle
Ja, Vernetzungsangebote.
1:11:44   timpritlove
Und das Ganze wurde auch binnen kürzester Zeit auf die Beine gestellt.
1:11:50
Unter anderem auch mit der Hilfe des Prototype-Funds, was ja auch schon so ein Projekt war,
1:11:55
was, sagen wir mal, genau mit solchen Strukturen dann auch schon experimentiert hat unter staatlicher Unterstützung.
1:12:02
Ist schon so ein kleines Innovationspflänzchen gewesen, was schon da war,
1:12:08
was in dem Moment ganz gut gepasst hat, so dass es dann, ich weiß gar nicht,
1:12:11
wie schnell kam das zustande, innerhalb von wenigen Wochen.
1:12:14   katharina-hoelzle
Vier bis sechs Wochen, also das war eine erste Idee und dann sind sehr schnell die relevanten Akteure haben sich zusammengefunden
1:12:20
und haben gesagt, wir machen das, wir finden das toll, wir setzen das um.
1:12:24
Es gab die Finanzierung aus dem BMBF, aus dem BMWI und dann ist das einfach losgelaufen.
1:12:28
Also das war tatsächlich auch im Nachgang, gerade wenn Sie mit den Organisatoren sprechen,
1:12:34
die sind da immer noch, die reflektieren das und denken, wir hätten das nicht gedacht,
1:12:37
dass wir das so schnell auf die Beine stellen.
1:12:39
Aber letztendlich hatte das eben genau dieses, das war so ganz agil, kam ja auch aus der IT-Szene,
1:12:46
so Hackathon, Sie sprachen das gerade schon an, so wir machen einfach mal was.
1:12:49
So wir gucken einfach mal, was passiert.
1:12:52
Und unsere Gesellschaft befand sich zu dem Zeitpunkt in einer Situation, wo wir alle das Gefühl hatten, wir müssen jetzt was tun.
1:12:58   timpritlove
Was ist dann passiert?
1:13:00   katharina-hoelzle
Dann haben sich diese, so und jetzt hätte ich natürlich im Vorfeld noch mal schön die Zahlen nachschlagen können,
1:13:06
also ich glaube, wir hatten…
1:13:10
Nein, vierstellig hätte ich jetzt gesagt.
1:13:10   timpritlove
Dreistellige Zahl von Teilnehmern auf jeden Fall.
1:13:12
Vierstellig, tatsächlich?
1:13:13   katharina-hoelzle
Ja, ich meine schon.
1:13:14
Aber gut, also das ist jetzt das, wo wir beide genau stehen.
1:13:17
Und die haben sich also zusammengetan an einem Wochenende im März und haben gesagt,
1:13:22
so, wir tun uns jetzt mal zusammen und wir geben uns gegenseitig Ideen,
1:13:30
wir sind zusammen kreativ, da sind wir wieder bei diesem Thema Kreativität
1:13:34
und wir überlegen uns, was können wir eigentlich tun, um diese Herausforderungen,
1:13:39
vor denen wir stehen, also wie verbinden wir Leute besser miteinander.
1:13:44
Da hatten wir ja noch das Thema Einkaufshilfen.
1:13:45
Wie sorgen wir dafür, dass die Kinder im Virtuellen unterrichtet werden?
1:13:52
Wie schaffen wir es, womöglich bessere Warnhinweise zu entwickeln?
1:13:56
Wie finden wir womöglich ein Corona-Medikament?
1:14:00
Also ganz unterschiedliche Disziplinen wurden da angesprochen.
1:14:03
Es kamen Menschen aus allen, sage ich mal, Schichten und studiert, nicht studiert,
1:14:10
Informatiker, der Tischler um die Ecke, die sich alle an diesem Wochenende trafen im virtuellen Raum
1:14:16
und gemeinsam Ideen entwickelt haben.
1:14:18   timpritlove
28.000 sagt die Wikipedia.
1:14:20   katharina-hoelzle
Fünfstellig, sehen Sie mal.
1:14:22   timpritlove
Ist die Teilnahmezahl. Okay, das ist wirklich eine Menge.
1:14:23   katharina-hoelzle
Ja.
1:14:26   timpritlove
Die sich dann in 1500 Projekten damit beschäftigt haben.
1:14:28   katharina-hoelzle
Projektteams, genau.
1:14:30
So und da haben wir wirklich eine unglaubliche Bandbreite.
1:14:33
Und am Ende waren wir alle ganz überrascht, begeistert davon, dass es eben so viele gab.
1:14:39
Und dann ging es ja darum, was machen wir jetzt mit diesen 1500 Projekten?
1:14:42
Das soll ja nicht nur so eine Einmalveranstaltung gewesen sein.
1:14:45
Und das haben wir dann eben, das ist ja dann auch über die Initiative, da sind dann eben entsprechende Mentoren angeworben worden,
1:14:52
die Projektteams wurden gefragt, habt ihr Lust das weiter zu machen, habt ihr Zeit dafür?
1:14:57
Wenn nicht, seid ihr bereit, eure Idee sozusagen auf den Marktplatz zu stellen,
1:15:02
dass die von anderen weiter getrieben werden kann?
1:15:05
So und da gab es ganz unterschiedliche Motivationen.
1:15:06
Es gab welche, die gesagt haben, auf alle Fälle machen wir weiter und ich bereit,
1:15:09
da auch in meinem Job zurückzustecken.
1:15:12
Es gab natürlich viele, die während des Lockdowns sehr sehr viel Zeit hatten.
1:15:17
Und so ist das also von verschiedenen Akteuren vorangetrieben worden.
1:15:20
Es gab dann entsprechende finanzielle Unterstützung, es gab dann aber eben auch entsprechende fachliche Unterstützung.
1:15:25
Und ich glaube, mittlerweile haben wir also jetzt, also von 15 Gründungen weiß ich,
1:15:32
aber es kann gut sein, dass da mittlerweile auch schon wieder noch mehr dazu gekommen sind.
1:15:36
Also die dann tatsächlich in die Unternehmensgründung gegangen sind.
1:15:38
Sei es eben jetzt über eine App, die Daten zur Früherkennung von solchen Pandemien zusammenfügt.
1:15:47
Sei es eine App, die eben solche Communitys entsprechend unterstützt,
1:15:50
also vor Ort, so Nachbarschaftshilfen.
1:15:54
Also da gab es eine große Bandbreite.
1:15:56
Es gab zwei oder drei, die jetzt auch in die medizinische Forschung,
1:16:00
ich glaube, zwei sind jetzt am Robert-Koch-Institut angesiedelt,
1:16:03
die da ihre Idee entsprechend jetzt auch in die Forschung übertragen haben, um da eben weiterzumachen.
1:16:09   timpritlove
Und Sie haben das auch forschend begleitet?
1:16:12   katharina-hoelzle
Genau. Also wir waren, mein Masterstudent war Teil dieser ersten Runde,
1:16:18
der war an diesem Wochenende mit dabei, hat sich das angeschaut, war völlig begeistert,
1:16:22
ist selber Informatikstudent gewesen und kam anschließend zu mir und sagte,
1:16:27
boah Katharina das war so cool und das ist doch eigentlich spannend, jetzt mal zu gucken,
1:16:33
was passiert damit eigentlich, was kommt da mit raus?
1:16:35
Und das haben wir gemacht.
1:16:37
Wir haben also dann, auf einer Seite hat er in seinem Projektteam weitergearbeitet, an seiner konkreten Idee
1:16:41
und gleichzeitig hat er aber dann eben mit anderen Teams, mit anderen involvierten Menschen
1:16:48
hat er Interviews geführt und hat gefragt, warum hast du mitgemacht?
1:16:52
Was hat dich eigentlich daran gereizt?
1:16:54
Ist das gut gelaufen, was ist an diesem Wochenende gut gelaufen?
1:16:57
Was ist vielleicht nicht so gut gelaufen, was würdest du beim nächsten Mal anders machen?
1:17:00
So und das, was halt rauskam, und da kann man wieder sagen, da sind wir als Wissenschaft nicht so wahnsinnig überrascht gewesen,
1:17:07
der zentrale Faktor war dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, dieses Community-Feeling.
1:17:13
Ich bin mehr als nur einer oder eine, sondern wir sind eine Gemeinschaft.
1:17:18
Und in dieser Gemeinschaft haben wir Dinge erreicht, von denen ich nicht dachte, dass die möglich wären.
1:17:22
In so kurzer Zeit, in einer solche Kreativität, wir hatten das Gefühl, dass wir sehr viel Unterstützung erfahren haben.
1:17:30
Also dieses gesamte Begleitprogramm ist sehr gelobt worden, dass man das Gefühl hatte,
1:17:35
da gibt es tatsächlich Unterstützung und dann, das ist so der dritte Erfolgsfaktor, wenn wir ihn mal so nennen dürfen,
1:17:42
war tatsächlich das Thema, wir gegen das Virus.
1:17:48
Und da merkt man eben, wie wichtig diese Gemeinsamkeit oder wir nennen es ja dann als Wirtschaftswissenschaftler immer gerne Vision, ist.
1:17:58
Aber sich darauf einzulassen und zu sagen, ja, dafür mache ich das.
1:18:04
Und alle, die hier in diesem virtuellen Raum zusammen sind, die haben alle dieselbe Motivation.
1:18:08
Und das waren so die drei Faktoren, aus denen wir dann eben, und deswegen macht man ja so eine Begleitforschung,
1:18:12
entsprechend Handlungsempfehlungen abgeleitet haben, an die Politik,
1:18:16
aber genauso an Hochschulen, an Schule, an Bürgerinitiativen.
1:18:22
Wenn ihr solche Initiativen machen wollt, solche Hackathons, dann achtet darauf,
1:18:29
findet eine Gemeinsamkeit, findet eine gemeinsame Vision, ein Leitmotiv,
1:18:33
unter das sich die Leute finden können.
1:18:36
Sorgt dafür, dass dieses Gemeinsamkeitsgefühl geschaffen und dann auch aufrechterhalten wird.
1:18:44
Und seht zu, dass ihr dann entsprechende Unterstützung anbieten könnt, um aus diesen Ideen tatsächlich konkrete Dinge machen zu können.
1:18:53
Dass man das Gefühl hat, es verpufft eben nicht einfach so, sondern es kommt wirklich etwas raus.
1:18:59   timpritlove
Findet denn das noch statt, also ist diese Begleitung noch, wir die noch betrieben oder ist das abgeschlossen?
1:19:04   katharina-hoelzle
Nein, das ist abgeschlossen.
1:19:06   timpritlove
Hat das gereicht der Zeitraum?
1:19:08   katharina-hoelzle
Naja, es war halt der Zeitraum einer Masterarbeit und er hat schon deutlich mehr Zeit reingesteckt,
1:19:15
also er hat acht Monate reingesteckt und wie gesagt, ich sagte ja gerade,
1:19:18
die Projekte laufen teilweise ja immer noch.
1:19:20
Aber uns ging es ja wirklich mehr darum zu verstehen, was sind eigentlich bedeutsame Faktoren,
1:19:26
um so eine Initiative zunächst einmal zum Erfolg zu führen, kurzfristiger Erfolg.
1:19:33
Und insofern würde ich sagen, für diese Fragestellung, mit der er rangegangen ist, hat es erst mal gereicht.
1:19:41   timpritlove
Ja ist so ein bisschen die Dynamik so auch der Hackerszene, da kennt man das ja sehr stark,
1:19:47
diese Community-Ausprägung des Selbermachens, Selberrausfindens, so Eigeninitiative machen
1:19:54
und das Ganze auch über so eine Community zu lenken.
1:19:58
Würde mich noch mal interessieren, was man da jetzt wirklich für Lehren draus ziehen kann,
1:20:02
außer dass das Projekt jetzt an sich toll war.
1:20:04
Weil so, sagen wir mal, dieser Motivationstrieb war natürlich in dem Moment der hereinbrechenden Pandemie,
1:20:12
ist ja auch jetzt nicht so ohne weiteres replizierbar.
1:20:14
Also das ist so eine Ausnahmesituation gewesen.
1:20:20
Also reflektiert schön diese Feststellung, die wir vorhin hatten, mit, es muss erst mal ganz dicke kommen,
1:20:25
bevor irgendwie überhaupt erst mal was passiert.
1:20:27
So ja klar, so globale Pandemie da lässt sich was machen.
1:20:30
Frage ist natürlich, wie kann man das dann im Kleinen mit den normalen Innovationsschüben auch als Lehre heranziehen.
1:20:38
Also was würden Sie denn jetzt sozusagen empfehlen?
1:20:41
Dass solche Hackathons ein wichtiger Faktor sind, um sich überall anzugliedern an den politischen Prozess?
1:20:49
Ist das überhaupt wünschenswert, ist das leistbar?
1:20:51
Wäre die Politik bereit, mit den Erfahrungen, das überhaupt anzunehmen?
1:20:56
Oder bleibt das eher eine einmalige Geschichte?
1:21:00   katharina-hoelzle
Ich denke nicht, dass das eine einmalige Geschichte bleibt.
1:21:02
Das, was wir im Moment sehen, ist, die Innovationen der Zukunft sind nicht technologische Innovationen.
1:21:10
Sondern sie werden immer eine Kombination sein aus technologischen und sozialen Innovationen.
1:21:14
Da haben wir wieder diesen Menschenfokus mit drin.
1:21:19
Das weiß die Politik grundsätzlich, die Unternehmen wissen es grundsätzlich auch.
1:21:24
Und wenn es jetzt darum geht, diesen Bereich, den ich jetzt mal Sozialinnovationen nenne
1:21:31
oder Gesellschaftsinnovationen nenne, um das mit reinzukriegen,
1:21:35
werden wir ganz stark eine Bürgergesellschaftsnutzerbeteiligung brauchen.
1:21:44
Ohne die wird es nicht funktionieren.
1:21:47
Da werden wir Disruption nicht durchsetzen können und wir werden vielleicht auch gar nicht erst die Ideen dafür kriegen.
1:21:53
Das heißt, das, was wir aus so einer Initiative lernen können und wir wissen ja,
1:21:58
Bürgerinitiativen gibt es schon ganz lange und es gibt jetzt auch immer diese Labore,
1:22:04
da werden dann Bürgerinnen und Bürger eingeladen und wir wissen auch, es sind immer wieder dieselben Menschen,
1:22:09
die sich engagieren bei so was.
1:22:10
Und es gibt einen ganz großen Anteil an Menschen, die erreichen wir nicht, adressieren wir nicht, die engagieren sich nicht.
1:22:18
Die werden wir aber brauchen.
1:22:21
Und die Erfahrungen und die Lernerfahrung aus so einer Initiative wie „we versus virus“ kann uns helfen,
1:22:30
wenn wir über Politikmaßnahmen, über neue disruptive Technologieinnovationen nachdenken,
1:22:38
von Anfang an mitzudenken, wie sorgen wir dafür, dass wir die Menschen mitnehmen, wie sprechen wir die an?
1:22:44
Wie schaffen wir eine solche Vision, wo die sich vielleicht auch wiederfinden können?
1:22:50
Wie gehen wir früh genug auf diese Akteure zu, um sie einzubinden, um ihre Stimme zu hören?
1:22:56
Um diese Stimme dann aber auch, und das ist ja immer so dieses ganz wichtige, was gerne vergessen wird,
1:23:05
die eben nicht nur einmal zu hören, zur Kenntnis zu nehmen, sondern sie dann auch mit umzusetzen.
1:23:10
Und da braucht es dann natürlich auf beiden Seiten ein Umdenken.
1:23:14   timpritlove
Das sind super Fragen, aber was sind die Antworten darauf?
1:23:19   katharina-hoelzle
Wie wir das machen?
1:23:19   timpritlove
Ja.
1:23:20   katharina-hoelzle
Pf, das kommt dann ganz drauf an, was wir da jetzt konkret vorhaben.
1:23:25   timpritlove
Naja, also nehmen wir doch mal irgendeinen Bereich heraus, der jetzt nicht die Pandemie ist,
1:23:29
wo wäre denn so ein Vorstoß der Einbindung der Gesellschaft für so innovative Projekte,
1:23:40
vielleicht jetzt nicht in derselben Dimension und nicht mit demselben Druck wie die Pandemiebekämpfung, sondern eben so andere Sachen.
1:23:47
Sagen wir mal Umgestaltung der Städte im Verkehrsbereich.
1:23:51   katharina-hoelzle
Richtig, nachhaltige Mobilität.
1:23:53   timpritlove
Betrifft alle enorm, wird viel diskutiert, wenn man so soziale Medien verfolgt, so hier den Beschwerdekanal Twitter zum Beispiel,
1:24:06
da wird also permanent darauf hingewiesen, wie kaputt doch so unser autoorientiertes Verkehrssystem so ist,
1:24:12
habe ich vorhin ja auch schon mal als Beispiel genommen, da sehe ich eine ganze Menge Potenzial.
1:24:18
So und wie geht man dann jetzt vor?
1:24:21
Wie bindet man das denn jetzt ein?
1:24:24
Ich meine, Verkehrsministerium wäre sicherlich ganz gut beraten an der Stelle, konkret wäre ja jetzt mal so ein Vorschlag.
1:24:33
Gut, wie machen wir das denn jetzt mit der Umgestaltung der Städte, damit das nicht irgendwie 30 Jahre dauert,
1:24:37
bis wir da wirklich an den Punkt kommen, weil der Bedarf ist ja offensichtlich da
1:24:40
und es ist ja auch etwas, was die Wirtschaft dann unmittelbar wiederum betrifft.
1:24:44
Da haben wir den Kreis jetzt auch mal geschlossen, nicht wahr, mit der Automobilindustrie,
1:24:48
die sich vielleicht mehr als Mobilitätsindustrie verstehen muss, weil eben ja hier noch ein konkreter infrastruktureller Wandel auch ansteht.
1:24:57   katharina-hoelzle
Ja. Also da ganz konkret würde ich eben tatsächlich, Sie haben jetzt die Städte angesprochen,
1:25:01
aber ich würde das wahrscheinlich direkt parallel laufen lassen und würde mir ein städtisches Experimentallabor ausdenken
1:25:07
und würde mir eins im ländlichen Raum aussuchen, denn die Zukunft der Mobilität da müssen wir in Deutschland beides bespielen.
1:25:14   timpritlove
Ja richtig.
1:25:15   katharina-hoelzle
Und würde dann sagen, okay Berlin Neukölln und Ostwestfalen-Lippe, so die nehmen wir uns,
1:25:22
da holen wir uns die Bezirkspolitik mit ins Boot und sagen, also ihr werdet jetzt für die nächsten 24 Monate seid ihr unser Zukunftsstandort die Zukunft der Mobilität.
1:25:35
Ihr bekommt Betrag X, fünf, zehn Millionen dafür, dass ihr gemeinsam mit der Wirtschaft vor Ort,
1:25:46
das ist jetzt in Berlin Neukölln nicht so stark ausgeprägt, aber da darf dann vielleicht BMW mitspielen,
1:25:52
wenn Volkswagen nach Ostwestfalen-Lippe geht und ihr macht euch gemeinsam mit diesen vier Parteien,
1:25:59
die ich jetzt schon ein paarmal genannt habe, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft,
1:26:04
darüber Gedanken, wie ihr das vor Ort umgestalten wollt.
1:26:07
So und dann werden wir unterschiedliche Instrumente bespielen.
1:26:09
Dann werden wir einen Hackathon machen, mindestens einen, wir werden das Ganze also über eine Plattform machen,
1:26:15
wir werden aber genau so mit Bürgerbüros vor Ort arbeiten, wo wir dann vielleicht die nicht so sozialmedienaffinen einladen und sagen,
1:26:25
hier das ist die Vision, das stellen wir uns vor, was sind eure Ideen dazu oder wo seht ihr eigentlich die Probleme?
1:26:32
Die Nutzer mit an den Tisch bringen zu sagen, was sind denn eigentlich eure konkreten Probleme?
1:26:37
Und dann gemeinsam mit denen Lösungen entwickeln.
1:26:40
Und immer unter diesem Kontext, da komme ich jetzt wieder auf diesen einen Erfolgsfaktor,
1:26:44
ihr als Gemeinschaft hier vor Ort in diesen beiden Experimentallaboren könnt die Zukunft so gestalten,
1:26:54
wie sie für euch passt.
1:26:56   timpritlove
Super Idee, wo klopft man da jetzt an, um das durchzusetzen?
1:27:00   katharina-hoelzle
Naja, Sie nannten das ja gerade schon, wir haben ja jetzt ein Ministerium für Digitalisierung und Verkehr,
1:27:04
das ist unser erster Faktor, dann nehmen wir das BMBF noch mit rein in die Begleitforschung
1:27:08
und das BMWI für die Startups.
1:27:11
Und dann kommen wir nämlich auf das nächste große Problem, was wir noch nicht gelöst haben
1:27:15
und wo ich mir sehr viel mehr Innovativität gewünscht hätte von der neuen Regierung,
1:27:19
das ist nämlich das Thema interministerielle Zusammenarbeit.
1:27:24   timpritlove
Was es so nicht gibt?
1:27:25   katharina-hoelzle
Nein.
1:27:27   timpritlove
Warum?
1:27:28   katharina-hoelzle
Das größte, wie sagte mir mal jemand aus einem der Ministerien, also die größte Bestrafung sind die IMAKs,
1:27:38
die interministeriellen Arbeitskreise.
1:27:42   timpritlove
IMAKs?
1:27:42   katharina-hoelzle
Mhm /bejahend/, da wird man also abgeordnet, weil ja dann zwischen den Ministerien eine Koordination erfolgen soll
1:27:49
und da kommt überhaupt nichts raus.
1:27:52
Weil, da sind wir wieder relativ zu Beginn, kein Haus will Macht abgeben, kein Haus will die zweite Geige spielen,
1:28:00
kein Haus will im Zweifel zu etwas zustimmen, was das andere Haus bestimmt hat.
1:28:04
So und solange wir das nicht haben, solange die Regierung, die Ministerien sich nicht als ein verantwortlicher Körper versteht,
1:28:14
da werden viele von den Punkten, über die wir gesprochen haben, schwierig umzusetzen sein.
1:28:21   timpritlove
Aber ist doch im Prinzip genau das gleiche Problem, was wir vorhin bei der Wirtschaft auch schon festgemacht haben.
1:28:24   katharina-hoelzle
Ja klar.
1:28:25   timpritlove
Dass hier die richtigen Leistungskennzahlen, tolles Wort, Belohnungssysteme vorhanden sind.
1:28:32
Welche Belohnungssysteme könnten denn dann an der Stelle etwas mit reinbringen?
1:28:32   katharina-hoelzle
Ja ist richtig, klar.
1:28:37   timpritlove
Wie kann man denn sozusagen belohnt werden, um durch interministerielle Zusammenarbeit trotzdem zu glänzen
1:28:45
und nicht sofort der Später zu sein, der das Budget senkt?
1:28:50
Schwierig, ne?
1:28:50   katharina-hoelzle
Sehr sehr schwierig.
1:28:51   timpritlove
Ich habe nicht gesagt, dass es einfach ist.
1:28:52   katharina-hoelzle
Ja, also auch da wieder, ich meine, das, was wir da schon als Entwürfe oder mal als Vorschläge entwickelt haben, wäre natürlich,
1:29:01
dann themenspezifische Töpfe, und das wäre jetzt nachhaltige Mobilität, die Zukunft der Mobilität im städtischen und ländlichen Raum,
1:29:12
wohlwissend, dass das Digital- und Verkehrsministerium als erstes schreien würde,
1:29:16
das ist in unserer Verantwortung und gleich sagen, nein, diesen Topf bekommt ihr nur dann, wenn alle dabei sind.
1:29:23
Und dementsprechend werden dann die Gelder verteilt.
1:29:29
Ja, wohlwissend … nein, so und das ist aber jetzt sozusagen meine Milchmädchenrechnung
1:29:33
und ich weiß, dass da noch ganz viele Punkte entsprechend adressiert werden müssen,
1:29:37
aber wir müssen diese Themen aus der ministeriellen Zuordnung und Verantwortung müssen wir rauslösen,
1:29:45
deswegen hoffe ich sehr auf diese sogenannte Hightech- oder Zukunftsstrategie,
1:29:48
da müssten in meinen Augen solche Themen adressiert werden.
1:29:52
Sie müssten mit Zielkennzahlen hinterlegt werden und dann natürlich auch entsprechend mit Budgets.
1:29:58
Und dann müssen wir wahrscheinlich im Zusammenspiel dieser Missionen, nenne ich sie jetzt mal,
1:30:05
vielleicht heißen sie in Zukunft anders, müssen wir dann austarieren, also da darf mal das Ministerium im Lead sein
1:30:13
und da das Ministerium, aber insgesamt muss klar sein, ihr könnt es nur alle zusammen.
1:30:17
Aber das ist ein sehr dickes Brett, weil wir da nämlich genau auf dieses Thema Belohnungsstrukturen, Leistungskennzahlen,
1:30:25
Macht abgeben, zusammenarbeiten, wenn ich womöglich die Sprache des anderen nicht verstehe,
1:30:30
weil das BMWI da ganz anders arbeitet als das BMBF und so weiter.
1:30:34
Aber ich glaube, das wäre ein zentrales Zeichen für uns alle, für die Wirtschaft, für die Gesellschaft,
1:30:41
das bereit ist, über den eigenen Schatten zu springen und zu sagen, Innovation funktioniert nur dann, wenn wir alle mitarbeiten.
1:30:50   timpritlove
Schönes Schlusswort, würde ich sagen an der Stelle.
1:30:53
Könnten jetzt sicherlich noch viel weiter philosophieren und uns fragen, was die Politikwissenschaften hier noch für neue Aufgabenfelder entdeckt haben,
1:31:02
aber vielleicht haben die ja zugehört und denken sich ihren Teil.
1:31:06
Gibt es noch irgendeinen letzten Gedanken, den wir noch hinterher werfen sollten oder können wir es damit beschließen?
1:31:12   katharina-hoelzle
Ich glaube, wir können es damit gut beschließen.
1:31:15   timpritlove
Super, dann beschließen wir das damit.
1:31:16
Damit vielen vielen Dank für Ihre Zeit.
1:31:17   katharina-hoelzle
Danke Ihnen.
1:31:19   timpritlove
Und vielen Dank für das Zuhören hier bei Forschergeist, bald geht es wieder weiter.
1:31:23
Und ich sage, tschüss und bis bald.