Forschergeist

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episode 93: FG093 Solarstrom für Mieter  

[transcript]


Marketing als unterstützende Maßnahme zur Energiewende


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 April 12, 2022  1h9m
 
 
00:42   timpritlove
Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist, dem Podcast des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.
00:46
Mein Name ist Tim Pritlove und ich begrüße alle zur 93. Ausgabe unserer Gesprächsreihe,
00:52
in der wir uns viel mit Wissenschaft beschäftigen und womit sich die Wissenschaft sich so beschäftigt.
00:58
Und manchmal beschäftigt sich die Wissenschaft auch mit Dingen, auf die man vielleicht gar nicht sofort gekommen wäre.
01:02
So ein Thema haben wir uns heute herausgesucht.
01:06
Genauer wollen wir über die Energiewende sprechen unter einem bestimmten Aspekt,
01:11
konkret die Energiewende, wie sich denn vor allem im urbanen Raum realisieren lässt.
01:17
Ja, und tauchen dort ein und dafür begrüße ich erst mal meine Gesprächspartnerin heute, nämlich Andrea Rumler, schönen guten Tag.
01:25   andrearumler
Guten Tag, freut mich.
01:27   timpritlove
Frau Rumler, Sie sind Professorin dann der Fachhochschule der HWR in Berlin.
01:33
Das ist die Hochschule für Wirtschaft und Recht, was ich schon mal eine ganz interessante Kombination finde.
01:41
Und sind dort Leiterin des Projekts Mieterstrom plus, das wollen wir heute mal ein bisschen auseinandernehmen
01:46
und gucken, was dabei so herausgekommen ist.
01:50
Ja, vielleicht mal so zu Ihnen erst mal, wie sind Sie denn da gelandet in dieser speziellen Position?
01:58
Man muss dazu sagen, also Ihre Aufgabe sind so Themen wie Online Marketing, Social Media, Compliance Thematiken, internationales Marketing.
02:09
Klingt ja auch alles erst mal gar nicht so nach Wissenschaft, wenn man mal so ganz einfach drauf blickt.
02:17
Was ist das für eine Kombination, wie hat sich denn das bei Ihnen ergeben?
02:22   andrearumler
Dann fange ich mal sozusagen am Beginn meiner Karriere an und erzähl mal ein bisschen,
02:27
was ich so im Laufe meines bisherigen Lebens gemacht habe.
02:30   timpritlove
Mhm /bejahend/
02:31   andrearumler
Ich springe doch mal von hinten, ich bin jetzt schon fast 25 Jahre Marketing Professorin,
02:36
ungefähr zehn an der Hochschule für Wirtschaft und Recht, der HWR.
02:40
Davor war ich an der HTW auch in in Berlin.
02:45
Und ich habe, da ich ja Professorin für Betriebswirtschaft bin, auch mal Betriebswirtschaft studiert vor vielen vielen Jahren in München und in Köln.
02:53
Und habe danach mal vorsichtshalber promoviert, weil ich so jung war und dachte,
02:58
wer weiß, wofür es im Leben noch mal gut ist.
03:00
Professorin wollte ich natürlich nie werden, ist ja klar.
03:03   timpritlove
Langweilig.
03:05   andrearumler
Langweilig, genau.
03:07
So, also die Promotion hatte ich hinter mir und habe mich auf die Suche nach einem Arbeitgeber gemacht
03:12
und bin bei Bertelsmann gelandet, der Verlagsgruppe Bertelsmann in München damals.
03:16
Also der Hauptsitz in Bertelsmann in Gütersloh, denke ich, weiß der eine oder die andere auch.
03:23
Ich war in München und für internationale Verlage zuständig.
03:27
In meinem Fall für Fachinformationen.
03:29
Da war ich erst Geschäftsführungsassistentin, dann Marketingleiterin.
03:34
Wollte aber gerne einen Verlag leiten, das wollten die damals aber nicht einer Frau anvertrauen.
03:41
Das ist schon bisschen her, ich hoffe, die Situation ist heute besser im Unternehmen.
03:45
Und dann habe ich überlegt, was möchte ich noch so machen im Leben und habe gesagt, einmal in den USA leben.
03:51
So, ich habe viele Verwandte da, war viel da und habe gesagt, wann wenn nicht jetzt.
04:00
Habe überlegt, was könnte ich anderes berufliches machen und habe einfach mal,
04:05
damals gab es das Internet ja noch nicht, da wäre es viel einfacher gewesen, in den Zeitungen geblättert
04:09
und ein Angebot eines französischen Möbelhauses gesehen, Möbelherstellers Linie Rosé(?).
04:16
Die schrieben, wir suchen Leute, Deutsche für die USA, um uns zu vertreten.
04:22
Mit meinem damaligen Freund und späteren Mann haben wir die dann kontaktiert
04:25
und ich springe mal, wir sind nach New York gezogen und haben da deren Möbelladen übernommen
04:32
und uns auf die Suche nach neuen Möbelhäusern gemacht.
04:35
So, das lief auch eine Zeit lang sehr gut, dann sind wir aber wieder nach Deutschland zurück gekommen.
04:40
Ich habe Kinder bekommen und dann war die Frage, was mache ich jetzt beruflich mit zwei kleinen Kindern
04:45
oder schon nach Kind Nummer eins habe ich überlegt, was ich mache
04:48
und habe mich dann auf eine Professur beworben und auf eine andere und relativ schnell hat das auch geklappt.
04:54
So und dann sind wir wieder bei dem, was ich seit 25 Jahren mache, nämlich ich unterrichte Marketing im Studiengang Betriebswirtschaft.
05:02   timpritlove
Wobei die erste Professur war dann bei der HTW Berlin?
05:05   andrearumler
Die erste Professur war, wie gesagt, 15 Jahre lang…
05:06   timpritlove
Hochschule für Technik und Wirtschaft.
05:09   andrearumler
Bei der Hochschule für Technik und Wirtschaft, genau.
05:13
Und da ich irgendwann dachte, 30 Jahre bei derselben Hochschule oder 35 Jahre halte ich nicht durch,
05:19
habe ich dann mal einen mutigen Wechsel von Karlshorst nach Schöneberg unternommen.
05:25   timpritlove
Okay.
05:28
Da muss ich dann natürlich mal fragen, was macht denn diese Hochschule genau?
05:33
Also Wirtschaft und Recht, das andere Technik und Wirtschaft,
05:36
da ist halt überall die Wirtschaft drin, da passt natürlich das Marketing wunderbar mit rein.
05:42
Wie lange ist denn schon Marketing wirklich auch so ein Forschungsgebiet?
05:48   andrearumler
Da muss man USA und Deutschland unterscheiden.
05:50
Die Amerikaner sind uns ja bei der ein oder anderen Sache so ein bisschen voraus,
05:54
so auch beim Thema Marketing.
05:57
Da gibt es den Begriff eigentlich schon, naja vielleicht nicht fast 100 Jahre, aber ich würde mal sagen,
06:03
doch relativ schnell nach dem zweiten Weltkrieg wurde das populärer.
06:06
Ein paar Sachen, so was wie Produktmanagement sind eher mal Richtung 80 Jahre.
06:11
In Deutschland hat das Marketing aber eigentlich erst in den 60er Jahren sozusagen gestartet und abgehoben.
06:17
Und hieß damals auch meistens noch nicht Marketing, sondern Vertrieb
06:23
und noch in den 80er Jahren gab es eine Reihe großer deutscher Unternehmen, die sagten,
06:27
so was böses wie Marketing brauchen wir gar nicht, aber auch die haben heute Marketingabteilungen,
06:32
in denen sich die Leute letztlich damit beschäftigen, was die Kunden denn gerne hätten.
06:42   timpritlove
Ändert sich jetzt so die Diskussion in der Hinsicht?
06:45
Also ich meine, die USA haben ja ein ganz anderes Verhältnis zu Ihrer Wirtschaft so.
06:48
Also die Privatwirtschaft, das ist dann auch sehr viel mehr Teil der Kultur, habe ich immer so den Eindruck.
06:54
So dieses Wirtschaft durchzuführen, selber wirtschaftlich zu denken, ist in gewisser Hinsicht so ein bisschen normal.
07:04
Also so dieses Scheitern auch als Option so, während Deutschland ja immer sehr viel mehr von so einem Sicherheitsdenken vielleicht geleitet ist.
07:15
Und sagen wir mal zum Beispiel, universitäre Karrieren eher sozusagen gewürdigt werden und einen gewissen gesellschaftlichen Status haben
07:28
als das jetzt vielleicht mit so einem Startup-Denken verknüpft ist.
07:32
Das ändert sich sicherlich auch ein bisschen.
07:36
Inwiefern hat das dann einen Einfluss auf so einen Forschungsbereich?
07:40   andrearumler
Ich würde mal sagen, dadurch, dass die USA in dem Bereich tatsächlich anders ticken,
07:46
wenn man mal ganz weit ausholt würde ich sagen, ist das letztlich auch den Kalvinismus geprägt,
07:51
dass das Thema wirtschaftlicher Erfolg so wichtig ist in den USA.
07:57
Also der American Dream heißt ja nicht, ich werde Beamter, sondern ich werde Multimultimillionär und habe ein Unternehmen.
08:06
Während in Deutschland, ich glaube, ich habe neulich eine Untersuchung gesehen, wievielte Hochschulabsolventen Beamter werden wollen,
08:12
das hat mich ja als Beamtin fast erschreckt wie viele das sind.
08:15   timpritlove
Was war die Zahl, alle?
08:19   andrearumler
Nein, Gott sei Dank nicht.
08:21
Startups sind ja inzwischen bei uns auch cool, aber trotzdem ist die Bereitschaft, ins kalte Wasser zu springen
08:28
und genau wie Sie gesagt haben, auch mal zu scheitern und dann zu sagen, egal, ich versuche es noch mal,
08:34
bei uns nicht so hoch, was eben tatsächlich, denke ich, auch mit dem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis
08:41
und der sehr geringen Akzeptanz von neuem in Deutschland zu tun hat.
08:47
Von daher hat es Marketing in den USA schon immer viel einfacher gehabt.
08:51
Was allerdings dann auch so zu, ich würde es mal, Auswüchse, nennen, von Marketing.
08:58
Die sind in den USA sicherlich weitergegangen als bei uns.
09:01
Also das, was man aus Verbrauchersicht sagen würde, was letztlich an Betrug oder Übervorteilung Grenzen könnte.
09:09
Aber das ist ja nicht die Kernidee des Marketings.
09:12   timpritlove
Ja und sicherlich auch nicht der Kern Ihrer Forschung.
09:16   andrearumler
Nein, in keiner Weise.
09:17   timpritlove
Und Sie werden auch nicht von den Kollegen gedisst oder so, so nach dem Motto, oh da kommt wieder das Marketing, lass mal gehen.
09:21   andrearumler
Nein, /lacht/.
09:26   timpritlove
Es hat seine Rolle im ganzen System.
09:27   andrearumler
Ja.
09:28   timpritlove
Wie ist denn Hochschule so aufgestellt?
09:29
Also Hochschule für Wirtschaft und Recht ist ja eine Fusion, die vor ein paar Jahren stattgefunden hat,
09:33
2009, glaube ich, aus einer rechtsorientierten Hochschule und einer wirtschaftsorientierten Hochschule, die sich zusammengetan haben.
09:43
War das nur so, alleine können wir nicht überleben, lass mal gemeinsam gehen
09:48
oder war das auch in gewisser Hinsicht eine Erkenntnis, dass diese beiden Themenbereiche gut zusammenpassen?
09:54   andrearumler
Also a) würde ich tatsächlich, ich war zu der Zeit noch nicht an der HWR, sondern an der HTW.
09:59
Und wenn ich auch noch mal aushole, wir haben in Berlin drei ähnlich große Fachhochschulen,
10:04
die inzwischen nicht mehr Fachhochschulen, sondern Hochschulen genannt werden.
10:08
Also es gab in dem Zug sozusagen diese Zusammenschlüsse der Hochschulen, die sind neu sortiert worden.
10:14
Und die Hochschulen sind ähnlich groß.
10:15
Und bei der HWR, der Kern HWR, die Wirtschaft war, die damals FHW, Fachhochschule für Wirtschaft hieß,
10:22
bot es sich tatsächlich an, sozusagen noch eine andere Hochschule anzudocken.
10:27
Diese beiden Standorte gibt es auch heute noch, die sind in Lichtenberg und Schöneberg und sind ziemlich weit voneinander entfernt.
10:34
Und außer der Hochschulleitung und vielleicht, weiß ich nicht, zehn Profs fahren im Jahr relativ wenige Leute hin und her.
10:42
Also es ist wie es ist, es sind zwei doch nebeneinander existierende Universen, so etwas.
10:51
Auch was das Studium angeht, aber das finde ich nicht schlimm.
10:54
Und das Thema Recht ist auch am Standort Schöneberg, wo ich ja bin, vertreten.
10:58
Wir haben Studiengänge Wirtschaftsrecht zum Beispiel.
11:01
In der betriebswirtschaftlichen Ausbildung ist Recht immer Pflichtbestandteil.
11:06
Wir haben auf jeden Fall immer zwei juristische Module, die die Studierenden machen müssen.
11:13
Und da ja der klassische Jurastudiengang immer noch mit Staatsexamen endet und nicht auf Bachelor und Master umgestellt ist
11:20
und ausschließlich an Universitäten unterrichtet ist, denke ich, bietet sich das an.
11:24
Auch die HTW hat im Übrigen einen nicht ganz kleinen Fachbereich von Juristen.
11:30   timpritlove
Ich frage natürlich vor allem deshalb, weil gerade jetzt in dem Thema, was wir besprechen,
11:34
das Recht jetzt auch nicht eine untergeordnete Rolle spielt, sage ich mal,
11:38
es geht ja um die Energiewende in der Stadt.
11:42
Energiewende, glaube ich, das ist das Gute, muss man jetzt mittlerweile gar nicht mehr groß argumentieren,
11:48
dass die erforderlich ist, das ist jetzt auf dem Weg.
11:53
Mit unterschiedlichen Beschleunigungsfaktoren natürlich, und abgesehen von der Energieerzeugung so auf dem großen Level,
12:03
also Kraftwerke etc., auf welche Technologien setzen wir da, Ausbau von Windenergie etc. pp.
12:11
hat in den letzten Jahren ja auch diese ganze Debatte Energieerzeugung in zunehmendem Maße an Bedeutung gewonnen.
12:18
Und da spielt natürlich vor allem die Solarenergie eine Rolle, weil sie auf der einen Seite eben sehr billig geworden ist
12:23
und auf der anderen Seite halt auch sehr kleinflächig zum Einsatz kommen kann.
12:28
Die kann man überall mal irgendwo so dazwischen schieben und da macht auch das Kleinvieh Mist sozusagen.
12:34
Während man das halt so mit einer Windanlage, die stellt man sich halt mal nicht eben in den Hinterhof,
12:40
weil die halt auch nicht ausreichend effizient wäre, wenn sie eben nicht sehr groß ist.
12:44
Hier spielt also die Größe keine Rolle.
12:47
Dieses Thema beschäftigt ja auch die HTW und dieses Projekt, was ich jetzt gerade schon angesprochen hatte, Mieterstrom plus, das Sie leiten,
12:57
machen Sie ja auch in Zusammenarbeit mit der HTW und dort konkret in Zusammenarbeit mit Volker Quaschning,
13:03
der hier vor vier Jahren auch schon mal zu Gast war, da haben wir auch über die Energiewende an sich gesprochen,
13:07
über die Notwendigkeit und all das.
13:11
Wie kam es zu diesem Projekt und was ist das Ziel dieser ganzen Aktivität?
13:18   andrearumler
Also das Projekt, die Idee zum Projekt kommt von Volker Quaschning, der mich kontaktiert hat vor,
13:24
ach weiß ich schon gar nicht mehr, drei Jahren vielleicht und gesagt hat, wollen wir nicht gemeinsam was machen?
13:30
Ich beschäftige mich mit den erneuerbaren Engeren.
13:34
Es gibt was neues, ein neues Konzept, was Mieterstrom heißt.
13:38
Ich wusste damals noch gar nicht, was das ist, da kommen wir ja gleich drauf, was damit gemeint ist.
13:43
Wollen wir das nicht näher zusammen untersuchen?
13:47
Denn Mieterstromprojekte laufen an und wir stellen fest, die Mieter nehmen die nicht in dem Maße an, wie wir das gedacht haben.
13:55
Wir brauchen also jemanden mit der Fachrichtung Marketing an Bord, der versucht zu verstehen,
13:59
wie die Mieter denken.
14:01   timpritlove
Also Mieterstrom heißt im Prinzip, man erzeugt seinen eigenen Strom als Mieter oder da wo man wohnt.
14:08   andrearumler
Auf dem Haus, da wo, also jetzt zu, was ist Mieterstrom, auf Mietshäusern werden Solaranlagen gebaut
14:17
und der Solarstrom wird direkt im Haus verbraucht, der darf auch nicht eingespeist oder weitergeleitet werden bislang.
14:25
Das ist Mieterstrom.
14:28
Und jemand, natürlich stellt nicht jeder einzelne Mieter mal eben seine Solaranlage aufs Dach oder auf den Balkon,
14:34
sondern das wird von den Wohnungsbaugesellschaften oder den Besitzern erst mal angestoßen
14:41
und dann braucht man eine Betreibergesellschaft, also einen Stromanbieter.
14:46
Unser Projektpartner zum Beispiel sind die Berliner Stadtwerke, die eben eine ganze Reihe von Mieterstromprojukten in Berlin schon haben.
14:57   timpritlove
Okay. Und das lief also schon eine Weile an und dann hat man gemerkt, weil aber keiner haben?
15:03   andrearumler
Keiner würde ich jetzt auch nicht sagen, aber auf jeden Fall blieb die Beteiligung der Mieter am Mieterstromprojekt unter den Erwartungen.
15:14
Sagen wir mal so.
15:15
Und bisher ist das ja so, es wird eine Anlage auf meinem Mietshaus gebaut
15:21
und dann habe ich vielleicht, ich mache es jetzt mal ganz simpel, einen Zettel im Briefkasten,
15:25
möchten Sie auf Mieterstrom wechseln?
15:29
So und die meisten Leute sehen den Zettel, legen ihn irgendwo hin und irgendwann landet er im Papierkorb.
15:37
Und es war wie gesagt eine zähe Sache, die Mieter dazu zu bringen, sich daran zu beteiligen
15:41
und auch die Stadtwerke wollten eben gerne wissen, was können wir machen, um mehr Mieter mit an Bord zu holen
15:48
und auch ganz allgemein, wie sehen denn die Mieter überhaupt das Thema Mieterstrom?
15:54
Finden die das gut, Solaranlagen auf dem Dach zu haben, ja oder nein.
15:57   timpritlove
Ich meine, wenn ich mir jetzt so überlege, ich wäre jetzt ein Mieter in so einem großen Mietshaus, bin ich auch,
16:03
aber vielleicht nicht in so einem ganz großen, wie jetzt hier, glaube ich, im Fokus erst mal steht.
16:10
Könnte es mir ja erst mal ziemlich egal sein als Mieter, mir gehört ja das Haus nicht,
16:14
ich habe ja eh nicht viele zu sagen, ich muss eigentlich nur meine Miete zahlen und damit hat sich das alles erledigt
16:20
und wenn der Wasserhahn nicht funktioniert so, dann rufe ich den Vermieter an.
16:24
Also ist ja eigentlich eher eine Vermietergeschichte, warum heißt das nicht Vermieterstrom plus?
16:30   andrearumler
Gute Frage.
16:33   timpritlove
Sind das nicht die ersten Ansprechpartner an der Stelle und können die nicht einfach entscheiden was sie wollen,
16:38
inwiefern müssen dann denn die Mieter überhaupt mitgenommen werden?
16:41   andrearumler
Naja, wir haben ja in Deutschland schon die rechtliche Situation auch, dass ich als Mieter aussuche, von wem ich meinen Strom beziehe.
16:52
Richtig?
16:52   timpritlove
Ja.
16:52   andrearumler
Also Sie als Mieter, andere Mieter können sagen, ich mache gar nichts, ich bin im Grundversorgungstarif,
16:59
ich kümmere mich nicht drum oder ich suche im Internet oder sonst wo einen Anbieter, der preiswerter ist,
17:06
ich lege Wert auf Ökostrom und beziehe den und eventuell, wenn ich in einem solchen Projekt wohne,
17:13
kann ich auch den direkt auf dem Dach gewonnenen Strom beziehen.
17:19
Das muss aber erst mal, dann muss ich eben erst mal einen Vermieter haben, der bereit ist, sich durch das bürokratischen Dickicht,
17:26
würde ich es mal nennen, was den Mieterstrom leider noch umgibt.
17:31
Ich hoffe mal, dass die neue Regierung jetzt da Schneisen reinschlägt, dass es einfacher ist, auch für die Betreiber, das zu machen.
17:41
Aber sobald der Vermieter das anbietet, haben dann die Mieter die Option und die können ja oder nein sagen.
17:50   timpritlove
Ja okay, das leuchtet natürlich ein, obwohl man sich irgendwie auch in so einer idealen Welt vorstellen würde,
17:54
naja, wenn das Haus selber sowieso schon Strom erzeugt, warum habe ich dann nicht einfach nur weniger Kosten
18:01
und ziehe den Rest halt irgendwie aus dem Netz, was die eigene Anlage nicht schafft so,
18:06
das wäre ja eigentlich das einfachste da, da müsste ich mich ja gar nicht groß zu äußern,
18:09
weil es ja letzten Endes bedeutet, ich wohne da, ich miete da, ich beziehe da meinen Strom aus der Steckdose
18:15
und wenn die Steckdose entscheidet, dass ja schon genug vor Ort ist, dann muss ich halt weniger bezahlen,
18:24
das wäre ja sozusagen die ideale Welt, aber das ist halt rechtlich nicht so.
18:28   andrearumler
Das springt gleich auf eine unserer Empfehlungen, also das was wir, ehrlich gesagt, nicht weiter überraschend rausgefunden haben,
18:36
das wäre die optimale Situation, dazu müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen aber erst mal geändert werden,
18:42
dass, wenn ich eine Mieterstromanlage habe im Haus, dass das erst mal der Normalfall ist,
18:48
dass daher mein Strom kommt und dass ich sozusagen opt out, nennt sich das,
18:53
nur wenn ich das nicht möchte, ich dann zu jemand anderem wechsle.
18:57
Aber das sozusagen eine Voreinstellung ist, wenn ich mich nicht weiter mit dem Thema beschäftigen will
19:04
und das ist ja gleich, wenn man sagt, wie tickt denn die Mieterin und der Mieter, ist das eine wichtige Sache,
19:10
die Leute haben viele andere Sachen um die Ohren und Strom ist jetzt nicht das aufregendste und sexyste Produkt, was wir so kennen,
19:18
womit ich mich gerne und stundenlang beschäftige, sondern das ist so was, muss ich eben machen,
19:23
aber schön finde ich es nicht und ich kann es auch nicht anfassen
19:27
und ich sehe auch keinen Unterschied zwischen Ökostrom oder Strom aus einem Atomkraftwerk,
19:35
also von daher ist die Bereitschaft der Leute, sich mit dem Thema zu beschäftigen recht beschränkt.
19:40
Und je einfacher man es den Mietern macht, desto besser.
19:44   timpritlove
Das ist so der alte Witz, mir ist es egal, wo die anderen ihren Strom her beziehen, meiner kommt aus der Steckdose.
19:53
Da ist sicherlich was dran und für manche spielt dann vielleicht auch nur der Preis letzten Endes eine Rolle,
19:59
für andere ist es halt auch wichtiger zu wissen, wo es herkommt und das muss man in irgendeiner Form zusammenbringen.
20:05
Aber vielleicht ordnen wir doch mal so ein bisschen die rechtliche Situation auch erst mal ein.
20:11
Wenn ich jetzt als Mieter vielleicht das mir durchaus wünschen würde, dass so etwas passiert,
20:19
weil ich generell am Fortschreiten der Energiewende ein Interesse habe, was ist denn jetzt quasi derzeit so der rechtliche Rahmen,
20:27
in dem sich halt auch ein Vermieter letzten Endes oder ein Hauseigentümer letzten Endes bewegt?
20:36
Also was sind denn die Probleme, was ist denn der Ausgangspunkt derzeit, an dem man startet?
20:44   andrearumler
Wir machen mal die Perspektive, die einzelne Mieterin, der Mieter möchte gerne eine Solaranlage auf dem Dach haben,
20:51
wäre der Ansprechpartner die Vermietungsgesellschaft oder vielleicht ja auch Einzelpersonen.
20:56
Und die müssten wie gesagt die Antragsbürokratie hinter sich bringen und einen Betreiberpartner finden,
21:05
das ist nicht das Problem, also die Partner sind da.
21:10
Das Problem, weshalb viele Vermieter, also es gibt zwei Probleme, weshalb die Vermieter und Vermieterinnen eher zögerlich sind,
21:16
das ist einmal das schon genannte Bürokratiethema und das zweite, dass es wirtschaftlich sehr grenzwertig ist,
21:24
also es ist schwer, die Anlage wirtschaftlich zu betreiben.
21:28
Was eben unter anderem auch an dieser schon erwähnten Tatsache liegt,
21:32
dass man im Vorhinein so schlecht abschätzen kann, wieviele Mieter sich tatsächlich für den Mieterstrom entscheiden.
21:40
Wenn es da eine größere Sicherheit gäbe, denke ich, wäre das Projekt für die Vermieter auch deutlich attraktiver.
21:48
Und wenn man jetzt mal auf die Mieterebene geht, kann man natürlich die Leute nur dazu aufrufen zu sagen,
21:53
fragt doch mal eure Vermieter.
21:57
Es müssen im Übrigen, Sie hatten ja eben gesagt, große Häuser, es müssen gar nicht unbedingt so,
22:00
so viele, weiß ich nicht, Wolkenkratzer, Wohnwolkenkratzer gibt es in Berlin ja nun wahrlich nicht.
22:07   timpritlove
Nein, aber es gibt natürlich Häuser, wo, was weiß ich, der Dachstuhl auch ausgebaut ist,
22:12
von anderen Mietern mit genutzt wird, wo dann einfach auch gar nicht mehr so viel Dachfläche vielleicht da ist oder so.
22:17   andrearumler
Ja, das ist richtig und das Haus muss ja auch…
22:19   timpritlove
Baulich geeignet sein.
22:21   andrearumler
Muss baulich geeignet sein, wir müssen eine Dachausrichtung haben, die mit Solarstrom gut funktioniert.
22:30
Also vielleicht eben nicht alles nach Norden, nicht verschattet, was auch immer, also es muss möglich sein.
22:34
Das Potenzial ist aber groß in Berlin und auch in Deutschland.
22:41   timpritlove
Das weiß man, weil man das schon mal ausgerechnet hat?
22:45   andrearumler
Der Projektpartner, die HTW, ist zumindest für Berlin sozusagen in der Endphase daran, dazu einen Überblick sich zu verschaffen.
22:54
Und wie gesagt, ich weiß die Zahl jetzt nicht auswendig, aber es ist eine große Zahl der Mietshäuser, die dafür infrage kommt.
23:01
Also das ist nicht der Engpass.
23:03
Die Engpässe hatte ich schon gesagt.
23:06
Und wie gesagt, wenn jetzt die Bürokratie einfacher gemacht würde,
23:10
es gibt eine ganze Reihe von wirklich engagierten auch Einzelbesitzerinnen und -besitzern von Häusern,
23:17
die sagen, super, möchte ich gerne machen und die dann frustriert durch die Bürokratie aufgeben, das sollte es ja nicht geben.
23:24   timpritlove
Ja.
23:24   andrearumler
Das war aber nicht der Fokus unseres Projektes, sondern wir haben uns wie gesagt mit den Mietern beschäftigt.
23:30   timpritlove
Genau, um einfach mal die eigentliche Frage zu beantworten, warum laufen die uns nicht die Tür ein.
23:35   andrearumler
Warum wollen die denn nicht, genau, warum sind die so zögerlich?
23:40   timpritlove
Ja, und wie geht man an so was heran?
23:43   andrearumler
Also wie geht man an so was heran, man überlegt vorher natürlich erst mal, wie wollen wir die denn befragen?
23:50
Und wir hatten uns so überlegt, dass wir erst mal in die Quartiere gehen, wo schon Mieterstrom ist und da mit den Leuten reden,
23:57
die einmal Mieterstrom beziehen und dann mit den Leuten reden, die keinen beziehen.
24:01
Ich hatte vor meinem geistigen Auge auch persönliche Interviews, als das geplant wurde.
24:08
So, geplant wurde das Ganze kurz vor Corona und wir sind mit dem Projekt so richtig zum 01. März 2020 gestartet,
24:18
also komplett parallel mit Corona.
24:21
Ich habe meine wissenschaftliche Mitarbeiterin noch beim Bewerbungsgespräch persönlich kennengelernt
24:25
und dann haben wir ein Jahr alles in Zoom gemacht.
24:30
Und auch unsere Marktforschung ist dann natürlich online gegangen und wir haben eben überlegt,
24:36
wir hatten vorher gedacht, dass wir persönliche Interviews machen, weil es ja nicht so leicht ist,
24:42
an die Leute zu kommen und vielleicht auch nicht die Mieter in den Projekten unbedingt so technikaffin sind
24:47
und wir Bene wirklich einen breiten Querschnitt durch die wohnenden Mieter haben wollten.
24:53
Aber wir mussten eben wie gesagt umplanen, das ging auch,
24:56
wir haben mit Hilfe von einem großen Trupp engagierter Studierenden Zettel ausgehängt in einer ganzen Reihe von Wohnblocks,
25:05
haben jedem was in den Briefkasten geschmissen und gesagt, wir suchen Interviewpartner
25:10
und haben eben gedacht, wenn wir das Ganze während der Corona-Lockdown-Zeit machen,
25:14
haben die Leute vielleicht auch ein bisschen mehr Zeit und haben Lust uns anzurufen.
25:19
Wir hatten also einen Anrufbeantworter geschaltet und hatten auch ein Handy,
25:22
was die wissenschaftliche Mitarbeiterin immer mit sich rumgetragen hat,
25:26
wenn jemand angerufen hat und dann haben wir Interviewtermine ausgemacht.
25:30
Also wir haben Telefon- und Onlineinterviews gemacht.
25:34
Online für die Leute, die technikaffig genug waren, das zu machen, aber es gab auch eine ganze Reihe von Leuten,
25:40
die gesagt haben, ich möchte das lieber am Telefon machen, im Internet geht das nicht so gut.
25:45
So, das war Phase 1.
25:46
Wie gesagt, geplant war das eigentlich mal anders, aber ich denke, das war von den Ergebnissen her jetzt auch nicht so furchtbar unterschiedlich.
25:53
Und nachdem wir das gemacht haben, wir haben so knapp 200 Leute interviewt auf diesem Weg,
26:00
haben wir, das war auch von Anfang an geplant, gesagt, wir schieben noch qualitative Interviews nach.
26:06
Also längere Gespräche, so was wie wir gerade machen.
26:08
Also wo es nur einen losen Gesprächsleitfaden gibt und wo wir die Leute mal erzählen lassen,
26:14
was ihnen so im Kopf rumgeht.
26:15
Das haben wir im Frühjahr des letzten Jahres gemacht.
26:20
Da war dann Corona-Lockdown, habe ich vergessen, Nummer 3 oder so was.
26:24
Also musste das ganze auch wieder komplett elektronisch sein und wir haben das einmal auch über Telefon angeboten,
26:31
aber auch über eine Videoplattform, über Zoom und haben 18 Gespräche geführt,
26:37
längere Gespräche, so Durchschnittsdauer so anderthalb bis zwei Stunden, haben die aufgezeichnet
26:43
und hinterher systematisch ausgewertet.
26:45
Das war also unser Erhebungsteil.
26:49   timpritlove
Also und vor allem auch eher weniger Gesprächsteilnehmer, also kleines n, aber dafür sehr viel umfangreicher abgeklopft.
26:57   andrearumler
Sehr viel umfangreicher und wir wollten ja auch so was wie Bedenken,
27:06
verborgene Bedenken, Sachen, die den Leuten nicht gleich so in den Kopf kommen,
27:12
sondern die erst, wenn man ein bisschen weiter bohrt, dann rauskommen.
27:15   timpritlove
Da kommt man mit so fünf Multiple-Choice-Fragen nicht weit.
27:18   andrearumler
Das geht eben wie gesagt mit einer Online-Befragung, selbst wenn man die auch telefonisch parallel macht, geht das nicht.
27:25
Die Ergebnisse waren aber jetzt nicht… überraschenderweise gingen die in eine ähnliche Richtung.
27:32
Also die haben wir nur noch mal sozusagen zum Crosscheck genommen, um zu sehen,
27:36
ob das auch die Ergebnisse, die wir aus der Befragung hatten, tatsächlich dem standhalten der zweiten Befragung.
27:44
Und wir habe noch eine ganze Reihe von ausführlicheren Statements gefunden, weil wir wollen ja eigentlich…
27:49
Also meine persönliche, also der Part der Marketingleute in dem Projekt sozusagen, meine Ausgangshypothese war,
27:57
es ist mehr die Kommunikation mit den Mietern, als dass es tatsächlich Bedenken zum Produkt Mieterstrom sind.
28:05
Und das hat die Untersuchung deutlich bestätigt.
28:08   timpritlove
Das war schon die erste Antwort auf meine Frage, die ich noch gerade einschieben wollte,
28:12
wie geht man denn da jetzt ran, mal jetzt mal von der Wissenschaft her, von der Methodik her,
28:19
man weiß, okay, wir werden jetzt nur so und so viele Gelegenheiten überhaupt haben, ein Gespräch zu führen,
28:25
dann investieren zwei, drei Stunden und werden noch mal viel mehr Stunden damit verbringen,
28:31
die dann auch auszuwerten, da ist es dann natürlich extrem wichtig, dass man auch vorher weiß,
28:37
okay, was wollen wir eigentlich genau fragen?
28:39
Weil kann ja auch sein, dass man dann am Ende feststellt, okay die Hälfte der Fragen hätten wir uns sparen können
28:44
bzw. da kriegen wir jetzt überhaupt gar keine nennenswerte Information raus
28:50
oder noch schlimmer, das hätten wir mal fragen sollen, haben wir aber jetzt nicht, jetzt stehen wir schön doof da.
28:54
Wie macht man das methodisch?
28:57
Gut, ich meine, klar Erfahrung kann hier schon mal eine Menge helfen, aber so vom Ansatz her,
29:03
wie entwickelt man so einen Fragenkatalog oder wie entwickelt man einen Dialogansatz, sage ich mal,
29:10
um dann auch die Ergebnisse zu bekommen, die man haben möchte?
29:15   andrearumler
Also die Antwort auf Ihre eigentliche Frage, wie macht man das methodisch, ist, man macht Pretests,
29:19
einen oder mehrere Pretests.
29:22
Also man macht Probedurchläufe, das haben wir bei beidem gemacht,
29:27
bei den qualitativen Interviews als auch bei den qualitativen.
29:31
Und das ist auch ganz wichtig, also dass man das testet und guckt, hakt es irgendwo,
29:39
also das haben wir rauf und runter gemacht, bevor wir damit sozusagen wirklich losgezogen sind.
29:45   timpritlove
Rauf und runter heißt so wie lange oder wie oft?
29:48   andrearumler
Bis man merkt, es sitzt.
29:52
Das kommt ja drauf an…
29:53   timpritlove
Dreimal, zehnmal, hundertmal?
29:55   andrearumler
Wir sind jetzt bei den qualitativen eher mal so was wie zehnmal.
29:59
Bei diesen Tiefeninterviews, also den qualitativen Gesprächen macht man keine zehn Probeinterviews,
30:04
da macht man vielleicht so was wie zwei bis drei.
30:07
Es kommt aber ja wie gesagt auch darauf an, wie gut die Ausgangssachen sind, die man sich überlegt hat.
30:12
Es gibt noch eine methodische Antwort, was man macht, also außer dass man sagt, man testet vorher,
30:17
wie gut das ist, was ich gemacht habe.
30:19
Die zweite Antwort lautet, ich denke mir nicht alles alleine aus, sondern ich gucke,
30:25
ob die Sachen, die ich fragen will, schon mal woanders und in anderem Zusammenhang gefragt worden sind.
30:31
Ich mach mal ein Beispiel.
30:33
Also in unserer qualitativen Untersuchung der Online- und Telefonbefragung, der ersten,
30:38
haben wir Skalen zur Messung von Umweltbewusstsein benutzt.
30:42
Die haben wir uns nicht selber ausgedacht, sondern die sind von anderen Wissenschaftlern entwickelt worden und auch geprüft worden,
30:50
ob die, man muss ja auch gucken, wird überhaupt das gemessen, was wir messen wollen, mit dem was wir da machen.
30:55
Also zum Beispiel das Item Umweltbewusstsein und haben wie gesagt solche Skalen eben übernommen
31:04
und nicht selbst angefangen, uns was auszudenken.
31:08   timpritlove
Was fragt man da so?
31:09
Weil Sie jetzt hier mein Umweltbewusstsein mal abklopfen wollen würden, was wären dann so die Fragen, wie man das rauskriegt?
31:17   andrearumler
Also auswendig weiß ich die Items nicht, aber solche Sachen…
31:22   timpritlove
Pi mal Daumen.
31:22   andrearumler
… so was wie Verhalten, recyceln Sie, machen Sie sich Gedanken über die Umwelt, ist Ihnen die Umwelt wichtig?
31:30
Grundsätzlich wichtig, wollen Sie aktiv dazu beitragen?
31:36
Also da gibt es so eine Batterie, also so eine Liste von Statements, dann misst man eben,
31:39
wie sehr die Leute zustimmen, von gar nicht zustimmen bis stimme vollkommne überein.
31:47
Und letztlich kann man dann einen Mittelwert daraus machen.
31:50
Und wir haben ja Mieterstromkunden und Nichtkunden verglichen.
31:55
Wir wollten ja wissen, wo ist der Unterschied und dann wollten wir auch wissen,
31:58
was denken denn die Nichtkundinnen und -kunden, und wie können wir die vielleicht rüberholen?
32:04
Und zum Beispiel war eins unserer Ergebnisse auch wieder nicht sehr überraschend,
32:08
die Leute, die jetzt schon Mieterstrom beziehen, haben ein deutlich höheres Umweltbewusstsein.
32:13
Wie gesagt, gemessen mit diesen Skalen, die es in dem Fall vom Bundesumweltministerium mal entwickelt worden, als die Nichtbezieher.
32:19   timpritlove
Nicht überraschend, klar, aber auch das ist ja eine Information.
32:24   andrearumler
Ja.
32:25   timpritlove
Weil das heißt ja dann, okay wir haben zumindest nicht gleich bei der ersten Frage schon eine Situation, mit der wir gar nicht gerechnet haben.
32:33
Und so was könnte ja darauf hinweisen, dass man einfach falsch misst so.
32:37   andrearumler
Ja, also alles andere wäre jetzt überraschend gewesen.
32:39
Und vielleicht sage ich jetzt schon mal ein zweites Ergebnis und das, finde ich, ist eins de sehr erfreulichen Ergebnisse,
32:44
die Leute, die bisher nicht Mieterstrom beziehen, sind größtenteils stehen die sehr positiv dem Konzept gegenüber.
32:53
Es ist gar nicht so, dass die sagen, das finden wir total doof und wir wollen keine Solarpanels auf dem Dach,
32:57
sondern so was wie zwei Drittel bis Dreiviertel davon können sich entweder sehr gut
33:02
oder zumindest so ein bisschen vorstellen, auch Mieterstrom zu beziehen.
33:08
Es gibt nur eine ganz kleine Gruppe von Leuten, die sagt, das wollen wir nicht.
33:12   timpritlove
Also sie haben eigentlich das Tanzkostüm schon an, aber sind noch von niemandem gefragt worden, ob man auch tanzen möchte.
33:15   andrearumler
Ja.
33:17   timpritlove
Verstehe.
33:20
Ich meine, das klingt immer so ein bisschen einfach so, wir haben ein paar Fragen gestellt und dann gibt es so ein paar Antworten
33:24
und dann misst man das irgendwie.
33:27
Ich kann mir vorstellen, dass man in so einer statistischen Auswertung auch eine ganze Menge Fehler machen kann.
33:32
Wie geht man da so ran?
33:35   andrearumler
Also Eingabefehler schließe ich jetzt mal aus.
33:38
Wir sagen mal, wir haben keine Eingabefehler gemacht.
33:43   timpritlove
Na, man kann ja Auswertungsfehler machen.
33:44
Man kann ja sozusagen die falschen Schlüsse ziehen oder so.
33:48   andrearumler
Auf jeden Fall, man kann ja auch die falschen statistischen Methoden verwenden für etwas.
33:53
Ja, wie schließen wir das aus, wie schließt man das grundsätzlich aus?
33:56
Mit dem viel-Augen-Prinzip.
33:58
Ja, dass viele Leute drauf gucken und man miteinander redet, welche Auswertungen werden gemacht
34:04
und dass man bestimmte Sachen testet, dass man guckt, ist das auch signifikant, was wir da rauskommen haben?
34:09
Das haben wir natürlich.
34:11
Also das, worüber gerade jetzt geredet haben, Mieterstromkunden haben ein höheres Umweltbewusstsein als Nicht-Mieterstromkunden,
34:17
das ist ein signifikantes Ergebnis.
34:19
Also das haben wir mit den geeigneten statistischen Tests überprüft.
34:25
Und nicht einen simplen Mittelwertvergleich gemacht.
34:29   timpritlove
Das meine ich.
34:29
Und natürlich überhaupt erst mal drauf kommen, dass man so was überhaupt abfragt,
34:34
gehört ja im Prinzip auch so ein bisschen zur Systematik.
34:37   andrearumler
Ja, das gehört auf jeden Fall auch dazu und um darauf zu kommen liest man …
34:43
also das hört sich jetzt fast trivial an, aber man muss sich natürlich in das Thema erst mal einlesen.
34:47
Also ich war vorher keine Stromexpertin, ich bin jetzt auch immer noch keine Stromexpertin,
34:51
aber ich kenne mich zumindest bei Mieterstrom aus und ich weiß jetzt relativ genau,
34:55
wie die Mieterstromkunden und -nichtkunden ticken, was ja auch das Ziel des ganzen Projekts war.
35:02   timpritlove
Genau, darum ging es ja, also rausfinden, wie kriegt man die Leute mitgenommen
35:07
und ja, das Problem haben ja auch andere politische Maßnahmen, auch jenseits von Energiewendefragen,
35:16
wo man sich ja auch manchmal fragt, ja warum machen dann nicht alle mit?
35:19
Ich meine, mir würde jetzt mal so aus dem Stand einfallen Mülltrennung und so was, ja.
35:24
Muss man ja immer nur den Zustand unserer Mülltonnen anschauen, was wo drin ist,
35:30
dann denke ich mir auch immer so, könnte man vielleicht auch mal so eine Befragung machen,
35:34
um mal so rauszukriegen, wie macht man eigentlich die Ansprache so, dass es auch funktioniert?
35:39
Dass irgendwie nicht das Plastik in der Biotonne und das Bio im, was weiß ich, und was ist eine Mehrwerttonne?
35:47
Ja, also ich stehe da ja auch selber manchmal davor und denk mir so, bin ich jetzt eigentlich blöd
35:52
oder wird nur falsch mit mir geredet?
35:54
Das ist so ein generelles Problem, glaube ich, was durchaus überdacht gehört.
36:01
Na gut, also es wurden quantitative, also mit quantitativer Befragung meinen wir sozusagen Dinge,
36:07
die sich mehr oder weniger auf so einem Skalenwert dann stimme sehr zu, stimme nicht zu.
36:12   andrearumler
Es kommt eine Zahl raus.
36:13   timpritlove
Genau, es kommt eine Zahl dabei raus, darum ging es.
36:16
Und die qualitativen Sachen sind dann eben so ein bisschen mehr so der Podcast, wo man sagt,
36:21
okay jetzt sage doch mal wie du dich fühlst.
36:21   andrearumler
Ja, touch and feel, genau.
36:24   timpritlove
Genau. Kenne ich.
36:26
Okay, das heißt, nachdem man sich das alles zurechtgelegt hat und dann diese Befragung gemacht hat,
36:34
also erst kam, wie ist das gelaufen, also man hat mit jedem sowohl das eine als auch das andere gemacht?
36:39
Oder man hat erst mal das Quantitative gemacht?
36:41   andrearumler
Wir haben erst qualitativ und ein Jahr später qualitativ.
36:43   timpritlove
Ja okay.
36:45   andrearumler
Und auch wir haben…
36:46   timpritlove
Aber auch teilweise mit denselben Leuten oder /unverständlich/ mit denselben Leuten?
36:49   andrearumler
Das ist eine interessante Frage, die ich gar nicht beantworten kann, weil das ist nicht auszuschließen.
36:54
Wir haben die Leute für die qualitativen Interviews in denselben Wohnanlagen gesucht.
37:00
Aber die erste Befragung ist ja zum Teil auch anonym gewesen, wobei wir haben,
37:06
um die Leute dazu zu kriegen teilzunehmen, haben wir Zootickets nicht verlost, sondern jeder,
37:13
der bis zum Zeitpunkt X teilnahm, hat zwei Eintrittskarten in den Zoo oder Tierpark bekommen,
37:19
also von daher hatten wir theoretisch schon die Adressen, aber wir haben die natürlich von den Antworten getrennt
37:24
und haben die auch nur für den Versand der Zookarten benutzt.
37:27
Also wie gesagt, von daher weiß ich das nicht genau, aber ich weiß ja,
37:31
bei den qualitativen Interviews hatten wir einige Leute dabei, also einige Mieterinnen und Mieter,
37:35
die sehr für das Thema brennen.
37:38
Ich vermute also, dass die in der ersten Befragung auch teilgenommen haben.
37:44   timpritlove
Gut, also wenn man jetzt so eine quantitative Auswertung macht, dann kann man ja dann schön die Ergebnisse auch in so ein Ranking einstellen.
37:51
Und es gab ja jetzt im Wesentlichen diese zwei Gruppen.
37:53
Leute, die da schon mitmachen, Leute, die da noch nicht mitmachen, worin unterscheiden die sich denn?
37:59
Was lernt man denn sozusagen daraus?
38:02   andrearumler
Ja, was lernt man daraus?
38:04
Ich habe schon gesagt, die Mieterstromkunden haben ein höheres Umweltbewusstsein.
38:10
Denen ist die Herkunft des Stroms auch deutlich wichtiger als den Nichtkunden.
38:15
Den bisherigen Nichtkunden ist das Thema Preis deutlich wichtiger.
38:19
Es muss ja auch für manche, viele Leute haben ja auch nicht die Wahl,
38:24
entsprechend haben auch die bisherigen Mieterstromkunden, die das schon machen, ein durchschnittlich höheres Haushaltseinkommen
38:31
und einen durchschnittlich höheren Bildungsgrad.
38:35
Wir hatten vorher vermutet, das war eine unserer Hypothesen, dass das Vorhandensein von Kindern in einem Haushalt
38:42
das Thema Mieterstrombezug oder nicht beeinflusst.
38:46
Also dass Leute mit Kindern sich von den anderen unterscheiden.
38:48   timpritlove
Mehr an die Zukunft denken.
38:51   andrearumler
Was rausgekommen ist, nicht immer kommt das raus, was man sich wünscht,
38:54
was rausgekommen ist, ist das Gegenteil.
38:57
Ich erkläre aber gleich meine Hypothese, weshalb ich denke, dass das so war.
39:01
Also rausgekommen ist, dass die Leute bisher keinen Mieterstrom beziehen, deutlich eher Kinder im Haushalt haben als die Leute,
39:08
die Mieterstrom beziehen.
39:10
Ich vermute, dass das was mit der Einkommenssituation zu tun hat.
39:14
Wir haben eben auch ganz klar gesehen, dass die Leute, die Kinder im Haushalt haben,
39:17
dass für die das Thema Preis sehr viel wichtiger ist.
39:21
Und man muss sich auch die durchschnittlichen Haushaltseinkommen der Leute angucken,
39:24
die an der Befragung teilgenommen haben.
39:26
Also da waren Haushaltsnettoeinkommen von über 2000 Euro schon, ich glaube, das haben irgendwie nur so 25 Prozent oder so was gehabt.
39:36
Also wir waren viel sozusagen im mittleren bis eher mal unterem Einkommenssegment unterwegs.
39:43   timpritlove
Klar.
39:45   andrearumler
Da sind eben diese Projekte ja auch.
39:47
Und noch mal, völlig verständlich, dass für eine Reihe von Leuten der Preis die erste Priorität hat
39:52
und wenn man Kinder hat und das Haushaltseinkommen beschränkt ist
39:55
und die Ausgabe sowieso hoch, dann sagt man eben, Hauptsache billig und nicht Hauptsache öko.
40:01   timpritlove
Ja und vor allem hat man auch irgendwie eine Menge um die Ohren, wenn man Kinder hat,
40:05
dann ist man auch nicht so im Informationsbusiness unterwegs.
40:06   andrearumler
Auch da möchte man nicht so viele Formulare ausfüllen müssen, sondern möchte es möglichst einfach haben.
40:14   timpritlove
Gut, aber ich meine, daraus kann man natürlich lernen, klar, es gibt, sagen wir mal, jetzt so die Avantgarde,
40:19
die hat mehr Mittel und ist irgendwie, sagen wir mal, aus generellen Motivationen heraus bereit, da mitzumachen.
40:28
Aber wenn man quasi alle mitnehmen will, muss man sich auch letzten Endes über solche Sachen wie den Preis Gedanken machen.
40:33
Das heißt, das spielt am Ende eine große Rolle.
40:37
Ist auch schon mal eine interessante Information, die man daraus bekommt,
40:39
weil wenn man das dann halt vermarkten möchte, muss man dieses Argument auf jeden Fall mit in der Tasche haben.
40:47   andrearumler
Wobei man jetzt sagen muss, Mieterstrom ist ja nicht automatisch teurer.
40:52
Also es gibt eine gesetzliche Rahmenbedingungen, dass der Mieterstrom 10 Prozent unter dem Grundversorgungstarif liegen muss.
40:58
Aber der Grundversorgungstarif für Strom ist ja nicht das billigste, was man am Markt einkaufen kann.
41:02   timpritlove
Nicht das billigste, was man erzielen kann.
41:06   andrearumler
Das kommt aber jetzt eben wirklich auch auf den jeweiligen Wohnort an, was wie teurer ist.
41:12
Ich denke mal, ohne da deutschlandweite Zahlen zu kennen, dass der Mieterstrom sicherlich mit dem Ökostrom standhalten kann vom Preis.
41:22
Also dass er da auf jeden Fall nicht drüber ist.
41:26
Aber auch da wie gesagt wäre das wünschenswert, wenn der Mieterstrom, da der ja am Ort des Verbrauchs auch erzeugt wird
41:35
und damit auch nicht gespeichert und geleitet werden muss, dass der einen Preisvorteil hat.
41:42   timpritlove
Ja zumal ja die Kosten eigentlich für diese Stromerzeugung im Falle von Solar eigentlich im Wesentlichen Investitionskosten sind.
41:50   andrearumler
Richtig.
41:51   timpritlove
Was kostet das, die ganze Technik zu kaufen, was kostet, die ganze Technik zu installieren?
41:57
In gewisser Hinsicht auch noch, was kostet es, sie zu betreiben, aber das ist ja, sagen wir mal, würde ich sagen,
42:04
eher im zu vernachlässigenden Bereich.
42:06
Klar, die Panele sollten vielleicht ab und zu mal gewaschen werden, aber ansonsten, wenn sie nicht kaputt gehen,
42:11
dann funktionieren sie halt irgendwie auch 20 Jahre und ja laufen eigentlich die ganze Zeit und liefern ja direkt Strom,
42:25
wieviel Geld muss wirklich in die Hand genommen werden.
42:27
Weil ich denke, kein Mieter wird jetzt ernsthaft widersprechen, wenn man ankommt und sagt,
42:33
ja, also du kannst jetzt deinen Strom für die Hälfte haben, weil wir installieren das jetzt hier auf dem Dach, womit du nichts zu tun hast.
42:40
Dann sagt man so, ja guten Tag, hätten Sie es gerne billiger?
42:44
Ja schon so. Und dann läut der Hase ja auch.
42:48   andrearumler
Ja, wobei es muss ja auch nicht notwendigerweise billiger sein, aber es muss einfach,
42:53
also auch Erkenntnis unsere Studie, auch nicht überraschend, der einfache Zugang dazu.
43:01
Also dass man sich als Mieter möglichst wenig damit beschäftigen muss.
43:05
Wie gesagt, das was ich gesagt habe, eigentlich wünschenswert wäre, dass das ein Automatismus ist.
43:09
Ich ziehe neu in eine Wohnung ein, es gibt Mieterstrom auf dem Dach,
43:14
den bekomme ich, außer ich entscheide mich dagegen, also diese opt out Option,
43:20
die wie gesagt rechtlich im Moment noch nicht geht.
43:22
Aber Gesetze kann man ja auch ändern und ich bin mir sicher, dass da auch drüber nachgedacht wird, das zu verändern.
43:31
Also das wäre schon mal ein erster großer Schritt.
43:33
Und ansonsten, was wir auch aus der Befragung gesehen haben ist,
43:37
Mieterstrombezieher wie -nichtbezieher wollen eine transparente Preisgestaltung
43:45
und wollen einfache Tarifsysteme.
43:48
ich mache mal ein anderes Beispiel, die Handyverträge in der Anfangszeit der Handys waren ja der Albtraum.
43:54   timpritlove
Nicht nur in der Anfangszeit.
43:56   andrearumler
Ja gut, das hat sich ja schon deutlich gebessert.
43:58   timpritlove
Bisschen.
44:00   andrearumler
Hat sich deutlich gebessert.
44:01
Ich persönlich finde auch die Stromverträge nicht ganz so super überschaubar,
44:06
auch wenn das vielleicht ein bisschen einfacher ist, aber auch da wäre es sicherlich möglich,
44:12
das einfacher und so, dass es jeder versteht zu gestalten.
44:18   timpritlove
Ja, also einen rechtlichen Rahmen dafür zu machen, was sozusagen in Verträgen abgebildet werden muss
44:22
bzw. welche komplizierten Rabattmodelle und Tages-Nacht-Verbrauch etc. vielleicht unter Umständen gar nicht statthaft sind
44:30
oder nur in eingeschränktem Rahmen.
44:31   andrearumler
Das sind auch nicht nur die Gesetzgeber, das sind auch die Anbieter, die das vielleicht noch nicht auf dem Schirm haben.
44:35   timpritlove
Ja klar, aber der Gesetzgeber kann ja da an der Stelle durch Regulierung natürlich auch entsprechend vorschreiben, dass es so und so zu sein hat.
44:42
Und ich denke mal, was sicherlich auch noch ein Aspekt ist, ist auch die Stabilität.
44:45
Ich meine, wir nehmen jetzt hier diesen Podcast auf im Februar 2022 und die letzten Monate waren dadurch geprägt,
44:53
dass halt auf dem Strommarkt es richtig losgeht.
44:58
Also die Energiepreise sind durch politische Unsicherheit, Situation in der Ukraine, noch ein paar andere Ereignisse,
45:05
generell auch durch das Problem dieser Lieferkettendisruption durch die Corona-Krise,
45:14
sind einfach die Preise gestiegen, teilweise so extrem, dass diese Billigstromanbieter teilweise in Insolvenz gehen mussten,
45:22
die Kunden kriegen natürlich dann immer noch Strom, gehen dann in die Grundversorgung,
45:26
was für die aber dann eben unter Umständen eine Preiserhöhung zur Folge hat, weil natürlich die Preise auch angepasst werden,
45:33
insbesondere wenn man halt einen neuen Vertrag dann aufnehmen muss, dann steht man erst mal blöd da
45:38
und hat halt nicht den Vorteil eines Vertrages, der vor fünf Jahren vielleicht ein bisschen sicherer abgeschlossen wurde.
45:44
Naja und so ein Solarpanel auf dem Dach, kann man schon mal sagen, das bleibt relativ stabil.
45:54   andrearumler
Richtig.
45:55   timpritlove
Das ist ja schon auch ein Versprechen an der Stelle.
45:58
Wurde ja auch abgefragt, nehme ich an?
46:00
So Preisstabilität.
46:00   andrearumler
Ja.
46:03
Ja, wobei man auch natürlich der Fairness halber dazu sagen muss,
46:07
nicht der gesamte Strombedarf von so einem Mietshaus kann im Laufe des Jahres mit dem Solarstrom vom Dach betrieben werden.
46:17
Ich muss auch Strom zukaufen für Monate wie, wir gucken aus dem Fenster, gerade scheint ein bisschen die Sonne,
46:22
aber so sehr viel hat sie in den letzten Wochen nicht geschienen.
46:25
Für die Zeit, wo die Sonne einfach nicht scheint.
46:27
Also es muss Strom dazugekauft werden, der unterliegt tatsächlich den Schwankungen des Strommarktes,
46:33
die wir gesagt ja gerade erleben in dieser Zeit.
46:38
Aber der Mieterstrom ist deutlich preisstabiler und von daher vermute ich mal, dass jetzt gute Zeiten sind,
46:46
um Mieterstromverträge abzuschließen.
46:50   timpritlove
Sie hatten ja anfangs erwähnt, dass es hier vor allem jetzt erst mal um den lokalen Verbrauch geht, aber nicht um die Einspeisung.
46:58
Aber gerade unter diesem Gesichtspunkt der Stromstabilität, ich meine, Mieter, wann sind die halt nicht da, tagsüber,
47:04
dann sind sie irgendwie arbeiten und haben andere Dinge zu tun bzw. man verbraucht vielleicht auch einfach nicht so viel Strom,
47:11
weil eigentlich kommt der Stromverbrauch halt nachts, wenn man das Licht einschaltet, wenn man wieder nach Hause kommt etc. pp.
47:16
Das heißt, das ist ja eigentlich so ein bisschen ein Problem, sprich, so eine Solaranlage funktioniert fürs eigene Haus eigentlich nur in dem Moment,
47:22
wo man dann entweder ein großes Speichersystem hat oder zumindest mit Strom, der in dem Moment, wo er erzeugt wird, nicht gebraucht wird,
47:29
dass man den dann halt wieder einspeist.
47:31
Also inwiefern ist das denn jetzt Teil des Mixes oder wurde das gänzlich ausgeschlossen
47:36
oder ist das rechtlich derzeit gar nicht möglich?
47:39   andrearumler
Bei Mieterstrom, ich meine, dass Mieterstrom inzwischen …
47:46
Also erst war Mieterstrom beschränkt wirklich auf das Haus, auf dem die Anlage ist
47:52
und ich meine, man kann inzwischen innerhalb einer Mietanlage umleiten, aber das hilft ja auch nichts,
47:58
wenn, wie Sie beschreiben, die Leute weg sind und erst abends den Strom verbrauchen.
48:04
Letztlich ist die Frage, wann gibt es die Speichersysteme, die bezahlbar sind und die dann helfen,
48:09
diesen sozusagen Entstehungs- und Verwendungsgap zu überbrücken?
48:14   timpritlove
Ja oder halt eben auch losgelöst von einem einzelnen Mietobjekt hin zu einem ganzen Block oder Stadtteil oder was auch immer.
48:24
An der Stelle vielleicht auch einen zentralen Speicher zu benutzen, würde ja eigentlich ganz sinnvoll sein.
48:29   andrearumler
Ja.
48:30   timpritlove
So wie es jetzt Parkhäuser gibt, könnte man ja auch mal nicht nur Autos speichern,
48:34
sondern irgendwo halt auch einfach mal so eine Stadtteilspeicherstelle vornehmen.
48:41
Und wenn halt überall so Solar rumhängt und tagsüber wird das eben nicht verbraucht,
48:45
naja dann speichert man es halt da rein und bezieht eben den Strom von 100 Meter um die Ecke, sage ich mal.
48:52
Aber das war jetzt hier nicht im Fokus.
48:56   andrearumler
Nein, und wie gesagt, noch sind die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür auch nicht da, aber das wäre auf jeden Fall wünschenswert.
49:04   timpritlove
Gab es denn auch Leute, die gesagt haben, ja nein Mieterstrom will ich nicht haben, kommt mir nicht ins Haus?
49:10   andrearumler
Ja gab es, aber wie gesagt, wir waren überrascht, wie wenig das waren.
49:14   timpritlove
Was gibt es da für Argumente, gibt es da welche?
49:18   andrearumler
Das Thema Preis hatten wir ja schon.
49:20
Und dann gibt es noch eins, das haben wir noch gar nicht diskutiert.
49:23
Wir haben ja eben schon gesagt, die Deutschen sind so vorsichtig und sicherheitsbedacht.
49:28
Auch bei dem Thema, wir haben, ich meine, bei 9 Prozent der Leute Sicherheitsbedenken gehört.
49:34
Also die gute Nachricht ist, 91 Prozent der Befragten hatten keine Sicherheitsbedenken, aber immerhin.
49:40   timpritlove
Ja.
49:40   andrearumler
Fast 10 Prozent hatten Angst, dass sich das vielleicht mal entzünden könnte oder irgendwas anderes passiert.
49:47
Also ich persönlich bin auf die Idee noch nie gekommen, ich wäre jetzt auch bei den 91 Prozent.
49:51
Aber die Leute gibt es auch und denen muss ich das ja, …
49:56
Also noch mal, wir glauben, wir sind der festen Überzeugung, dass es ein Kommunikationsproblem ist mit dem Mieterstrom.
50:02
Also dass man sehr viel mehr Leute mit ins Boot holen könnte, wenn anders kommuniziert würde.
50:09
Und das hießt natürlich auch, dass ich die Leute, die solche Sicherheitsbedenken haben, irgendwo abhole.
50:19   timpritlove
Jetzt ist natürlich die Frage, gut, wie kann man das Ganze noch schmackhaft machen?
50:28
Also ich glaube, dieses reine Stromliefern und bisschen weniger bezahlen, das ist so ein Aspekt.
50:34
Ein anderer Aspekt war ja dann auch noch, was kann man quasi dann noch so drum herum bauen,
50:39
was für zusätzliche Dienstleistungen wären vielleicht noch sinnvoll?
50:43
Ich denke, man muss da auch kreativ sein in dem, was mit Strom sich alles noch so machen lässt.
50:50
Jetzt gibt es natürlich so Sachen wie Ladesäulen oder so, die jetzt auch in zunehmendem Maße ja bei Häusern nachgerüstet werden sollen,
50:57
insbesondere wenn da Parkgaragen oder Parkplätze zumindest da sind, das wäre ja dann vielleicht auch ganz sinnvoll,
51:04
dass wenn jetzt die Waschmaschine nicht läuft, dann kann man ja zumindest den Strom auch mal in die Autos laden,
51:09
so denn welche vorhanden sind, ist das auch Teil der Befragung gewesen?
51:14   andrearumler
Ja, wir haben abgefragt, ob Zusatzdienstleistungen gewünscht werden, wie eben Elektroladesäulen
51:22
oder wie SmartHome-Anwendungen, so was wie ein Strommesser für Haushaltsgeräte und so weiter.
51:29
So gute 30 Prozent fanden das interessant.
51:34   timpritlove
Welchen Teil davon? Die Ladesäulen oder?
51:35   andrearumler
In der Reihenfolge, die Ladesäulen und die SmartHome-Anwendungen.
51:41
Wenn ich jetzt das persönlich mal bewerte ist das auch, was zu erwarten war, dass die meisten sagen,
51:46
naja brauche ich ja nicht, ich habe kein Elektroauto und die anderen sagen erst mal,
51:50
grundsätzlich ist das interessant, aber das ist nicht, ich sage es mal so,
51:54
das wird nicht der Gamechanger sein meiner Meinung nach.
51:58
Wenn ich mal vielleicht auch eigentlich noch mal auf mein Kerngebiet Marketing zurückkommen kann,
52:04
was wir empfehlen, was man machen müsste.
52:08
Wir haben da uns Theorien angeguckt von amerikanischen Forschern, vielleicht hat das der ein oder die andere schon mal gehört,
52:15
das heißt Nudging, also to nudge, wie kann ich jemanden anstupsen, etwas zu tun.
52:22
Also wie schaffe ich es, Verhaltensänderungen, so was wie die Mülltrennung, die wir eben besprochen haben,
52:27
wie schaffe ich es, meine Nachbarn dazu zu bringen, dass sie nicht immer alles in die eine Tonne kippen,
52:34
sondern sie die 30 Sekunden nehmen und die Sachen mal aufteilen.
52:40
Also wie gesagt, da gibt es sehr interessante Theorien zu, die auch schon in der Praxis sehr erfolgreich angewendet worden sind
52:46
und ich mache mal ein Beispiel, etwas, was wahrscheinlich fast alle von unserer Zuhörer schon mal gesehen haben,
52:51
wenn im Hotel irgendwo ein Schild steht mit, bitte tun Sie dieses Handtuch nicht gleich auf den Boden,
52:59
sondern benutzen Sie es so lange es geht und legen Sie es erst auf den Boden, wenn es gewechselt werden soll.
53:04
Da sind umfangreiche Forschungen zu gemacht worden, wie sollte man diesen Text auf dem Schild machen?
53:10
Und man nutzt dabei etwas, ich will jetzt nicht zu viel Theorie reinbringen, aber das sind die sozialen Normen,
53:16
soziale Erwünschtheit, soziale Gruppen, wenn man da reinschreibt, die meisten Benutzer dieses Hotelzimmers verwenden ihr Handtuch fünfmal
53:27
und tun es erst irgendwo hin, wenn es anfängt zu stinken, so steht das nicht auf dem Schild.
53:34
Aber wenn man sagt, die Mehrzahl der Leute verhält sich umweltbewusst und das richtig gut kommuniziert,
53:40
dann nehmen sich die Leute da ein Beispiel dran.
53:45
Also wir alle orientieren uns unbewusst, natürlich in unserem Verhalten, manche auch bewusst,
53:50
sehr deutlich an dem, was die anderen tun.
53:52
Also ich kann, wenn ich jetzt zum Beispiel in einen Hauseingang reinschreibe,
53:56
schon ein Drittel der Bewohner dieses Hauses bezieht Mieterstrom, mehr kann ich in den meisten Häusern nicht dran schreiben,
54:04
dann ist das schon mal, wenn ich dran schreiben kann, schon 70 Prozent der Leute in diesem Haus,
54:09
ist das natürlich umso besser.
54:12
Aber die Leute orientieren sich an dem, was die anderen machen.
54:14
So und wenn ich das kommuniziere, das ist ein Zuwachs, schon 30 Prozent mehr als im vorigen Jahr beziehen Mieterstrom,
54:24
hilft das den Leuten, dass sie dieses kleine, ich setze mich mal fünf Minuten hin und fülle ein Formular aus, einfacher tun.
54:30
Das ist ganz wichtig, das kostet nichts und das hilft.
54:34   timpritlove
Oder wie bei der Flugbuchung, nur noch fünf Sitze verfügbar.
54:39   andrearumler
Ja, das sind die Darkpatterns.
54:41   timpritlove
Ja.
54:43   andrearumler
Wir wollen keine Darkpatterns verwenden.
54:44   timpritlove
Ich dachte mir auch so, einfach hinschreiben…
54:44   andrearumler
Sondern wir wollen natürlich auch nicht, dass da was falsches steht, sondern schreiben was ist.
54:50
Und ich mache noch ein Beispiel.
54:52   timpritlove
Wäre aber einfach, einfach zu sagen, ja 75 Prozent haben hier schon Mieterstrom, was ist mit dir?
54:55   andrearumler
Ja, ja, das wollen wir aber nicht empfehlen.
54:59   timpritlove
Nein, weiß Gott nicht.
54:59   andrearumler
Was wir auch für sinnvoll halten, dass es in den Häusern angezeigt wird, dass den Leuten visualisiert wird,
55:06
dass sie sehen, dass diese Anlage arbeitet.
55:09
Also dass es zum Beispiel im Flur ein Panel gibt, wo dann am besten noch schön leuchtend zeigt,
55:14
gerade arbeitet die Anlage mit 89 Prozent und im Übrigen werden heute 54 Prozent des Stroms im Haus von der Solaranlage am Dach.
55:24   timpritlove
Oder so und so viele Euros mussten nicht bezahlt werden, weil…
55:29   andrearumler
Genau. Alles mögliche, was man da drauf schreibt, so dass ist a) eine tägliche kleine Erinnerung
55:34
und ich werde positiv verstärkt, ich sehe, wow ich bin Teil davon, das ist super.
55:39   timpritlove
Und auch die Gäste aus anderen Wohnungen werden auf die Idee gebracht.
55:43   andrearumler
Auch das, es ist alles rund um das Thema sozusagen soziale Normen, Gruppen, Einfluss von anderen.
55:53   timpritlove
Ich finde das eh jetzt gerade interessant, weil ich meine Marketing, so wie wir das ja auch eingangs besprochen haben,
56:00
insbesondere mit diesem Hintergrund USA, wo es herkommt, hat halt eigentlich immer diesen Nimbus mit,
56:05
ich will dir was verkaufen, und hier geht es ja eigentlich gar nicht ums Verkaufen,
56:08
sondern hier geht es ja eigentlich darum, ich sage mal, so eine Art soziale Verhaltenssteuerung mit zu befördern.
56:19
Nicht die Leute zu was überreden, was sie eigentlich nicht wollen, sondern eben dieses,
56:23
hör mal, uns allen geht es irgendwie besser und auch du hast was davon, wenn wir unser Verhalten so koordinieren,
56:32
dass wir das und das tun.
56:34
Das ist ja so ein bisschen eine unterschwellige Botschaft.
56:36
Und ich bin mir gar nicht so sicher, ob der Begriff Marketing jetzt so glücklich gewählt ist in dem Fall,
56:42
weil es halt immer sofort von Markets und damit so Angebot und Nachfrage hat,
56:47
auch wenn es natürlich in dem Moment was anderes meint.
56:50
Ja, es ist ja eigentlich mehr so eine, keine Ahnung, Informationsbeschickung und -mitnahme,
56:57
also vielleicht bedarf es da auch noch mal eines anderen Begriffs oder vielleicht gibt es ja auch einen, keine Ahnung.
57:02
Ich finde den an der Stelle, ja der hat ein bisschen Verwechslungspotenzial, sagen wir es mal so.
57:08
Aber trotzdem, das ist ja eigentlich das, was hier gemacht wird, dass man sich mehr Gedanken darüber macht,
57:15
nicht nur, was wäre die richtige Politik, über die wir uns ja eigentlich am laufenden Meter unterhalten.
57:20
Jeder hat immer so einen Beitrag zu leisten mit, ja man sollte ja das machen und warum wird denn das nicht getan und so.
57:25
Und die Antwort ist ja oft, ja weil du nicht mitmachst oder wenn du das Angebot bekommen würdest,
57:31
dann es halt einfach bleiben lässt oder dich nicht in dem Maße einbringst, wie man es jetzt erhoffen würde.
57:39
Und das hat ja auch so ein bisschen was damit zu tun, das steckt ja hier auch mit drin,
57:44
überhaupt auch ein Bewusstsein über die Effizienz solcher Maßnahmen zu haben.
57:50
Also ja, sie könnten an sich wirken, tun sie aber nicht, weil die Leute machen nicht mit.
57:53
Warum machen denn die Leute nicht mit?
57:54
Ja, weil das und das.
57:58
Also meine Frage ist sozusagen oder meine Aussage, ist diese Untersuchung auch so ein bisschen so ein Plädoyer,
58:07
so was genereller auf die Gesellschaft loszulassen, solche Studien oder solche Befragungen,
58:13
mehr Teil eines sozialpolitischen Prozesses werden zu lassen?
58:19   andrearumler
Ich gehe erst mal einen Schritt zurück und versuche mal, das Wort Marketing, keine Sorge, keine Diskussion, was ist Marketing,
58:26
aber jetzt mal zu ersetzen, ganz westlich ist doch die Frage, wie kommuniziere ich mit den Leuten?
58:33
Und das hatte ich ja eben schon gesagt, das war unsere Ausgangshypothese, dass wir denken,
58:36
und das hat die Untersuchung auch bestätigt, es geht nicht darum, dass die Leute Mieterstrom nicht gut finden,
58:41
die meisten Leute auch, die überwältigende Mehrheit der Leute, auch die den nicht beziehen, finden Mieterstrom ein gutes Konzept.
58:50
Aber sie beziehen ihn nicht, weil die Gründe haben wir schon genannt, vom Preis bis zur Bequemlichkeit
58:58
und aber auch, weil die Kommunikation noch verbesserungsfähig wäre.
59:03
Und das ist das, woran wir arbeiten wollten und wir sind auch gerade dabei, ein Folgeprojekt zu beantragen,
59:10
wo wir so was überprüfen wollen.
59:13
Wir wollen eine Wohnanlage nehmen und sozusagen die Hälfte der Häuser mit unserer Kommunikation ausrüsten, so wie wir die machen würden.
59:20
Wir, die Wissenschaftlerinnen, die an dem Projekt arbeiten, und Wissenschaftler,
59:25
versus sozusagen die bisherige Kommunikation, um dann mal wirklich zu zeigen,
59:29
davon gehen wir auf jeden Fall aus, um wieviel kann man die Beteiligung an den Projekten dann steigern,
59:35
wenn man mit den Leuten so kommuniziert, wie die Marketingwissenschaftler, Entschuldigung für das Wort,
59:42
wie die Marketingwissenschaftler das empfehlen.
59:47   timpritlove
Also so ein AB-Test sozusagen ganz klassisch?
59:49   andrearumler
Ja.
59:52
So was war noch mal die zweite Frage?
59:59   timpritlove
Ja, inwiefern das… also auch wenn es jetzt vielleicht kein tolleres Wort gibt oder das vielleicht auch egal ist,
1:00:04
also ich wollte das jetzt nicht schlecht reden, ich wollte nur sagen, es ist ja in der Wahrnehmung so,
1:00:09
dass es sich hier so um ein marktwirtschaftliches, privatwirtschaftliches Instrument handelt.
1:00:14
Und nicht unbedingt jetzt eine wissenschaftliche Methode.
1:00:17
Es ja aber hier an dieser Stelle ganz konkret ja benutzt wird, um eben politisch etwas zu ändern
1:00:23
oder sagen wir mal, gesellschaftspolitisch etwas zu ändern, Verhaltensänderung zu fördern,
1:00:30
wo man einfach sieht, naja wäre halt für alle besser, wenn man das tun würde, warum tun es denn nicht alle?
1:00:36
Aha, es sind ja gar nicht alle dagegen, sondern es fehlen einfach nur ganz kleine Schubser, diese Nudger sozusagen.
1:00:44   andrearumler
Ja.
1:00:45   timpritlove
Man muss eigentlich nur hier und da was machen und das ist ja dann auch oft weniger energieintensiv, das zu tun,
1:00:53
jetzt mal im wahrsten Sinne des Wortes.
1:00:56
Man könnte also mit relativ kleinen begleitenden Maßnahmen Leute dazu bringen, dass andere Dinge sich überhaupt erst lohnen,
1:01:03
losgetreten werden können, Förderungen auch Sinn machen, besser akzeptiert werden.
1:01:08
Wir haben ja gerade in diesem Energiebereich oft auch diesen Fall, ja okay, wir habe jetzt hier so ein neues Förderprojekt aufgesetzt so,
1:01:15
hat aber keiner bezogen oder auch in der Corona-Pandemie, ja alle Schulen können sich jetzt irgendwie Filteranlagen bestellen,
1:01:24
macht aber dann keiner.
1:01:25
Ja warum denn nicht?
1:01:27
Ja, weil Bürokratie, Aufwand, Zeit, falsch verstanden, keine Ahnung, irgendwas.
1:01:33
Und man weiß dann halt gar nicht, ja warum denn nicht?
1:01:35
Die Politik kommt dann schnell so, ja wollte ja keiner haben, brauchen wir nicht mehr zu machen,
1:01:40
obwohl es vielleicht einfach nur so ein reines Prozessmanagement am Ende ist,
1:01:45
aber keiner dann sich die Zeit nimmt, sich wirklich anzuschauen, ja warum denn eigentlich nicht.
1:01:50   andrearumler
Gut, jetzt werde ich mal sozusagen fast philosophisch und sage, das ist ein Problem,
1:01:54
was die Politik schon lange hat, dass sie eigentlich letztlich gar nicht richtig kommuniziert hat mit den Bürgern.
1:02:02
Es gibt aber auch Leute, das ist ja jetzt nicht neu das Problem und es gibt auch schon Politiker, die das erkannt haben,
1:02:08
aber es ist eben ein längerer Prozess und ja klar, das können natürlich auch nicht die Wissenschaftler alleine lösen,
1:02:18
überhaupt nicht, das erfordert in der Tat eben eine Umgestaltung von Prozessen,
1:02:23
so was wie Bürgerräte zu bestimmten Themen zum Beispiel.
1:02:28
Aber wie gesagt, verlässt jetzt das Mieterstrom-Thema und verlässt auch sozusagen unseren kleinen Beitrag zu dem Thema.
1:02:37
Unser kleiner Beitrag zu dem Thema ist wie gesagt, zu sagen, ändert ein bisschen an der Kommunikation
1:02:44
und wir vermuten ganz stark, dass das deutliche Auswirkungen haben könnte.
1:02:49
Aber eben auch der Aufruf an die Politik, ändert die Rahmenbedingungen und baut gefälligst diese völlig überbordende Bürokratie ab.
1:02:58   timpritlove
Über die wir jetzt noch gar nicht so viel gesprochen haben, inwiefern die eigentlich jetzt das Problem ist.
1:03:04
Ich sage mal, wenn man so ein Haus hat jetzt nur voll motivierte Mieter, die sagen,
1:03:10
ja, Mieterstrom, warum nicht gestern schon, ich bin dabei.
1:03:15
100 Prozent aller Mieter in so einem Haus wollen das haben, der Vermieter sagt, ja, top, spitze, machen wir sofort.
1:03:20
Und dann?
1:03:23   andrearumler
Ich kann leider den bürokratischen Prozess gar nicht beschreiben, weil ich das Vergnügen noch nicht hatte, das beantragen zu müssen.
1:03:29   timpritlove
Aber er ist komplex,
1:03:30   andrearumler
Aber er ist komplex und wir haben während das Projekt lief und eben so an der ein oder anderen Stelle darüber berichtet wurde,
1:03:37
lange Emails von Hausbesitzern bekommen, also von Privatpersonen,
1:03:42
jetzt weniger von Wohnungsbaugesellschaften, von Privatpersonen, die sagten, wir würden das auch so gerne machen
1:03:47
und wir sind so frustriert über die Bürokratie oder wir haben es gemacht und wir haben es bitterlich bereut,
1:03:53
bitte sorgt dafür, dass das auch an die Politik dringt unsere Bedenken, das kann einfach nicht sein.
1:04:01
Und das sind ja Sachen, die man dann vorher unterschätzt.
1:04:04
Also es ist wie gesagt auch der wohlmeinende Vermieter, der sagt, ich möchte die Energiewende unterstützen,
1:04:09
ich möchte da was tun und ich bin auch bereit, mich damit zu beschäftigen,
1:04:11
aber der dann irgendwann nur noch entnervt ist oder die.
1:04:17   timpritlove
Ich frage mich gerade, ob das nicht dann auch schon wieder ein interessanter Ansatz wäre für noch weitergehende interdisziplinäre Forschung
1:04:25
bis hin in die Politikwissenschaft hinein vielleicht,
1:04:30
um dann sozusagen auch diese Empfehlungskaskade bis eben auch in diesen bürokratischen Prozess zurückschwappen zu lassen, so zur Optimierung.
1:04:44   andrearumler
Also da ist überhaupt nichts gegen zu sagen, auf gar keinen Fall, das denke ich auch, das wäre sinnvoll.
1:04:50   timpritlove
Insofern könnten ja Folgeprojekte sich dann auch noch ganz anders gestalten.
1:04:53   andrearumler
/lacht/
1:04:54   timpritlove
Ich weiß nicht, ob man so breit denkt.
1:04:56
Ich meine, war ja am Anfang schon so ein bisschen meine Vermutung, ja, okay Wirtschaft, Recht und so passt ja alles ganz gut zusammen,
1:05:04
dass man so was halt auch breiter aufstellt.
1:05:05
Ich meine, in gewisser Hinsicht war das ja hier dann doch eine sehr scharfkantige Aufgabe,
1:05:09
in Zusammenarbeit eben mit der HTW, die dann eben auch konkret diesen ganzen solartechnischen konkreten technisch gesteuerten Bereich abdeckt,
1:05:19
eine gute Kooperation, aber grundsätzlich kann man sich ja auch solche Wissenschaftsprojekte vorstellen,
1:05:26
die dann eben noch größeres Empfehlungspaket am Ende ja auch liefern können sozusagen.
1:05:34   andrearumler
Auf jeden Fall und noch schöner wäre es, wenn es umgesetzt würde.
1:05:38   timpritlove
Ja. Haben wir denn jetzt schon alle Aspekte abgedeckt?
1:05:46
Also Anschlussprojekt hatten Sie ja schon erwähnt, soll kommen, aber ist jetzt sozusagen noch nicht beschlossene Sache.
1:05:50   andrearumler
Genau.
1:05:53
Ja, wir sind dabei, das zu beantragen.
1:05:58
Die Institution, die uns gefördert hat, haben wir noch gar nicht drüber geredet,
1:06:02
es gibt in Berlin ein Institut für angewandte Forschung, was eben solche Projekte mit finanziert,
1:06:09
die haben uns sehr geholfen, bei denen wollen wir wie gesagt das Folgeprojekt auf jeden Fall beantragen.
1:06:14
Und wie gesagt, wir fänden das toll, wenn wir das auch überprüfen können,
1:06:19
ob das, was wir rausgefunden haben, auch tatsächlich so funktioniert.
1:06:25
Und wir haben im Herbst letzten Jahres eine größere Online-Veranstaltung gehabt mit unseren Projektpartnern,
1:06:31
da war eine Reihe von Beteiligten drin, aber auch eine Reihe von Wohnungsbaugesellschaften,
1:06:36
die sich dazugeschaltet haben, also es war gar nicht so klein.
1:06:39
Und die haben einen halben Tag sehr intensiv sich die Ergebnisse angehört und darüber diskutiert,
1:06:44
wie sie das in ihren Projekten umsetzen können.
1:06:47
Also wir möchten das gewonnene Wissen, was wir jetzt haben, auch gerne an die Praxis weitergeben.
1:06:53
Und wie gesagt, haben angefangen, wollen das aber auch gerne weitermachen,
1:06:57
weil ansonsten, wenn man die Ergebnisse der Wissenschaft nicht verwendet,
1:07:01
dann braucht man sie auch nicht zu erheben.
1:07:05   timpritlove
Klar. Ich könnte mir vor allem auch vorstellen, dass man das auch noch ganz gut erweitern kann,
1:07:09
von Strom auf das ganz große Problem oder Heizens, was ja eigentlich noch ein sehr viel größerer zu hebender Stein ist an der Stelle.
1:07:17
Ist da schon mal drüber diskutiert worden, dass die HTW das Fass auch noch aufmacht?
1:07:24   andrearumler
Die HTW oder die HWR, meine?
1:07:25   timpritlove
Ja, wer auch immer sich drum kümmern möchte.
1:07:27
Aber da es ja, sagen wir mal, an der Stelle nur eine andere Technik ist, aber eine ähnliche Problematik.
1:07:32   andrearumler
Ja, ich würde die Frage fast an meinen nicht anwesenden Forschungspartner, Volker Quaschning, geben,
1:07:38
der sich sicherlich auch damit beschäftigt, aber aus Marketing-Sicht, wie gesagt,
1:07:44
wir sind jederzeit bereit, alle Gruppen zu untersuchen und zu evaluieren,
1:07:51
nur die Heizungsanlagen können wir nicht konzipieren.
1:07:52   timpritlove
Genau. Volker Quaschning, den wir hier auch in Forschergeist auch schon im Gespräch hatten vor vier Jahren,
1:07:59
Forschergeist Nummer 53, ich sehe gerade den Untertitel, der steinige Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung,
1:08:07
der ist nach wie vor steinig, aber auch solche Projekte helfen natürlich dabei,
1:08:12
hier das Pflaster ein bisschen erträglicher zu machen.
1:08:15
Ja, Frau Rumler, bleibt mir nur, vielen Dank zu sagen für das Gespräch.
1:08:19   andrearumler
Ja, ich bedanke mich.
1:08:21   timpritlove
Ja und natürlich auch, danke für das Zuhören hier bei Forschergeist, bald geht es wieder weiter.
1:08:27
Bis dahin sage ich, tschüss und bis bald.