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episode 94: FG094 Vulkanologie   

[transcript]


Über die Entwicklung der Vulkanforschung und die Auswirkungen von Ausbrüchen auf das Klima


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 June 1, 2022  1h58m
 
 
00:42   timpritlove
Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist, dem Podcast des Stiftverbands für die deutsche Wissenschaft.
00:48
Mein Name ist Tim Pritlove und ich begrüße alle zur 94. Ausgabe von Forschergeist.
00:54
Und ja, wie es hier so unsere Art ist, wollen wir uns wieder mit einem Thema ausführlich beschäftigen.
01:01
Und heute geht es in so einen Wissenschaftsbereich, der auch so ein bisschen was mythisches hat
01:07
und so seine ganz eigene Kultur mitbringt, heute geht es um Vulkane.
01:13
Und um Vulkanologie und um die Forschung an Vulkanen und was es damit alles so auf sich hat, das erzählt uns heute Hans Ulrich Schmincke.
01:21
Herzlich willkommen bei Forschergeist.
01:23   hans-ulrichschmincke
Guten Tag.
01:25   timpritlove
Herr Schmincke, ja Sie sind was man einen alten Hasen nennt, glaube ich, was dieses Feld betrifft.
01:31   hans-ulrichschmincke
Kann man so sagen, ja.
01:32   timpritlove
Im wahrten Sinne des Wortes, blicken auf eine sehr sehr lange eigene Geschichte mit diesem Thema zurück
01:42
und haben, glaube ich, so alles beforscht, was man beforschen kann und auch in dem Wissenschaftsfeld sehr viel bewirkt.
01:50
Referenzwerke geschrieben, alles mögliche, Preise eingesammelt, die Liste kann ich jetzt hier gar nicht komplett runterzählen, so lang ist sie.
01:57
Vulkane faszinieren die Leute irgendwie total.
02:00
Es ist irgendwie so ein Wissenschaftsfeld, was so über die Wissenschaft darüber einfach Leute irgendwie beschäftigt.
02:09
Das hat irgendwie so was besonderes, was mythisches, was unheimliches, auch was bedrohliches in gewisser Hinsicht.
02:17
Jeder kann irgendwie was damit anfangen, nicht alle wissen, damit umzugehen.
02:21
Warum sind Sie zu diesem Thema gekommen und was war so Ihr Weg in die Wissenschaft an sich?
02:28   hans-ulrichschmincke
Der Weg in die Wissenschaft war kompliziert.
02:33
Als ich dann fertig war mit der Schule, habe ich mir überlegt, was soll ich studieren?
02:41
Und habe mir drei Fächer vorgestellt, Literatur, Kunstgeschichte und Psychologie.
02:50
Und dann habe ich mir noch mal hin und her überlegt und gedacht, das kann ich eigentlich auch als Hobby machen.
02:56
Psychologie sowieso und auch weil ich gerne lese und weil ich gerne viel mit Bildern zu tun hatte und moderne Kunst.
03:05
Dann habe ich gedacht, dann mache ich was handfestes als Beruf und da ich auch mit der Natur schon in Berührung war als Schüler,
03:16
habe ich dann Geologie gewählt.
03:21
Und bin dabei geblieben, habe aber die Richtung in meinem Fach drastisch geändert.
03:29
Ich wollte schon als Schüler nach USA, weil ich war auf einem altsprachlichen Gymnasium mit Latein und Griechisch
03:38
und konnte wenig Englisch, da habe ich es nicht geschafft und dann als Student habe ich es geschafft
03:43
und bin in die USA gegangen mit dem Ziel, Paläoökologie zu studieren.
03:49
Also die Ökologie der früheren Tiere zum Beispiel im Muschelkalk den flachen Meeren und so weiter und so weiter.
03:59
Begriff Ökologie ist ja heute allgemein bekannt.
04:03
Und dann war der Professor an der Johns Hopkins University der hatte kein Glück mit Studenten,
04:11
der konnte Studenten nicht so gut behandeln und dann dachte ich, dann mache ich Sedimente.
04:17
Aber das waren nur Doktoranden an der Universität der Johns Hopkins.
04:23
Der Sedimentologie Professor der setzte seine Leute alle an die Appalachen und dann war das im Sommer immer sehr schwül
04:30
und ich mag kein schwüles Klima, habe aber noch Biochemie gehört und die Revolution mitgekriegt in der Biologie,
04:37
die Doppelhelix und habe auch Limnologie gehört, habe da gelernt, dass der Vater der Limnologie hier,
04:45
wo ich jetzt wohne, am Plöner See gearbeitet hat, der Tiedemann.
04:51
Aber dann hörte ich von einem Gebiet, einem trockenen Gebiet im Nordwesten der USA,
04:57
riesige Basaltfelder im Staate Washington, Origon und Idaho.
05:02
Und bin dann zu dem Professor gegangen und das war dann mein Thema.
05:11
Und habe dann, das war ein sehr unbekanntes und unerforschtes Gebiet
05:18
und da habe ich mich dann als einsamer Student aus Europa in den riesigen Weiten vom westlichen Washington und Origon rumgetrieben zwei Sommer.
05:29
Wenn ich in eine Tankstelle kam, musste ich ab und zu mal hin und dann merkten die Leute,
05:36
der Mensch hat einen komischen Akzent und dann haben sie mich gefragt,
05:41
you must be from Kanada und da war ich sehr stolz.
05:46
Und ich habe insgesamt leider 13 Klapperschlangen töten müssen, weil ich ganz alleine war den ganzen Sommer.
05:54
Und habe da nur im Auto oder neben dem Auto geschlafen.
06:00
Anyway, mein Doktorvater hat mich nie besucht im Gelände, das habe ich also alles alleine geschafft,
06:08
weil er nach Kalifornien ging, um da eine Graduate School aufzubauen.
06:14
Das war derzeit so, dass Los Angeles und Berkley waren überfüllt und da hat man die kleinen Campus der University of California alle aufgebaut
06:22
und das war Santa Barbara, da habe ich dann abgeschlossen, aber dann auch promoviert in Johns Hopkins in Baltimore.
06:30
Und dann dachte ich, fachlich wäre es ganz klar gewesen, dass ich in den USA bleibe,
06:37
weil die akademische Atmosphäre und der Akzent auf sehr harter Wissenschaft ganz was anderes war
06:47
als das, was ich in Deutschland erlebt hatte als Student.
06:51
Auch die menschliche Stimmung war angenehmer und man war als Doktorand akzeptiert.
06:57
In Deutschland, was ich erlebt hatte, selbst die Dozenten waren noch von den Ordinarien, den kleinen Königen nicht richtig anerkannt.
07:07   timpritlove
Von welchem Jahrzehnt sprechen wir gerade?
07:10   hans-ulrichschmincke
60-64.
07:12
60 bin ich hin, 64 war ich promoviert, also ich war 26 damals, also sehr früh promoviert.
07:21
Ich hatte auch erlebt in Deutschland in Freiburg die ersten beiden Jahre,
07:25
wie da Diplomanten immer noch an ihrer Diplomarbeit saßen, waren schon Anfang 30 und hatten Familien.
07:31
Habe ich gedacht, das darf es nicht sein.
07:34
Und bin dann zurück nach Deutschland, ich hatte einen deutschen Professor kennengelernt,
07:40
der hat mich in einem Forschungsprojekt angestellt und auf den Kanaren,
07:48
da bin ich dann zur Vulkanologie endgültig gekommen und bin dabei geblieben.
07:54
Er hat mir dann nach zwei Jahren angeboten, eine Feststelle zu kriegen, wenn ich die Richtung meiner Arbeit ändere,
08:03
und da habe ich ihm gesagt, nein ich möchte meine Arbeit die Vulkanologie weiter machen
08:09
und habe mich dann über Stipendien, Habilitandenstipendien da weiter zwei Jahre lang finanzieren lassen.
08:19
Und kriegte dann einen Job an der Ruhruniversität Bochum, die war ganz neu,
08:23
das Institut war ganz neu, es war damals ein großer Bedarf in Deutschland an Universitäten.
08:30
Viele viele neue Universitäten wurden gegründet und eine davon war die Ruhruniversität Bochum.
08:35
Und danach kam dann auch Dortmund und Essen und so weiter.
08:39
Und da habe ich, ich habe mich schon in Heidelberg während der letzten beiden Jahre,
08:50
also 67 bis 69 sehr stark engagiert für Reformen in der deutschen Universität.
08:58
Ein Verein hat sich gegründet für eine neue deutsche Universität, der wurde von der Volkswagen Stiftung finanziert,
09:06
aber das Ganze hat sich dann totgelaufen.
09:09
Jedenfalls als ich nach Bochum kam, sagte mir ein Kollege, ja ich bin aus Heidelberg angekündigt worden als jemand,
09:16
der wissenschaftlich in Ordnung sei, aber politisch völlig unzuverlässig.
09:24
So lief das damals.
09:25
Und ich habe dann Reformen in Bochum in der Fakultät durchsetzen können über meine Studenten,
09:33
die in der Studentenvertretung waren, weil die hatten damals relativ viel Gewicht.
09:37
Das ging da auf 68 zu und 68 war ja die große Umwälzung in der Gesellschaft hier.
09:46
Angefangen hat es schon in Berkley 64 mit Savio mit seiner berühmten Rede.
09:57
So also in Bochum waren die Reformen ja mäßig verwirklicht, weil die Professoren an den Instituten sich alle immer noch wie kleine Könige fühlten
10:08
und die jüngeren, die Dozenten und Assistenten die wurden halt so als, mussten halt gehorchen,
10:16
was bei mir natürlich nicht klappte, weil ich war nicht so, das war nicht meine Natur.
10:22
Das liegt vielleicht auch daran, weil ich selbst Flüchtling bin und mir schon früh klar war,
10:28
dass ich mir selber meinen Weg bauen muss.
10:34
Ich bin dann da weiter, war dann Privatdozent und dann Associate Professor, also wissenschaftlicher Rat und Professor.
10:43
Und habe dann durch unsere Forschungen mir auch mein eigenes Reich bilden können,
10:49
wo ich relativ viele Doktoranden hatte, und zwar sehr gute.
10:56
Und einige von den vollen Professoren haben dann die Studenten angesprochen,
10:59
ob sie nicht bei ihnen promovieren wollten, das ist also mehrfach passiert.
11:04
Und die haben gesagt, nein ich will bei dem Herrn Schmincke promovieren.
11:11
Ich habe auch meine Studenten immer geduzt, was die meisten meiner Kollegen ganz schlimm fanden,
11:17
weil sie sagten, ich muss die doch mal prüfen in einem Examen.
11:21
Das hat mich nie überzeugt, weil für mich sind Studenten junge Kollegen, die noch nicht erfahren sind.
11:28
Und nicht Leute, die man unter einer Knute ausbilden muss und in Abhängigkeit halten muss.
11:35   timpritlove
Stimmt das, dass Sie alle dann nur HU genannt haben?
11:39   hans-ulrichschmincke
Ja.
11:41   timpritlove
Für Hans Ullrich?
11:42   hans-ulrichschmincke
Ja, das ist kürzer.
11:44
Leute, die aus USA kommen, die nennen mich Hans, weil die können Ullrich nicht aussprechen.
11:50
Aber meine /unverständlich/, die nennen mich HU.
11:53
Na jedenfalls hatte ich eine Reihe von sehr guten Studenten, wir waren eine eingeschworene Truppen,
12:00
hatten dann uns auch selber Räume besorgt, wo wir uns unterbringen konnten
12:07
und ich habe mit meiner wissenschaftlichen Arbeit dann angefangen in den ersten Jahren,
12:13
auf den kanarischen Inseln zu arbeiten, insbesondere Gran Canaria, da haben wir viele Arbeiten gemacht,
12:17
später auch Diplomanden und Dokotoranden.
12:22
Und dann später auch Teneriffa und La Palma, wir haben die 1949 Eruption als erste und einzige sehr detailliert untersucht
12:30
mit einem Doktoranden und Diplomandin.
12:35   timpritlove
Eruption auf La Palma?
12:36   hans-ulrichschmincke
Die Eruption auf La Palma, das ist die bisher detaillierteste Arbeit über eine historische Eruption.
12:44
Und dann habe ich 1970 angefangen, in der Eifel zu arbeiten, weil das nicht so weit weg war von Bochum.
12:52
Und die vulkanologischen Fragen, es war vulkanologisches Brachland,
12:58
weil keine Leute da gearbeitet hatten, die wirklich an den Vulkanen interessiert waren.
13:03
Der Unterschied zu den früheren Zeiten vor 100 Jahren, also 1910, 1920 gab es einen sehr guten Geologen
13:11
und auch schon 1820 aus Trier, einen berühmten Gymnasiallehrer, der dann der Lehrer von Karl Marx war.
13:21
Und das ist dann Hauptgebiet geworden und dann kam 1973 die erste Energiekrise,
13:27
wo ich meine kleine Tochter noch im Kinderwagen über die Autobahn gefahren habe,
13:34
weil am Wochenende war die Autobahn geschlossen in Deutschland.
13:41
Und dann wurde in Deutschland vom Bund und in Brüssel in Europa sehr viel Schwergewicht gelegt auf alternative Energien
13:48
und dazu gehörte auch die geothermische Energie.
13:52
Und dann sind wir mehrere Jahre relativ breit finanziert worden, und zwar relativ schnell.
14:01
Das war zu Anfang sehr kompliziert mit Brüssel, weil die ganzen Verfahrensweisen,
14:05
wie man jetzt europäische Forschung finanzierte ganz neu war.
14:09
Und ich musste angeben im Institut, wie das Gehalt der Sekretäre, die gar nicht meine Sekretärinnen waren,
14:15
das war alles auch für die Uni, die wollten erst und der Professor da wo ich war sagte,
14:19
Herr Schmincke, lassen Sie das, aber das habe ich natürlich nicht gelassen.
14:27
Und ich habe dann auch harte Briefe geschrieben nach Brüssel, die dann auch wohl eingeschlagen sind,
14:31
weil durch meine frühe Kindheit und meine ganze Entwicklung war ich kein sehr angstbesetzter Mensch
14:40
und habe Autoritäre immer angesprochen, wenn es sachliche Gründe gab.
14:46
Und das ist natürlich auch etwas, was sich in der Wissenschaft dann auch niederschlägt,
14:52
wenn man Paradigmen, die über Jahre oder Jahrzehnte bestand haben, infrage stellt, weil man merkt,
14:58
das ist nicht die richtige Erklärung.
15:01
Und da gibt es mehrere Fälle in meiner Wissenschaftsgeschichte, wo ich das gemacht habe.
15:07
Wo es zu Anfang immer ein bisschen Trouble gibt, wenn viele Kollegen denken, das ist sozusagen des Teufels diese neuen Ideen,
15:17
aber irgendwann wenn sie solide sind und das habe ich auch versucht, meinen Studenten beizubringen,
15:21
alles sehr gut zu dokumentieren und sehr sauber zu arbeiten und darauf dann die Hypothesen oder gerade die Theorien aufzubauen.
15:32
Das ist also so ein Grundverhalten gewesen und ich glaube, sechs, sieben meiner Doktoranden,
15:40
oder inzwischen sind es, glaube ich, noch mehr, sind Professoren in Deutschland, in Schweden, USA.
15:47   timpritlove
Was haben Sie denn ursprünglich genau studiert?
15:51
Wenn es die Vulkanologie noch nicht gab, was waren dann jetzt konkret die Felder, die Sie studiert haben?
15:56   hans-ulrichschmincke
Also Vulkanologie als Studienfach gibt es eigentlich nicht, man studiert, je nachdem in welchem Richtung man gehen will.
16:05
Man kann Geophysik studieren, dann macht man die seismische Erkundung der Vulkane,
16:09
der Aufstiegswege, des Erdmantels, dann ist man mehr Geophysiker.
16:14
Man kann, was klassischerweise früher in Deutschland viel gemacht wurde, mehr Mineralogie machen und Gesteinschemie,
16:23
das sind aber dann oft Leute, die gucken sich die Vulkane gar nicht an.
16:27
Die sind interessiert an den physikochemischen Vorgängen bei der Kristallisation eines Magmas.
16:35
Was passiert bei welchen Drucken, bei welchem Sauerstoff, Partialdruck und so weiter.
16:40
Welchen Wassergehalt, welchen CO2-Gehalt bildet sich dieses Mineral und so weiter.
16:46
Was passiert, wenn ein Magma abkühlt, basaltisches Magma, das sind die normalen Magmen auf der Erde und auf dem Mond und so weiter.
16:54
Wenn die abkühlen in einer Magmakammer, dann können sich daraus ganz andere Magmen bilden.
17:01
Weil zuerst bestimmte Elemente, wie Eisen, Magnesium, Chrom, Nickel in einigen Mineralen eingebaut werden
17:11
und die sinken dann ab oder bleiben an der Seite von einer Magmakammer und dann ändert sich die Zusammensetzung der Schmelze.
17:18
Wir nennen das Fraktionierung oder Differenziation.
17:22
Und die großen explosiven Vulkane und einer, den wir intensiv bearbeitet haben, mehrere Diplomanden und Doktoranden,
17:30
ist der Laacher See Vulkan, das ist die größte Eruption in Europa, in Mitteleuropa außerhalb Italiens
17:37
in den letzten paar hunderttausend Jahren.
17:39
Die Eruption vor 11000 Jahren war größer als die des Vesuvs.
17:44
Die berühmte Pompeji-Eruption, es war also sehr große Eruption und die Asche finden wir noch in Schweden und in Dänemark und in Polen.
17:56
War ein riesen… und das war auch eine sehr schwefelreiche Eruption, das haben wir dann auch untersucht später,
18:02
die wohl auch dann das Klima eine Zeit lang beeinflusst hat.
18:07   timpritlove
Mich würde noch mal interessieren, welche Fächer sozusagen einen zur Vulkanologie führen können.
18:14
Also wir hatten die Geophysik,…
18:17   hans-ulrichschmincke
Mineralogie.
18:18   timpritlove
Mineralogie, es gibt ja auch noch die Petrologie.
18:21   hans-ulrichschmincke
Die Petrologie gehört mit der Mineralogie ein bisschen zusammen, da ist der Übergang sehr eng zu den Kristallographen,
18:27
die interessieren sich nur für die Kristalle.
18:30
Die Petrologen interessieren sich für ein größeres System, ein Magma oder ein metamorphes Gestein.
18:38
Und das ist das, was mich in Deutschland so gestört hat.
18:43
In den USA an der Johns Hopkins Universität nur Doktoranden, 20 Doktoranden und acht Professoren,
18:49
das waren also paradiesische Zustände, aber sehr harte Arbeit.
18:53
Alle Doktoranden haben von morgens 9 bis nachts um 23 Uhr gearbeitet die ganze Woche.
19:00
Viel härter als in Deutschland die Doktoranden und das ist sehr weit verbreitet dort.
19:05
Und da studiert man dann nur Geologie.
19:09
Und da sind experimentelle Leute, die produzieren künstliche Kristalle bei verschiedenen Drucken und Temperaturen,
19:17
und dort sind Leute, die gucken sich Sedimente an in den Gebirgen, Appalachengebirge oder die Paläontologen
19:26
und die heißen alle Geologist und da gibt es nicht diese Aufteilung wie bei uns.
19:31
Und das ist das, was mich so geärgert und deprimiert hat in Deutschland, diese Institute.
19:38
Wo die Professoren sich so als mini Max Planck Institute fühlen.
19:44
Das ist diese Hierarchie, die sich ja auch in den Titeln ausdrückt.
19:48
Herr Professor Doktor, das ist etwas, was mir immer sehr komisch vorkam.
19:56   timpritlove
Nicht Ihr Ding, ja, kann ich verstehen.
19:59   hans-ulrichschmincke
Und darum habe ich es auch nie benutzt.
20:04
Und diese Aufteilung hat dazu geführt, dass viele Teile der deutschen Wissenschaft international nicht mehr so anerkannt waren.
20:13
Und dann, ich kann mich erinnern, 64, als ich fertig war, hat ein Physiker Moosbacher, glaube ich, oder so ähnlich,
20:25
der hat am Caltech, California Institute of Technologie 64, ich weiß nicht, ob er da promoviert hat
20:31
oder als Postdoc da war, und als der dann …
20:37
oder hat den Nobelpreis gekriegt, ja, der hat den Nobelpreis gekriegt, stimmt.
20:42
Da war er, glaube ich, noch in Passadena am California Institute of Technology,
20:48
und dann hat man in München gesagt, den Mann müssen wir uns holen.
20:50
Und dann hat er gesagt, ich komme nur, wenn ihr ein Departement macht.
20:55
Wenn ihr also von dieser Einzelstruktur der Institute weggeht und dein Departement macht.
21:03
Und das habe ich mir lange gewünscht in den Erdwissenschaften.
21:07
In Bochum war es nicht möglich und in Kiel das war nun ein Forschungsinstitut, wo ich 1990 berufen wurde,
21:14
das war keine Universität, das war hauptsächlich Forschung und das war ein bisschen eine andere Struktur.
21:21
Aber ich glaube, im Laufe der Jahre sind dann die Leute auch in Kiel und anderen Universitäten auf den Trichter gekommen zu sagen,
21:29
es ist doch viel besser, wir machen ein Departement mit einzelnen Richtungen.
21:34
Und dass ein Geophysiker dann auch mal was über Fossilien lernt, ist ja gar nicht so schlimm und umgekehrt.
21:41
Und das war wirklich so ein zentrales strukturelles Defizit an unseren Universitäten.
21:49
Und da habe ich versucht, wegen meiner Ausbildung in den USA und weil ich gerne Sachen infrage gestellt habe,
21:56
versucht, das zu überwinden.
22:00   timpritlove
Okay, also Sie hatten ein Grundstudium in Deutschland, ich glaube, in Göttingen ging es sogar los?
22:04   hans-ulrichschmincke
Ja, ein Semester nur.
22:05   timpritlove
Und Freiburg und dann Aachen und dann halt den Ausflug in die USA, kennenlernen eines anderen Forschungsverständnisses.
22:15   hans-ulrichschmincke
Völlig.
22:15   timpritlove
So würde ich das mal sagen, anderer Umgang, ein etwas übergreifenderer Ansatz,
22:22
Dass man eben versucht, da würde ich es mal als holistischen Ansatz interpretieren, man blickt auf alles
22:29
und dann kann man eben auch die Verbindungen herstellen.
22:32
Da ist so ein bisschen mein Eindruck, bei den Vulkanen kommt dann so alles zusammen.
22:37
Während sich die Mineralogen sehr im Detail verfangen können, wie auch andere Spezialitäten,
22:46
ist irgendwie das große und ganze Verschmelzen und Explodieren eines Vulkans betrifft irgendwie alle diese Felder.
22:55   hans-ulrichschmincke
Ja, das ist eine gute Analogie.
22:57
Vielleicht müsste man sagen, dass in den USA nicht nur diese gemeinsame Ausbildung wichtig ist,
23:03
sondern auch das menschliche Verhältnis der Professoren zu den Studenten.
23:09
Ein ernst nehmen, ganz anders ist als in Deutschland, wo die Professoren doch immer noch die Herrgötter in weiß waren,
23:17
so wie in manchen Kliniken.
23:20
Und das ist natürlich ganz wichtig für die Ausbildung, man hat dann auch sehr viel Mut,
23:24
seine eigenen Ideen zu formulieren und die vorzutragen, man wird ernst genommen.
23:29
Und da was ich auch versucht habe, in meinen Studenten zu verwirklichen.
23:34
Zurück zu den Vulkanen.
23:37
Ich habe dann versucht von Anfang an, die Vulkane in den Doktorarbeiten, in den Exkursionen, in den anderen Kursen
23:47
immer als System zu sehen, das reicht vom Erdmantel bis zur Atmosphäre.
23:53
Und wir waren dann relativ früh auch dabei, mit zu untersuchen, welche klimatischen Auswirkungen können welche Vulkane haben.
24:02
Wir haben am Laacher See Doktorarbeit und dann habe ich eine in Nordkorea.
24:08
ich war, glaube ich, der erste westlich Wissenschaftler, der da gearbeitet hat an einem Vulkan, der vor 1000 Jahren ausgebrochen ist.
24:15
Und wollte ich rauskriegen, ob die mögliche Klimaveränderung auch die politischen Verhältnisse in dem Korea jener Zeit beeinflusst hat,
24:28
dadurch dass durch eine große Klimaveränderung natürlich Wanderungen ausgelöst werden.
24:36
Die größten Wanderungen in den USA waren 1816 nach der Eruption eines Vulkans in Indonesien,
24:45
der den größten Klima Impact hatte in der Geschichte, in den letzten 200 Jahren,
24:52
der auch in Deutschland große Hungersnöte hervorgerufen hat, nicht nur im Süden, sondern auch hier in Norddeutschland.
25:01
Im Juni/Juli fiel in Neuengland in den USA noch Schnee und dann gab es eine große Völkerwanderung.
25:08
Und das war auch ein sehr schwefelreicher Vulkan ähnlich wie der Laacher See Vulkan.
25:12
Also der Vulkan als System, zu dem dann auch die Atmosphäre gehört und darüber dann der Impact auf die Gesellschaft.
25:22
Das ist ja die andere Richtung, weil alle Vulkane haben immer die Gesellschaft beeinflusst in den ursprünglichen Gesellschaften.
25:31
Ich nenne es immer so, ob das nun in Südamerika ist oder in Indonesien, Bali oder so,
25:38
haben die Menschen, die frühen Gesellschaften immer ein duales Bild gehabt von den Vulkanen.
25:44
Auf der einen Seite die Fruchtbarkeit, die fruchtbaren Böden und vielleicht Baumaterial
25:52
und auf der anderen Seite die Furcht, indem sie dann Götter erfunden haben,
25:57
und dann dem gehuldigt haben und Opfergaben gebracht haben, um sie zu beschützen,
26:02
damit die Götter nicht ärgerlich werden und die Leute dann töten durch Glutlawinen oder Lavaströme.
26:10
Das ist immer das duale Bild eigentlich von vielen Naturgefahren.
26:16
Und das gehört, wenn man Vulkane untersucht, immer dazu.
26:20
Während zum Beispiel die letzte Doktorarbeit, die gerade fertig wird, von einer sehr hochbegabten Doktorandin,
26:31
wir haben rausgekriegt, dass die Eruption des Laacher See Vulkans während der Eruption einen extremen Einfluss hatte auf den Rhein.
26:42
Es hat sich erst ein großer Stausee gebildet bei Koblenz, und dann brach der Damm mehrfach
26:48
und dann wurde das Ganze, das Neuwieder Becken ist so ein tektonisches Becken,
26:55
völlig verwüstet mehrfach und dann kamen Glutlawinen weiter nördlich durch ein tiefes Tal
27:00
und haben den Rhein abgesperrt und haben einen vielleicht 100 Meter hohen Damm gebaut
27:05
und dann hat sich ein See gebildet dahinter, der dann über den Mittelrhein bis nach Mainz ging.
27:13
Das waren also mit Abstand die größten Auswirkungen.
27:16
Das heißt, dieser Bereich der Gefahren und der Risiken, man muss das unterscheiden.
27:21
Gefahren ist das, was Sachen oder Menschen beschädigt und Risiko ist das, was man in Heller und Pfennig abrechnen kann.
27:31
Also das monetäre.
27:35   timpritlove
Sie haben ja schon so ein wichtiges Stichwort genannt, Vulkansysteme.
27:40
Man hat halt so auf den ersten Blick, da denkt man sich so, okay Vulkan, das ist da halt so der Berg,
27:45
wo irgendwie so ein bisschen Lava rauskommt, so, das ist dann irgendwie der Vulkan,
27:49
aber das ist ja im wahrsten Sinne des Wortes nur die Spitze des Feuerbergs.
27:55
Man muss das Ganze ja viel größer aufspannen, um irgendwie zu verstehen, was eigentlich dort tatsächlich passiert.
28:03
Wenn man jetzt mal wirklich das ganze System betrachtet und versucht zu verstehen,
28:07
was führt dazu, dass diese Vulkane ausbrechen und was für Kräfte setzen sich dort eigentlich wirklich frei
28:17
und vor allem, was für unterschiedliche Ausprägungen von Vulkanen gibt es,
28:21
was muss man sich in diesem gesamten System als erstes anschauen, um zu verstehen, was letzten Endes passiert?
28:30
Beginnt alles mit der Plattentektonik, ist das der erste Schlüssel, den man sich anschauen sollte?
28:37   hans-ulrichschmincke
Ja, Sie haben das Stichwort genannte, Plattentektonik war das, was die Doppelhelix in der Biologie ein paar Jahre vorher war.
28:46
Das war die große Revolution.
28:48   timpritlove
Zu welchem Zeitpunkt?
28:50   hans-ulrichschmincke
Das kann ich Ihnen ziemlich genau sagen, denn 64 wurde ich in den USA promoviert.
29:00
An Johns Hopkins war man noch nicht so weit, das war eine ganz tolle Uni,
29:06
mit Koryphäen auf verschiednen Gebieten, aber nicht Plattentektonik.
29:11
Da war einer im benachbarten Princeton, mit denen hatten wir auch viel Austausch,
29:15
der war ein spekulativer Mensch und der hat relativ früh die Vorzeichen für Plattentektonik begriffen und hat spekuliert.
29:26
Die Plattentektonik hat nicht direkt was mit Alfred Wegner zu tun, der 1912 über die Verschiebung der Kontinente geschrieben hat,
29:37
und ein brillanter Mensch war, mit brillanten Ideen, aber er hat nie über den Mechanismus damals nachdenken können,
29:47
das hat erst die Meeresforschung gebracht.
29:50
Die haben nämlich in der Mitte zunächst des Atlantiks, das waren englische und amerikanische Wissenschaftler,
29:59
die haben gefunden, dass die Mitte des vulkanischen Meeresbodens zur Mitte hin immer jünger wird.
30:07
Weil das unterschiedlich lange magnetische Orientierung hatte.
30:11
Das kann man datieren.
30:14
Die Paleomagentik ist ein zentrales Feld gewesen für die Entwicklung der Theorie der Plattentektonik.
30:27
Die dann ein paar Jahre später ergänzt wurde durch die Arbeiten auch eines Princetoners Geophysikers,
30:36
der auch mal ein halbes Jahr hier in Kiel war zu Besuch und mit dem wir auch auf die Kanaren gefahren sind,
30:43
der hat die Plumetheorie erfunden oder das Modell vorgestellt.
30:47
Das heißt, dass aus den Tiefen der Erde Material langsam aufsteigt und beim Aufschmelzen dann,
30:57
ich sage mal, 100 Kilometer oder 200 Kilometer Tiefe anfängt zu schmelzen
31:02
und dass so die Magmen produziert werden.
31:05
Zum Beispiel Hawaii, man nennt das den Plume, den benutzt man auch auf Deutsch den Begriff Plume,
31:12
das sind diese Tiefenwurzeln unter Vulkanen.
31:15
Und wenn die Erdplatten, Sie hatten die Plattentektonik erwähnt, die wandern ja,
31:20
gibt es sieben große und viele kleine Platten, und wenn die über diese, wir nennen das oft, Schmelzanomalie dann drüber wandern,
31:29
dann können die Magmen aufsteigen und zum Beispiel Ozeaninseln bilden.
31:33
So kann man sehen, es gibt die großen Hawaiianischen Inseln wie Hawaii, Oʻahu und so weiter
31:41
und dann viele andere, die nennt man die Emperor Sea Mounts, die sind alle nach japanischen Kaisern benannt,
31:46
und die ändern ihre Alter von dem jüngsten, Kīlauea-Vulkan und dann über diese alten in Richtung Japan,
31:55
der älteste ist, glaube ich, 60 Millionen Jahre alt, das ist also eine Altersabfolge.
32:01
Auch für die Kanaren kann man das sehen, die ältesten sind im Osten, Fuerte Ventura und Lanzarote
32:06
und die jüngsten sind da wo gerade die großen Ausbrüche waren, La Palma und El Chichón.
32:15
Und das ist die zweite große Theorie gewesen, die die Vulkanologie wesentlich befruchtet hat.
32:21   timpritlove
Also der Paläomagnetismus, den Sie ansprechen, das ist ja sozusagen das, sich über die Jahrtausende und Jahrmillionen sich ändernde Magnetfeld der Erde,
32:32
ist quasi in den Boden eingegraben, man kann an dem Gestein, was sich dort abgelagert hat, sehen,
32:39
zu welchem Zeitpunkt es quasi geformt wurde.
32:42   hans-ulrichschmincke
Genau, und zwar sind das die eisenhaltigen Minerale in den Basalten.
32:48
Basalt ist das, 99 Prozent aller Magmen auf der Erde sind Basalt.
32:54
Da gibt es verschiedene Typen von und wenn die auskristallisieren, dann bilden sie auch kleine Eisen- und Eisentitanoxyde und die sind magnetisch.
33:04
Und die Erde hat ein Magnetfeld und wenn so ein Lavastrom ausfließt und abkühlt und dann bildet sich die Richtung,
33:13
Nordpol oder Südpol, in diesem Lavastrom ab.
33:18
Und wenn das nach ein paar hunderttausend Jahren der Nordpol am Süden ist und der Südpol am Norden,
33:24
dann ist das die umgekehrte Orientierung und das kann man messen heute mit verschiedenen Instrumenten.
33:30
Und das ist nicht in der Eifel, da hat man das auch gemacht, aber vor allem am Meeresboden die entscheidende Methode gewesen.
33:41
Und später die Sedimente, die auf der vulkanischen Ozeankruste lagern.
33:46
Ich habe ja auch viele Jahre mit dem Ocaen Drilling gearbeitet, vor allem im Atlantik, aber auch im Pazifik,
33:54
da haben wir dann reingebohrt durch die Sedimente und bis in die vulkanischen Gesteine
33:59
und haben die dann untersucht, um so die Entwicklung des Meeresbodens und die Plattentektonik natürlich zu rekonstruieren.
34:10
Denn USA und Europa die hingen mal zusammen und die sind vor 200 Millionen Jahren,
34:16
da hat sich da ein Riss gebildet und das geht weiter auseinander.
34:21
Und wenn man das Glück hat, in Island in den zentralen Teil der Insel zu fahren, dann kann man sehen,
34:27
wie über, weiß nicht, 10 Kilometer ist die Erdkruste eingebrochen und an beiden Seiten stehen die Basalte höher.
34:35
Das ist also lebendiges Sea Floor Spreading, in der Mitte ist das jüngste und dann zu beiden Seiten wird es jeweils älter.
34:43   timpritlove
Und sozusagen aus der Betrachtung dieses Paläomagnetismus, der sich im Boden abzeichnet,
34:50
wurde sozusagen zu dem Zeitpunkt in den 60er Jahren klar, das muss sich verschieben,
34:55
weil das sind alles unterschiedliche Zeiträume, die sich da unten abbilden und daraus entstand überhaupt erst dieses Modell,
35:03
okay, diese ganzen Platten schieben sich übereinander, drücken sich hoch und dadurch entstehen diese Brüche quasi in der Erde,
35:12
diese Gräben, diese Faltungen, ich weiß nicht genau, wie man es richtig bezeichnen soll
35:17
und das ist quasi der Ursprung des Vulkanismus?
35:22   hans-ulrichschmincke
Jain, man muss eigentlich zwei Hauptzonen voneinander unterscheiden.
35:28
Das eine sind die Zonen, die mittelozeanischen Rücken, wo neue Erdkruste entsteht.
35:35
Das wandet auseinander und dann an den Rändern an manchen Kontinenten, nicht an allen,
35:42
aber vor allem rings um den Pazifik, das nennt man den pazifischen Feuerring,
35:48
und auch in der Karibik, da tauchen diese Platten, das ist jetzt vulkanische Kruste
35:52
und darauf liegen ein paar hunderte oder paar tausend Meter Sedimente aus Fossilien und so weiter, die tauchen dort ab.
36:01
Rings um die Aleuten, Nordamerika, da wo mein Doktorarbeitsgebiet war, und dann Mexiko, Mittelamerika, Südamerika, bis nach Patagonien.
36:14
Und bei diesem Abtauchen der Platten wird in ungefähr 100 Kilometern Tiefe das Wasser aus den Sedimenten frei.
36:25
Und wenn das Wasser aufsteigt und mit dem Mantel darüber, da liegt ja dann wieder der Mantel /unverständlich/
36:32
von den Kontinenten da drüber, dann kann das Mantelgestein etwas aufschmelzen,
36:38
weil die Zugabe von Wasser, das ist jetzt ein petrologisches Problem, erniedrigt den Schmelzpunkt.
36:46
Und dann kann dieses Gestein, dieses Mantelgestein ein bisschen aufschmelzen
36:50
und dann können die Magmen entstehen und aufsteigen und die sind relativ wasserreich
36:56
und darum sind die Vulkane von Südamerika, über Mittelamerika über Aleuten, Japan, Philippinen bis nach Neuseeland,
37:07
die sind alle überwiegend relativ explosiv.
37:11
Das ist also das Wasser der Ozeansedimente, was dann wieder in dem Magma eingebaut wird
37:18
und darum sind diese relativ explosiv.
37:19
Die Magmen an den mittelozeanischen Rücken, also wo die /unverständlich/, die sind nicht explosiv, das sind Lavaströme.
37:27
Oder untermeerische Lavaströme.
37:29   timpritlove
Das heißt, diese Hitze des Magma selber, man würde sich ja jetzt erst mal vorstellen,
37:35
so am heißesten ist es natürlich in der Mitte der Erde und da kommt das alles her.
37:39
Das ist in dem Sinne gar nicht so, sondern es ist an der Stelle, wo diese Platten aufeinandertreffen
37:46
bzw. in dem Moment, wo sie absinken, durch das Mischen mit dem Wasser entsteht überhaupt erst diese Hitze,
37:50
die das Magma liefert, was letzten Endes die Vulkane bedient?
37:55   hans-ulrichschmincke
Ja, aber nur die Vulkane, die über diesen Subduktionszonen, so nennt man das, liegen.
38:02
Das sind auch Teile von Griechenland die Vulkane, Santorini und so oder auch die Äolischen Inseln,
38:08
das sind alles solche Subduktionsvulkane.
38:12
Der überwiegende Teil der Magmen auf der Erde entsteht durch Druckentlastung an den mittelozeanischen Rücken.
38:20
Das ist mit Abstand das meiste Magma, das basaltische Magma, wie auf dem Mond zum Beispiel
38:26
und einigen Planeten, das ist basaltisch, das ist das primitive Ausgangsmagma.
38:30
Diese explosiven Vulkane, wie der Fuji San oder der Mount St .Helens oder Pinatubo,
38:41
das sind sozusagen sekundäre Magmen, die entstehen beim Abtauchen, übrigens so im Pazifik oder rings um Japan,
38:51
in Neuseeland, Philippinen, da gibt es auch so Subduktionszonen, da taucht also die ozeanische Platte ab
38:59
und dann wird Wasser frei und das fördert die Aufschmelzung vom Mantel.
39:06
Also das ist schon so, dass der Kern der Erde ganz heiß ist natürlich, der Erdkern.
39:09
Und über dem Erdkern, so in 2900 Kilometer Tiefe, fängt der Erdmantel an.
39:17
Und das ist ein Problem, wo viele Geophysiker dran arbeiten, warum fangen einige Teile vom Erdmantel an aufzusteigen?
39:27
So wie in einem Wasserkochtopf, wenn von unten aufgeheizt wird, da steigt an einigen Stellen heißes Wasser nach oben und blubbert dann und dampft dann.
39:37
Also der Erdmantel, ungefähr 2900 Kilometer dick, der ist nicht stationär,
39:43
da finden ganz langsame Bewegungen statt.
39:47
Und wenn dieses kristalline, also es besteht aus Kristallen der Erdmantel und wenn Teile davon aufsteigen in,
39:59
sagen wir mal, 100 Kilometer oder ungefähr diese Tiefe, dann ist der Druck so niedrig,
40:06
dann können einige Minerale anfangen zu schmelzen und Schmelze produzieren.
40:11
Und die Schmelze, weil sie leichter ist, die kann dann an /unverständlich/-Grenzen aufsteigen
40:17
und sammelt sich, so wie in der Eifel, meistens an der Grenze zwischen Erdmantel und Erdkruste.
40:24
Die ist in der Eifel ungefähr 30 Kilometer.
40:27
Die Erdkruste ist so der Schaum auf der Erde, der sich im Laufe der letzten 4,5 Milliarden Jahren gebildet hat.
40:34   timpritlove
Da, wo wir drauf rumlaufen.
40:35   hans-ulrichschmincke
Da, wo wir drauf rumlaufen, Sedimente gefaltet, metamorphisch /unverständlich/ und so weiter und so weiter.
40:41
Wo hier wir aus dem Fenster hier die Bauern ihre Felder bestellen, ist die Erdkruste
40:49
und die wird natürlich nach unten immer heißer.
40:52
Und ungefähr in der Eifel, so ungefähr 30 Kilometer, hier in Schleswig-Holstein wahrscheinlich ähnlich,
40:59
da kommt dann plötzlich ein Sprung und dann fangen die schweren, dichten Gesteine des Erdmantels an.
41:06
Die bestehen aus Olivin, das ist so typisches Mineral vom Erdmantel und noch ein paar andere.
41:13
Und in der Eifel hat man rausgefunden, die Geophysiker schon vor einigen Jahren, arbeiten jetzt wieder dran,
41:19
ist das keine scharfe Grenze wie in manchen Gebieten, sondern das ist so paar Kilometer dick.
41:27
Und das ist die Schicht, wo sich in der Eifel dann Magmen, wenn sie von unten aufsteigen, sammeln zu einem Reservoir.
41:36
Da drüber folgen jetzt diese 30 Kilometer Erdkruste und manchmal wird es den Magmen da in der Tiefe zu viel
41:44
oder es wird zu viel gefördert von unten und dann können sie aufsteigen.
41:49
Dann bilden sie Risse in der Erdkruste und normalerweise steigen die nicht bis ganz nach oben,
41:54
da reicht dann der Auftrieb nicht, dann bilden sie Magmakammern, das ist ein Problem, an dem wir gerade ganz aktuell arbeiten.
42:01
In Mare in der Eifel, da haben wir Hinweise, dass sich da so in 20 Kilometern Magmakammern gebildet haben.
42:08
Und von da aus kann es dann weitergehen, wenn wieder ein Schwung kommt, mit viel CO2,
42:14
mit vielen magmatischen Gasen, dann kann es zu einer Eruption kommen.
42:20
Also fast alle Magmen, die da von dieser Grenzschicht kommen, kommen nicht direkt an die Erdoberfläche.
42:28
Dazu reicht der Auftrieb nicht und dann bilden sich Magmakammern und in Magmakammern können sich die Magmen wieder verändern,
42:35
können sich mehr Gase ansammeln und die haben dann wieder ihren eigenen Druck
42:39
und können dann die letzte Wegstrecke aufdrücken.
42:44   timpritlove
Mehr oder weniger explosiv.
42:46   hans-ulrichschmincke
Ja, die ersten Explosionen in so einem Vulkan die entstehen dann, wenn dieses heiße Magma,
42:53
Basalte sind die häufigsten Magmen, die haben so 1100-1200 Grad, sind also sehr heiß,
43:03
und wenn die in einen Bereich mit Grundwasser kommen, dann fängt die Explosivität erst richtig an,
43:09
weil bei niedrigen Drucken, also paar hundert Meter unter der Erdoberfläche, wenn das Wasser aufgeheizt wird
43:14
und zu Dampf umgewandelt wird, das ist dann ein Volumenzuwachs vom Faktor 1000.
43:21
Das heißt, plötzlich entsteht da sehr viel Dampf und der übt einen Druck aus und dadurch können dann Teile der allerersten Erdkruste zerbrechen
43:31
und dann kann das Magma dann nachkommen.
43:33
Das finden wir also an vielen Vulkanen in der Eifel.
43:36
Und darum sind wir und meine Studenten versuchen immer, nicht nur ein paar Proben zu nehmen von einem Vulkan,
43:45
sondern zu gucken, wie hat was angefangen und wie hat es geendet.
43:50
Und da sehen wir in vielen Vulkanen, müssen wir buddeln oft, wo sind die untersten Schichten,
43:57
dass da dann Magma mit Wasser reagiert hat, dann findet man viel Nebengestein, also Schiefer oder Sandstein oder was immer
44:06
und dass die Magmabestandteile sind vielleicht abgeschrägt, glasig, das zeigt alles, da war Wasser im Spiel.
44:14
Und das ist jetzt dieses aktuelle Forschungsprojekt von mir, diese Mare, die für die Touristen besonders attraktiv sind in der Westeifel,
44:25
das ist eigentlich der Hauptattraktionspunkt, sind diese Mare.
44:32
Wenn man davor steht, dann wird man beinahe ganz ehrfürchtig, weil da offensichtlich eine große Explosion stattgefunden hat.
44:39   timpritlove
Also Mare, so ein Vulkankrater, in der Regel mit Wasser gefüllt.
44:44   hans-ulrichschmincke
Ja, in manchen trockenen Gegenden ist es auch trocken, aber in Deutschland ist das wassergefüllt.
44:47   timpritlove
Und Maare mit AA.
44:51   hans-ulrichschmincke
Und drum herum hat man dann so einen Kranz von ausgeworfenem Gestein, viel Nebengestein.
44:51
Mit AA.
44:58
Und die wurden die letzten 50 Jahre, auch ich selber habe an einigen gearbeitet,
45:03
im Lacher See ist ein großes Maar, dass da sehr viel Wechselwirkung zwischen Magma und Grundwasser stattfand.
45:11
Und jetzt sind wir dabei, das ist das aktuelle Forschungsprojekt, dass wir sehen im Süden der Westeifel
45:20
waren die speziellen Maaren dort sehr sehr CO2-reich und niedrig viskos
45:25
und da haben wir Hinweise, dass die schon in etwa 20 Kilometern zerrissen sind,
45:32
und zwar bei hohen Temperaturen.
45:35
Dass also nicht das Zusammentreffen von Magma und Wasser diese Krater, diese Maarkrater geschaffen hat,
45:42
sondern wahrscheinlich Gasexplosionen.
45:44
Sie kennen den Spruch, Diamonds are girls best friend.
45:49   timpritlove
Schon mal gehört.
45:51   hans-ulrichschmincke
Schon mal gehört, wo kommen die Diamanten her?
45:54
Die kommen von bestimmten Vulkanen, die nennt man Kimberlit.
45:58
In Südafrika, in Sibirien, in Brasilien, in Kanada.
46:02
Und das sind ein ganz spezieller Typ von Vulkanen.
46:07
Da kommt das Magma aus einer Tief von über 150 Kilometer Tiefe,
46:12
also aus sehr großer Tiefe aus dem Erdmantel.
46:14
Und nach allem, ich habe noch nie an Kimberliten selber gearbeitet, aber gibt es viele Spezialisten,
46:22
sind das Gasvulkane, die durch Kohlendioxid, CO2, das ist ja heutzutage jedermann geläufig das CO2,
46:30
was das für eine Rolle spielt, die werden da durchgebohrt durch den Erdmantel und die Kruste
46:35
und bei den großen Drucken, über 150 Kilometer Tiefe, entstehen Diamanten, das ist ja Kohlenstoff.
46:43
Und da ist dann auch noch die Gasphase dabei, denn auch im Erdmantel gibt es Karbonate.
46:48
Also CO2-reiche Minerale, nennt man Dolomit oder Karbonat oder so.
46:53
Und diese Maare, die wir jetzt bearbeiten, haben im Prinzip insofern Ähnlichkeit mit diesen Kimberliten,
47:01
als sie allerdings nicht von der großen Tiefe, 150 Kilometer, sondern vielleicht 20 Kilometer,
47:07
von da war sehr viel CO2 und hat das Magma zerrissen und ist dann als Jet, als Gasjet an die Oberfläche befördert worden.
47:17
Ich habe in einem Kapitel in dem Buch, was ich gerade über die Eifel neu schreibe, geschrieben,
47:23
es ist nicht so, dass die Orte da, Gillenfeld oder wie die heißen, da jetzt Anziehungspunkt für Diamantenschürfer werden sollen
47:31
und auch De Beers hat noch keine Lizenzen beantragt, um da abzubauen.
47:38
Das sind also keine Magmen direkt aus dem Erdmantel, sondern aus einer Zwischenstation.
47:46   timpritlove
Wieviele Arten von Vulkanen muss man denn dann unterscheiden?
47:50
Weil soviel habe ich jetzt schon gelernt, ein Vulkan ist nicht gleich dem anderen Vulkan.
47:56
Nur weil irgendwo ein bisschen Magma aus der Erde austritt, ist es nicht unbedingt immer derselbe Prozess, der dort stattfindet.
48:02
Sondern die Prozesse, die sich abspielen, hängen davon ab, wo ist es,
48:07
was ist sozusagen überhaupt erst mal der Ursprung des aufsteigenden Magmas auf der einen Seite.
48:12
Auf der anderen Seite, was die geologische Situation an der Stelle, was befindet sich da?
48:16
Ist es da trocken, ist da viel Wasser, so kann man das auf jeden Fall schon mal unterscheiden.
48:22
Wie unterschiedlich sind Vulkane und welche Gruppen muss man da unterscheiden?
48:30   hans-ulrichschmincke
Also wieviele verschiedene Vulkane gibt es.
48:33
Die Basis der Klassifikation ist ja zunächst nach der chemischen Zusammensetzung.
48:39
Und damit zusammenhängend dann noch die Mineralogie und wenn man das ganz grob fasst,
48:47
sind die mit Abstand meisten Vulkane basaltisch.
48:52
Das sind die ganzen Ozeanböden, das sind zwei Drittel unserer Erdoberfläche.
48:57
Ist also eine paar Kilometer mächtige basaltische Schicht aus Gängen und aus untermeerischen Laven.
49:03
Und auch auf Kontinenten, wenn Sie von der Eifel über den Westerwald gehen und Vogelsberg und weiter nach Osten,
49:11
nach Tschechien und in die Lausitz, da sind die allermeisten Vulkane, 95-99 Prozent basaltisch.
49:20
Nur wie sie ausbrechen kann sehr unterschiedlich sein.
49:23
In meinem Doktorarbeitsgebiet waren das Riesenflächen, da ist ein Basaltstrom, der bedeckte eine Fläche größer als Nordrhein-Westfalen.
49:31
Das sind die sogenannten Flutbasalte.
49:35
Die findet man auch nicht nur da in Washington und Oregon und Idaho,
49:41
sondern auch in Südamerika und in Indien, der ganz südliche Teil von Indien ist von solchen Flutbasalten bedeckt.
49:53
Dann gibt es natürlich die explosiven basaltischen Vulkane, wie die Schlackenkegel in der Eifel.
49:59
Das sind entweder Schlackenkegel oder es sind Maare, diese Löcher, die ich eben beschrieben habe.
50:04   timpritlove
Ja.
50:06   hans-ulrichschmincke
So und dann gibt es die, wir sagen, höherdifferenzierten oder fraktionierten Vulkane,
50:15
die mehr Gas haben, meistens mehr Silizium oder mehr Aluminium, weniger Magnesium,
50:21
weniger Eisen und so weiter und so weiter.
50:25
Dazu gehört Laacher See, die nennt man dann Phonolit oder Trachyt.
50:29
Gibt es auch so bisschen im Vogelsberg, aber nicht viel.
50:34
Vesuv zum Beispiel ist zum Teil sehr höherdifferenziert und natürlich die im pazifischen Feuerring
50:43
von Neuseeland über Philippinen und Japan und Aleuten und so weiter,
50:48
Kanada, USA bis Mittelamerika und Südamerika.
50:53
Das sind explosive Vulkane, da gibt es Namen wie Andesit, ist da ein häufiges Gestein,
50:59
kommt natürlich von den Anden.
51:02
Das ist so zwischen Mylonit und Basalt, die sind noch nicht so ganz entwickelt, hochentwickelt,
51:10
also viele dieser berühmten Vulkane in Chile oder in Peru oder Ecuador oder …
51:17   timpritlove
Jetzt muss ich mal eine Erkenntnis reinwerfen, die für Sie wahrscheinlich vollkommen selbstverständlich ist,
51:21
aber wo ich vorhin erst mal so ein bisschen meinen Kopf so drum herum legen musste.
51:26
Sie klassifizieren die Vulkane nach den Gesteinen, die dort entstehen, die dort sozusagen auftreten
51:33
und mit diesem Vulkan geboren werden.
51:38   hans-ulrichschmincke
Ja, das ist deshalb richtig, und das ist wiederum mein aktuelles Forschungsprojekt,
51:43
dass die Eigenschaften eines Magmas, seine chemischen Eigenschaften, seine Flüssigkeit,
51:50
seine Viskosität, wie wir sagen, sein Gasgehalt, die bestimmen im Wesentlichen auch das Eruptionsverhalten.
51:58
Und darum ist das für uns die primäre Sache.
52:00
Das andere, ob Sie nun Stratovulkane sagen oder so und so, ist eher sekundär.
52:08   timpritlove
Also wie der aufgebaut ist meinen Sie?
52:09   hans-ulrichschmincke
Wie der aufgebaut ist.
52:10
Zum Beispiel kann ich in der Eifel, das ist auch neu, das sehr viel von den Schlackenkegeln in der Westeifel und Osteifel sind ganz unterschiedlich.
52:21
Einige haben viele viele kleine hochexplosive ausgebrochen und wenn ich mir angucke,
52:28
die haben eine andere Zusammensetzung.
52:29
Das ist auch das, was auch ich in der Vergangenheit so pauschal Schlackenkegel genannt habe,
52:35
teile ich jetzt in zwei Gruppen unter, weil die Produkte sind so unterschiedlich.
52:39
Und wenn ich mir da die Chemie angucken, aha deshalb.
52:44
Weil das war so dünnflüssiges Magma und so viel Gas, die sind anders ausgebrochen.
52:50   timpritlove
Ich sehe schon, also Ihr Blick auf den Vulkan ist eigentlich viel mehr, das ist so eine Art Gesteinsfabrik.
52:57   hans-ulrichschmincke
Ja.
52:57   timpritlove
Das ist einfach so der Ort, wo einfach spezielle Gesteinsverbindungen entstehen,
53:02
weil es eben der vulkanische Prozess primär ist, der letzten Endes den Erdmantel mit all diesen unterschiedlichen Ausprägungen versorgt.
53:12
Und was an einem Vulkan entsteht, ist die Gesamtmischung aus allem, was da zusammengekommen ist
53:22
und unter welchen Bedingungen es zusammengekommen ist.
53:25   hans-ulrichschmincke
Muss ich ein bisschen ergänzen und modifizieren.
53:29
Es ist so, die Erdplatten bestehen aus zwei Teilen, wie gesagt, ob der Schaum der Erde die Erdkruste,
53:37
die in der Eifel 30 Kilometer dick ist und hier in Schleswig-Holstein auch so ähnlich,
53:43
und dann kommt eine oberste Schicht vom Mantel, die ist in der Eifel 50-100 Kilometer dick
53:50
und die ist mit der Erdkruste verschweißt und das sind die Platten.
53:56
Und das geht selbst bei Geologen manchmal durcheinander, wenn ich es lese.
53:59
Also die Platten bestehen, hat nichts zu tun mit der Erdkruste, die Erdkruste ist nur wie auf einem Kuchen das Frosting oben drauf,
54:07
die ist aber mechanisch gekoppelt mit der obersten Schicht vom Mantel.
54:13
Und man nennt diese Erdkruste plus diesen Mantel zusammen auch Lithosphäre,
54:19
Lithos ist der Stein, die Gesteinsschicht.
54:23
So und da drunter folgt, das nennt man dann Asthenosphäre, der mehr primitivere Mantel.
54:28
So, wenn jetzt, und das kann man sich als Laie gut vorstellen, im Laufe der Erdgeschichte wird in den tieferen Teilen des Erdmantels,
54:39
also in der sogenannten Asthenosphäre, wenn das langsam aufsteigt, entsteht Schmelze, das Magma.
54:47
Und die steigt auf, aber hat manchmal nicht die Kraft, bis zur Moho, bis zur Kruste aufzusteigen,
54:53
sondern bleibt in der Lithosphäre stecken.
54:57
Ich nenne das die Kompostschicht des Mantels, nur ganz privater Ausdruck.
55:02
Weil im Laufe der Zeit immer Magma aufsteigt und stecken bleibt.
55:07
Ich habe das mal gesehen in Neufundland in Kanada, da ist schon ein Stück Erdmantel hochgehoben,
55:12
da kann man diese Gänge sehen, aber sonst ist nur Olivin, sonst ist nur normaler Erdmantel.
55:18
So und jetzt kommt wieder so ein, wie gesagt, Plum, so heißer langsamer Strom aus Kristall,
55:27
aus größeren Erdtiefen, ist heiß und trifft dann an diese Kompostschicht,
55:33
das ist jetzt also ein Ausdruck, den ich jetzt zum ersten Mal in einer Auflage benutze,
55:39
ich glaube, den hat niemand benutzt.
55:40   timpritlove
Gibt es hier ganz exklusiv vorab.
55:42   hans-ulrichschmincke
Ganz exklusiv.
55:43
Aber ich glaube, er ist verständlich für einen Laien.
55:45   timpritlove
Absolut.
55:46   hans-ulrichschmincke
Und jetzt wird das aufgeschmolzen.
55:48
Und was schmilzt als erstes?
55:48
Das sind die Gänge, nicht die Olivine, nicht das alte Mantelgestein.
55:53
Da braucht mehr Temperaturen, sondern diese Gänge schmelzen zuerst.
55:59
So und diese Gänge, die vielleicht, was weiß ich, 50 Millionen Jahre alt oder 100 oder 300 Millionen Jahre alt sind die da drin,
56:08
die werden jetzt wieder bisschen aufgeschmolzen.
56:12
Das heißt, das Magma, was dann an der Moho, an der Grenze zwischen Erdkruste und Erdmantel kommt,
56:17
das kommt zum Teil aus größeren Pristinen, ursprünglichen und dann aus dieser Kompostschicht.
56:25
Und die Geochemiker, ganz spezielle Arbeitsmethoden, die Isotopen-Geochemiker,
56:33
die können, wenn sie jetzt so ein Stück Basalt haben und versuchen da Strontium und Neodym und Blei und so weiter,
56:39
Isotopen zu messen, sie sind ja unterschiedlich, jedes Element hat verschiedene Isotopen.
56:47
Dann können Sie rauskriegen, okay, das kommt wahrscheinlich aus der Lithosphäre,
56:50
das hat da schon lange Zeit gesessen, vielleicht schon seit dem Paläozoikum und ist jetzt wieder aufgeschmolzen.
56:57
So, das, was wir hier gerade, ich komme jetzt wieder auf das aktuelle Forschungsprojekt zurück,
57:04
die Maare, die wir untersuchen, von denen wir annehmen, dass sie durch magmatische Gase entstanden sind,
57:11
die sind wahrscheinlich aus dieser Lithosphäre, die sind, wir sagen, hoch angereichert.
57:14
Und dann direkt südlich davon, ganz am jüngsten Zipfel der Westeifel Vulkanfeldes,
57:20
da sind ein paar Vulkane, die sind ganz anders und die kommen wahrscheinlich aus größeren Tiefen,
57:27
haben eine höhere Viskosität, die haben Schlacken gebildet, haben keine Maare gebildet,
57:32
so dass ich annehme, dass dieser Forschungsansatz jetzt ist eigentlich ganz speziell da drauf,
57:38
die Eruptionsmechanismen der Vulkane ganz stark mit ihrer chemischen Zusammensetzung zu erklären.
57:46
In der Osteifel, da östlich vom Laacher See, Neuwieder Becken, das sind alles sogenannte Basanite,
57:54
die sind relativ viskos, da gibt es auch keine Maare in der Osteifel,
57:58
die gibt es nur in der Westeifel, wo diese speziellen Magmen vorkommen.
58:03
Also man unterscheidet im Erdmantel diese zwei Schichten mindestens.
58:09
Das immer neu heißere aufsteigende Material in diesen Plums und dann treffen die auf die,
58:19
wie ich es jetzt locker benannt habe, Kompostschicht, wo die alten Gänge drinstecken
58:24
und das wird aufgeschmolzen, weil das heißer ist das aufsteigende Material.
58:30
Dann können Magmen entstehen und die steigen dann normalerweise nur bis zur Moho,
58:37
das ist die Grenze zwischen Kruste und Mantel.
58:42
Wobei man nicht immer im Auge behalten muss, dass da eine Grenze ist, die man seismisch sehr gut untersuchen kann,
58:52
weil die Geschwindigkeiten sind hoch im Mantel und wenn Erdbebenwellen durch die Erde laufen,
58:59
dann sind die ganz anders im Erdmantel als in der Erdkruste, so hat man die Moho ja definiert.
59:05
Und die Magmen, die sich dann in dieser Sammelschicht entlang der Moho,
59:09
die wie gesagt in der Eifel mehrere Kilometer dick ist, sammelt, ist eine Mischung von Magmen aus der Kompostschicht und Magmen aus der Tiefe.
59:19
Und das ist jetzt unser Job, an der Chemie und Mineralogie und so weiter rauszukriegen,
59:24
aus welchen Bereich kommen die?
59:27
Und wenn wir jetzt auch gleichzeitig vulkanologisch arbeiten, das heißt, uns die Gesteine angucken,
59:32
wie explosiv war das, wie sind die geschichtet, war daneben Gestein und so weiter und so weiter,
59:37
sind das Schlacken, dann können wir eins und eins zusammenzählen,
59:42
dann merken wir plötzlich, dass einige Vulkane haben sich ganz anders entwickelt als andere.
59:51
Und wenn wir die dann chemisch analysieren, dann merken wir, das liegt an den unterschiedlichen Magmen,
59:57
unterschiedliche Viskosität, unterschiedlicher Gasgehalt, weniger Silizium und Aluminium,
1:00:06
das sind Elemente, die machen ein Magma sehr zähflüssig, Silizium und Aluminium.
1:00:13   timpritlove
Das heißt, wenn ich mir jetzt mal so Ihren Forschungsalltag vorstelle, nehmen wir jetzt mal an,
1:00:20
es gibt jetzt irgendwo einen komplett neuen Vulkanausbruch irgendwo.
1:00:26
Also ich weiß nicht, es gibt wahrscheinlich keine Orte wirklich, wo man nicht schon längst damit gerechnet hat,
1:00:31
wo es schon mal irgendwelche gab so, aber wenn man jetzt vielleicht mal so einen neuen Ausbruch hat
1:00:37
und dann dort anreist und sich irgendwie das ganze Geschehen anschaut.
1:00:41
Ich weiß nicht, aber Sie das mal so aktiv gemacht, jetzt wirklich an einem frischen Vulkan?
1:00:46
Ich glaube so, Ihr Fokus war immer eher, die Orte zu untersuchen, wo im Prinzip das Geschehen schon eine Weile vorbei ist,
1:00:56
aber das dann wirklich von A bis Z aufzuarbeiten oder haben Sie auch mal so direkt am blubbernden Vulkan geforscht?
1:01:04   hans-ulrichschmincke
Ja, habe ich.
1:01:07
69/70 sagte mir ein Studienkollege, der war dann einer der Geologen am Hawaiian Volcano Observatory,
1:01:17
das ist das größte und bekannteste Vulkanobservatorium auf der Welt,
1:01:21
die sitzen auf dem Kilauea-Vulkan und haben da viele klassische Untersuchungen gemacht über die Jahrzehnte.
1:01:28
Auch gerade in den letzten Jahren war es da ja sehr aktiv.
1:01:32
Und der hat gesagt, Hans, wenn du mal einen aktiven Vulkan sehen willst, Ausbrüche, dann komm jetzt.
1:01:40
Ich hatte gerade in Bochum angefangen und habe mich dann ein halbes Jahr beurlauben lassen,
1:01:47
kriegte dann ein Stipendium oder eine Reisebeihilfe, mein Gehalt wurde um die Hälfte gekürzt
1:01:53
und dann habe ich in der Tat viele sehr dramatische Eruptionen beobachten und mit messen können.
1:02:03
Das heißt, die Vorhersage von dem Kollegen war genau richtig.
1:02:08
Er hat gesagt, der Vulkan ist angeschwollen.
1:02:12   timpritlove
Welcher war das?
1:02:14   hans-ulrichschmincke
Kilauea-Vulkan, das ist der aktivste Vulkan auf Hawaii, der Insel Hawaii.
1:02:21
Und die hatten das erste Laser-Geodimeter, Messgerät überhaupt.
1:02:27
Man hat einen Laser und die Laserstrahlen werden rausgeschickt und in zwei-drei Kilometern Tiefe ist ein Spiegel
1:02:33
und da werden die Strahlen zurückgeschickt und aus der Zeitverzögerung kann man die Entfernung.
1:02:38
Und wenn man das alle drei Tage macht, dann kann man messen, ob sich die Strecke vergrößert,
1:02:43
ob der Bauch anschwillt oder ob er in sich zusammensackt.
1:02:48
Das war also damals eine ganz heiße, ganz moderne Methode.
1:02:51   timpritlove
So ein Distanzmesser im Prinzip, wie man ihn heute auch im Baumarkt kriegt, aber halt in dick und fest und ganz neu.
1:02:55   hans-ulrichschmincke
Damals war das brand new, das war ganz neu und hat mich auch sehr beeindruckt.
1:03:03
Und jedenfalls war seine Vorhersage auf den Punkt richtig und darum habe ich die Entwicklung eines neuen Vulkans da im großen Detail beobachten können.
1:03:16   timpritlove
War das dann auch der erste Vulkan, den Sie wirklich aktiv selber haben ausbrechen sehen?
1:03:20   hans-ulrichschmincke
Aber sicher, sicher.
1:03:22   timpritlove
Ja okay.
1:03:23   hans-ulrichschmincke
Darum bin ich ja auch gleich darauf angesprungen, hic rhodus hic salta sozusagen.
1:03:27   timpritlove
Also hätte ja sein können, dass Sie schon mal einen gesehen haben, aber eben nicht gleich parallel dazu aktiv beforscht haben.
1:03:32   hans-ulrichschmincke
Nein, hatte ich nicht.
1:03:34   timpritlove
Aber jetzt kam sozusagen beides gleich zusammen.
1:03:37   hans-ulrichschmincke
Ja, in meinem Arbeitsgebiet, meinem Doktorarbeitsgebiet, die waren so 8-10 Millionen Jahre alt, diese riesigen Lavaströme.
1:03:47
Und ich habe große Lavafontänen, die bis 300 Meter hoch waren, habe ich beobachtet, war so einen Kilometer weg
1:03:54
und dann fielen nachher die obersten Schlacke zurück auf unsere Helme.
1:04:00
Ich war mit einem Studenten, der Nationalparkservice hat uns immer mit dem Walkie-Talkie,
1:04:05
ihr müsst da weg, ihr müsst da weg, aber wir waren so fasziniert.
1:04:09
Wir sind dann weg von diesem kleinen Hügel im Dschungel und dann, als wir weg waren, halbe Stunde später,
1:04:16
war das Gebiet mit einem Meter heißer Schlacke bedeckt, da sind wir also rechtzeitig weg.
1:04:24
Ja und dann die Lavaströme zu beobachten und bis zu einem beinahe Unfall nach dieser großen Eruption,
1:04:33
die den ganzen Tag gedauert hat mit riesigen Lavaströmen und Lavafontänen,
1:04:37
sind wir am nächsten Morgen hin, bin ich mit dem Kollegen hin, um Messungen zu machen
1:04:47
und war ein dünner Lavastrom, der hatte schon eine graue Haut, der war schon bisschen abgekühlt.
1:04:52
Der war nicht sehr tief, vielleicht halben Meter oder so und dann sind wir drüber gegangen
1:04:56
und plötzlich haben wir gemerkt, das bewegt sich noch.
1:05:02
Jetzt war die Frage, zurücklaufen oder drüben bis ans rettende Ufer
1:05:06
und dann sind wir ganz vorsichtig, um nicht zu fallen, sonst wären unsere Hände,
1:05:12
da sind 1000 Grad heiß, sind wir drüber, ich kannte das, ich habe ja mal ein halbes Jahr im Stahlwerk gearbeitet,
1:05:19
daher kannte ich diese heißen Temperaturen.
1:05:21
Und auf der anderen Seite, wir hatten immer unsere Khakihosen und Schuhe, die Hosenbeine waren Zunder,
1:05:33
einfach durch die Strahlungshitze von dem Dings und auch die Sohlen waren kaputt von den Schuhen.
1:05:39   timpritlove
Wieviele Meter mussten Sie da jetzt überbrücken?
1:05:42   hans-ulrichschmincke
Vielleicht so zehn Meter oder so, waren keine riesigen.
1:05:45   timpritlove
Wie weit waren Sie schon, bis Sie gemerkt haben, dass es zu heiß ist?
1:05:48   hans-ulrichschmincke
Es war ungefähr Halbe Halbe, so zehn und zehn Meter.
1:05:54
Naja, Vulkanologen sind normal sehr vorsichtige Leute.
1:05:59
Sie müssen natürlich, das sind ja keine Abenteurer, und die Leute, die Sie manchmal sehen im Fernsehen mit den Aluminiummänteln,
1:06:09
das ist immer nur für das Fernsehen.
1:06:12
Die Leute in der Vulkanologie die hatten auch mal so Aluminiummäntel, die haben sie der Feuerwehr geschenkt.
1:06:19
Weil in diesem Aluminium kann man nicht arbeiten und auch mit Gasmasken kann man nicht arbeiten.
1:06:25
Gasmasken sind was schreckliches.
1:06:27
Mir hat immer gereicht ein Taschentuch gegen das Schwefel.
1:06:32
Schwefel ist, das war auch in La Palma ein Problem, die waren sehr schwefelreich die Eruptionen,
1:06:38
jetzt im vergangenen halben Jahr.
1:06:41
Das ist ein unangenehmes Problem.
1:06:43
Wenn man direkt vor Ort arbeitet an einem Krater, dann kann man schon eine Gasmaske benutzen,
1:06:48
aber wenn man viel rumläuft und Proben sammelt und Messungen, dann sind Gasmasken sehr hinderlich
1:06:55
und Aluminiummäntel im Normalfall sowieso.
1:06:58
Das ist also meistens for Show, was man sieht.
1:07:02   timpritlove
Wie sind Sie denn jetzt über den Lavastrom rübergekommen?
1:07:04   hans-ulrichschmincke
Vorsichtig.
1:07:06   timpritlove
Aber dann einfach weitergelaufen?
1:07:06   hans-ulrichschmincke
Ja und danach da war das Ende von dem Frischen.
1:07:09
Da waren also viele Lavaströme vom vergangenen Tag und auf der anderen Seite, der war aber nicht so groß,
1:07:16
der hat dann irgendwo aufgehört, dann sind wir halt drumrum gegangen natürlich.
1:07:21   timpritlove
Okay, ich sehe schon, Sie sehen das alles ganz cool.
1:07:23   hans-ulrichschmincke
Ja, es passiert auch selten was.
1:07:25
Einmal ist ein Student mit dem Fuß in so eine fließende Lava gekommen,
1:07:30
der war dann ein paar Wochen im Krankenhaus, aber die Leute sind alle sehr vorsichtig.
1:07:37   timpritlove
Ich war ja gerade in La Palma und ich habe mir die Überbleibsel des letzten Ausbruchs am Cumbre Vieja angeschaut.
1:07:49
Mein erster Kontakt, muss ich sagen, mit etwas, was noch so frisch und auch noch warm war.
1:07:54
Also es war jetzt nicht heiß, aber es war, wenn man drüber gelaufen ist, über dieses Lavalfeld,
1:08:00
hat man nach ein paar Metern schon gemerkt, so da ist was drunter, da ist irgendwie eine ganze Menge an Wärme am Start.
1:08:09
Und alles war, es war irgendwie ein irres Gefühl, weil es klirrt alles, als würde man über Glas laufen.
1:08:19
Man hat ja irgendwie mehr so das Gefühl, ja das ist ja alles Stein, was da rauskommt, scharfkantig.
1:08:23   hans-ulrichschmincke
Und noch viel Schwefel wahrscheinlich in der Luft.
1:08:25   timpritlove
Habe ich jetzt nicht so gerochen, also vom Geruch her war ich jetzt nicht alarmiert.
1:08:36
Aber was mir dann die Leute alle gesagt haben, die den Ausbruch jetzt auch wirklich miterlebt haben,
1:08:41
teilweise auch viel Glück gehabt haben, weil der Lavastrom so direkt neben ihrem Haus lang gezogen ist,
1:08:47
dass es halt ein unfassbarer Lärm gewesen wäre, 24 Stunden am Tag, als würde man direkt neben so einem Flughafen,
1:08:57
wo die ganze Zeit Flugzeuge.
1:08:59   hans-ulrichschmincke
Das Röhren in den Schloten, ja.
1:08:59   timpritlove
Ich kann das nicht beschreiben, also es machte auf mich auch so den Eindruck,
1:09:04
dass man es nicht beschreiben kann, aber wie war es denn in Hawaii in dem Moment?
1:09:09
Mit was für Geräuschen geht denn das einher?
1:09:12
Weil die Bilder kennt man, aber mit den Geräuschen eines Vulkans,
1:09:16
das ist genauso, als wenn man sich so ein Video anschaut, wie eine Rakete startet,
1:09:21
das kann man sich dann irgendwie akustisch auch nicht vorstellen.
1:09:23   hans-ulrichschmincke
Es ist praktisch das gleiche Geräusch wie ein großer Jet.
1:09:28
Wenn ein großes Flugzeug startet, da werden ja auch die Gase mit großer Geschwindigkeit rausgezischt,
1:09:37
rausgedrückt, ich weiß nicht, wie man das beschreiben soll.
1:09:40
Denn es ist ja ein Strom von Gas mit Partikeln,
1:09:44
die jetzt mit großer Geschwindigkeit durch eine Öffnung von vielleicht 50 Metern, nicht viel mehr, durchgeschossen wird.
1:09:56
Und der Auftrieb kommt von den Gasen, was ich vorhin versucht habe zu erklären mit der Eifel, mit den Vulkanen.
1:10:06
Es gibt ja verschiedene Gase.
1:10:08
Die drei bekanntesten, CO2, H2O und Schwefel.
1:10:15
CO2, Kohlendioxid, ist am wenigsten löslich.
1:10:19
Also was zuerst auch am berühmten Kīlauea-Lava-See,
1:10:23
das ist so der zentrale Lavasee da am Kīlauea.
1:10:27
Das erste Gas, was rauskommt, ist immer CO2, Kohlendioxid.
1:10:34
Und dann, wenn Lava oder Magma ein paar hundert Meter unter der Erdoberfläche,
1:10:40
das ist so typisch in Hawaii, lateral wandert, innerhalb von Gängen
1:10:47
und dann ausbricht an irgendeiner Stelle, wie die meisten Vulkane am Kilauea, dann ist CO2 zum Teil schon weg,
1:10:55
das geht durch das Zentrum weg und dann ist das Hauptgas H2O.
1:11:01
So und dann ist es interessant, wenn man so einen Lavastrom, Kilauea, der braucht ungefähr 10 Kilometer bis zum Pazifik
1:11:10
und manchmal gibt es Fenster, das ist eingebrochen, da kann man sehen, da fließt der Lavastrom unterirdisch,
1:11:17
so ein, zwei Meter da drunter.
1:11:20
Und wenn man da misst, dann hat man meistens Schwefel.
1:11:24
Und wenn der Lavastrom nach 10 Kilometern am Pazifik ist, dann ist auch Schwefel weg.
1:11:28
Das heißt, diese verschiedenen Gasspezies, CO2, H2O und Schwefel, die haben unterschiedliche Löslichkeiten.
1:11:37
Am wenigsten löslich ist CO2, darum ist das auch, nicht umsonst gibt es viele Sprudelfirmen in der Eifel.
1:11:44   timpritlove
Mineralwasser.
1:11:47   hans-ulrichschmincke
Mineralwasser. Und zum Teil ist das natürliches CO2, was da bis zur Erdoberfläche kommt
1:11:57
und Säuerlinge macht, so Sauerquellen und so.
1:12:01
Das heißt, ein Teil der Magmen, die jetzt an der Moho, was ich vorhin beschrieben habe,
1:12:06
zwischengelagert werden, die können da schon ihr Gas loswerden.
1:12:11
Und da gibt es in der Eifel auch große Verwerfungen, also die Kruste ist nicht so homogen,
1:12:18
die ist nicht nur geschichtet, sondern da sind auch große Verwerfungen drin.
1:12:22
Und so ein Gas ist ja nicht blöd, das versucht natürlich da aufzusteigen, wo so tektonische Verwerfungen sind.
1:12:28
Und an diesen großen Verwerfungen da findet man dann oft so vor allem CO2 und auch Vulkaneruptionen.
1:12:38
So wie unser Projekt, was wir gerade anfangen, da ist auch eine große Verwertung in der Gegend.
1:12:44   timpritlove
Okay und das heißt vor allem, dass der Wasserdampf drückt jetzt quasi mit dem Magma aus diesem überschaubaren Krater raus
1:12:55
und das erzeugt diesen Lärm?
1:12:59   hans-ulrichschmincke
Ich weiß nicht, soweit ich gehört habe, waren die Zusammensetzungen in La Palma, jetzt im vergangenen Jahr die Eruption,
1:13:08
relativ schwefelreich.
1:13:12   timpritlove
Okay, gut, also welche Gase auch immer es in dem Moment sind, aber das ist sozusagen der Effekt,
1:13:17
der letzten Endes diesen Lärm erzeugt, zusätzlich mit den ganzen…
1:13:20   hans-ulrichschmincke
Wenn Sie einen Wasserkessel haben mit einer Pfeife oben drauf und dann kriegen Sie genug Dampf.
1:13:26   timpritlove
Das heißt, ich muss mir das jetzt wirklich so vorstellen, als würde man wirklich direkt neben einem Flugzeug stehen?
1:13:29   hans-ulrichschmincke
Ja.
1:13:30   timpritlove
So laut die ganze Zeit?
1:13:33   hans-ulrichschmincke
Ja.
1:13:34   timpritlove
So, dass man sich gar nicht unterhalten kann?
1:13:35   hans-ulrichschmincke
Also im Prinzip der Wasserkessel.
1:13:38   timpritlove
Ja, da steht man auch nicht so gerne die ganze Zeit daneben.
1:13:40   hans-ulrichschmincke
Der altertümliche, der noch pfeift.
1:13:41
Haben wir gar nicht mehr.
1:13:44   timpritlove
Ich habe so was noch.
1:13:44   hans-ulrichschmincke
Sie kennen es noch?
1:13:44   timpritlove
Ja, Milchtopf.
1:13:48   hans-ulrichschmincke
Also es ist das gleiche physikalische Prinzip.
1:13:50   timpritlove
Wie ging es Ihnen denn dann?
1:13:51
Also ich meine, das ist doch irgendwie ein monumentales Ereignis, wenn man so was das erste Mal irgendwie so,
1:13:58
also man nähert sich dem ja aus der Ferne, da muss man das ja schon über Kilometer grollen hören oder nicht?
1:14:04   hans-ulrichschmincke
Ja, natürlich.
1:14:06
Und das zusammen mit dem Optischen.
1:14:11
Also diese vier, fünf Stunden, die ich da mit dem einen Kollegen verbracht habe, auf diesem alten kleinen Schlackenkegel im Dschungel
1:14:19
und das andere Gebiet hatte ich schon Wochen vorher immer wieder besucht und Messungen gemacht und so weiter,
1:14:24
und da kam nur die Lava an der einen Stelle raus, floss ein bisschen und da war ein Loch 50 Meter weiter und verschwand wieder.
1:14:32
Und dann waren die Messungen mit dem Lasergerät waren dann so, dass wir wussten,
1:14:39
der Vulkan ist angeschwollen und man dann heutzutage schon Vulkaneruptionen relativ gut vorhersagen.
1:14:48
Man weiß ja, wann das Dach nachgibt, das sind Erfahrungswerte.
1:14:56   timpritlove
Also wenn man zumindest einen Krater schon hat, den man beobachten kann.
1:14:59   hans-ulrichschmincke
Muss kein Krater sein.
1:15:00   timpritlove
Aber in La Palma da wusste man es ja nicht, dass der Ausbruch bevorsteht so richtig oder?
1:15:08   hans-ulrichschmincke
Also die 49er Eruption, die wir ja nun sehr genau bearbeitet haben, da war ein Krater,
1:15:15
der war direkt neben dem jetzigen und dann waren noch zwei oben auf der Cumbre, auf dem Gipfel.
1:15:24
Das eine war eine Eruption Magma und Wasser und das andere war eine normale heiße Eruption.
1:15:32
Ein Lavastrom ist auf die andere Seite geflossen, in den Atlantik.
1:15:37
Also da waren drei Stellen.
1:15:39
Dieser Vulkan hat nur im Prinzip eine Stelle gehabt, da am Fuße der Cumbre Vieja.
1:15:48
Aber ganz daneben und der Lavastrom vom 49er, den wir bearbeitet haben, der auch ein Delta gebildet hat,
1:15:54
der ist ja direkt daneben, in Karten, wenn man sieht, wo der neue ist, der ist direkt neben dem.
1:16:03
Das heißt, das ist jetzt wieder das Problem, wie lang hält das Gedächtnis bei den Menschen an,
1:16:11
wenn einem Gebiet, wo es sogenannte Naturereignisse, die manchmal Naturkatastrophen genannt werden, sind.
1:16:20
Das kennt man sehr gut aus den USA, weil dort die Bevölkerung in den kleinen Städten sehr mobil ist.
1:16:27
Eine mittlere Stadt, 30.000 Leute, die wechselt einmal in, weiß nicht, 50 Jahren, die sind sehr mobil.
1:16:34
Und es gibt Bereiche in Oregon und Kalifornien, wo Leute ihre Häuser an den Steilküsten bauen.
1:16:41
Und nach zwei Jahren, nach einem großen Sturm, fallen die meisten Häuser wieder ins Wasser.
1:16:47
Das heißt, das Gedächtnis der Leute, was Naturereignisse oder sogenannte Naturgefahren betrifft, ist sehr kurz.
1:16:56
Und das jetzt auf La Palma übertragen.
1:17:00
Die 49er Eruption war ja nicht die erste.
1:17:02
Es gibt ja nun seit die Spanier oder ihre Vorfahren da im 14. Jahrhundert auf La Palma kam,
1:17:11
hat man ja ein halbes Dutzend Eruption, die sind auch kartiert und so.
1:17:17
Das heißt, die Leute dort wissen, alle paar Dekaden im Mittel, weiß nicht, 50 oder 60 Jahren bricht da ein Vulkan aus.
1:17:26
Wenn ich Versicherungsmakler wäre, ich weiß nicht, wie die Leute mit ihren Häusern da versichert waren,
1:17:33
wenn ich Versicherungsmakler wäre und geologisch, vulkanologisch fit, dann würde ich sagen,
1:17:39
hier das war 1949 und da waren die anderen, in einem Umkreis von so vielen Quadratkilometern müsst ihr das vierfache bezahlen an Hausversicherung.
1:17:50
Denn innerhalb von einem halben Jahrhundert wird hier wieder ein Lavastrom langließen.
1:17:58
Die Menschen denken aber nicht so weit, die denken kurzfristiger.
1:18:04
Nicht hier auf dem Land in Schleswig-Holstein, hier ist ein …
1:18:08   timpritlove
Gibt es nicht so viele Vulkane.
1:18:10   hans-ulrichschmincke
Da gibt es nicht so viele Vulkane.
1:18:11   timpritlove
Also versichert waren tatsächlich nicht so viele auf La Palma.
1:18:14
Wie ich gehört habe, hat der Staat dann kurzfristig den Leuten noch die Möglichkeit gegeben,
1:18:19
abgesichert durch den Staat, noch eine Versicherung abzuschließen, die dann greift,
1:18:25
wenn ihr Haus und Hof nicht innerhalb der nächsten sieben Tage betroffen ist.
1:18:30
Also man konnte sich dann sozusagen noch retten.
1:18:33
Wieviele das dann getan haben, darüber habe ich keine Erkenntnis,
1:18:36
aber das war dann so bisschen die Notlösung, die man dort gefunden hat.
1:18:39   hans-ulrichschmincke
Ja, also wenn ich über Vulkangefahren in der Eifel spreche, als ich anfing 1970, da hieß es,
1:18:48
der Vulkanismus ist erloschen.
1:18:51
Und ein paar Jahre später, ich weiß nicht, 1976 hat der damalige Präsident der DFG,
1:18:57
Deutschen Forschungsgemeinschaft, ein Geologe, ein Buch geschrieben über Naturgefahren
1:19:02
und da steht der klassische Satz drin, zum Glück ist der Vulkanismus in der Eifel erloschen.
1:19:08
Das war schon damals absoluter Unsinn, denn man wusste vorher die Laacher See Eruption, eine sehr große Eruption,
1:19:18
war nicht die letzte, Ulmen in /unverständlich/ ist noch jünger, ist 11.000 Jahre alt.
1:19:24
Und die ersten Datierungen /unverständlich/, der Erfinder der C14 Datierungsmethoden gemacht hat,
1:19:28
das erste Holz war vom Laacher See.
1:19:34
So 11.000 Jahre ist keine Zeit.
1:19:37
Und wir in der Vulkanologie sagen, alle Eruptionen aller Vulkane, die noch nach der letzten Eiszeit ausgebrochen sind,
1:19:48
also in den letzten 15.000 Jahren, die gelten definitionsgemäß als aktiv.
1:19:55
Das heißt, der Laacher See Vulkan ist aktiv formal und Ulmen ist auch aktiv.
1:20:03
So, ich habe also seit 1970 auch schon da in den Veröffentlichungen den Leuten gesagt,
1:20:10
ihr müsst keine Angst haben, die Grundstückspreise müssen nicht fallen, hier rings um den Laacher See oder sonst wo,
1:20:16
aber ihr müsst wissen, es kann jederzeit wieder ein neuer Vulkan ausbrechen und das wird es auch.
1:20:24
Nur kann ich nicht sagen, niemand kann das sagen, ob das in 5.000 Jahren ist oder in 10.000.
1:20:30
Und in dem Gebiet, wo ich jetzt arbeite, da ist der Unterschied zwischen Vulkanaltern 5000-7000 Jahre, das ist keine Zahl.
1:20:42
Wenn wir die Klimakatastrophe überleben, dann sind ein paar tausend Jahre, das ist ein bisschen länger als La Palma,
1:20:51
La Palma ist ein hochaktives Gebiet, aber in der Eifel kann auch jederzeit ein neuer Vulkan ausbrechen,
1:21:00
nur müssen die Leute keine Angst haben und die müssen ihre Grundstücke nicht verkaufen.
1:21:09   timpritlove
Also die Eifel hat es zwar noch vor sich, aber man muss jetzt nicht gleich in Panik ausbrechen, so deute ich das jetzt mal.
1:21:15
Wir wollen ja den Leuten aus der Eifel ja jetzt nicht Angst machen.
1:21:17   hans-ulrichschmincke
Sie können da durchaus Urlaub machen oder ein Grundstück kaufen oder was auch immer.
1:21:23   timpritlove
Ich würde noch mal gerne auf die Forschung vor Ort kommen.
1:21:25
Und vielleicht bleiben wir bei diesem Hawaii Beispiel, weil das ja so ein gutes Timing war.
1:21:30
Abgesehen von diesen Laserdistanzmessungen, die gemacht wurden und die ja letzten Endes die Basis der Aussage war…
1:21:37   hans-ulrichschmincke
Der Vorhersage, ja.
1:21:38   timpritlove
…hier geht es bald los, genau, das war so die Vorhersage.
1:21:43
Was haben Sie sich denn dann angeschaut?
1:21:46
Also was genau macht man denn dann da?
1:21:50
Ich meine, da ist ein riesiges Gebiet, das ist ein Höllenlärm, Lava strömt durch die Gegend,
1:21:55
man muss aufpassen, dass man sich nicht mal eben seinen Fuß abbrüht.
1:22:02
Was sind die Dinge, die Sie dann einfangen wollen?
1:22:05
Was wird gemessen?
1:22:07
Worauf stürzt man sich da und wie plant man das?
1:22:10   hans-ulrichschmincke
Ja, also in dem Augenblick, was man macht, abgesehen davon, dass man ganz tief beeindruckt ist,
1:22:17
fotografiert man und ich habe ja dann auch zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben mir einen Kodak-Filmgerät geliehen da
1:22:27
und einen Film, ich weiß nicht, 10 Millimeter, glaube ich, und das war nachher die Basis,
1:22:33
weil mein Gehalt ja gekürzt war in Bochum.
1:22:38   timpritlove
In welchem Jahr war das jetzt dieser Ausbruch?
1:22:39   hans-ulrichschmincke
1970.
1:22:41   timpritlove
70.
1:22:41   hans-ulrichschmincke
Dass ich den an das WDR verkauft habe, die fanden den so toll und dadurch einen Teil von dem Verlust dadurch ausgeglichen habe.
1:22:51
Also das ist das eine und auch viele 6x6 Fotos, ich hatte noch meine Rollei Damals.
1:22:58   timpritlove
Okay, aber das war ja jetzt eher die Wissenschaftsfinanzierung, noch nicht die Wissenschaft selber.
1:23:03   hans-ulrichschmincke
Doch doch, das ist natürlich Wissenschaft, die fotografische Dokumentation.
1:23:07
Die ist in all unseren Büchern ganz zentral.
1:23:13
Und bei diesem Buch „Vulcanism“, was das Standarbuch war oder die japanische Übersetzung, ist ja oft beschrieben worden
1:23:22
und ein bekannter Kollege hat geschrieben, das seien die besten Vulkanfotos, die er gesehen hat.
1:23:29
Und das liegt daran, man nimmt meistens Menschen als Maßstab, wenn möglich
1:23:36
und normalerweise stellen sich die Menschen dann so hin und gucken einen doof an und dann kann man ein Foto machen.
1:23:42
Ich habe die Menschen immer umgedreht, das heißt, dass die Menschen auf den Gegenstand gucken,
1:23:47
um den Betrachter da mit einzubinden, dass er sozusagen diesem Maßstabmenschen folgt.
1:23:55   timpritlove
Damit man auch gleich weiß, worauf man achten soll.
1:23:57   hans-ulrichschmincke
Genau, zum Beispiel, das ist so ein automatischer, kein erdachter Trick, der von mir ganz automatisch,
1:24:03
um die Beobachter zu zwingen, da hinzugucken.
1:24:08
Also die fotografische Dokumentation oder durch Film oder was immer heutzutage Podcasts oder so mit den Geräuschen, ist schon ganz zentral.
1:24:20
Und man hat meistens, das ist ja sehr heiß und sehr laut und dramatisch.
1:24:27
Die genauen Messungen kommen dann hinterher, wenn die Eruption vorbei ist.
1:24:33
Wenn man ganz spezialisiert ist, kann man an einer Stelle Gase messen
1:24:38
oder Temperaturen messen, das sind so zwei ganz häufige Sachen.
1:24:45
Und dann nimmt man Proben, da macht man Dünnschliffe, bis hin zu 25.000tel Millimeter dick
1:24:55
und die kann man dann im Mikroskop untersuchen, ich habe oben meine Mikroskope, mache ich alle paar Tage.
1:25:00
Und dann im mikroskopischen Bild kann man die Kristalle sehen, die aus der Schmelze auskristallisiert sind
1:25:07
und kann sehen, ist das Glas, wieviele Blasen, was für Blasen sind da, welche Korngröße und alle diese Sachen,
1:25:14
die wir standardmäßig machen.
1:25:17
Und dann kann man eine Probe zermahlen in so einem bestimmten Apparat zu Pulver
1:25:24
und die dann chemisch analysieren.
1:25:28
Und die Dünnschliffe kann man unter ein Gerät legen, das nennen wir Elektronmikrosonde,
1:25:35
das habe ich hier auch, damals von meinem Preis gekauft, als ich hier anfing in Kiel.
1:25:39
Jetzt haben wir schon die zweite Generation oder meine Nachfolger.
1:25:44
Ich bin ja schon etliche Jahre nicht mehr dabei.
1:25:49
Aber meine Frau hat gestern wieder Messungen gemacht da am Geomar, das ist so 20 Kilometer weg von hier.
1:25:54
Und dann kann man das Glas analysieren, die Mineralen, die einzelnen Elementverteilungen
1:25:59
und das braucht man so als Grundlage, um das ganze chemisch und mineralogisch in den Griff zu kriegen.
1:26:08
Also Ihre Frage vorher, ich weiß nicht, vielleicht war das neu für Sie,
1:26:14
dass man Vulkane auch ganz zentral von der Chemie und Mineralogie her begreift.
1:26:19
Weil die Art, wie ein Vulkan ausbricht, hängt ganz wesentlich davon ab.
1:26:24   timpritlove
Woraus er beschaffen ist.
1:26:26   hans-ulrichschmincke
Woraus er beschaffen ist, was er mitgekriegt hat als Erbe aus dem Mantel
1:26:31
oder was er in einer Magmakammer dann entwickelt hat, als es ein bisschen kühler war
1:26:35
und dann sind einzelne Kristalle ausgeschieden und so weiter und so fort.
1:26:41
Also bei allen unseren Arbeiten spielt immer die Chemie, die Glaschemie, die Gesteinschemie, die Mineralen eine Rolle.
1:26:48
Und man kann auch der Chemie ausrechnen, welche Viskosität hatte das Magma, wie dünnflüssig oder schwerflüssig.
1:26:56
Ich habe zum Beispiel bei den Bildern von La Palma mich ein bisschen gewundert.
1:27:00
Was mir aufgefallen ist, dass die Lavaströme relativ dick waren und zerbrochen sind in so Schlacken.
1:27:11
Bei der 49er-Eruption, die wir ja sehr gut kennen, ist der Lavastrom,
1:27:16
der direkt neben den jetzigen Kratern ausgebrochen ist, das war eine sehr primitive Zusammensetzung und dünnflüssig.
1:27:26
Der ist also runtergeflossen bis zum Meer und hat da ein Delta gebildet.
1:27:32
Während mit ein bisschen Zeitverschiebung waren drei Stellen, die sich oben gebildet haben auf dem Gipfel, auf der Cumbre,
1:27:39
die waren viskoser und ich glaube, ich habe die chemischen Zusammensetzungen nicht gesehen von der jetzigen Lava,
1:27:48
wenn ich mir die angucke, dann würde ich erwarten, dass die im Vergleich zu dem neuen /unverständlich/-Lavastrom,
1:27:56
der von ganz daneben runtergekommen ist, dass da Unterschiede sind.
1:28:02
Dieser 49er da, das war das Hauptvolumen, der ist sehr schnell geflossen, wie man aus Berichten ablesen kann,
1:28:10
der hat sich seinen Kanal gefressen, Lava kann auch den Untergrund aufschmelzen
1:28:19
und ist dann runter und am Meer hat er dann das Delta gebildet.
1:28:23
Während die jetzigen nach meiner phänomenologischen Analyse vom Fernsehen wohl eine andere Zusammensetzung gehabt haben müssen.
1:28:36   timpritlove
Also dünnflüssig kam mir das jetzt nicht vor, aber ich habe auch keine Ahnung,
1:28:38
wie das alles dann am Ende aussehen soll, wenn es kalt ist.
1:28:41
Wie gesagt, das war ein einziges Geklirre und alles war sehr unzusammenhängend.
1:28:46
Also es war nicht so, man hätte sich jetzt ja vielleicht vorgestellt, dass es irgendwie so ein dicker geschmolzener Block von Stein,
1:28:53
der dann da einfach so rumliegt, aber ich hatte eher das Gefühl, ich habe so eine ganze Badewanne voll mit kleinen Steinchen,
1:28:58
in denen ich irgendwie herumlaufe.
1:28:59   hans-ulrichschmincke
Ja, also Sie haben vorhin gefragt, wie man Vulkane voneinander unterscheidet,
1:29:05
bei den Lavaströmen gibt es zwei altbekannte Unterscheidungen.
1:29:14
Das eine sind die wulstförmigen Laven, die sogenannte Pahoehoe-Laven,
1:29:20
die bildet sich bei dünnflüssigen Lavaströmen, man kann das auch am Vesuv sehen.
1:29:25
Was ich gesehen habe von den Lavaströmen im vergangenen Jahr in La Palma aus den Fernsehberichten
1:29:33
und ich habe ja ein paarmal auch kommentiert, was man da sieht, das sah für mich so aus,
1:29:39
als ob das eine zähflüssigere Schmelze war, die dann zerbrochen ist in einzelne mehr oder weniger blasige Brocken beim Fließen.
1:29:51
Man kann das auch Brockenlava nennen, da gibt es so verschiedene Begriffe.
1:29:56
Insofern kann ich als doch ziemlich erfahrener Vulkanologe sagen,
1:30:00
von der chemischen Zusammensetzung her muss das anders sein als diese Seillava,
1:30:08
die bei der einen Phase, nicht bei der ersten, bei der zweiten Phase der 49er Eruption.
1:30:17
Das ist wie ein Wasser den Berg runtegelaufen.
1:30:20   timpritlove
Wenn man jetzt mal so heute auf die Welt schaut, was sind denn so die aktivsten
1:30:29
oder könnte man vielleicht auch sagen, interessantestes Gebiete aus Ihrer Perspektive,
1:30:35
wo am meisten interessantes passiert, also auch aus einer wissenschaftlichen Perspektive.
1:30:43
Ich meine, es gab ja sehr unterschiedliche Ausbrüche, gerade jetzt so in der letzten Zeit war ja irgendwie eine ganze Menge los.
1:30:48
Vielleicht ist auch immer so viel los, ich weiß nicht, ob da noch mehr drüber berichtet wird
1:30:51
oder ich es nur mehr wahrgenommen habe, es gab diesen Ausbruch auf Island,
1:30:55
der irgendwie eine Weile alle ganz gut unterhalten hat, dann natürlich der große Ausbruch in La Palma,
1:31:02
den wir schon angesprochen haben, der Ätna kommt irgendwie alle paar Monate und sagt irgendwie kurz Bescheid.
1:31:08
Daran hat man sich schon irgendwie so ein bisschen gewöhnt.
1:31:14
Wo würden Sie mich denn jetzt als erstes hinschicken, wenn Ausbruch ist,
1:31:22
weil das irgendwie besonders interessant sein könnte.
1:31:26   hans-ulrichschmincke
So wie Beauty is in the eye of the beholder, das hängt jetzt ab von dem Interesse eines Menschen.
1:31:33
Für mich zum Beispiel ist im Augenblick interessanter das Pulvermaar und die /unverständlich/-Maare,
1:31:36
weil wir da ein neues Paradigma, das alte schon, das hängt also da mit dem Interesse ab.
1:31:43
Wenn Sie fragen wollen oder wissen wollen, wo ist die größte Wahrscheinlichkeit,
1:31:49
dann würde ich sagen, nehmen Sie sich ein Flugticket zum Kilauea-Vulkan auf Hawaii,
1:31:55
da ist die Wahrscheinlichkeit am größten, das ist der aktivste Vulkan mit Lavaströmen, die Wahrscheinlichkeit ist dann groß.
1:32:03
Es hat mal einen Wissenschaftler gegeben, früher durften die nur alle zwei Jahre da arbeiten,
1:32:09
dann wurden sie ausgetauscht vom US /unverständlich/ Survey und der hat Zeit seines Lebens nicht vergessen,
1:32:16
dass er während seines zweijährigen Aufenthaltes keine einzige Eruption gesehen hat, das muss aber der einzige sein.
1:32:25
Wenn Sie auf jeden Fall eine Eruption sehen wollen, morgen oder übermorgen oder überübermorgen,
1:32:31
dann fahren Sie nach Neapel und fahren dann mit dem Schiff zum Stromboli.
1:32:36
Der hieß im Mittelalter oder vorher noch schon, der Leuchtturm des Mittelalters,
1:32:42
weil der alle sagen wir mal 20 Minuten ausbricht.
1:32:45
Dann kriegen Sie kleine Lavafontänen, ganz selten, dass da mal eine längere Pause ist.
1:32:52
Also Stromboli da können Sie drauf wetten.
1:32:57   timpritlove
Da ist richtig was los.
1:32:58   hans-ulrichschmincke
Da ist immer was los.
1:33:00   timpritlove
Okay.
1:33:01   hans-ulrichschmincke
Wenn Sie richtig große Eruptionen, dann gehen Sie nach Hawaii.
1:33:05
Wenn Sie auch gern mal japanische Kultur kennenlernen wollen, dann fahren Sie nach Kyushu, im Süden von Japan.
1:33:15
Da ist eine Stadt, Kagoshima und gegenüber ist der aktivste Vulkan Japans, der fast dauertätig ist.
1:33:28
Das sieht man von der Entfernung, dann spuckt der und hat mal große Aschesäulen, die dann entstehen,
1:33:35
mal stärker und mal weniger stark, der Sakurajima, so heißt der.
1:33:40
Das ist der aktivste Vulkan Japans, praktisch daueraktiv.
1:33:45
Natürlich ist Island in fast regelmäßigen Abständen aktiv, aber nicht jedes Jahr.
1:33:54   timpritlove
Nicht immer an der gleichen Stelle.
1:33:55   hans-ulrichschmincke
Nicht jedes Jahr, nicht die gleiche Stelle.
1:34:00
Natürlich, wir haben auch am Merapi gearbeitet, das ist der aktivste Vulkan in Indonesien,
1:34:04
der ist jetzt gerade im Augenblick wieder aktiv und da sind die Zeiten zwischen aktiven Perioden nur kurz,
1:34:14
so ein paar Jahre, aber der ist nicht einfach, um hinzugehen, geht meistens nicht oder nicht ganz nah dran,
1:34:23
weil da heiße Schmelze rauskommt, das nennen wir Dome.
1:34:26
Und wenn die kollabieren, dann gibt es Glutlawinen.
1:34:29
Und Glutlawinen sind mit das gefährlichste bei Vulkanen, das ein Gemisch ist von Partikeln und aufgeheizter Luft
1:34:38
und heißen Gasen und die können mit großer Geschwindigkeit durch die Täler fließen,
1:34:43
da wo auch die Menschen sich bewegen.
1:34:46   timpritlove
Ist das jetzt identisch mit den pyroklastischen?
1:34:49   hans-ulrichschmincke
Ist dasselbe, ich benutze für Laien den Begriff Glutlawinen, aber einige Leute wissen heutzutage,
1:34:58
kennen schon den Begriff pyroklastische Ströme.
1:35:02
Und wenn man noch weiter in die ganz spezielle Wissenschaft geht, dann nennt man die Density Currents,
1:35:09
aber ich benutze eigentlich pyroklastische Ströme normalerweise auch in meinen Büchern.
1:35:14
Oder wir haben ja auch mal ein Kinderbuch geschrieben hier, was auch Erwachsene gerne sich angucken,
1:35:19
da spreche ich natürlich von Glutlawinen.
1:35:23   timpritlove
Das bringt es natürlich ganz gut rüber, dass es hier sich um einen sehr schnellen Prozess handelt,
1:35:26
der halt auch potentiell gefährlich sein kann.
1:35:31
Was sind denn so die anderen Gefährdungen, die von den Vulkanen noch ausgehen?
1:35:34
Ich erinnere mich noch an den Ausbruch in Island.
1:35:42   hans-ulrichschmincke
Eyjafjallajökull?
1:35:44   timpritlove
Super. Wie lange muss man das üben?
1:35:48   hans-ulrichschmincke
Wir haben ja auf Island gearbeitet, also…
1:35:52   timpritlove
Da hat man es drauf, die Wikipedia sagt, man kann auch Eyjafjöllgletscher sagen und dann ist auch alles super.
1:35:57   hans-ulrichschmincke
Okay.
1:35:58   timpritlove
Auf jeden Fall das war ja ein interessanter Ausbruch, ist jetzt zwölf Jahre her, ich glaube, 2010 war das,
1:36:06
weil dort Unmengen an Vulkanasche ausgestoßen wurden und das hatte ja dann zur Folge,
1:36:12
dass in Europa die Flüge ausgesetzt werden mussten für ein paar Tage
1:36:16
und der Flugverkehr enorm davon betroffen war, weil einfach diese Vielzahl von Aschepartikeln in der Luft potenziell die Turbinen der Jets hätte zerstören können,
1:36:27
so war zumindest die Befürchtung.
1:36:31
Jetzt ist ja nicht jeder Ausbruch so.
1:36:33
Es gab ja jetzt diesen anderen Ausbruch in Island paar Meter weiter, da war von Asche nicht die Rede.
1:36:41
Was führt denn dazu, dass so ein gigantischer Ascheausstoß stattfindet, was ist denn da sozusagen das Wesen dieses Vulkans gewesen?
1:36:52   hans-ulrichschmincke
Das Transportmittel für Asche außerhalb der Eruptionssäule, wir nennen das, was in de Luft geht, Eruptionssäule.
1:37:01
Die Kraft der Eruptionssäulen beruht einmal auf der Temperatur der Partikel und dann der aufgeheizten kalten Luft, die gesaugt wird.
1:37:11
Das ist oft der Hauptteil, die wiederum kriegt dann einen Auftrieb, wie heiße Luft im Sommer aufsteigt.
1:37:17
Die feinen Aschen, das sind ja alles Glaspartikel und Mineralpartikel, hat ja nichts mit normaler Asche zu tun.
1:37:26
Das ist immer die Schwierigkeit mit normalen Laien und Aschen, dann denken sie an Lagerfeuer
1:37:32
oder an die Zigarette oder was weiß ich, sondern das sind Glassplitter und Mineralsplitter.
1:37:38
Manchmal mit Blasen wie bei Bims und manchmal mit weniger Blasen.
1:37:43
So, wenn die jetzt in die Troposphäre und bei 12 Kilometer bis in die Stratosphäre,
1:37:50
da fängt die Stratosphäre an, wo es keine Wolken mehr gibt und keinen Regen,
1:37:55
transportiert werden, aufsteigen, dann werden sie lateral transportiert,
1:38:00
vor allem von dem Jet, von den Höhenwinden und das kann über tausende Kilometer sein.
1:38:06
So, das Problem ist, dass die Höhe der unteren Luftschicht, der Troposphäre, zu den Polen hin immer niedriger wird.
1:38:19
Die ist bei dem Äquator ungefähr 16 Kilometer hoch diese Grenze zwischen der unteren Atmosphäre und dann der Stratosphäre
1:38:28
und zu den Polen hin wird es eben dann niedriger.
1:38:29
Und Island hat den Vorteil oder den Nachteil, je nachdem, dass diese Grenze niedrig ist.
1:38:36   timpritlove
Verstehe.
1:38:37   hans-ulrichschmincke
Das heißt, die Eruption war gar nicht so außergewöhnlich, aber es wehten starke Winde,
1:38:45
die diese Glaspartikel, also diese Asche hier hingetrieben haben.
1:38:50
So übrigens der Kollege und Studienkollege, der mich nach Hawaii eingeladen hat 1969,
1:38:58
da war ich ja ein Dreivierteljahr da, der war gerade auf dem Weg zu einem Ferienaufenthalt,
1:39:04
ich glaube, in Ägypten und der kam nur bis Paris und konnte nicht weiter wegen der Eruption
1:39:12
als Vulkanologe in Island.
1:39:14
So und in Island ist diese Grenze nur 9 Kilometer, bei uns ist sie 12.
1:39:20
Das heißt, obwohl die Eruptionssäule gar nicht so extrem hoch war, waren die Höhenwinde schon
1:39:27
und das war ein starker Westwind zu der Zeit, das ist ein Teil von diesem Dilemma.
1:39:36
Und das andere sind bestimmte Politika.
1:39:38
Das ist der andere Teil der ganzen Story.
1:39:43
Vor allem der deutsche Verkehrsminister, der sich da ins Zeug gelegt hat,
1:39:47
und Wissenschaftler, die sind schon mit kleinen Flugzeugen schon am nächsten Tag hoch geflogen in den Bereich
1:39:54
und haben gesagt, da ist fast gar nichts.
1:39:59
Das heißt, ich glaube, ein Teil von diesem Billionenschaden, der entstanden ist,
1:40:03
geht auf das Konto von öffentlichkeitsaffinen Politikern, die dann gesagt haben,
1:40:12
jetzt muss das noch mal und noch einen Tag und noch einen Tag verlängert werden.
1:40:16
Einige Wissenschaftler, die dann nicht direkt so mit der Politik verbunden waren, die sagen, das ist Quatsch.
1:40:25
Die haben also direkt gemessen, wieviel Glaspartikel gibt es da.
1:40:30   timpritlove
Wer war denn das, Peter Ramsauer war der Verkehrsminister damals.
1:40:36   hans-ulrichschmincke
Das muss ich nicht weiter kommentieren.
1:40:39   timpritlove
Nein, ich auch nicht.
1:40:40
Jetzt kommen sozusagen mehrere Sachen zusammen, wo ist der Vulkan, je nachdem wie dann eben der Zugang zur Stratosphäre ist
1:40:48
und natürlich auch das Wetter sozusagen und das kann alles dazu führen.
1:40:51
Aber im Prinzip gibt es diese „Asche“, also diesen kleinen Glaspartikel, eigentlich immer.
1:40:58
Das war ja auch in La Palma ein Problem, die Leute mussten sich dann mit Mundschutz auch absichern,
1:41:03
weil das einzuatmen dann auch zu Lungenschäden führen kann etc..
1:41:10   hans-ulrichschmincke
Staublunge.
1:41:11   timpritlove
Staublunge.
1:41:14
Jetzt gab es ja auch vor kurzem den starken Vulkanausbruch in Tonga.
1:41:20
Und das ist ja insofern was anderes gewesen, als dass hier der Ausbruch unter dem Meeresspiegel stattgefunden hat.
1:41:30
War ein extrem starker Ausbruch, der ja dann vor allem diesen Tsunami ausgelöst hat.
1:41:37
Inwiefern unterscheiden sich dann sozusagen die Auswirkungen von solchen unterirdischen Ausbrüchen?
1:41:46
Was sind da, abgesehen jetzt von dem Tsunami, den ich schon genannt habe,
1:41:49
noch die Aspekte, auf die man schauen muss?
1:41:52   hans-ulrichschmincke
Ja, ein Kollege, der mal ein Jahr bei mir als Postdoc war, ich glaube, 1990/91,
1:41:59
der ist da Professor in Neuseeland und der kennt den Vulkan.
1:42:04
Ich habe dem gleich eine Email geschickt, direkt nachdem ich davon gehört habe.
1:42:10
Und der hat die Anfangssituation geschildert, das war ein untermeerischer Vulkan,
1:42:18
der, glaube ich, insgesamt, ich weiß nicht, ich habe die Zahlen vergessen, 3.000 Meter hoch war
1:42:24
oder irgendwie, jedenfalls ein sehr sehr großer Vulkan.
1:42:29
Und der hatte in vorigen Ausbrüchen, die paar Jahre oder Jahrzehnte zurück waren,
1:42:36
so eine kleine Insel geschaffen.
1:42:39
Aber der eigentliche Top, der eigentliche /unverständlich/ war noch unter dem Wasser,
1:42:44
unter der Meeresoberfläche, aber nicht sehr tief.
1:42:49
Und weil das so flach war das Wasser, konnte der Druck des Magmas sich auswirken
1:42:56
und zu dieser großen Eruption führen.
1:43:01
Jetzt kommen wir wieder auf was, worüber wir zu Anfang gesprochen haben,
1:43:03
die Wechselwirkung zwischen Magma und der Umgebung.
1:43:06   timpritlove
Und Wasser.
1:43:07   hans-ulrichschmincke
Und insbesondere Wasser.
1:43:09
Und das war wohl der entscheidende Faktor.
1:43:14
Das Magma war, wenn ich mich recht erinnere, war wohl eine, wie wir sagen, ein höherdifferenziertes,
1:43:22
also ein gasreiches Magma und zusammen mit der Wechselwirkung mit dem Meerwasser,
1:43:29
das waren wohl die entscheidenden Faktoren für diese gigantische Eruption,
1:43:33
die ja hier in Deutschland auch mit allen möglichen Instrumenten gemessen wurde.
1:43:38   timpritlove
Ja, sogar mit so ganz normalen Wetterstationen konnte man es messen.
1:43:40   hans-ulrichschmincke
Die Bodenneigung wurde gemessen, der Luftdruck und so weiter an vielen Stationen hier in Deutschland.
1:43:52   timpritlove
Ja, eine unfassbare Druckwelle, die ja auch nicht nur von Tonga hier hergekommen ist,
1:43:57
ich glaube, es kreuzte sich über Algerien war, glaube ich, so der genau gegenüberliegende Ort,
1:44:03
an dem alles zusammengekommen ist, aber dann ist die Druckwelle auch noch wieder weitergelaufen
1:44:08
und es gab ja auch verschiedene Satellitenfotos, wo diese Druckwelle richtig zu sehen war.
1:44:13   hans-ulrichschmincke
Ja.
1:44:13   timpritlove
Also so eine extreme Kraft, die sich dann dort ausgebreitet hat.
1:44:18   hans-ulrichschmincke
Das war auch noch sehr dramatisch.
1:44:24
Also ich denke, um mehr drüber sagen zu können, muss man und muss ich natürlich abwarten,
1:44:32
ob der Kollege, der war natürlich dann …
1:44:34
er hat mir zwar gleich geschrieben, zurückgeantwortet eine Email
1:44:40
und der wird das weiter verfolgt haben.
1:44:42
Und die Leute, die dann vor Ort sind, die haben meistens keine, die müssen einfach arbeiten.
1:44:47   timpritlove
Klar.
1:44:49
Aber es gab ja noch einen zweiten Aspekt in Tonga, und zwar so einen kurzen Moment der Hoffnung.
1:44:54
Es gab ja auch eine extreme Rauchwolke oder Schwefelgasentladung mit diesem Ausbruch, die sehr hoch stieg.
1:45:06
Und das war so bisschen die „Hoffnung“, dass die so hoch steigen würde in solche Gebiete,
1:45:13
dass sie sich dort länger halten könnte, weil das dann potenziell dem Klimawandel entgegenwirken könnte,
1:45:18
weil wir ja dann durch verschiedene große Vulkanausbrüche solche Effekte auf der Erde ja auch schon gehabt haben und gesehen haben.
1:45:27
Was ist das für ein Prozess, der an der Stelle sich hätte entfalten können, wenn das jetzt hier in Tonga auch, glaube ich, so nicht der Fall war?
1:45:35   hans-ulrichschmincke
Bei diesen Klimabeeinflussungen von Vulkaneruptionen braucht man zweierlei.
1:45:40
Erstens ein Magma, was viel Schwefel enthält, Tambora 1815 ist so ein Fall,
1:45:48
Laacher See ist ein anderer Fall, Pinatubo hatte nicht so viel Schwefel.
1:45:53
Und das muss auch in der Schmelze noch sein, nicht nur in schwefelhaltigen Mineralen,
1:45:57
so wie der blaue Halbedelstein im Laacher See Haüyn.
1:46:02
Also es muss Schwefel enthalten und es muss eine hochenergetische Eruption sein,
1:46:07
eine, wie wir sagen, Eruptionssäule, die, wie ich vorhin sagte, angetrieben wird von der Ausdehnung der magmatischen Gase
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plus der aufgeheizten und eingesaugten Luft, das ist eine Kombination von beiden.
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Und wenn die Eruption sehr viel Energie hat, sehr viel Magma ausgebrochen ist
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und die Eruptionssäule dann bis in die Stratosphäre reicht, also das ist ganz entscheidend.
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Denn wenn Sie in der Troposphäre bleibt, dann wird es schnell rausgewaschen,
1:46:40
aber in der Stratosphäre, die ist trocken und da können sich dann H2SO4 Aerosole bilden.
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Also kleine Teilchen aus H2O und SO2, Schwefel kann in verschiedener Form an den Vulkanen aussteigen,
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am Boden meistens H2S, das ist reduziert, aber dann auch SO2, das ist das oxidierte
1:47:04
und das sind die Erkenntnisse, die man gewonnen hat nach der Eruption eines vergleichsweise kleinen Vulkans,
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ein ehemaliger deutscher Banker würde die Peanut, das sind Peanutvulkane, wahrscheinlich nennen.
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Aber im Süden von Mexiko, und zwar im Jahr 1982 und da hat man zum ersten Mal die Eruptionswolken,
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die dann in der Stratosphäre zirkulierten um die Erde, von drei verschiedenen Instrumenten gemessen.
1:47:45
Einmal einem alten Spionageflugzeug, das berühmt wurde, dass ein amerikanischer Spion mal über Sibirien abgeschossen wurde,
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U2 hieß das, glaube ich.
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Und dann an einem anderen Messflugzeug mit Möglichkeiten, diese sogenannten Aschenpartikel einzusammeln
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und dann hatte man einen Satelliten mit einem Spectrometer, der konnte Schwefel messen.
1:48:14
Also das waren die Vorbedingungen.
1:48:15   timpritlove
El Chichón war das der Vulkan.
1:48:17   hans-ulrichschmincke
El Chichón ja.
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Und das Magma war also relativ schwefelreich und die Eruptionssäule ging bis in die Stratosphäre
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und dann hat man das verfolgt über den Globus, wie die gewandet ist, diese Aerosolwolke
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und das war so der Beginn eines der zentralen Wechsel im Paradigma.
1:48:41
bis dahin hat man geglaubt, seit Krakatau, das war im August 1883 und vorher schon
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und immer danach auch, und auch jetzt noch, selbst Geologen hört man das sagen,
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dass es die Aschenpartikel sind, die das Klima beeinflussen, die haben aber nichts damit zu tun.
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Denn die Aschenpartikel, also die Glasstückchen, die Mineralstückchen und manchmal Nebengestein
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die fallen nach ein paar Tagen wieder auf die Erde zurück.
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Aber wenn sich diese Aerosolpartikel bilden, die sind so ganz klein, dann können sie mehrere Jahre um den Globus wandern,
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bis sie zusammenpappen und dann größer Partikel bilden, die können dann aussedimentiert werden.
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Also man braucht einen schwefelreichen Vulkan, man braucht eine sogenannte plinianische Eruptionssäule, die sehr hoch geht,
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die bis in die Stratosphäre geht und dann die sind so zwischen 23 und 30 oder 40 Kilometern kann diese Aerosolschicht zirkulieren
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ein paar Jahre lang.
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Beim Pinatubo gibt es schöne Aufnahmen, das war ja schon Satellitenzeitalter,
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das war 91, wenn ich mich recht erinnere, war Pinatubo und dann kann man sehen,
1:49:59
wie lange diese Aerosole aus verschiedenen Bildern von einzelnen Satelliten,
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die waren, glaube ich, zwei, drei Jahre lang zu sehen.
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So und dann kommt die Frage, wie wirkt sich die reduzierte Sonneneinstrahlung,
1:50:14
das ist ja im Prinzip auf die Erde aus?
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Und da gibt es verschiedene Sachen, die man bedenken muss.
1:50:25
Die Pinatubo-Eruption, da gibt es hunderte von wissenschaftliche Veröffentlichungen drüber,
1:50:33
da in dem Sommer war ich gerade ein Jahr in Kiel, da hat es hier viel geregnet im Sommer,
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ich glaube, das war Mitte Juni die Eruption, und dann hatten wir hier im Fernsehen eine Livesendung,
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und die haben zwei Meteorologen eingeladen, einen Bauern, der an seinen Hühnern sieht,
1:50:51
wie sich das Klima entwickelt und mich als Vulkanologen.
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Und das war sehr spannend.
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Der eine Meteorologe, der war so älter, so meine Generation, der hat gesagt,
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im nächsten Jahr wird es kalt.
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Der andere, der arbeitete am Max-Planck-Institut, der war jünger, wir haben danach paar Jahre zusammengearbeitet,
1:51:15
der sagte, nein, es wird wärmer, aber im nächsten Jahr wird es kühler im östlichen Mittelmeer und so weiter.
1:51:23
In der modernen Meteorologie wird ja viel mit Computermodellen gerechnet.
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Und Hamburg und Princeton sind so die Führenden.
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Der eine hat ja gerade einen Nobelpreis gekriegt, der eine Mathematiker, der Hasselmann.
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Das ist also das Institut und die machen Modelle.
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Und während der Fernsehsendung hat der gesagt, dieser Kollege Graf, der später nach Cambridge ging,
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es wird demnächst ein Kältespot sein über Grönland und dann hat er gesagt,
1:51:56
die siebenjährige Trockenheit in Kalifornien wird enden, die werden Wasser haben,
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im östlichen Mittelmeer, weil die kalten Luftmassen kommen so über den Ural,
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da wird es kälter werden und im Meer bleiben diese Klimabeeinflussungen immer länger,
1:52:14
weil das Wasser ist träge.
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So, es ist alles eingetroffen.
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Ich war mit Studenten im nächsten Sommer in Zypern, um da den Aufbau der Kruste zu studieren
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und Mount Olympus ist da der höchste Teil, und da war im Mai ein halber Meter Schnee, das war ganz ungewöhnlich.
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Also diese Wanderung der kalten Luftmassen über Nordural bis dahin ist alles eingetreten.
1:52:42
Und das fand ich sehr beeindruckend für die Präzision,
1:52:46
mit der man heute so Auswirkungen von Vulkaneruptionen auf das Klima berechnen kann.
1:52:53   timpritlove
Wie wahrscheinlich ist es denn, dass wir noch einen Vulkanausbruch bekommen,
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der genau diese Kriterien erfüllt?
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Ich meine, da muss ja einiges zusammenkommen, da muss eine extreme Intensität sein,
1:53:03
da muss irgendwie der richtige Schwefelanteil dabei sein, so an der richtigen Stelle auf der Erde.
1:53:13   hans-ulrichschmincke
Also eine Gruppe von Physikern in Harvard, die will ja darauf nicht warten.
1:53:20
Und die haben ja schon seit, weiß ich nicht, sechs Jahren Modelle erarbeitet,
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wie man künstlich Schwefel in die Stratosphäre bringt, um diese Aerosole zu erzeugen.
1:53:30
Ist natürlich eine zweischneidige Sache, wie weit die sind weiß ich nicht,
1:53:36
ich bin damit nicht vertraut, mit dem Fortschritt der Arbeiten.
1:53:39
Aber da arbeiten schon einige Leute dran, die die jetzt wissen von El Chichón,
1:53:44
dass es das Schwefel ist und jetzt wollen sie, jetzt überlegen sie, wie kann man Schwefel in die Stratosphäre bringen.
1:53:52   timpritlove
Okay, da ist ja ein bisschen geschummelt.
1:53:55
Aber ich meine, wie wahrscheinlich ist es, dass so ein Vulkanereignis zusammenkommt,
1:53:59
wenn man jetzt so die Häufigkeit nimmt und wie oft ein Vulkan solche Kriterien wirklich erfüllt,
1:54:07
das scheint mir ja dann doch eher selten zu sein.
1:54:09   hans-ulrichschmincke
Da braucht auch ein Vulkanologe eine Glaskugel.
1:54:14   timpritlove
Haben Sie keine?
1:54:16   hans-ulrichschmincke
Nein, ich habe zwar ein paar Kugeln hier, aber keine Glaskugel.
1:54:19   timpritlove
Ich dachte jetzt nur so auf Basis von Wahrscheinlichkeiten.
1:54:22
Also es lohnt sich nicht, darauf zu warten, so höre ich das mal raus.
1:54:25   hans-ulrichschmincke
Nein, das sind dann hunderte von Jahren, die man gucken muss.
1:54:27
Also Tambora war 1815, Krakatau war nicht sehr schwefelreich, 83.
1:54:36
Der hat zwar viele Partikel produziert, Santorin war auch nicht, da fragen mich manchmal Archäologen mit Klimabeeinflussung durch Santorin,
1:54:45
ich sage, der Schwefelgehalt beim Santorin-Magma im Mittelmeer der war nicht sehr hoch.
1:54:52
Und auch wo wir dran gearbeitet haben, /unverständlich/ in Nordkorea, Grenze Nordkorea China,
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hat auch nicht so viel Schwefel gebracht.
1:55:00
Also wir haben dann, unser Ergebnis von unserer Arbeit, eine Doktorarbeit,
1:55:04
es war wohl kein Schwefelinput in die Stratosphäre vergleichbar mit Tambora 1815.
1:55:14
Also wenn Sie ein Paläorheinländer vor 700.000 Jahren gefragt hätten, wann bricht da ein großer Vulkan aus,
1:55:24
dann hätte er das auch nicht wissen müssen.
1:55:28   timpritlove
Okay, ich habe auch nur ein bisschen gescherzt.
1:55:30
Aber ich kann noch mal so zusammenfassen, wir haben den Vulkanen eigentlich alles zu verdanken so,
1:55:34
aber retten werden sie uns jetzt wahrscheinlich nicht mehr, da müssen wir uns schon was anderes einfallen lassen,
1:55:40
um irgendwie die Klimakatastrophe in den Griff zu kriegen.
1:55:41   hans-ulrichschmincke
Ja, das ist eine gute Summary, also Klimakatastrophe und Vulkane und was die Physiker da in Harvard machen,
1:55:50
ist eine sehr zwiespältige Geschichte.
1:55:53   timpritlove
Am Ende müssen wir uns doch einfach nur mal am Riemen reißen.
1:55:57   hans-ulrichschmincke
Kommen wir nicht drumherum.
1:55:58   timpritlove
Kommen wir nicht drumherum.
1:55:59
Ja, Herr Schmincke, ich sage, vielen Dank für die Ausführungen.
1:56:04
Das war ein interessanter Ritt durch die Welt der Vulkane und ich werde mal zusehen,
1:56:10
dass ich, wenn das nächste mal wieder eine Meldung ist, dass irgendwo was ausgebrochen ist
1:56:14
und es ist nicht gleich auf der anderen Seite des Planeten, dann muss ich da mal ein bisschen näher ran,
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weil das war dann schon eine ganz interessante Erfahrung, die ich da jetzt habe einsammeln können.
1:56:25
Ich wünsche Ihnen noch alles Gute für Ihre weitere Forschung, weil Sie scheinen ja keine Ruhe zu geben.
1:56:31
So mit irgendwann mal aufhören und so weiter, das scheint bei Ihnen ja überhaupt gar kein Thema zu sein.
1:56:37   hans-ulrichschmincke
Nein, wenn es wärmer wird, Sie können es da sehen, die beiden Seiten, ich baue fast alle Salate hier an
1:56:44
und die Mohrrüben halten den ganzen Winter, die ich hier anbaue,
1:56:48
jetzt die letzten Tage war es abends immer sehr kalt, ich habe zwar vorher den Kachelofen angemacht,
1:56:53
aber ich glaube, jetzt wird es etwas wärmer und im Sommer, ich bin ein Gärtner hier.
1:57:00   timpritlove
Dann wenden Sie sich auch anderen Themen zu.
1:57:03   hans-ulrichschmincke
Nur im Winter ist es, weil ich keine Ananas und Bananen anbaue, ist es schwierig.
1:57:09   timpritlove
Da muss dann doch noch bisschen geforscht werden.
1:57:11   hans-ulrichschmincke
Ja.
1:57:11   timpritlove
Okay.
1:57:12   hans-ulrichschmincke
Brauchen wir ein paar Vulkane, die es wärmer machen.
1:57:15   timpritlove
So hat so jeder sein eigenes Lagerfeuer.
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Ich sage noch mal vielen Dank.
1:57:19   hans-ulrichschmincke
Bitte schön.
1:57:21   timpritlove
Und klar, an alle, die zugehört haben, natürlich auch vielen Dank fürs Zuhören,
1:57:26
bald geht es wieder weiter, bis dahin sage ich, tschüss und bis bald.