Forschergeist

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episode 95: FG095 Federated Secure Computing  

[transcript]


Offene Software-Werkzeuge zur Forschung an privaten Daten ohne Aufgabe der Privatsphäre


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 June 21, 2022  1h18m
 
 
00:43   timpritlove
Hallo und herzlich willkommen zu Forschergeist, dem Podcast des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.
00:48
Mein Name ist Tim Pritlove und ich begrüße alle zur 95. Aussage unserer Gesprächsreihe,
00:54
in der es heute mal etwas digitaler zugehen wird.
00:58
Hatten natürlich auch hier eine Menge digitale Themen schon.
01:02
Heute geht es ein bisschen ans Eingemachte, jetzt wollen wir mal so ein bisschen schauen,
01:06
wie wir denn so die aktuellen Herausforderungen angehen können,
01:10
die sich insbesondere durch die hohe Verfügbarkeit von Daten auf der einen Seite
01:15
und dem hohen Bedarf an Datenschutz und natürlich auch Privatsphäre so ergeben.
01:22
Ja und dazu begrüße ich erst mal meinen Gesprächspartner, nämlich Hendrik Ballhausen, hallo.
01:25   hendrikballhausen
Hallo, danke für die Einladung.
01:27   timpritlove
Ja, herzlich willkommen bei Forschergeist.
01:31
Hendrik, du bist bei, ja, du bist an der Universität, der LMU, der Ludwig-Maximilian-Universität München.
01:40   hendrikballhausen
So ist das.
01:42   timpritlove
Im medizinischen Bereich oder?
01:43   hendrikballhausen
Ja, das ist richtig.
01:45
Ich bin eigentlich selbst gar kein Mediziner, aber auf verschlungenen Wegen bin ich da gelandet.
01:50   timpritlove
Du bist also jetzt in der Medizin, in welcher offiziellen Bezeichnung?
01:57   hendrikballhausen
Tagsüber, wofür ich bezahlt werde, ich leite die Forschungsverwaltung an der medizinischen Fakultät der LMU.
02:04
Das heißt, sowohl für den klinischen Bereich wie auch für den vorklinischen Bereich
02:07
und helfe da letztlich unserem Dekan, unserem Forschungsdekan bei allen Fragen,
02:13
die die Forschung in irgendeiner Weise berühren.
02:15   timpritlove
Aber du bist kein Mediziner?
02:18   hendrikballhausen
Das ist richtig.
02:19   timpritlove
Sondern?
02:20   hendrikballhausen
Bin einer dieser klassischen Physikerallzweckwaffen, die auf verschlungenen Wegen da hingekommen sind.
02:22   timpritlove
Aha so einer. Okay.
02:27
Und wie verschlungen waren denn die Wege?
02:28
Also was nimmt man denn da für eine Weg, um dann dort zu landen?
02:33   hendrikballhausen
Ja, nicht zu Hause nachmachen.
02:36
Also ich kreise eigentlich immer schon in irgendeiner Form um die Universität, die Wissenschaft.
02:41
Das fing an der Schule an, da hatten wir in Hamburg ein tolles Programm von der William-Stern-Gesellschaft,
02:47
die haben Schülerinnen an die Uni geholt, das war so das erste Mal,
02:51
dass ich mich in diesen Mikrokosmos verliebt habe eigentlich, ja.
02:56   timpritlove
Was ist die William-Stern-Gesellschaft?
02:58   hendrikballhausen
Die ist benannt nach einem jüdischen Gelehrten und das ist ein Zusammenschluss von Mathematik und Psychologiestudierenden,
03:07
die Schülerinnen von Hamburger Schulen zusammenholen und dann tatsächlich am Wochenende mit denen Mathe machen.
03:12
Das ist eigentlich keine gute Value Proposition???, würde man heutzutage sagen,
03:17
Mathe tauschen gegen Wochenende, aber mir hat das gut gefallen
03:20
und ich habe zum ersten Mal gemerkt, da gibt es eben eine Welt,
03:24
wo man sich mit vielen spannenden Dingen beschäftigen kann.
03:27
Ja und das hat mir sehr getaugt, da bin ich dann dabei geblieben.
03:30   timpritlove
Und dann ist es auch gleich in ein Physikstudium gemündet?
03:34   hendrikballhausen
/lacht/ Ja, auch da wieder, erst mal kam Jugend forscht, Mathe, Informatik,
03:41
spannende Sachen damals, wir haben Computergrafik gemacht,
03:43
was in den 90er Jahren ganz ein heißes Thema war, überhaupt natürlich noch nicht so wie heute,
03:50
wo in jedem Spiel also die 3D-Grafik perfekt ist, sondern das waren wirklich noch die Anfänge.
03:55
Und dann kam die erste Krise, der neue Markt im Jahr 2001 und dann habe ich mir überlegt,
04:03
vielleicht ist es doch besser, was zu studieren, was ein bisschen mehr ja Substanz hat als die Informatik.
04:11
Im Rückblick völlig falsche Entscheidung, aber damals war es richtig
04:14
und dann sollte es halt Physik sein, Physik ist ja auch Mathematik, ist auch Informatik,
04:17
aber handfester und ja, so bin ich dann nach Heidelberg gekommen und habe dort Physik studiert.
04:25   timpritlove
Okay.
04:26   hendrikballhausen
Eigentlich hätte es die USA sein sollen, aber ich habe Zivildienst gemacht,
04:30
da unterliegt man der Kreiswehrerfassung und der Urlaub wurde abgelehnt, um sich in den USA zu bewerben.
04:38
Ich habe dann noch mal gefragt, was passiert, wenn ich trotzdem ausreise.
04:41
Dann hieß es, sie werden bei der Einreise in Frankfurt verhaftet und ja, so ist es dann Heidelberg geworden.
04:46
Das war im Rückblick genau richtig.
04:49   timpritlove
Okay. Und in Heidelberg war dann das Physikstudium?
04:51   hendrikballhausen
Heidelberg war Physik, ja.
04:52   timpritlove
Okay.
04:53   hendrikballhausen
So richtig, wie man es sich vorstellt, Philosophenweg.
04:56   timpritlove
Und dann denkt man doch eigentlich viel übers Universum nach oder?
04:59   hendrikballhausen
Ja, vor allen Dingen auch, weil wir ja bei uns die Astrophysiker hatten ein Haus weiter.
05:05   timpritlove
Spannender Standort Heidelberg auf jeden Fall.
05:07   hendrikballhausen
Ja, er war das klein und das ganz große ganz nah beieinander.
05:13   timpritlove
Aber dazu kam es nicht, keine astronomische Karriere?
05:15   hendrikballhausen
Ja, da kam dann das Wissenschaftssystem dazu und wir haben uns eigentlich überlegt so gegen Ende der Promotion,
05:21
dass wir uns das doch nicht antun wollen.
05:25
Das waren so ein paar Freunde und wir haben gesagt, Physik finden wir super,
05:30
aber so wie Wissenschaft an der Universität gemacht wird, finden wir es nicht so super.
05:33
Dann sind wir alle woanders hingegangen.
05:36
Ich habe dann noch schnell VWL drauf gesattelt, Volkswirtschaft
05:40
und bin dann tatsächlich ein paar Jahre ganz aus dem Universitären verschwunden.
05:44   timpritlove
Was hat dir denn nicht gefallen daran, wie die Wissenschaft an der Universität gemacht wird?
05:49   hendrikballhausen
Ja, dass eigentlich extrem schlaue Leute, zu denen will ich mich jetzt gar nicht zählen,
05:54
aber die beobachtet man ja, also Leute, die viel besser sind als man selber,
05:58
die schon unglaublich Paper geschrieben haben, unglaublich was eingeworben haben,
06:02
dass die eigentlich sehr lange bitten und betteln müssen, um das tun zu dürfen,
06:07
was sie eigentlich am besten können und was ja eigentlich auch der Gesellschaft am meisten nutzt.
06:14
Und dass das eigentlich so als Gnade gesehen wird, da arbeiten zu dürfen unter teilweise sehr schwierigen Bedingungen.
06:20
Und da haben wir gesagt, nein, den Markt wollen wir nicht noch schlechter machen,
06:25
indem wir hier noch zusätzliche Arbeitskraft anbieten.
06:29
Sind dann ganz bewusst weggegangen, aber ist eine schwere Entscheidung,
06:31
weil man liebt das Fach ja, man möchte ja eigentlich ganz genau das machen,
06:37
aber man muss ja auch ehrlich vor sich selber bleiben.
06:39   timpritlove
Was meinst du mit wir?
06:40   hendrikballhausen
Ja, Freunde, Freunde, mit denen man dann zusammengesessen hat und überlegt hat,
06:45
tun wir uns das jetzt noch an, wollen wir jetzt noch Postdoc-Phase machen?
06:48
Der eine ist dann Lehrer geworden, viele sind in die Industrie gegangen oder in die Wirtschaft.
06:54
Und insofern ich kenne noch ein oder zwei, die dabei geblieben sind und ja, die sind immer noch in der Ochsentour.
07:03   timpritlove
Okay, aber dann gab es einen Ausflug in die Wirtschaft, der dann aber dann doch wieder zur Universität zurückgeführt hat.
07:07   hendrikballhausen
Ja, ja, ein paar Jahre was ganz anderes gemacht, dann kam Bereich Finanzen, dann kam die Bankenkrise 2008/2010.
07:15
Das war die nächste große Krise.
07:18
Und dann habe ich gedacht, eigentlich war es doch an der Uni am schönsten
07:23
und habe dann für mich diesen goldenen Mittelweg gefunden, nicht jetzt selber primär zu forschen,
07:28
aber anderen dabei zu helfen, zu forschen.
07:30
Und witzigerweise war dann plötzlich alles ganz einfach.
07:36
Also Forscher sein ist schwer, Forschung verwalten ist einfach.
07:41   timpritlove
Ist das so?
07:41   hendrikballhausen
Ja, war mein Eindruck.
07:43   timpritlove
Okay. Hat sich das bestätigt der Eindruck?
07:46   hendrikballhausen
/lacht/ Naja, zumindest ist man die letzten zehn Jahre sehr gut zu mir gewesen.
07:52   timpritlove
Okay.
07:54
Gut, also letzten Endes bist du dann doch in der medizinischen Fakultät der LMU gelandet
08:01
und wie hieß das, Forschungsverwaltung? Nein.
08:05   hendrikballhausen
Das ist der trockene Titel, ja Forschungsreferent würde man wahrscheinlich sagen,
08:08
wenn man dem Ganzen jetzt einen Namen geben wollte.
08:12
Ich weiß gar nicht, ob meine Stelle eine offizielle Bezeichnung hat.
08:15   timpritlove
Jetzt bist du aber dann sozusagen dann doch der Informatik wieder etwas näher gekommen.
08:22   hendrikballhausen
Ja.
08:24   timpritlove
Ist dann so eine späte Liebe in gewisser Hinsicht?
08:26   hendrikballhausen
Ja, ich meine, ganz damit aufgehört hat man ja nie, wenn man Nerd ist,
08:33
dann lässt man das nie ganz sein.
08:35
Ich meine, das ist ja auch was, was man ständig gebrauchen kann.
08:37
Also das habe ich in der Physik gebraucht, das habe ich in der Industrie gebraucht,
08:40
in der Wirtschaft habe ich das gebraucht und in der Medizin heute brauchen wir es natürlich auch total dringend.
08:47
Und deswegen der Weg nicht weit, dass ich mich auch um dieses Thema bei uns in der Fakultät ein bisschen kümmern sollte.
08:54   timpritlove
Ist ja auch, Medizin ist ja auch eine so der ersten Disziplinen gewesen,
09:01
die sich so im universitären Bereich mit der Informatik verheiratet haben.
09:05
Also ganz zu Beginn gab es halt so die reine Informatik als Studium
09:10
und später kamen dann halt diese ganzen Kombinationsstudiengänge dazu.
09:15
Da war es auf der einen Seite so die Wirtschaft und auf der anderen Seite die Medizin,
09:19
die eigentlich da so in der ersten Reihe stand.
09:22   hendrikballhausen
Ist immer die Frage, wen man fragt.
09:24
Also in Heidelberg gab es gar keine Informatik, da gab es Mathematik
09:27
und da war völlig klar, Informatik ist angewandte Mathematik.
09:31
Und wir haben im gesamten Studium keinen Computer gesehen.
09:34
Es lief über Beweise.
09:37
Wenn man die Statistiker fragt, an der LMU gibt es eine Fakultät für Mathematik, Informatik und Statistik,
09:44
wenn man die Statistiker fragt, dann ist maschinelles Lernen alles Statistik.
09:50
Und als Physiker würde ich natürlich sagen, dass die Physiker die ersten waren,
09:53
die nach dem Zweiten Weltkrieg die ersten Computer verwendet haben und damit nie aufgehört haben,
09:58
insofern könnte man auch behaupten, dass die Physik die ersten waren.
10:03   timpritlove
Klar, hängt alles zusammen, aber in der Medizin hat sich natürlich dann, wie auch in der Wirtschaft,
10:08
eben auch schnell gezeigt, okay hier gibt es praktische Anwendungen,
10:10
hier kann man der Disziplin als solcher etwas neues hinzufügen
10:16
und die ganze Domäne der Medizin noch mal ganz anders anschieben,
10:21
jenseits aller biologischen medizinischen Erkenntnisse.
10:27
Inwiefern ist das dann jetzt ein Thema für dich geworden?
10:31   hendrikballhausen
Ja, auf der einen Seite die eigene Forschung, also das habe ich dann halt doch nicht ganz sein lassen,
10:38
so wie die Kollegen halt bis abends ihre PatientInnen haben,
10:41
habe ich halt bis abends meine Aktenmappen und nach Feierabend geht es dann ans Paperschreiben.
10:47
Und auf der anderen Seite aber eben auch dadurch, dass ich mich für die Fakultät um diese Thema,
10:51
man darf ja nicht Digitalisierung sagen, man muss ja digitale Transformation sagen,
10:58
dass ich mich darum kümmern sollte und dann merkt man ja relativ schnell,
11:01
dass es schon unheimlich viel gibt und man merkt auf der anderen Seite,
11:05
dass es halt noch so ein paar Themen gibt, die wenig beachtet werden.
11:10
Und was halt total, wo es total viel schon gibt, das ist halt alles, was irgendwie in die Richtung geht,
11:19
Daten sammeln und Daten verarbeiten im weitesten Sinne.
11:21
Das machen ja die Leute auch schon wirklich, wirklich lange.
11:25
Und da, wo es halt jetzt gerade groß das Thema für alle ist, was jetzt neu kommt,
11:31
das ist halt künstliche Intelligenz, das ist maschinelles Lernen.
11:35
Und das, was noch gar nicht so da ist, das sind die Ansätze, die fragen,
11:39
ja, wie wollen wir denn eigentlich mit den Daten wirklich umgehen?
11:45
Wollen wir möglichst große Datensammlungen anlegen, wem gehören die Daten?
11:50
Früher war völlig klar, die Daten, die gesammelt, erhoben werden,
11:55
die gehören dem Arzt, die gehören dem Universitätsklinikum.
11:59
Nur irgendwann später kam dann sozusagen, ja wir sollten den Patienten zumindest um Consent bitten,
12:04
um Zustimmung bitten, dass uns diese Daten gehören dürfen.
12:07
Ja und heute fängt man so langsam an zu fragen, gehören die Daten vielleicht eigentlich der Patientin zunächst mal,
12:15
bevor der sie hergibt oder bevor sie sie vielleicht auch gar nicht hergeben möchte?
12:22
Und die spannende Frage dann eigentlich ist auch, wer behält die Hoheit über diese Daten?
12:31
Wer muss auch später noch irgendeiner Verwendung zustimmen?
12:34   timpritlove
Wenn wir über die Daten reden, was für Daten meinen wir denn jetzt?
12:42
Was ist denn so eigentlich der Datenbereich, der sich heute einem entgegenstreckt?
12:47   hendrikballhausen
Ja, also in der Medizin ist das eigentlich immer ganz ähnlich.
12:52
Das sind zunächst mal Daten, die die Patientinnen und Patienten beschreiben.
12:56
Die Demographics.
12:57
Also wie alt ist derjenige, wo kommt der her, körperliche Eigenschaften,
13:04
von Größe über Gewicht, Geschlecht, etc. pp., Herkunft.
13:10
Dann sind das Daten, die das akute Ereignis betreffen, also warum ist diejenige oder derjenige jetzt im Krankenhaus?
13:18
Was hat der, Diagnosen.
13:21
Und dann natürlich am Ende Aufzeichnungen über die Behandlung.
13:27
Man möchte ja auch letztlich lernen, ein lernendes System haben,
13:32
welche Therapieentscheidungen sind die richtigen.
13:33
Und dann die berühmten Endpunkte.
13:36
Wird der Tumor geheilt, gibt es eine Metastase, wird der Patient entlassen,
13:42
kommt der wieder nach einer Woche?
13:46
Das sind dann sozusagen die spannenden Endpunkte, auf die dann auch die meisten klinischen Studien gemünzt sind.
13:53
Und man muss sagen, dass im Bereich der Medizin das formalisierte Format das sind die klinischen Studien.
14:00
Das sind auch, sagen wir mal, die hochwertigen Daten, die unter wissenschaftlich strengen Gesichtspunkten gesammelt werden,
14:08
wo die Fragestellung im Vorhinein festgelegt ist, die Endpunkte im Vorhinein festgelegt wird,
14:13
wo man dann möglichst wenig „schummeln“ kann.
14:16
Denn dieses explorative Suchen in großen Datenmengen,
14:19
was ja beispielsweise heutzutage in der Wirtschaft sehr gern gemacht wird,
14:22
ob es jetzt um online-Marketing geht oder wenn Salesforce analysiert,
14:28
was sind gute Abläufe im Unternehmen, da wird ja zunächst mal in großen Datenmengen einfach gesucht,
14:32
finden wir irgendein Muster.
14:34
Und in der Medizin sind wir meisten oder sollten wir strenger sein
14:37
und sollten eigentlich mit einer wissenschaftlichen Forschungsfrage rangehen
14:41
und dann schauen, ob wir die tatsächlich in einer idealerweise doppelt verblindeten Studie
14:45
oder wie auch immer verifizieren können.
14:48   timpritlove
An der Stelle vielleicht kurze Anmerkung, Forschergeist Nummer 56 mit dem passenden Titel,
14:54
die digitale Medizin, da hatte ich mich mit Sebastian Kuhn unterhalten,
14:59
der ja im Prinzip auch genau das beklagt hat, dass eigentlich sehr viele Daten da sind so
15:03
oder sehr viele Daten sich im Prinzip anbieten und dass es jetzt eigentlich der nächste Schritt für die Medizin sein müsste,
15:11
mit denen halt irgendetwas anzufangen, einerseits, andererseits natürlich auch Apps,
15:16
zum Beispiel zur, ja gar nicht mal nur zur Diagnose, aber auch zur Diagnose
15:21
oder eben auch tatsächlich zur Behandlung für bestimmte Fälle oder als Therapiemaßnahme mit einzubringen,
15:28
da haben wir eine relativ breiten Bogen gespannt.
15:31
Jetzt ist natürlich klar, okay das Datenmaterial ist da, es ist, sagen wir mal,
15:37
ganz klar das klassischen personenbezogene Datum, was man hier vorfindet.
15:44
Und ich würde meinen, in der Wahrnehmung der Leute ist es so für sie so mit das persönlichste in gewisser Hinsicht.
15:52
Also auch so gefühlt sind das Daten, die einem sehr nahe sind, im wahrsten Sinne des Wortes natürlich,
15:59
wenn es um den eigenen Körper, die eigene Gesundheit geht,
16:07
so dass große Vorbehalte existieren in diesem ganzen Bereich.
16:10
Und man sieht ja auch, dass die ganzen Digitalisierungsmaßnahmen,
16:14
die im Gesundheitssystem bisher vorgenommen wurden, nicht sonderlich erfolgreich waren.
16:21
Also wir haben sehr schön gesehen jetzt in der Corona-Krise, wieviele Informationen nicht vorhanden sind.
16:30
Man weiß nicht, wie sind die Leute geimpft, man hat keine große Erkenntnis über die Symptome etc..
16:41
Also nicht überall, aber an vielen Stellen hätte man sich ja quasi mehr gewünscht, als letztlich da war.
16:49   hendrikballhausen
Ja, also ich glaube, das muss man wirklich differenziert sehen.
16:56
Es ist richtig, dass man häufig sich wünscht, dass mehr ginge,
17:01
aber es ist natürlich auch immer die Frage, zu welchem Preis?
17:05
Die Corona-Krise ist ein Beispiel, wo man natürlich sich aufgeregt hat,
17:10
dass vielleicht irgendwelche Gesundheitsämter Daten jetzt nicht ideal austauschen konnten,
17:16
aber es ist zugleich auch ein Paradebeispiel für etwas, was sehr gut funktioniert hat.
17:21
Beispielsweise diese Corona Warn App, die war ja ein Beispiel,
17:24
dass jetzt Millionen Menschen in sehr sehr kurzer Zeit sich verschaltet haben
17:31
und sich gegenseitig in einem, übrigens auch dezentralen Ansatz, gewandt haben.
17:37
Ein anderes Beispiel, was jetzt in der Öffentlichkeit sicherlich nicht so wahrgenommen wurde,
17:42
war, dass auch in dem sogenannten Netzwerk Universitätsmedizin,
17:47
das ist also ein Netzwerk, das binnen, eigentlich man muss sagen, Tagen und Wochen nach Beginn der Krise aufgesetzt wurde,
17:54
wo alle deutschen Universitätskliniker zusammenarbeiten, auch Datenplattformen geschaffen wurden,
18:00
dass die wirklich universitätsmedizinischen Daten sehr viel besser, sehr viel schneller als zuvor ausgetauscht werden konnten.
18:09
Also da ist auch wirklich viel geschehen, was man vielleicht von außen nicht sieht
18:13
und dass wir nach letztlich einem Jahr eines völlig neuen Krankheitsbildes nicht nur zur Diagnostik,
18:23
wir hatten ja ganz schnell auch Schnelltests, auch zuverlässige PCR-Tests,
18:28
und dass dann nach einem Jahr im Prinzip eine Prophylaxe zur Verfügung stand
18:34
und auch Therapieansätze, wenn man mal andere Erkrankungen sich anguckt,
18:37
das war ja eigentlich jetzt bei aller Kritik, weil uns das alle sehr betroffen hat,
18:41
das war ja eigentlich auch eine totale Erfolgsgeschichte.
18:44   timpritlove
Im medizinischen Bereich auf jeden Fall, also ganz klar.
18:48
Also allein die Entwicklung der Impfstoffe stellt ja auch an sich noch mal einen technologischen Durchbruch dar.
18:56
Trotzdem bei der Bewertung der Pandemie, der Lage, der richtigen Einschätzung
19:01
hätte man sich halt dann doch schon oft gerne auf detailliertere Daten gestützt.
19:05
Aber das ist halt genau das Problem.
19:08
In dem Moment, wo man mehr Daten möchte, erzeugt man natürlich eine ganze Menge Widerstand,
19:12
der teilweise vielleicht berechtigt ist, teilweise vielleicht auch unnötig ist,
19:18
weil es nicht wirklich in eine Privatsphäre eingreift, aber in diesem Spannungsfeld befindet man sich ja auf jeden Fall.
19:24   hendrikballhausen
Also du hast ja eingangs auch ganz richtige Sachen gesagt.
19:27
Also Gesundheitsdaten genießen ja auch vor dem Gesetz einen besonderen Schutzstatus.
19:32
Du hast gesagt, das sind mit die sensibelsten Daten, die es gibt, das ist richtig.
19:37
Zusammen beispielsweise mit jetzt Daten zum Beispiel über die sexuelle Orientierung,
19:40
gehören die zum privatesten, was wir haben.
19:42
Andererseits beobachtet man da natürlich auch eigentlich eine große Divergenz zwischen dem,
19:50
was die Gesellschaft für wichtig hält und was der einzelne für wichtig hält.
19:53
Interessanterweise, wenn man mit einzelnen Menschen spricht,
19:55
dann haben die in der Regel oft gar keine große Scheu, ihre Daten zu teilen,
20:00
wenn man ihnen richtig erklärt, wofür die da sind und ihnen auch erklärt, was mit den Daten geschehen wird.
20:08
Häufig sind diese Daten ja auch dann interessant, gerade wenn sie über eine größere Menge von Menschen erhoben werden,
20:14
und zumindest dann, wenn sie anonymisiert werden können
20:18
und nur eigentlich in aggregierter Form, das heißt, dass man jetzt Summen bildet,
20:23
dass man nicht über den Einzelnen mehr Datensätze hat,
20:24
sondern dass man nur sagen kann, so und so viele Menschen in Summe haben jetzt dieses Merkmal.
20:30
Dann wird das Problem auch sehr viel kleiner sehr schnell.
20:33
Andererseits und das ist ja auch das Paradoxe, an anderer Stelle geben wir diese Daten ja sehr viel bereitwilliger her.
20:41
Du hast Apps erwähnt, was unsere Smartphones über uns an Bewegungsprofilen,
20:48
auch Sozialprofilen, ökonomischen Profilen sammeln, indem wir einfach nur wischen
20:54
und uns gar nicht durchlesen, zu was wir da zustimmen, das ist Größenordnungen mehr als das,
21:00
was sozusagen nach schriftlicher Information und Unterschrift in einem Universitätsklinikum vielleicht über mich gesammelt wird.
21:06
Und vor allen Dingen natürlich auch mit einem ganz anderen Interesse gesammelt und verarbeitet wird für mich, nicht gegen mich.
21:13
Muss man ganz klar sagen, da kommt jetzt der Ökonom in mir durch,
21:16
je mehr ich über meinen Konsumenten weiß, desto mehr kann ich ihm sozusagen,
21:22
desto näher komme ich an seinen Reservationspreis ran, desto mehr Wohlfahrt kann ich ihm wegnehmen.
21:28
Das ist ja oft, dass wir heutzutage beobachten, wenn wir irgendwas kaufen,
21:31
dass wir uns gar nicht mehr freuen, weil das Unternehmen so geschickt war,
21:35
den Preis oder die Qualität der Ware so zu setzen, dass wir gerade noch bereit sind, das zu kaufen.
21:42
Und gar nicht das Gefühl haben, wir hätten jetzt irgendwie ein riesengroßen Schritt nach vorne gemacht.
21:47
Und das ist in der Medizin, muss man sagen, halt wirklich anders.
21:52
Zumindest in der universitären Medizin, das sind ja öffentlich-rechtliche Einrichtungen,
21:56
die keinen Profit machen, die haben in der Regeln wirklich ein wissenschaftliches Interesse.
22:03
Und da das die Forschenden zum großen Teil auch Ärztinnen und Ärzte sind,
22:06
die haben zuallermeist auch wirklich ein Interesse, dem Patienten, der Patientin zu nutzen.
22:13   timpritlove
Was würdest du denn jetzt formulieren, was könnten denn jetzt Ziele sein?
22:17
Was ist denn wünschenswert oder was ist sogar in der Medizin klar, dass man da auf jeden Fall hin möchte,
22:25
auch wenn man vielleicht noch Probleme dabei sieht, wie man diese Ziele erreichen kann?
22:31   hendrikballhausen
Also ich glaube, wir müssen als Gesellschaft klar diese Frage politisch beantworten.
22:36
Zunächst, wie stark wollen wir Datenschutz gegen wissenschaftliches, medizinisches Erkenntnisgewinninteresse abwägen?
22:47
Das ist auch eine Entscheidung, die kann kein Arzt, die kann keine Ärztin,
22:49
das kann kein Informatiker, das kann kein Cloudprovider beantworten.
22:56
Und wenn wir dann diese Entscheidung getroffen haben oder zumindest wissen, in welche Richtung wir uns bewegen wollen,
23:02
dann müssen wir eigentlich sehr schnell und möglichst auch unbürokratisch,
23:08
die technischen Infrastrukturen dafür schaffen.
23:10
Wir sind in Deutschland sehr gut darin, Komitees und Subkomitees zu bilden,
23:15
und wenn diese Strukturen groß genug werden, dann haben die irgendwann ihr eigenes Überleben im Sinn
23:20
und nicht mehr das Problem zu lösen, da müssen wir vorsichtig sein,
23:23
Dass wir vielleicht uns da auch die richtigen Anleihen aus der Industrie holen,
23:28
aus der Digitalwirtschaft, die ja teilweise mit sehr kleinen, sehr agilen Teams sehr viel erreichen.
23:33
Gar nicht so sehr, was jetzt dahinter vielleicht das ökonomische Interesse ist,
23:39
gar nicht eine Ökonomisierung der Medizindaten, aber die Abläufe,
23:44
die Strukturen die müssen einfach moderner, schneller, agiler werden.
23:50   timpritlove
Gut, aber vielleicht kannst du ja mal ein paar konkrete Beispiele nennen,
23:54
wo man sozusagen gerne Daten nutzen würde und zu welchem Zweck.
23:58
Nur um einfach mal so ein bisschen zu verstehen, was so die Stoßrichtung wäre.
24:02   hendrikballhausen
Ja, also ein Klassiker ist, Klinikum A hat eine klinische Studie gemacht,
24:07
die haben written informe consent von ihren Patienten, dass sie das auch auswerten dürfen,
24:10
Klinikum B hat die gleiche Studie gemacht und die merken eigentlich,
24:17
sie könnten viel granularer auswerten, wenn sie jetzt die Daten gegenseitig sich zeigen könnten,
24:20
dürfen sie aber nicht.
24:23
Das sind, die Daten müssen in Gewahrsam des Klinikums bleiben,
24:27
bzw. da sind dann oft auch, sobald eine Landesgrenze in Deutschland dazwischenkommt,
24:30
da sind noch mal andere Datenschutzgesetze, das sind andere Ethikkommissionen,
24:34
und das wird dann sehr schwierig, und der einfache Weg ist dann,
24:39
dass man dann eine Metaanalyse macht, das heißt,
24:41
man nimmt sozusagen die Summe der Erkenntnisse der einen Studie
24:45
und die Summe der Erkenntnisse der anderen Studie und versucht,
24:47
die irgendwie zu verheiraten, aber das ist halt nicht so einfach
24:50
und das ist halt auch nicht so gut, was heißt so gut, man kann oft nicht genau so viel ableiten,
24:56
wie man mit den Rohdaten beider Studien addieren könnte.
25:02
Das ist ein Beispiel für, um jetzt mal einen Fachausdruck zu bringen,
25:06
eine sogenannte horizontale Partitionierung, also jeder hat die gleichen Daten,
25:09
aber in Summe hat man mehr davon.
25:13
Dann gibt es noch ein anderes Problem, das ist eigentlich viel größer,
25:15
das ist die vertikale Partitionierung, das ist, wenn der eine die einen Daten hat
25:18
und der andere hat die anderen Daten, also über die gleichen Leute.
25:21
Beispielsweise der eine weiß, sind das Frauen oder Männer und der andere weiß, sind das Raucher oder Nichtraucher.
25:28
Nichtraucherinnen und Raucherinnen.
25:30
Und das wird dann schon sehr viel schwieriger, weil man kann sich überlegen,
25:34
da kann man eben nicht mehr erst summieren und dann austauschen,
25:37
sondern da muss man eigentlich über den einzelnen Patienten, die einzelne Patientin wissen,
25:41
ist das eine Frau, ist das ein Mann, ist das ein Raucher, eine Nichtraucherin.
25:46
Und dafür gibt es Verfahren, auch mathematische Verfahren, kryptografische Verfahren,
25:52
aber es ist halt immer sehr sehr viel schwieriger, als die Daten in einen großen Topf zu werfen.
25:58
Und deswegen kann man auch verstehen, dass der allererste Reflex, der allererste Impuls,
26:04
was die Leute auch können, ist, große Datentöpfe, große Datalags, große Datensilos zu schaffen
26:11
und die Juristen dann zu beschäftigen, dass die einen entsprechenden Rahmenvertrag dann darum bauen.
26:16
Und so funktioniert es da zurzeit und man muss sagen, ja auch gar nicht unerfolgreich.
26:20
Also es gibt ja in Deutschland die große Medizininformatikinitiative,
26:24
die sich genau mit dem Thema beschäftigt, wie können wir Daten austauschen,
26:27
wie können wir Daten auch harmonisieren, wie schaffen wir es, das ist ja die eigentliche digitale Transformation,
26:32
wie schaffen wir es, dass an den Standorten nicht nur Daten zur Verfügung stehen,
26:36
sondern eben auch strukturierte Daten.
26:38   timpritlove
Was macht diese Medizininformatikinitiative so konkret?
26:42   hendrikballhausen
Die haben sich verschiedene Usecases gesucht, Neurologe etc. pp.,
26:49
wo sie sagen, wir schauen uns jetzt bestimmte Krankheitsbilder in dem ersten Schritt an
26:53
und versuchen, für diese Krankheitsbilder jetzt entsprechende Strukturen aufzubauen,
26:58
dass die Leute da Daten austauschen können.
27:01
Ganz konkret sieht das so aus, dass an jedem Standort ein Datenintegrationszentrum geschaffen wird
27:07
und diese Datenintegrationszentren dann gemeinsame Standards verwenden,
27:11
um Daten eben gemeinsam verarbeiten zu können.
27:15
Das ist immer noch der Ansatz, dass Daten ausgetauscht werden und genau was du eingangs gesagt hast,
27:22
da ist eben nach wie vor die Befürchtung, Daten, die ich einmal herausgegeben habe,
27:27
die bekomme ich halt nicht zurück.
27:30
Ich weiß nicht, was mit denen gemacht wird, vielleicht gibt es in dem Konsortium einen starken Partner
27:36
und viele kleine Partner, dann ist auch immer die Frage, ist es ein gleichberechtigtes Zusammenarbeiten
27:45
oder ist da eine Asymmetrie drin?
27:49
Das sind so Fragen, die sich stellen, die aber in der Praxis eigentlich auch ganz gut funktionieren.
27:54   timpritlove
Ja, aber wie überkommen die denn das Datenschutzproblem an der Stelle?
27:57   hendrikballhausen
Über juristische Lösungen.
27:59
Das heißt, da werden dann tatsächlich Rahmenverträge geschlossen
28:03
und da müssen die Patienten dann eben entsprechend der Verarbeitung der Daten zustimmen.
28:09
Das Wunschziel ist immer der sogenannte Broad Consent(?), das heißt,
28:12
dass der Patient, die Patientin nicht nur zustimmt, dass ihre Daten jetzt für einen bestimmten Zweck verwendet werden,
28:17
sondern auch beispielsweise in Form einer Datenspende sagen, ich bin einverstanden,
28:22
dass meine Daten auch für zukünftige andere Forschungsfragen, die euch vielleicht in ein, zwei, fünf Jahren einfallen,
28:27
auch verwendet werden dürfen.
28:29   timpritlove
Ähnliches hatten wir ja auch in der Corona-Krise, das RKI hat ja auch diese Datenspende-App rausgebracht,
28:35
noch bevor das mit der Corona-Warn-App richtig losging.
28:39
Ich weiß gar nicht, wie erfolgreich das eigentlich war, wissen wir nicht.
28:42
Aber du meinst, das skaliert nicht, das stößt an seine Grenzen oder?
28:47   hendrikballhausen
Das skaliert sehr gut.
28:50
Also wenn man die Daten in einen Topf werfen kann, dann ist das immer das einfachste
28:53
und das, was am allerbesten skaliert.
28:55
Auch vor allen Dinge, was natürlich, wenn man jetzt wieder die Informatik betrachtet,
28:59
die Algorithmen funktionieren am allerbesten, wenn die auf Daten lokal,
29:03
also auf einem großen Datensilo, das an einem Ort ist, läuft.
29:06   timpritlove
Okay, das ist die Skalierung aus der technischen Perspektive, aber ich meinte eher,
29:09
skaliert es sozusagen insofern, als dass man sehr viel mehr solche Ansätze machen kann?
29:15
Also lässt sich das im Prinzip auf den gesamten medizinischen Bereich erweitern?
29:20
Dann würde ich ja sagen, sind wir schon fast fertig hier mit dem Podcast.
29:22
Dann lösen wir das einfach juristisch und das war es.
29:25   hendrikballhausen
/lacht/ Naja, manche Länder, UK, Dänemark, glaube ich, die gehen ja durchaus diese Richtung,
29:31
dass die wirklich große nationale Datenbanken haben, die haben natürlich wieder andere Nachteile.
29:40
Es gibt, je größer die Datenbank ist, desto größer ist natürlich auch die Zielscheibe, die man drauf malt,
29:45
für beispielsweise irgendwelche Hackerangriffe, das ist natürlich immer alles im Vorwege total abgesichert,
29:51
aber wie man auch an der Gesundheitskarte und anderen Systemen sieht,
29:55
je größer so ein System wird, desto mehr Akteure gibt es, die in irgendeiner Form involviert sind,
30:01
desto mehr Schnittstellen gibt es und desto größer wird letztlich auch die Angriffsfläche.
30:06
Und insofern würde ich sagen, jain, vielleicht skaliert das in der Medizin sogar,
30:15
die Frage ist, gibt es andere Ansätze, die vielleicht in den moderneren demokratischeren auch Prozess hinweisen.
30:23
Du hast die Apps erwähnt, ja das wäre vielleicht auch noch mal meine Antwort auf,
30:25
wem gehören die Patienten?
30:28
Heutzutage, wenn die Daten am Universitätsklinikum entstehen und wir wollen ja zum Beispiel auch zunehmend an die Daten,
30:33
die beispielsweise bei den Niedergelassenen entstehen, das ist ja auch ein riesiger Datenschatz,
30:38
der noch in keiner Weise irgendwie gehoben ist.
30:41
Und weil mal ehrlich gesagt, die Universitätskliniker sehen ja oft auch die Sonderfälle.
30:48
Aber der Niedergelassene der sieht eigentlich das, was die Bevölkerung wirklich auch viel betrifft.
30:55
Und du hast die Apps erwähnt, ja, und in Zukunft tragen die Leute halt die Apps bei sich
31:00
und dann werden wir als Universitätsmedizin eines Tages wirklich die Leute bitten müssen,
31:06
darf ich die Daten aus deiner App haben?
31:09
Es ist noch nicht mal so, dass wir fragen müssen, dürfen wir die Daten, die wir von dir haben, verwenden,
31:13
sondern, wirst du uns wirklich deine Daten geben?
31:17
Und da kann man sich natürlich überlegen, wenn man ohnehin diesen Schritt vor sich hat,
31:20
dass man auf dezentrale Daten zugreifen muss, können wir dann vielleicht heute schon lernen,
31:25
auch auf dezentralen Daten zu rechnen, dass wir die gar nicht mehr austauschen müssen?
31:31   timpritlove
Gibt ja auch entsprechende Initiativen von den Smartphone-Herstellern,
31:37
vor allem Apple ist ja in diesem Gesundheitsbereich ganz weit vorne.
31:42
Auch so mit der Apple Watch, hatten wir auch schon in diesem vorhin erwähnten Podcast drüber gesprochen,
31:47
dass da ja massig sehr vergleichbare Daten gesammelt werden quasi,
31:51
das Telefon selber überwacht ja im wahrsten Sinne des Wortes den Körper.
31:57
Es gibt immer mehr Sensoriken, von Blutdruck etc., alles mögliche.
32:06
Es gibt ja auch noch andere Messgeräte, die mittlerweile mit den Telefonen gekoppelt werden,
32:08
bei Leuten, die da einen speziellen Bedarf haben.
32:11
Das ist natürlich auch ein riesiger Datenschatz, der eigentlich nur darauf wartet,
32:15
in irgendeiner Form ausgewertet zu werden.
32:19
Bisher läuft das ja dann eben nur über solche meist dann universitären Studien,
32:25
wo Leute dann quasi über Apps sagen können, okay ich will jetzt an dieser Studie teilnehmen
32:29
und spende da quasi meine Daten mit rein, die ja dann auch mehr oder weniger automatisiert eingesammelt werden können.
32:37   hendrikballhausen
Ja, aber Apple, ist zumindest jetzt mein Verständnis, ist ja ein Paradebeispiel dafür,
32:43
dass eben genau so ein proprietärer Datenraum geschaffen wird.
32:48
Apple zentralisiert ja eigentlich alle Daten, die auf irgendeinem, egal ob es die Smartwatch ist
32:55
oder das iPhone oder der PowerMac oder was auch immer das ist,
33:00
Apple ist ja eigentlich dafür bekannt, dass es den Benutzern eine sehr komfortable einheitliche Sicht auf ihre Daten bietet,
33:08
was aber eben bedeutet, dass diese Daten eben alle zentral liegen.
33:11
Und auch die allermeisten Geschäftsmodelle…
33:13   timpritlove
Also zentral auf den Geräten liegen.
33:15   hendrikballhausen
Zentral bei Apple liegen.
33:16   timpritlove
Gesundheitsdaten nicht, nein.
33:20   hendrikballhausen
Okay, gut, das weiß ich jetzt nicht.
33:21   timpritlove
Nein, nein.
33:21
Das ist halt das Modell, also die Daten verlassen eigentlich das Telefon nicht
33:26
und man kann dann halt mit dem Apps an Studien teilnehmen und dann dafür sozusagen explizit die Datenspende quasi freigeben,
33:34
aber ansonsten verlassen die halt das Telefon nicht.
33:39
Es ist nur so, dass die Daten quasi auf den Geräten zentral gesammelt werden,
33:44
also Apps, die irgendwas zu sammeln haben oder etwas anfragen möchten,
33:48
wenden sich quasi über einen definierten Zugang an das Gerät und sagen,
33:53
ich würde gern das auslesen dürfen bzw. ich würde gerne diese Information schreiben dürfen,
33:58
weil ich die über irgendein, was weiß ich, Bluetooth gekoppeltes Sensorgerät, einsammle
34:04
und dann liegen die da halt erst mal rum, aber warten ja im Prinzip darauf, auch mal sinnvoll ausgewertet zu werden.
34:11   hendrikballhausen
Okay. Wenn du deine Smartwatch verlieren würdest und du würdest dir eine neue kaufen,
34:17
dann wären da keine Daten mehr drauf.
34:22   timpritlove
Die Daten sind in meinem eigenen Backup natürlich erhalten.
34:25   hendrikballhausen
Das meine ich, die Daten liegen bei Apple.
34:28   timpritlove
Ach so, in dem Moment, wo man sein Backup bei Apple macht, liegen die Daten dort.
34:31   hendrikballhausen
Ja.
34:32   timpritlove
Das ist richtig.
34:34
Aber es gibt nicht in dem eigentlichen Sinne eine zentrale Gesundheitsdatenbank,
34:38
in der man sagen kann, gib mir mal die Daten von.
34:41   hendrikballhausen
Das Geschäftsmodell der allermeisten Apps ist ja genau das,
34:47
die App ist oft kostenlos, ja, und das Unternehmen selber verdient dann daran,
34:54
dass die Daten als solche weitergegeben, verkauft, genutzt werden.
35:01
Ist ja heutzutage auch deswegen besonders spannend, weil gerade im Bereich des maschinellen Lernens
35:06
man natürlich sehr viel Daten auch über Benutzerinnen und Benutzer verknüpfen möchte
35:11
und vor allen Dingen überhaupt eigentlich auch vernünftig erst Modelle trainieren kann,
35:15
wenn man Millionen von Nutzern hat.
35:19
Und das beobachten wir in ganz vielen Bereichen.
35:21
Dass jetzt die klinische Studie am Ende auf einer Smartwatch ausgeführt wird,
35:27
das ist eigentlich, möchte ich mal behaupten, noch der absolute Ausnahmefall,
35:33
das gibt natürlich jetzt erste Ärztinnen und Ärzte, die das spannend finden
35:40
oder auch beispielsweise im Bereich der Sportmedizin da Bewegungsbilder auswerten.
35:47
Die typische klinische Studie, sagt ja auch der Name, klinisch, findet in der Klinik, am Klinikum statt,
35:55
ist meistens doch so, dass sie unter sehr kontrollierten Bedingungen stattfindet,
36:00
aber natürlich zunehmend interessieren wir uns auch dafür, Leuten Wearables mit nach Hause zu geben,
36:05
um die dann beispielsweise nachzuverfolgen oder eben, das kann dann auch einfach Arbeitserleichterung sein,
36:13
dass die Daten nicht ständig jetzt von Study Nurses erhoben werden müssen,
36:17
sondern dass die mehr oder weniger automatisiert abgerufen werden können.
36:21   timpritlove
Blutdruck verfolgen etc.
36:24   hendrikballhausen
Zum Beispiel, ja genau.
36:25   timpritlove
Genau. So und jetzt muss man sich natürlich darüber Gedanken machen,
36:29
wie kann man diese Ziele erreichen, die du vorhin genannt hast.
36:34
Also wie kann man denn nun Daten zusammenführen, von denen eben nicht von vornherein gesagt wurde,
36:39
ja die könnt ihr für alles mögliche verwenden, mir doch egal, macht doch was ihr wollt.
36:44
Weil das ist ja nicht die Regel, sondern die Regel ist ja immer erst mal,
36:46
da, wo keine explizite Einwilligung vorliegt, ist es halt alles erst mal wieder im Bunker.
36:52
Und wenn ich das richtig verstehe, habt ihr jetzt ein Projekt gestartet mit dem schönen Namen,
36:58
Federated Secure Computing, das halt informatische Methoden aufruft und sagt,
37:06
hör mal, alles gar kein Problem, wir können diese Daten, ohne sie wirklich irgendjemandem zu öffnen,
37:16
auch beliebigen Verarbeitungsschritten zuführen, ohne dass irgendjemandem was verraten wird.
37:25
Ist das so erst mal von der Prämisse her richtig dargestellt?
37:29   hendrikballhausen
Ja, gar kein Problem wäre schön, dann bräuchte es unser Projekt nicht,
37:32
aber im Prinzip ist es genau das.
37:35
Also wir wollen diesen alten Konflikt auflösen zwischen Kollaboration auf der einen Seite,
37:40
Daten gemeinsam zu nutzen und Datenschutz auf der anderen Seite.
37:44
Wir wollen eben erreichen, dass die Leute auf verteilten Daten so rechnen können,
37:48
als wären sie an einem Ort zusammen.
37:52
Dass beispielsweise auch so Dinge möglich werden wie Dynamic Consent.
37:55
Dass ich also auch im Nachhinein noch bestimmen kann, was mit meinen Daten geschieht,
37:59
eben weil ich sie nicht einmal herausgegeben habe,
38:02
sondern indem ich eigentlich bei jeder neuen Berechnung aktiv werden muss.
38:06
Und das ist vielleicht auch noch mal so ein Punkt, wer ist eigentlich aktiv und wer ist passiv in dem System?
38:12
Und es würde zu wesentlich demokratischeren Datenströmen und Datenstrukturen führen,
38:19
wenn eben die Konsumentinnen und Konsumenten, wenn die Patientinnen und Patienten wirklich auch zu Akteuren würden.
38:25
Da gibt es ja schöne Ansätze, beispielsweise Citizen Science.
38:28
Das eine Beispiel ist die Datenspende, aber es gibt noch andere Beispiele für Citizen Science,
38:33
wo Leute eben beispielsweise die Rechenleistung ihres Computers zur Verfügung stellen.
38:38
Und das passiert eben jedesmal wieder neu.
38:39
Die Leute werden jedesmal wieder aktiv und überlegen sich ja auch,
38:43
wo möchte ich mich engagieren, für was, wo sehe ich jetzt meine Daten gut verwendet?
38:47
Wo sehe ich auch mein eigenes Interesse, da mitmachen zu wollen?
38:52   timpritlove
Also Citizen Science im Sinne von, ich würde es mal jetzt ein bisschen mit der Astronomie vergleichen,
38:58
man hat diese ganzen Sternenkataloge, es gibt einfach von vielen Projekten, auch neueren Missionen,
39:05
die ja auch umgeschwenkt haben zu diesem vollständig geschlossenen,
39:09
das ist nur für unsere Hohepriester und Superwissenschaftler, dass die Daten halt quasi mehr oder weniger der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen,
39:17
weil es ohnehin so viele Daten sind, dass niemand auf alles drauf schauen kann
39:21
und man es im Prinzip beliebigen Leuten ermöglicht, da einfach ganz eigene Analysen vorzunehmen
39:27
und so verstehe ich das jetzt auch, ist es so ein bisschen diese Vision, was wäre wenn,
39:32
wenn all diese Daten qualifiziert herumliegen, aber naja, wie wird dann der Datenschutz dabei nicht
39:40
und die Privatsphäre dabei nicht verletzt?
39:44   hendrikballhausen
Und da gibt es eben eigentlich Verfahren, die auch…
39:46
also ich bin froh, dass dieser Podcast Forschergeist heißt und nicht Erfindergeist.
39:53
Wir sind wirklich nicht Erfinder von diesen Verfahren, diese Verfahren gibt es eigentlich schon richtig lange.
39:57
Die gibt es so seit den 70er/80er Jahren und es ist ganz spannend, sich zu überlegen,
40:03
warum die eigentlich auch nicht so wirklich bisher gezündet haben.
40:09
Und das ist eigentlich so der Ansatz unseres Projektes, zu sagen,
40:12
wir wollen diesen Verfahren auch mal helfen, auch in dem schwierigen Feld der Medizin Fuß zu fassen,
40:19
und dort erste Showcases zu bauen, dass die wirklich auch gut funktionieren können.
40:24   timpritlove
Es gibt ja auch gerade bei den schon angesprochenen Smartphones gibt es ja im Prinzip schon ähnliche Beispiele,
40:31
die jetzt erst mal mit Medizin aber nichts zu tun haben.
40:35
Verkehrsvorhersagen, man wundert sich immer, woher wissen die, dass da jetzt ein Stau ist in meiner Straße,
40:42
ja, das wissen die, weil sie halt quasi alle Telefone die ganze Zeit überwachen,
40:48
wie schnell sie sich denn jetzt bewegen und daran halt klare Patterns ableiten können,
40:53
ah du bist hier irgendwie zu Fuß unterwegs, wahrscheinlich eher Fahrrad oder du stehst halt hier gerade mit deinem Auto im Stau,
40:59
weil mal bewegst du dich mit 60km/h und dann stehst du halt wieder zwei Minuten rum.
41:04
Und dann denkt man sich so, oh ja ist ja aber eigentlich genau auch super, Privatsphäre, du weißt wo ich bin etc..
41:10
Und auch dort gab es ja schon verschiedene Verschleierungsansätze, ich glaube,
41:15
so ein Modell, was sich differential privacy nennt, steht da ganz weit vorne.
41:18   hendrikballhausen
Richtig.
41:20   timpritlove
Dass man im Prinzip sagt, naja okay, alle schicken das jetzt irgendwie einerseits halt anonymisiert so,
41:28
andererseits aber auch so, dass ein vorhersagbarer Teil der Daten quasi falsch ist,
41:34
also man weiß, zehn Prozent der Antworten stimmen einfach nicht
41:37
und das kann man dann im Nachhinein wieder rausrechnen und kommt dann trotzdem auf das richtige Ergebnis.
41:42   hendrikballhausen
Ja, absolut richtig, du hast da jetzt genau eines dieser Verfahren genannt
41:46
oder sozusagen eine Klasse von Verfahren, differential privacy, auch in der Medizin viel verwendet.
41:55
Du hast es richtig gesagt, man verrauscht die Daten bzw. man erlaubt,
41:59
wenn man jetzt eine entsprechende Datenbank gebaut hat,
42:03
dann erlaubt man den Wissenschaftlern eben nur bestimmte Abfragen
42:07
und nicht beliebige Abfragen, ist aber auch wieder übrigens ein ganz interessantes
42:10
informationstheoretisches Entscheidungsproblem, welche Anfragen man zulassen darf.
42:17
Und ist gar nicht so leicht entscheidbar.
42:18   timpritlove
Ja und vor allem bei den Beispielen, die du vorhin genannt hast, mit der vertikalen Partitionierung.
42:26   hendrikballhausen
Da funktioniert das nicht.
42:28   timpritlove
Genau, weil dann will man ja genau, da muss man ja exakt genau zuordnen
42:33
und da darf man in dem Sinne ja auch keine falschen Daten haben, weil dann ist im Prinzip der ganze Witz schon wieder vorbei.
42:41
Von daher taugt das eben für bestimmte Dinge vielleicht unter Umständen, aber auf gar keinen Fall für alle.
42:46   hendrikballhausen
Ja, also es gibt auch da in der deutschen Medizininformatik initiative Leute,
42:51
nicht uns, die haben ganz Interessante Ansätze, wo sie eben auch verrauschte Identifier zuordnen können,
42:57
also auch wenn jetzt Namen ähnlich sind und auch da kann man einiges verschleiern
43:00
und trotzdem noch was lernen.
43:02
Aber das ist in der Tat natürlich schwierig und die spannende Frage ist natürlich auch,
43:07
was ist dann sozusagen die Sekundärnutzung dieser Daten.
43:10
Solange das Ganze für die Stauvorhersage verwendet wird, ist es ja fein.
43:14
Sobald ich dann, wenn ich das nächste Mal eine Autoversicherung abschließen möchte,
43:16
plötzlich gesagt bekomme, Ihr Tarif ist doppelt so hoch, weil Sie an der Kreuzung immer abbiegen,
43:23
ohne auf sozusagen die Ampel zu warten.
43:27
Obwohl das ist vielleicht sogar noch ein Beispiel, das gesellschaftlichen Nutzen bringen würde.
43:33   timpritlove
Ist alles so bisschen Dual Use.
43:39
Aber was sind denn jetzt, also wenn ich das jetzt richtig verstehe, ist ja euer Ansatz eher der,
43:43
wir möchten gerne, dass man mit den richtigen Daten arbeitet, aber die darf keiner sehen.
43:50   hendrikballhausen
Richtig, ja.
43:52
Also ein anderes Verfahren, was da oft als der Goldstandard auch bezeichnet wird,
43:55
das ist Secure Multiparty Computation.
43:57
Also sicheres Rechnen von verschiedenen Parteien.
44:02
Und wir haben in 2019 einen Pilotversuch gemacht,
44:08
wo wir Patientendaten der LMU und der Charité in Berlin, also auch über Landesgrenzen hinweg,
44:13
das waren Glioblastomdaten(?), also Daten von Krebspatientinnen und Krebspatienten,
44:17
miteinander verrechnet haben, ohne die auszutauschen.
44:21
Und das hat eigentlich super funktioniert.
44:23
Das Problem dabei war, es waren damit vier Monate lang die Leute beschäftigt.
44:30
Also wir hatten einen Expertenprogrammierer von der TU, der das für uns programmiert hat,
44:33
der ist inzwischen auch beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik,
44:37
weil solche Leute sind immer sofort weg, die so was können.
44:41
Wir hatten jeweils einen Systemadministrator an der Charité und an der LMU,
44:44
wir hatten zwei große schwere Server und am Ende lief das und es lief mühsam
44:51
und wenn man jetzt eine andere Analyse hätte machen wollen,
44:53
dann hätte man eigentlich sozusagen wieder bei null anfangen müssen.
44:57
Und in dem Moment ist uns dann auch klargeworden, das ist nicht so einfach,
45:00
so problemlos, vor allen Dingen sind wir dann losgezogen und haben versucht,
45:04
Leuten das zu verkaufen, also jetzt nicht als Produkt zu verkaufen,
45:08
sondern Manager auch in anderen Unternehmen von dieser Idee zu überzeugen.
45:12
Weil in der Industrie hat man das viel häufiger, dass man sich Daten gar nicht zeigen kann,
45:16
weil es Geschäftsgeheimnisse sind, also selbst wenn man wollte.
45:20
Und wir haben eigentlich immer dieselbe Antwort bekommen.
45:23
Der Chef der fand das eigentlich immer super, der hat das gesehen,
45:26
der hat das grundsätzliche Problem gesehen, Datenschutz versus Kollaboration.
45:31
Der Chief Technology Officer, der fand das eigentlich auch immer super,
45:34
der hat gesagt, hier ist unser Alleinstellungsmerkmal und neue Technologie und klasse
45:39
und wollen wir mal ausprobieren und dann kam der CIO der Chief Information Officer
45:43
und das waren immer die Jungs, die gesagt haben, um Gottes Willen bitte nicht.
45:47
Wir haben die Skills nicht, wir haben die Leute nicht, wir verstehen das nicht,
45:51
wir wollen das nicht, wir haben so was noch nie gemacht.
45:55
Und die hatten dann natürlich auch die Datenschützer im Schlepptau,
45:57
die auch gesagt haben, ja ist toll, aber wir verstehen das eigentlich nicht,
46:02
wir haben Angst, das zu unterschreiben.
46:05
Und so Datensammeln das verstehen wir, das können wir unterschreiben,
46:08
da verstehen wir das Risiko, da verstehen wir die Haftung.
46:12
Aber ihr bringt da so ein virtuelles Netzwerk, wo eigentlich völlig unklar ist am Ende,
46:16
wer hat eigentlich die Daten, wo sind denn die, wer verarbeitet denn da eigentlich was?
46:21
Das wollen wir nicht, das können wir nicht.
46:23   timpritlove
Nachvollziehbare Einwände, möchte ich sagen.
46:27
Weil ich meine, das Ganze hat ja jetzt hier auch mit Kryptographie zu tun,
46:31
und Kryptographie ist komplex.
46:33
Können wir vielleicht mal versuchen, so ein bisschen ein Gefühl dafür zu bekommen,
46:37
was mit so einer Multiparty Computation, also Leute rechnen auf,
46:41
also mehrere Leute rechnen auf denselben Daten an verschiedenen Stellen, ohne die Daten zu sehen.
46:48
Also ich weiß nicht, wie ich zwei plus zwei zusammenaddieren soll, wenn zwei verschlüsselt ist.
46:53   hendrikballhausen
Ja, da musst du mir jetzt sagen, ob ich das sozusagen hier mal in fünf Minuten darstellen darf.
46:58   timpritlove
Gerne.
46:59   hendrikballhausen
Aber dann wären wir schon im algorithmischen Bereich.
47:01
Also wenn du zwei plus zwei rechnen willst, ist es schwierig,
47:04
weil sobald, also nehmen wir mal an, die zwei kommt von dir und die andere zwei kommt von mir,
47:09
und wir beide rechnen gemeinsam aus, dass das vier ist, dann weißt du hinterher, was meine Zahl war.
47:14
Das funktioniert nicht.
47:15
Aber wenn wir jetzt hier noch jemanden drittes am Tisch sitzen hätten
47:18
und wir alle drei hätten eine Zahl im Kopf und wir wollen die Summe von diesen drei Zahlen wissen, das ginge.
47:26
Und das würde so funktionieren, dass ich einen Würfel werfe.
47:29
Ich würfle eine Zahl und diese Zahl die ziehe ich von meiner geheimen Zahl im Kopf ab
47:33
und ich sage dir aber, was ich gewürfelt habe, das darf die dritte Person nicht wissen
47:37
und du addierst das bei deiner Zahl in deinem Kopf hinzu.
47:41
Dann kannst du dir vorstellen, ich habe es abgezogen, du hast es dazuaddiert dieses Würfelergebnis,
47:44
da hat sich die Gesamtsumme im System nicht verändert,
47:48
aber dass ich dir eine gewürfelte Zahl genannt habe, hat dir auch keine Information verraten,
47:53
weil das war ja eine zufällige Zahl.
47:55
Und dasselbe machst du mit der dritten Person, du würfelst ihr also auch was zu
48:00
und ihr addiert und ihr subtrahiert und dann machen wir das noch ein drittes Mal im Kreis
48:04
und dann kannst du dir überlegen, wenn du das jetzt auf Papier als Formeln hinschreiben würdest,
48:09
dass wir hinterher alle eine neue Zahl im Kopf haben, die wir uns verraten können,
48:13
weil da ist jetzt genügend Zufall, genügend Unsicherheit drin, dass wir am Ende immer noch auf dieselbe Summe kommen,
48:21
also das richtige Ergebnis, aber keiner von uns weiß, welche Zahlen die anderen beiden im Kopf hatten.
48:29
Da müssten sich jetzt zwei von uns zusammentun gegen den dritten,
48:32
dann könnten wir es wieder ausrechnen.
48:34
Das nur mal so ein ganz einfaches Beispiel für eine Summenberechnung,
48:38
weil du das Beispiel gebracht hast, auf sichere Art und Weise.
48:43   timpritlove
Aber hätten wir dann das exakte Ergebnis oder eine Approximation?
48:45   hendrikballhausen
Nein, wir hätten das exakte Ergebnis, weil ich ja dieselbe Zahl abziehe, die du hinzuaddierst
48:52
und so geht das in jedem Schritt.
48:53   timpritlove
Aber das exakte Ergebnis wird nur dadurch erreicht, indem man diesen ganzen Prozess mehrfach durchläuft?
48:58   hendrikballhausen
Eine Runde würde reichen. Wir würfeln einmal in der Runde und anschließend hätten wir alle eine neue Zahl im Kopf,
49:04
die können wir uns hier offen auf den Tisch legen, aus der kann dann keiner mehr was lernen.
49:10
Das System wird natürlich umso sicherer, je mehr Parteien dabei sind,
49:14
weil dass sich zwei gegen einen verbünden, das ist noch denkbar,
49:18
aber wenn wir jetzt hundert Personen wären, dann müssten sich 99 Personen gegen den hundertsten, die hundertste verbünden,
49:25
um deren Zahl rauszufinden.
49:28   timpritlove
Und ist das Bild mit dem Würfeln jetzt quasi nur eine Chiffre für Kryptographie?
49:33   hendrikballhausen
Nein.
49:34   timpritlove
Oder ist es eine tatsächliche Veränderung der Werte?
49:37   hendrikballhausen
Eine tatsächliche Veränderung der Werte.
49:39
Und das ist nicht nur ein Bild, sondern das ist genau der Algorithmus.
49:41
Ich lasse den Computer eine Zufallszahl erzeugen und die ziehe ich bei mir ab
49:47
und die Zufallszahl verrate ich dir und du addierst sie bei dir hinauf und so geht es einmal im Kreis.
49:52
Genau das ist der Algorithmus.
49:54   timpritlove
Das heißt, man stellt die Daten bereit in einem Bewusstsein, wie sie letztlich auch berechnet werden sollen,
50:00
modifiziert sie entsprechend, dass sie als solche nicht mehr erkennbar ist,
50:04
so dass es dann in der Summe wieder funktioniert?
50:07   hendrikballhausen
Ja genau. Das heißt, das Protokoll gehört immer dazu.
50:09
Es geht jetzt gar nicht mehr so sehr um die Daten, sondern es geht vielmehr um das Protokoll.
50:15
Also der Berechnungsmodus, auf den wir uns geeinigt haben.
50:18
Und da geht die Welt sehr weit auf.
50:20
Also da gibt es Verfahren, die zum Beispiel dann auch, das wird dann natürlich noch mal eine Stufe komplexer,
50:26
es gibt Verfahren, die zum Beispiel auch herausfinden können,
50:28
ob einer von uns in dem Protokoll geschummelt hat oder ob wir uns alle an das Protokoll gehalten haben.
50:34
Also es ist total interessant, es ist hardcore Mathematik, es ist hardcore Kryptographie.
50:40
Ich bin kein Kryptograph, Gott sei Dank gibt es diese Verfahren ja schon,
50:44
wir mussten also gar nichts erfinden, aber wir haben eben den Ansatz,
50:49
zu versuchen, die so zu verpacken als Bibliotheken, als OpenSource,
50:55
dass sie eben einfacher einsetzbar werden.
50:57
Und die andere große Schiene, auf der wir aktiv sind, deswegen bin ich ja heute zum Beispiel auch hier,
51:02
ist Awareness, wir versuchen einfach auch Bewusstsein dafür zu schaffen,
51:06
dass man eben gemeinsam auf Daten rechnen kann, ohne die auszutauschen.
51:11   timpritlove
Wie komplex kann diese Berechnung denn dann sein?
51:17
Also geht das jetzt nur mit den vier Grundrechenarten oder?
51:20   hendrikballhausen
Das ist, ja, wie soll man sagen, der Pyrrhussieg des Secure Multiparty Computation.
51:26
Es hat irgendwann mal jemand mathematisch bewiesen, dass man tatsächlich jede Funktion auf sichere Weise berechnen kann.
51:34
Das heißt, zumindest theoretisch könnten wir alles, was wir berechnen können,
51:39
indem wir die Daten zusammenschmeißen, auch berechnen, indem wir die Daten lokal lassen.
51:45
Du hast aber nach der Komplexität gefragt.
51:48
Und das wissen die Leute, die sich mal so ein bisschen mit Computern und Algorithmen beschäftigt haben,
51:52
spannend ist ja immer auch, wie lange laufen die Algorithmen?
51:56
Ist das jetzt auch in realistischer Zeit, ist das mit realistischem Speicher zu lösen?
52:00
Und da muss man sagen, da ist jetzt ein großes Problem, dass beispielsweise,
52:06
wenn wir uns Bitcoin anschauen, wenn wir uns die Blockchain anschauen,
52:09
das ist eigentlich so das Gegenbeispiel, bei Blockchain geht es eigentlich um Nichtverfälschbarkeit
52:14
und Nachvollziehbarkeit, ist aber auch ein dezentraler Ansatz.
52:18
Bei uns geht es eben darum, auch dezentral, aber eben nicht nachvollziehbar, nicht transparent.
52:24
Trotzdem sind die Algorithmen, die dahinterstehen, oft sehr ähnlich
52:27
und wie wir wissen von der Blockchain und von Bitcoin, solange das so ein Proof of work Sceem(?) ist,
52:34
dann wird da sehr viel Energie verbraten.
52:37
Und das ist bei einigen dieser Verfahren hier auch.
52:39
Und insbesondere bei diesen Verfahren, die jetzt universell sein wollen,
52:43
also womit man jedes Problem lösen kann, die sind extremst rechenaufwendig.
52:47
Das ist in der Praxis kein Problem, also wir reden jetzt nicht darüber,
52:50
dass Hochleistungsrechner ein Jahr arbeiten oder so.
52:53
Sondern wir reden vielleicht darüber, dass die ein paar Minuten rechnen.
52:55
Aber die rechnen halt da ein paar Sekunden oder ein paar Minuten,
52:59
wo normalerweise der Rechner in einer Milliardstel Sekunde eine Summe gebildet hätte.
53:05
Das heißt, schon ein millionen-, milliardenfacher Mehraufwand.
53:09
Und deswegen wissen wir oft gar nicht, ob wir uns jetzt wünschen sollen,
53:11
dass unsere Verfahren so weit Anwendung finden, denn wenn jetzt irgendwann wirklich Millionen, Milliarden Menschen das verwenden würden,
53:20
und das wirklich global skaliert, dann hätten wir tatsächlich dasselbe Problem wie bei Bitcoin,
53:25
dass wir wirklich also Energiemengen von kleinen Staaten verwenden.
53:28   timpritlove
Naja gut, aber ich meine, wenn man jetzt Studien auswertet, dann ist das ja auch ein einmaliger Vorgang.
53:33   hendrikballhausen
Ja, da ist das kein Problem.
53:34   timpritlove
Und nicht so ein Bedarf, permanent Energie zu verbrauchen, nur um des Verbrauchens der Energie als solcher.
53:41   hendrikballhausen
Nein, aber irgendwann hat mal jemand gesagt, wir schicken jetzt eine Email
53:44
und es ist egal, wie groß die Bandbreite ist und plötzlich verschicken wir ein paar mehr Emails.
53:48
Also das weiß man ja nicht, wo es eines Tages hingeht.
53:50   timpritlove
Okay, gut, aber ich meine, wenn man jetzt sagt, okay, die Alternative ist,
53:55
entweder man macht so eine Studienauswertung oder man macht sie halt gar nicht,
54:00
und sagt, ja okay, das würde aber jetzt irgendwie zwar hunderttausendmal länger dauern,
54:06
als es dauern würde, wenn man jetzt das Ganze unverschlüsselt auf den nackten Daten,
54:12
ohne irgendeinen Datenschutz, ohne irgendeinen Privatsphäreschutz machen würde,
54:18
dann ist das ja auch etwas, was durchaus auch skalieren kann,
54:22
weil dann nur noch die Frage ist, okay dauert es eine Minute oder dauert es einen Tag, so.
54:25   hendrikballhausen
Ja.
54:26   timpritlove
Und wenn es einem das wert ist, das irgendwie auch an einem Tag zu berechnen, könnte man es ja machen.
54:29   hendrikballhausen
Für eine klinische Studie ist das sowieso kein Problem, denn die dauern ja in der Regel Jahre.
54:33
Und da am Ende, ob man das jetzt an einem Tag auswertet oder in einer Minute oder eine Millisekunde,
54:38
das ist völlig egal, da sehen wir das Problem auch überhaupt nicht.
54:42
Unser Ansatz jetzt bei dem, was wir ganz konkret programmieren,
54:46
unser OpenSource-Projekt, das geht noch mal in eine dritte Richtung,
54:49
das versucht eigentlich so das beste beider Welten zu haben.
54:52
Weil wir haben gesehen, die Leute brauchen gar keine universellen Lösungen,
54:57
sondern eigentlich 90 Prozent der Anforderungen sind eigentlich mit zehn Prozent der Algorithmen zu erschlagen.
55:03
Die Leute wollen Summen berechnen, die Leute wollen eine Statistik machen,
55:06
die Leute wollen Korrelationen sehen, die Leute wollen Listen vergleichen,
55:10
das sind ganz einfache Sachen, die immer immer wieder kommen
55:14
und deswegen ist unser Ansatz dafür schlanke effiziente Microservices zu bauen,
55:19
die genau dieses eine Problem berechnen und nicht ein anderes.
55:24
Aber dadurch dass wir sagen, wir lösen jetzt wirklich nur das Problem, wie können wir eine Summe berechnen
55:27
oder wir lösen nur das Problem, wie können wir jetzt eine Korrelation berechnen,
55:33
dann kann man das hocheffizient machen in den allermeisten Fällen
55:37
und dann tritt das Problem auch gar nicht auf.
55:39   timpritlove
Jetzt sind ja die wenigsten Wissenschaftler mit all diesen ganzen Themen vertraut,
55:46
das ist nichts, wo man sich mal eben so einliest und ich höre jetzt schon so raus,
55:50
das Projekt, was halt im Prinzip erst mal sagt, okay, hier gibt es irgendwie eine ganze Menge brauchbare, interessante Ansätze aus der Kryptographie,
55:58
die liegen auch schon eine Weile rum, das ist irgendwie abgehangenes Zeug,
56:02
wir sind bloß bisher noch nicht auf die Idee gekommen, die auch konkret in dieser Form zum Einsatz zu bringen,
56:07
wir sorgen jetzt mal dafür, dass es ein paar Werkzeuge gibt oder zumindest auch eine Dienstleistung,
56:13
auf die man zurückgreifen kann, um die dann zum Ansatz zu bringen.
56:21
Was ist jetzt sozusagen der Inhalt eures Projektes, inwiefern sind solche Dienstleistungen,
56:27
OpenSource-Lösung hast du schon angedeutet, Teil des Voranschreiten
56:33
und an wen wendet ihr euch überhaupt und für wen ist es jetzt im ersten Schritt erst mal gedacht?
56:38   hendrikballhausen
Ja, also wir wenden uns natürlich an die Medizininformatikinitiative,
56:44
also wir stehen natürlich unseren Kolleginnen und Kollegen jetzt primär auch zur Verfügung,
56:48
wo ja auch diese Verfahren getestet werden.
56:51
Wir stehen aber auch anderen Akteuren aus, ich sage mal jetzt,
56:54
ich möchte jetzt heute hier keine Namen nennen oder ich kann auch keine Namen nennen,
56:58
Akteuren aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor zur Verfügung.
57:04
Gibt es ja auch viele andere spannende Fragen, die man beantworten kann,
57:07
als nur mit Medizindaten, ich kann auch über Finanzdaten reden oder über Versicherungsdaten etc. pp.
57:13   timpritlove
Aber Medizin ist jetzt erst mal der Fokus?
57:15   hendrikballhausen
Nicht unbedingt, also den Algorithmen ist es völlig egal, wofür sie verwendet werden
57:20
und auch in unserem Projekt, was ja vom Stifterverband sehr großzügig jetzt auch für die nächsten drei Jahre finanziert ist,
57:26
haben wir auch den Auftrag, Domänen fern der Medizin, Showcases zu bauen.
57:33
Und da gucken wir uns auch kleine und mittlere Unternehmen an,
57:35
das sind ja auch typischerweise Bereiche, wo jetzt Daten fragmentiert vorliegen,
57:40
und da sind wir überhaupt nicht auf die Medizin festgelegt.
57:44
Auch da wieder, 90 Prozent der Probleme werden von zehn Prozent der Algorithmen erschlagen,
57:49
und so was wie Statistiken, Korrelationen, Listenvergleiche braucht man überall.
57:55
Und die Dienstleistung, so haben wir das noch nie formuliert, aber die Dienstleistung würde dann eben darin bestehen,
58:02
dass wir interessierten Parteien, so wie wir das ja heute auch schon tun,
58:06
ja zur Seite stehen würden, unser OpenSource-Projekt zu nutzen und weiterzuentwickeln.
58:10
Also die bekommen dann nicht nur den Code hingeworfen, sondern die würden wir dann sicherlich auch eingangs beraten.
58:17
Auch unabhängig beraten, weil das muss ja nicht unsere Lösung sein,
58:21
vielleicht gibt es ja für das Problem schon ein viel besseres Framework.
58:25
Aber wenn es dann unsere Lösung sein soll, dann würden wir die natürlich auch begleiten in der Umsetzung
58:29
und denen helfen, einen schönen Showcase zu bauen, aus dem dann am Ende alle lernen können.
58:36   timpritlove
Wer sollte denn jetzt hellhörig werden?
58:39   hendrikballhausen
Alle, die eigentlich gemerkt haben, dass es toll wäre, wenn sie sich mit anderen Dateneigentümern verschalten können,
58:45
zu denen sie bisher heute entweder noch kein Vertrauen haben, beispielsweise jetzt Konkurrenten,
58:49
oder wo sie merken, dass sie aufgrund gesetzlicher Basis noch nicht so wirklich die Grundlage haben,
58:57
um Daten gemeinsam zu verarbeiten.
59:00
Also eigentlich jeder, der sich fragen kann, habe ich Daten, die im Prinzip wertvoller würden,
59:05
wenn ich sie mit anderen Daten verheiraten würde.
59:07
Und natürlich, wo wir uns auch unheimlich wünschen, dass sie hellhörig werden,
59:10
das wären natürlich junge Gründerteams, die sagen, wir machen das jetzt zu einem Teil unserer Geschäftsidee,
59:15
zu einem Teil unseres Produktes, es muss ja gar nicht das ganze Produkt sein,
59:18
es kann ja nur ein Baustein sein, denn denen könnten wir auch tatsächlich auch finanziell helfen,
59:24
also denen würden wir dann auch helfen, den Businesscase zu schreiben,
59:26
denen würden wir helfen auch, wenn jetzt beispielsweise um diesen Code herum eine technische Lösung gebaut werden würde,
59:32
denen könnten wir da auch helfen, die Patentierung zu finanzieren und ähnliches.
59:38   timpritlove
Können wir vielleicht mal ein paar Beispiele uns noch mal ausdenken, wohin das so führen könnte,
59:42
so jenseits der medizinischen Beispiele, die wir schon gehabt haben?
59:46   hendrikballhausen
Ich bringe gerne mal so ein, zwei Beispiele, die wir auch mal gebrainstormt haben,
59:51
ohne jetzt irgendwie einen konkreten Interessenten zu benennen.
59:55
Man könnte sich überlegen, dass überall im Vertrieb, da gibt es häufig Vertriebe,
1:00:00
dass die Vertriebler Selbständige sind.
1:00:02
Das heißt, es gibt irgendwo einen großen Konzern und der hat ein Heer von Vertrieblern
1:00:07
und die sind aber eigentlich im Prinzip alles kleine Konkurrenten untereinander.
1:00:11
Jeder Vertriebler möchte gerne selber das neue Geschäft machen.
1:00:14
Andererseits würden diese Vertriebler unglaublich gerne voneinander lernen,
1:00:17
was ist eigentlich die best practice, wie machen das die anderen?
1:00:19
Wollen sich aber gegenseitig natürlich nicht die Daten zeigen lassen.
1:00:21
Also wieviele Minuten verbringe ich mit einem Kunden?
1:00:25
Wieviele Verträge schreibe ich pro Zeit?
1:00:26
Diese typischen Key Performance Indicators, wo normalerweise ein Unternehmensberater für viel Geld käme,
1:00:32
mit denen allen einzeln spricht und dann hinterher eine Präsentation für den Vorstand macht.
1:00:37
Das könnten diese Vertriebler jetzt auch untereinander machen, ohne eine dritte Partei zu brauchen.
1:00:43
Und man könnte Branchenbenchmarks machen, also ein Branchenverband könnte sagen,
1:00:47
wir wollen, auch ohne dass unsere Unternehmen, vielleicht sind es kleine Mittelständler,
1:00:51
ohne dass die jetzt einen teuren Berater einkaufen müssen, dass die sich einfach austauschen können.
1:00:56
Und da kann man natürlich jetzt so etwas schillerndere Beispiele bringen,
1:00:59
dass natürlich auch so Apps wie Tinder eigentlich letztlich nichts anderes sind,
1:01:05
als Leute dezentral irgendwie zusammenzubringen, ohne dass man sich jetzt der Peinlichkeit preisgibt,
1:01:10
sich gegenseitig zu verraten, wen man toll findet.
1:01:12
Also die Welt ist unglaublich weit.
1:01:16   timpritlove
Ich sehe eine Revolution im Datingservice.
1:01:21
Da braucht es natürlich dann auch Vertrauen.
1:01:24
Weil ich meine, wenn man heute angelaufen kommt und sagt, ja alles total sicher hier,
1:01:28
ist alles voll Kryptographie und so, gerade jetzt, wo die Welt in zunehmendem Maße merkt,
1:01:34
wie sie mit dem ganzen Kryptogeldwahnsinn über den Tisch gezogen wird,
1:01:39
da wird ja dann auch sehr viel Vertrauen auch gerade missbraucht und abgenutzt so, so was überhaupt noch zu glauben.
1:01:48   hendrikballhausen
Wenn man so ein Projekt aufzieht, dann sollte man das Stichwort Krypto besser nicht auf der Webseite haben,
1:01:53
sonst ist man schon mal falsch einsortiert.
1:01:56
Wenn man Kryptographie sagt, ist es schon etwas besser.
1:01:59
Wir sprechen eigentlich von verteiltem Rechnen und erklären den Leuten dann was wir meinen.
1:02:04
Was natürlich auch Vertrauen schafft ist, dass wir alles OpenSource haben.
1:02:11
Also es gibt nichts, was jetzt nur wir haben, was jemand anderes nicht hätte,
1:02:16
der das verwenden möchte, der Code ist online, der Code ist public, der Code ist free.
1:02:20
Es ist auch nicht so, die erste Frage, die immer kommt, müssen wir unsere Daten dann auf eure Server?
1:02:24
Nein, wir haben noch nicht mal Server.
1:02:26
Wir haben jetzt schon Server, aber das sind Testserver und die stellen wir kostenlos zur Verfügung
1:02:32
und wir schreiben in die Nutzungsrichtlinien, dass natürlich niemand irgendwelche sensitiven Daten hochladen kann.
1:02:36
Und das schafft natürlich Vertrauen.
1:02:41
Weiter Vertrauen schafft, dass wir öffentlich-rechtlich sind und öffentlich-rechtlich finanziert sind.
1:02:46
Wir machen keinen Profit damit.
1:02:48
Wir haben keine Daten, wir verarbeiten keine Daten.
1:02:50
Und wenn man dann mit den Leuten ins Gespräch kommt und insbesondere auch den Datenschützern das erklärt,
1:02:56
dann verstehen die das in der Regel schon.
1:02:59
Es ist allerdings natürlich wie gesagt es ist für jeden, der da irgendwie mitmacht,
1:03:04
es ist immer eine Abkehr vom Bisherigen.
1:03:06
Und auch für den Datenschützer, der jetzt völlig neu bewerten muss,
1:03:11
nicht ob er etwas darf, das muss er nach wie vor bewerten, sondern auch ob er etwas kann,
1:03:17
ob das Verfahren etwas kann, was das Verfahren verspricht.
1:03:20
Und das sind ja oft mathematische Beweise der Sicherheit.
1:03:24
Und andererseits man muss auch sagen, wir trauen ja auch proprietärer Software.
1:03:33
Wir vertrauen ja proprietären Anbietern an anderer Stelle viel viel viel mehr
1:03:39
und nutzen deren Systeme, ohne diese Frage überhaupt zu stellen.
1:03:41
Aber sobald jemand kommt und sagt, wir machen das jetzt auf sichere Art und Weise,
1:03:46
dann werden die Leute eigentlich erst hellhörig und fragen nach.
1:03:49
Aber ich glaube, wir können das sehr gut erklären.
1:03:51   timpritlove
Es braucht aber auf jeden Fall auch eine gewisse juristische Absicherung an der Stelle.
1:03:55
Weil wenn man das natürlich für sich selber, da kann ich mir alles mögliche herleiten,
1:03:59
ob das dann aber vor Gericht Bestand hat und ich nicht dann doch zu irgendetwas verdonnert werde,
1:04:04
das ist ja noch mal die andere Frage und das Vertrauen zu eurem Projekt ist natürlich das eine,
1:04:09
aber in dem Moment, wo dann halt wirklich ein Startup kommt und sagt,
1:04:11
oh super Idee, das bieten wir jetzt mal hier als Dienstleistung an,
1:04:14
greifen wir doch mal vielleicht das Beispiel mit diesen Branchenbenchmarks auf,
1:04:18
weil das kann man ja im Prinzip eigentlich auf alles so erweitern.
1:04:21
Wenn man jetzt also einen Branchenverband hat, der, was weiß ich, Textilindustrie oder keine Ahnung,
1:04:31
jetzt entsprechende Zahlen, die ja auch im Interesse der eigenen Branche sind erheben möchte,
1:04:37
und bedient sich jetzt vielleicht eines solchen Startups, was eben auf Basis eurer Ideen hier voranschreitet,
1:04:46
wie könnte denn das Startup dann sozusagen sicherstellen, dass dieser Branchenverband da sicher ist
1:04:52
und wie erklärt der Branchenverband das seiner Branche,
1:04:56
dass das sicher genug ist und dort keine Geschäftsgeheimnisse verraten werden?
1:05:02   hendrikballhausen
Also zunächst mal wird diese Initiative auch anwaltlich begleitet.
1:05:07
Also wir haben da einen Anwalt, der sich da in dieses Thema sehr tief eingearbeitet hat.
1:05:13
Du hast natürlich richtig gesagt, es ist noch nicht vor Gericht gewesen.
1:05:16
Also es gibt meines Wissens ein einziges EuGH-Urteil zu der Sache,
1:05:23
da ging es um, aber jetzt nicht aus Deutschland, sondern, ich glaube, es war Estland,
1:05:26
die da sehr viel weiter im, wie nennt man das, E-Government sind, das heißt,
1:05:30
dass die Bürger digital ihre Verwaltungsakte nutzen können.
1:05:37
Und es hat halt noch nie ein BGH geurteilt, es hat noch nie vor dem Deutschen Amtsgericht eine Zivilklage gegeben,
1:05:43
weil einer vom anderen was wollte daraus.
1:05:45
Insofern das einzige, was es gibt, sin anwaltliche Gutachten und die sagen eigentlich so grundsätzlich,
1:05:52
also der Grundtenor ist, es ist eine Verbesserung gegenüber dem Status quo datenschutzrechtlich,
1:06:00
aber die Akteure sind meistens noch in derselben Verantwortung, die sie ohne diese Verfahren hätten.
1:06:07
Das heißt, wo früher ein Kooperationsvertrag geschlossen werden musste,
1:06:12
muss auch heute noch ein Kooperationsvertrag geschlossen werden.
1:06:15
Wo man früher Terminus Technicus von einer gemeinsamen Datenverarbeitung in gemeinsamer Verantwortung gesprochen hätte,
1:06:24
würde man auch heute noch davon sprechen, auch ohne dass die Leute gegenseitig ihre Daten sehen.
1:06:30
Jetzt hast du nach dem Startup gefragt.
1:06:33
Startups scheinen das Problem irgendwie weniger zu haben, die sind meistens sehr risikoaffig.
1:06:38
Also ein Startup, das jetzt wegen einem Datenschutzskandal pleite geht,
1:06:43
das gibt es schon, das gibt es aber auch ohne unsere Verfahren,
1:06:47
das gibt es dann vielleicht mit unseren Verfahren ein bisschen seltener.
1:06:50
Und der Branchenverband, letztlich ist das auch wieder Vertrauen.
1:06:54
Das Startup muss halt vertrauenswürdig gegenüber dem Branchenverband auftreten,
1:06:59
muss es denen erklären, muss auch die eigenen Interessen offenlegen
1:07:04
und der Branchenverband ist dann hoffentlich gegenüber seinen Mitgliedern auch in einer Position,
1:07:08
dass die dem trauen, dass wenn der Vorstand da etwas für gut befunden hat,
1:07:12
dass man dem auch folgen kann.
1:07:15
Aber da gibt es jetzt keine Deus ex Machina Lösung, sondern das ist letztlich,
1:07:20
das sind wieder Menschen, das sind Prozesse, es sind Abstimmungen
1:07:23
und am Ende des Tages auch dort Vertrauen.
1:07:26   timpritlove
Ja bzw. muss man wahrscheinlich auch in die eigene Forschung gehen.
1:07:31
Ich meine, man kann ja immer so den aktuellen Hypes hinterherlaufen,
1:07:33
aber man kann vielleicht auch einfach mal schauen, okay, was sind denn eigentlich unsere tatsächlichen Bedarfe
1:07:38
und dass der Bedarf an Datenauswertung immer da ist, auf die ein oder andere Art und Weise,
1:07:45
haben wir ja schon festgestellt und das würde ja dann letzten Endes bedeuten,
1:07:49
dass solche, ich finde dieses Branchenbeispiel irgendwie sehr gut, weil das ganz illustriert,
1:07:55
okay, wir wollen für uns Daten machen, aber ihr vertraut einander eigentlich nicht,
1:08:00
ihr wollt uns die Daten nicht rausrücken, so, trotzdem wäre es schön,
1:08:05
wenn wir für uns alle eine Statistik haben, wie es denn eigentlich ist, weil das ja für uns auch ein politisches Argument Dritten gegenüber ist.
1:08:12   hendrikballhausen
Absolut.
1:08:13   timpritlove
So und deswegen könnte man dann ja auch argumentieren, okay, ihr versteht das jetzt vielleicht alles noch nicht
1:08:18
und ihr habt da irgendwie juristische Bedenken, naja dann schafft euch doch mal die Kompetenz auch ran
1:08:26
und macht eine Abteilung dafür, die sich damit beschäftigt und vielleicht liegt das auch noch ein paar Jahre in der Zukunft,
1:08:33
aber im Prinzip müsstet ihr diesen Weg gehen, weil auf der anderen Seite leuchtet halt das Licht am Ende des Tunnels,
1:08:39
was dann eben heißt, ihr könnt Auswertungen machen, die ihr derzeit einfach gar nicht machen könnt.
1:08:44   hendrikballhausen
Ja oder für viel Geld, also es hat ja auch sozusagen der einzelne Betrieb hätte ja auch einen Vorteil.
1:08:50
Also das klassische Modell ist ja eigentlich der Unternehmensberater,
1:08:54
der einmal im Kreis zwischen diesen Firmen durchläuft und am Ende bekommt dann jeder diesen typischen Barplot,
1:08:59
wo man dann 20 eingegraute Säulen sieht und eine Säule ist eingefärbt
1:09:03
und dann wird einem verraten, das bist du und du kannst jetzt sehen,
1:09:07
wie du sozusagen unter deinen Mitbewerbern stehst, aber du weißt nicht, wer sind die anderen.
1:09:11
Auch da übrigens differential privacy wird dann immer gerundet und verrauscht bei den anderen Säulen.
1:09:17
Die spannende Frage ist, du sagst jetzt, schafft euch die Kompetenzen.
1:09:21
Das ist eben die Frage, wie häufig wird das denn gebraucht?
1:09:24
Also ich würde mal sagen, von einem kleinen Mittelständler kann man das sicherlich nicht verlangen,
1:09:29
in dem Bereich Kompetenzen zu erwerben, auch selbst von dem Branchenverband.
1:09:33
Es ist ja schon sehr speziell.
1:09:34
Es ist halt die Frage, ob es in Zukunft vielleicht auch Berater gibt, die sagen,
1:09:41
es gibt auch erste Berater, also ich will jetzt hier keine Namen nennen,
1:09:45
aber es gibt unter den großen Technologieberatern gibt es halt eine Firma,
1:09:49
die sich damit seit ein paar Jahren schon beschäftigt und diese Verfahren auch kennt
1:09:52
und auch ihre Klienten darüber informiert, dass man diese Verfahren nutzen kann.
1:10:00   timpritlove
Ja, ich meine ja nicht, dass jetzt jeder Branchenverband jetzt ein komplettes Kompetenzzentrum aufbauen muss,
1:10:08
sondern es reicht ja oft schon, dass man überhaupt erst mal Leute festgebunden in einer Struktur hat,
1:10:15
die sich damit hauptamtlich beschäftigen, das zu verstehen.
1:10:18
Also dass man einfach überhaupt erst mal so eine Vertrauensperson im eigenen Apparat hat,
1:10:23
wo man sagen kann, hast du dir das schon mal angeschaut, ist das was für uns oder ist das nichts.
1:10:30
Was man sich zum Beispiel bei dieser Blockchain häufiger mal wünschen würde,
1:10:33
dass solche Kompetenzzentren existieren, um halt einfach mal zu sehen, worum es sich dabei wirklich handelt.
1:10:38
Anstatt eben einfach immer nur dem aktuellen Hype so hinterher zu hecheln und der einzige Maßstab ist,
1:10:44
aber alle anderen reden ja auch darüber, also muss es toll sein.
1:10:48   hendrikballhausen
Da wären vermutlich die Datenschutzbeauftragten schon genau die richtigen Personen
1:10:52
und die gibt es ja auch in vielen Strukturen schon.
1:10:55   timpritlove
Das stimmt natürlich.
1:10:56   hendrikballhausen
Und das sind eigentlich auch nicht die, die dafür bekannt wären, dass sie jedem Trend hinterherlaufen,
1:11:00
sondern die eigentlich eher darauf bedacht sind, ihre Formalismen auch zu wahren.
1:11:05
Das ist eigentlich ein guter Gedanke, ich würde mir den auch gerne mitnehmen,
1:11:08
dass man vielleicht darauf setzt, dass diese Zusammenarbeit von den domänenspezifischen Datenschutzbeauftragten,
1:11:17
die ja auch auf der anderen Seite ihre Daten sehr gut verstehen,
1:11:20
und dass es dann vielleicht so Startups gäbe, die halt so branchenspezifische Lösungen anbieten,
1:11:27
die dann wirklich einfach genug sind, am Ende des Tages muss es ja wirklich auch ein Programm sein, das läuft.
1:11:32
Also unser OpenSource-Projekt das sind Bibliotheken, das wendet sich aber nicht an Anwender,
1:11:36
das wendet sich wieder an Programmierer.
1:11:40
Und wir haben uns schon sehr viel Mühe gegeben, beispielsweise auch, ohne jetzt zu technisch zu werden,
1:11:47
wir haben unsere Bibliothek so erweitert, dass man damit auch Webseiten bauen kann.
1:11:51
Das heißt, man muss gar nicht mehr unbedingt jetzt ein Programm bauen,
1:11:55
da muss nicht irgendwo ein komplexer Server mit einer komplexen Anwendung laufen,
1:12:00
sondern man kann auch einfach zwei Webseiten miteinander rechnen lassen.
1:12:03
Das heißt, du hast deinen Browser offen, ich habe meinen Browser offen, dritte Person hat ihren Browser offen,
1:12:07
und dann können wir genau das machen.
1:12:09
Und dann müsste so ein Startup eigentlich nichts anderes machen als sagen,
1:12:13
wir bauen jetzt eine schöne Webseite, irgendwie branchenspezifisch, je nachdem
1:12:18
ob es jetzt Agrar ist oder Stahl ist, sondern irgendwie vielleicht in grün oder grau gehalten
1:12:25
und in dem Nutzerinterface, natürlich auch entsprechende sozusagen Zugangskontrollen,
1:12:32
und dann könnte man auch einfach Webseiten bauen, die das machen.
1:12:34
Und das wäre dann schon viel zugänglicher als den Leuten zu sagen,
1:12:38
ihr braucht jetzt einen total komplizierten TechStack(?), ihr braucht einen schwierigen Server
1:12:44
mit einem bestimmten Betriebssystem, das war auch übrigens einer,
1:12:46
wenn ich das noch sagen darf, einer unserer Ansätze, warum Federates Secure Computing,
1:12:52
was ist die Federation darin?
1:12:54
Wir wollen halt auch unterschiedliche Systeme zusammenbringen.
1:12:57
Wenn man einen Branchenverband hat mit vielleicht 40 Mitgliedsunternehmen,
1:13:02
dann werden die unterschiedliche IT-Systeme haben.
1:13:05
Und das sehen wir zum Beispiel auch in der Medizininformatikinitiative,
1:13:10
da gemeinsame Standars zu schaffen, hat Jahre gedauert.
1:13:14
Das heißt, jetzt 40 Leuten zu sagen, ihr braucht dasselbe Betriebssystem
1:13:16
und ihr braucht noch denselben Technologie Stack(?) und so weiter und so fort.
1:13:19   timpritlove
Datenformate.
1:13:21   hendrikballhausen
Datenformate, geht gar nicht.
1:13:25
Deswegen eben dieser Ansatz, ihr könnt das programmieren mit was ihr wollt,
1:13:28
wir haben Clients für alle Sprachen, es ist betriebssystemunabhängig,
1:13:32
es läuft selbst auf meinem Android-Smartphone, ich habe es auf meinem Android-Smartphone,
1:13:35
da läuft es ganz genauso drauf, es läuft inzwischen auch auf dem Rasperry Pie,
1:13:38
also es können auch Schüler, Schulen können das vielleicht auch mal gerne ausprobieren.
1:13:43
Und das ist noch eben so ein wichtiger Punkt, use what you have
1:13:47
und verwendet weiter das, was ihr kennt.
1:13:49
Auch damit alleine sind schon Hürden abgebaut.
1:13:52
Und das ist letztlich das, was wir mit unserem Projekt wollen,
1:13:54
Hürden abbauen, Hürden, abbauen, Hürden abbauen und Awareness schaffen.
1:13:58   timpritlove
Und am Ende braucht es eigentlich nur noch so eine kollektive Taxonomie,
1:14:01
in der man dann halt die tatsächlichen Daten dann so berechnet und zusammenführt,
1:14:06
wie man sie dann eben gerne hätte, aber man muss nicht an den eigenen Datenbeständen groß was ändern.
1:14:10   hendrikballhausen
Richtig.
1:14:11   timpritlove
Man muss sie nur in dem Moment, wo diese Berechnungen durchgeführt werden,
1:14:15
die Daten eingesammelt werden, entsprechend abbilden können und selber auch lokal prozessieren können.
1:14:20   hendrikballhausen
Ja, richtig.
1:14:25   timpritlove
Na, das klingt doch alles nach blühenden Landschaften.
1:14:30   hendrikballhausen
Ja, wir hoffen, wir haben jetzt drei Jahre Zeit, dass das funktionieren kann
1:14:35
und wir freuen uns natürlich auf und über jeden Interessenten.
1:14:43   timpritlove
Also die drei Jahre, die jetzt durch die Wirkung hoch 100 Preis finanziert wurde vom Stifterverband.
1:14:49   hendrikballhausen
Ganz genau.
1:14:50
Wir würden natürlich auch versuchen, uns durch andere Drittmittelantragstellungen querzufinanzieren.
1:14:56
Also wir sehen das jetzt schon in der Medizin natürlich, wenn es jetzt andere Drittmittelprojekte gibt,
1:15:02
die das auch verwenden, dann sorgen wir dafür, dass da ein bisschen was zurückfließt.
1:15:06
Gar nicht jetzt aus Profitinteresse, sondern einfach um den Topf dieses Drittmittelprojektes weiter zu stärken.
1:15:14
Aber das allermeiste kommt im Moment vom Stifterverband und das ist auch genau das richtige Format,
1:15:20
um eben jetzt diese Showcases darzustellen.
1:15:25   timpritlove
Und wird dann die LMU die erste sein, die das auch wirklich zur Anwendung bringt?
1:15:29   hendrikballhausen
Na, die LMU hat es ja schon verwandt die die Charité hat es auch verwandt
1:15:33
und einige andere Universitäten.
1:15:35
Tatsächlich würden wir uns jetzt ganz besonders freuen, wenn ein, zwei dieser Ideen,
1:15:41
die wir jetzt in diesem, sage ich mal, Spannungsfeld von Public Sector, Private Sector stattfinden, funktionieren würden.
1:15:49
Da gibt es interessante Usecases aus der Automobilindustrie,
1:15:55
da gibt es ja zum Beispiel auch am Horizont dieses Gaia X, diese europäische Cloud-Plattform,
1:16:01
die ja eigentlich eher ein gemeinsames Arbeiten auch an Protokollen und Formaten ist,
1:16:08
da würde es sehr gut hineinpassen.
1:16:11
Aber letztendlich muss ich ganz ehrlich sagen, ich würde mich im Moment am allerallerallermeisten freuen,
1:16:17
wenn wirklich ein junges Gründerteam kommt oder ein kleiner Mittelständler,
1:16:21
der sagt, das ist genau das, was wir gesucht haben und wir bauen jetzt eine ganz knackige,
1:16:27
konkrete, spannende Anwendung da drum herum.
1:16:32
Das wäre eigentlich das, was mich persönlich am meisten freuen würde.
1:16:36   timpritlove
Gibt es alles auf FederatedSecure.com
1:16:40   hendrikballhausen
FederatedSecure.com, das ist unsere Landingpage, gerne hinschauen
1:16:43
oder für die Leute, die jetzt nah an den Keyboards sitzen und programmieren wollen,
1:16:49
auf Github FDRTD, federated ist die Sammlung unserer Repositorien(?)
1:16:55
und jederzeit gerne mitmachen, unser Projekt wächst und gedeiht natürlich auch nur mit Leuten,
1:17:02
nicht nur die das benutzen, sondern die dann auch zurückgeben,
1:17:06
genau das ist ja auch die Philosophie eines OpenSource-Projektes.
1:17:09   timpritlove
Genau.
1:17:10
Ja, würde ich sagen, haben wir alles zusammengefegt oder, was man hierzu sagen kann?
1:17:18   hendrikballhausen
Ganz herzlichen Dank.
1:17:19   timpritlove
Ja, ich habe zu danken.
1:17:21
Ja, und ich danke auch fürs Zuhören hier bei Forschergeist.
1:17:25
Das war die 95. Ausgabe und hier geht es bald wieder weiter.
1:17:30
Bis dahin sage ich, tschüss und bis bald.