Asymmetrische Paarungen: Als sich unsere Vorfahren mit Neandertalern kreuzten, waren die Rollen ungleich verteilt. Denn Neandertaler-Männer paarten sich häufiger mit Homo-sapiens-Frauen als umgekehrt, wie die X-Chromosomen beider Arten verraten. Bei uns gibt es dort fast keine DNA-Abschnitte von Neandertalern, bei einigen Neandertalern dafür umso mehr. Dies spricht für prähistorische „Seitensprünge“ mit asymmetrischer Geschlechterverteilung, wie Forschende in „Science“ berichten.
Die meisten Europäer und Asiaten tragen Anteile von Neandertaler-DNA im Erbgut. Sie zeugen von Seitensprüngen unserer Vorfahren mit den ausgestorbenen Frühmenschen. Diese Paarungen kamen auch nach Ankunft des Homo sapiens in Europa vor rund 50.000 Jahren vor. Viele der dabei vererbten Neandertalergene sind bis heute in uns aktiv. Sie helfen beim Fettabbau, stärken unser Immunsystem und verleihen uns unsere helle Haut.

„Neandertaler-Wüste“ auf unserem X-Chromosom
Das Merkwürdige jedoch: Die Neandertaler-DNA ist in unserem Erbgut nicht gleichmäßig verteilt. Stattdessen gibt es ausgedehnte Genombereiche, die keine oder fast keine Neandertaler-DNA enthalten. Eine dieser „Neandertaler-Wüsten“ liegt auf dem weiblichen X-Chromosom. „Jahrelang gingen wir davon aus, dass diese Wüsten entstanden sind, weil bestimmte Neandertaler-Gene für Menschen biologisch ‚toxisch‘ waren“, erklärt Erstautor Alexander Platt von der University of Pennsylvania in Philadelphia.
Allerdings: Wenn eine solche Inkompatibilität und die natürliche Selektion hinter der Ungleichverteilung stecken, müsste dies auf Gegenseitigkeit beruhen: Auch bei den Neandertaler-Abkömmlingen solcher frühen Vermischungen müsste es „Wüsten“ ohne Homo sapiens-DNA geben – und auch diese müssten sich vorwiegend auf dem weiblichen X-Chromosom konzentrieren, wie die Froschenden erklären.








